Schon vor Tausenden Jahren diente die Aloe Vera in der medizinischen Therapie. Im Ayurveda gilt sie als kühlend und gut für Leberregeneration. Ein Gespräch mit der Expertin Margot Esser über die Vorzüge der vielseitigen Pflanze.

Frau Esser, Sie haben eine ganz besondere Beziehung zu Aloe Vera.

Ja, ich habe dieser erstaunlichen Pflanze sehr viel zu verdanken. Persönlich und seit 28 Jahren bereits auch beruflich.

Was war passiert?

Es war wie wohl oft im Leben, wenn man etwas macht, das nicht der Bestimmung entspricht: Der Auslöser für eine Veränderung kommt unverhofft. Während einer Reise in den USA hatte ich einen Unfall und erlitt sehr schwere Verbrennungen an Gesicht und Oberkörper. Zwei Amerikaner halfen mir und brachten mich in die nächste naturheilkundliche und schamanische Praxis. Dort wurde ich über Wochen mit frischem Gel aus der Aloe Vera Pflanze behandelt, innerlich und äußerlich. Das Gel kühlt und hatte eine stark schmerzstillende Wirkung. Immer wieder wurden die Wunden versorgt und gleichzeitig lutschte ich Stückchen für Stückchen frisches Gel. Nach einigen Wochen schlossen sich die Wunden, hinterließen keine Narben, und neues Gewebe bildete sich. Das schien mir wie ein Wunder.

Also wollten Sie etwas aus Ihren Erfahrungen machen?

Ja, dieser Unfall ist jetzt 30 Jahre her. Damals war mir klar: Wenn Pflanzen so eine regenative Kraft haben, dann will ich nicht mehr in der Pharma-Industrie arbeiten, sondern mich mit Naturheilmitteln und Heilkunst beschäftigen. Mein Unternehmen baut diese außergewöhnliche Pflanze an, die für die Gesundheit und Schönheit des Menschen von jeher eine große Bedeutung hat. Wir haben mittlerweile sehr viel Forschungs- und Pionierarbeit geleistet. So bauen wir die Pflanzen an besonders energiereichen Orten an. Dort arbeiten wir ausschließlich mit Kleinbauern zusammen, die konsequent ökologisch und mit großer Liebe die Pflanzen pflegen und damit die gewünschte Qualität gewährleisten.

Welche Bedeutung hat Aloe Vera denn für die ayurvedische Medizin?

Wenn es sich um das reine Gel der Aloe Vera aus der Aloe Barbadensis Miller handelt, hat es folgende Wirkung: entzündungshemmend, kühlend und erfrischend, die Haut und das Gewebe regenerierend, beruhigend und harmonisierend. Zudem ist sie intensiv feuchtigkeitsspendend sowie antibakteriell.

Aloe Vera kühlt – aber woher kommt das Image als Feuchtigkeitsspender?

Das reine Aloe Vera Pflanzengel besteht zu 100 Prozent aus Feuchtigkeit, und in dieser Feuchtigkeit sind Hunderte von Wirkstoffen als Netzwerk gebunden. Dazu gehören Kalium und Natrium im richtigen Verhältnis zueinander, wichtige Enzyme wie die Bradykinase und vor allem Polysaccharide mit ihren Glykonährstoffen, die für die Zellkommunikation verantwortlich sind. Das reine Aloe Vera Gel zieht sofort tief in die Haut ein und führt Reparaturvorgänge an der Zellmembran durch.

Welche qualitativen Unterschiede gibt es?

Jede Region bringt andere Pflanzen hervor – genau wie Wein. Zunächst einmal ist wichtig, um welche Art der Aloe Vera es sich handelt, wo, wie und wer sie anbaut.

Wir haben die beste Qualität, wirkstoff- und energiereich, im mexikanischen Yucatan bei den Mayabauern, in Kuba, in Guatemala und in Ecuador gefunden. Dort gibt es das ideale Klima in Kombination mit wunderbarem Boden, und vor allem bietet die Mischkultur ideale Voraussetzungen. Überall in der Welt wird überwiegend in Monokultur angebaut, die Pflanzen sind der sengenden Sonne ausgesetzt. Dann benötigen sie das Gel für den eigenen Schutz. In der Monokultur müssen logischerweise dann auch Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Was ist bei der Herstellung und Verarbeitung zu beachten?

Für die weitere Qualität ist der dann folgende Verarbeitungsprozess entscheidend. Werden die Blätter gepresst, oder wird das Gel innen von Hand ausgeschält? Verfahren, die die komplexen Wirkstoffe erhalten, haben ihren Preis. Aber es lohnt sich.

Was kann die Pflanze innerlich bewirken Ihrer Meinung nach?

Schneidet man eine Aloe-Vera-Pflanze an, so gibt uns das Gel mit seiner hohen Viskosität bereits einen Hinweis auf die Wirkung, nämlich auf die Haut. Auf die äußere Haut und die inneren Schleimhäute. In unserem Organismus sind Nase und Mund, Speiseröhre, Magen, Dünndarm und Dickdarm, insgesamt der gesamte Verdauungstrakt mit Schleimhaut ausgekleidet. Sie ist die innere Schutzhülle unseres Organismus, so wie unsere Haut die äußere Schutzhülle ist. Die innere Schutzhülle im Verdauungstrakt, vor allem im Dünndarm, ist in hohem Maße für ein stabiles und aktives Immunsystem des Menschen verantwortlich.

Besonders in der Krebstherapie konnten wir in den vergangenen 15 Jahren feststellen, wie Chemo und Bestrahlung die Schleimhäute angreifen. Wenn die Patienten begleitend den Aloe-Vera-Saft zu sich nahmen, konnten sie die harmonisierende Wirkung rasch spüren.

Und wann nutzen Sie persönlich Aloe Vera?

Jeden Tag wende ich sie an und spüre ihre Regenerationskraft und feuchtigkeitsspendende Wirkung für meine Haut. Innen und außen. Den Aloe-Vera-Saft nehme ich dann, wenn es mir nicht gut geht. Bei ersten Anzeichen eines Infektes trinke ich ihn über den Tag verteilt schluckweise. Während des Klimakteriums konnte ich so die Hitzewallungen beherrschen.

Ayurveda Journal 38 · Seite 14 – 15

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