Kräuter und Gewürze spielen im Ayurveda eine zentrale Rolle bei Behandlungen von akuten Beschwerden und Kuren. Sie sind aber auch für die Behandlung und Vorbeugung von kleineren Beschwerden geeignet. Einfache in ihrer Anwendung ein natürlicher und praktischer Teil jeder Hausapotheke.

Brahmi, das Nabelkraut

für den gesunden Geist

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: leicht

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Brahmi gilt in Indien als heilig und wird verehrt wie keine zweite Pflanze. Im Ayurveda wird es als Nerventonikum zur Steigerung der Aufnahme und Konzentration und zum Ausgleich der Gemütslage eingesetzt.

Anwendungsmöglichkeiten bieten sich in jedem Alter:
von überaktiven Kindern über Studenten in Prüfungszeiten, Frauen mit Gemütsschwankungen in den Wechseljahren bis zur Demenzprophylaxe bei alten Menschen.

Im Handel verfügbar: Kräuterpulver (Churna), Extrakt-Presslinge, Kräuterwein (Saraswatarishta).

Anwendung:
Rühren Sie 1 Teelöffel Pulver (Brahmi Churna) täglich in ein Glas heißes Wasser oder Milch ein und fügen Sie einen halben Teelöffel Ghee hinzu. Alternativ können Sie auch 40ml des Kräuterweins Saraswatarishta zur Entspannung am Abend genießen.

Flohsamenschalen, Sat Isabgol

für Ihre Darmgesundheit

Geschmack: süß

Eigenschaften: schwer, ölig, schleimig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: Vata und Pitta reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Flohsamen gilt als Quellstoffsubstanz, da sie in Verbindung mit Wasser aufquillt. Diese Wirkung hilft Ihrem Darm, einen höheren Dehnungsreiz zu erzeugen und damit den Stuhlgang zu fördern oder zu viel Wasser bei Durchfall zu binden. Seine Schleimstoffe pflegen die Schleimhäute im ganzen Magen-Darm-Trakt.

Im Handel verfügbar sind die Flohsamenschalen. Achten Sie darauf, dass diese möglichst fein aufgespalten sind, da ansonsten Blähungen entstehen können.

Anwendung:
1 – 2 Esslöffel mit 300ml Wasser schnell trinken, um die tieferen Darmabschnitte zu erreichen und dort aufzuquellen. Möchten Sie den Stuhl binden, sollte die Wassermenge nur die Hälfte betragen. Sie können die Flohsamenschalen auch in ein morgendliches Müsli einfügen.

Guduchi, der Schützer

für das Immunsystem

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: schwer, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Die Rankpflanze Guduchi ist ein wahrer Allrounder. Sie stärkt das Immunsystem und beugt somit lästigen Infekten vor. Ihre Bitterstoffe werden besonders von der Leber geschätzt, unterstützen die Verdauung und reinigen das Blut und die Körpersäfte. Im traditionellen Ayurveda gilt Guduchi als große Hautheilpflanze.

Im Handel verfügbar: Kräuterpulver (Churna), Extrakt-Presslinge

Anwendung:
Verrühren Sie 1 Teelöffel des Pulvers (Guduchi Churna) in einem Glas warmen Wasser und trinken Sie dieses morgens. Den bitteren Geschmack können Sie durch das Kauen einiger Kardamom- oder Fenchelsamen danach schnell regulieren. Vor allem in den infektreichen Wintermonaten ein wahrer Beschützer!

Guggulu, die indische Myrrhe

für den gesunden Stoffwechsel

Geschmack: bitter, herb, scharf

Eigenschaften: nicht-schleimig, trocken, subtil, leicht, spitz, rau

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Das Myrrhenharz Guggulu genießt im klassischen Ayurveda eine Sonderstellung und gilt als das wichtigste Mittel für den gesunden Stoffwechsel. Es hilft in der Gewichtsreduktion, verbessert das Fließverhalten des Blutes, korrigiert Blutfette, wirkt entzündungshemmend in Gelenken, der Muskulatur und der Haut. Auch zur Behandlung der bekannten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck kommt das Harz traditionell zum Einsatz.

Im Handel verfügbar sind vor allem Kombinationen auf Basis von Guggulu: die bekanntesten sind Kaishora Guggulu, Kancanara Guggulu, Yogaraja Guggulu, Gokshuradi Guggulu, Triphala Guggulu und Punarnavadi Guggulu.

Von einer Selbstanwendung ist klar abzuraten – stimmen Sie das geeignete Guggulu-Produkt mit Ihrem Ayurveda Therapeuten ab, um die richtige Wahl zu treffen.

Haritaki, die Wunderfrucht

für eine gesunde Darmentleerung

Geschmack: alle außer salzig

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Haritaki gilt als Magen-Darm-Spezialist, da sie ungekocht den Stuhlgang fördert und abgekocht diesen hemmt – und das ohne Nebenwirkungen. Im Ayurveda gilt sie zudem traditionell als Anti-Aging-Mittel und Nerventonikum. Sie ist Bestandteil der Dreifruchtmischung Triphala.

Im Handel verfügbar sind das Fruchtpulver (Churna) und der Kräuterwein (Abhayarishta). Haritaki ist wie Amalaki Bestandteil der Dreifruchtmischung Triphala.

Anwendung:
Ihr Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, die gesundheitsfördernde Wirkung möchte man aber nach dem
Kennenlernen nicht mehr missen. Rühren Sie täglich einen Teelöffel in einem Glas warmem Wasser ein, um die Verdauung anzuregen. Um zu lockeren Stuhl zu binden, können Sie die gleiche Menge 5 – 10 Minuten köcheln. Alternativ steht auch der Kräuterwein mit 40ml täglich, verdünnt mit der gleichen Menge Wasser, zur Verfügung.

Kurkuma, die Gelbwurz

der Entzündungshemmer

Geschmack: bitter, scharf

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Zu kaum einer Pflanze wurden mehr wissenschaftliche Studien (über 1000) durchgeführt. Kurkuma, das gelbe Gold Südasiens reinigt das Blut und wirkt Entzündungen entgegen. Es schützt die Leber, stärkt das Immunsystem und wirkt vielen Mikroorganismen entgegen. Ein tolles Hausmittel bei Wunden und Hautreaktionen sowie Infekten der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes.

Im Handel verfügbar: Gewürzpulver, Extrakt-Presslinge

Anwendung:
Bauen Sie präventiv Kurkuma täglich in Ihre Ernährung ein. Gemüsegerichte lassen sich wunderbar mit Kokosmilch und Kurkuma zu traumhaften Curries verwandeln. Bei akuten Infekten 3x täglich einen halben Teelöffel zusammen mit einer Messerspitze Pippali-Langpfeffer in warmem Wasser eingerührt trinken. Alternativ können Sie auch 3x täglich je 2 – 3 Presslinge einnehmen, wenn Ihnen der Geschmack zu intensiv ist. Äußerlich mit Honig oder Aloe Vera Gel verrührt zeigt die Gelbwurz exzellente Resultate bei Wunden und Hautausschlägen – aber Vorsicht: die färbende Wirkung auf Textilien ist enorm, also besser die betroffene Stelle bandagieren…

Nimba, der Nimbaum

das beste natürliche Antimikrobiotikum

Geschmack: bitter, herb

Eigenschaften: leicht, trocken

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: Kapha und Pitta reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Längst hat Nimba, oft auch Neem genannt, Einzug in Pflanzenschutzmittel, Milbensprays und Kosmetikprodukte gehalten. Und das zu Recht – ist seine Wirkung gegen zahlreiche Bakterien, Pilze und Parasiten doch wissenschaftlich erwiesen. Bei akuten Magen-Darm- und Hautinfektionen hat sich Neem seit Jahrhunderten bewährt.

Im Handel verfügbar: Kräuterpulver (Churna), Extrakt-Presslinge

Anwendung:
Die Dauer einer Anwendung sollte maximal vier Wochen betragen, Schwangere sollten von einer Einnahme absehen. Rühren Sie 1 – 3x täglich je einen halben Teelöffel des Pulvers (Nimba Churna) in ein Glas Wasser ein und trinken Sie dieses. Auch die äußerliche Anwendung von Neempulver mit Aloe Vera Gel zu einer Paste verrührt hilft bei Sonnenbrand und Entzündungen.

Pippali, der Langpfeffer

für Ihre freie Atmung

Geschmack: scharf

Eigenschaften: leicht, ölig, spitz

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: leicht erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke:
Pippali gilt zusammen mit Ingwer als eine der besten Gewürzpflanzen bei Erkältungsinfekten. Er reduziert Schleim und fördert dessen Auswurf. Er regt das Verdauungsfeuer (Agni) an und verbrennt Rückstände aus unzureichender Verdauung (Ama). Im Unterschied zu anderen scharfen Gewürzen wie Chili oder Senf reizt Pippali kaum Schleimhäute, was auch eine längerfristige Anwendung ermöglicht.

Im Handel verfügbar sind das Gewürzpulver (Churna), Extrakt-Presslinge und der Kräuterwein (Pippalyadiasava). Pippali ist Bestandteil der berühmtesten ayurvedischen
Gewürzmischung Trikatu.

Anwendung:
Schleim setzt sich gerne nachts in den Atemwegen und Nasennebenhöhlen fest, daher ist eine morgendliche Gabe von Pippali besonders wirksam. Vermischen Sie ½ Teelöffel des Pulvers (Pippali Churna) mit 1 Teelöffel dunklem Honig (am besten Thymianhonig) und rühren Sie diesen in lauwarmes Wasser oder Ingwertee ein. Bei Bedarf kann diese Gabe 3x täglich wiederholt
werden.

Teil 1 der Ayurveda Hausapotheke
Teil 3 der Ayurveda Hausapotheke

Ayurveda Journal 41 · Seite 16 – 26

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