Klarheit und Widerstandsfähigkeit für den Geist

Heiße Milch mit Honig: Schon als Kind war das der Schlummertrunk, der mich ins Land der Träume führte. Die Kühe standen nebenan auf der Weide und ernährten sich ausschließlich von saftigem Gras und gesunden Kräutern. Abends kamen sie in den Stall und wurden gemolken. Der Imker im Dorf versorgte uns mit Honig. Ayurveda-Kenner wissen: Warme Kuhmilch wirkt beruhigend, herzstärkend und nährend. Frische Biomilch gilt im Ayurveda als wertvolles Lebensmittel, welches Sattva im Geist fördert; also ein Lebensmittel, das zu Klarheit verhilft, zu Mitgefühl befähigt und Ausgeglichenheit und Widerstandsfähigkeit bei Stress unterstützt. Auch gehört Milch zu den sogenannten Verjüngungsmitteln, den Rasayanas. Ganz allgemein besteht eine sattvische Ernährung aus hochwertiger, frischer und vitalstoffreicher Nahrung (z. B. aus biodynamischer Erzeugung; Dosennahrung, aufgewärmte Reste und in der Mikrowelle Zubereitetes gilt als tot), deren liebevoller Zubereitung und einem Verzehr in angenehmer Atmosphäre. In der sattvischen Ernährung werden Fleisch, Fisch und Eier strikt gemieden, sodass die einzigen Quellen tierischen Eiweißes Milch und Milchprodukte sind. Hier gilt der Grundsatz: Je stärker Milch und Milchprodukte erhitzt und verarbeitet werden, desto weniger sattvische Qualitäten haben sie. Auch Hormone und Antibiotika schaden der Milchqualität und machen sie schlechter verdaulich. Bevorzugen Sie deshalb möglichst Biorohmilch und deren Produkte aus ihrer Region von Tieren aus artgerechter Haltung.

Welches Milchprodukt passt zu mir?

Kuhmilch

Abgekochte, warme, frische Biomilch vom regionalen Bauernhof ist ein hervorragendes Beruhigungsmittel für alle Vata-Konstitutionen. Sie fördert die natürliche Intelligenz und ist äußerst nützlich für die mentale Stabilität. Warme Milch gleicht alle Doshas aus, sollte aber bei viel Kapha nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Kalte Milch kann schädlich wirken. Durch ihre feuchten und schweren Eigenschaften kann sie die Zirkulationskanäle verstopfen und den Körper verschleimen. Dies verschlimmert viele chronische Krankheiten wie Asthma, Rheumatismus, Allergien, Arthritis oder Herzerkrankungen. Verstärkt wird diese Wirkung noch durch die falsche Kombination von Milch mit anderen Nahrungsmitteln. Milch sollte nicht zusammen mit Fleisch, Fisch, Eiern, sauren Früchten, Joghurt oder salzigen Speisen kombiniert werden. Gut passen Milch und Milchprodukte zu süßen, ungeschwefelten Trockenfrüchten, stärkehaltigem Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Die schleimgebenden Eigenschaften der Milch können mit Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Zimt und Kurkuma neutralisiert werden. Andere Gewürze wie Ashvagandha, Shatavari, Beinwellwurzel und Ginseng verstärken die verjüngenden Eigenschaften der Milch.

Sahne

Sahne ist der Rahm, der bei unbehandelter Milch nach oben steigt.
Sie enthält 25–33 % Fett. Sahne hat sattvische Qualitäten, die jedoch wie bei Milch durch verschiedene Methoden zur Haltbarmachung wie Ultrahocherhitzung, Sterilisation oder den Zusatz des Verdickungsmittels Carrageen stark reduziert werden. Da sie „schwerer“ als Milch ist, ist sie nicht für Menschen geeignet, die viel Kapha und eine schwache Verdauung haben.

Buttermilch

Sie entsteht aus Rahm beim Butterungprozess durch die Trennung in Fette, die Butter, und die fettfreien Komponenten, die reine Buttermilch. Diese ist leicht verdaulich, herb und leicht wärmend. Sie beruhigt Kapha und Vata. Sie ist darmheilend, also ideal zur Behandlung von Magen-Darm-Störungen.

Butter

Butter besteht zu mindestens 80% aus Fett. Sie ist gut für Menschen
mit starker Verdauung und viel innerer Hitze (Pitta-Typen)
. Geschmolzen ist sie am verdaulichsten. Zu viel Butter kann innere Zirkulationskanäle verstopfen und den Cholesterinspiegel erhöhen.

Ghee

Ghee (geklärte Butter, Butterreinfett) besteht zu fast 100% aus reinem Fett. Es ist ein sattvisches Lebensmittel und besonders leicht verdaulich und rein. Ghee gehört zu den zehn Lebensmitteln, die täglich verzehrt werden sollten. Es durchdringt die feinste Zellebene, wirkt entgiftend, reinigend, verjüngend, regenerierend, entzündungshemmend und stärkend auf das Immunsystem. Ghee kühlt Pitta, beruhigt Vata und ist auch für Kapha, in Maßen, geeignet. Ein zu hoher Konsum führt zu einer Blockade der Körperkanäle und Gewichtszunahme.

Joghurt

Joghurt entsteht aus mit Milchsäurebakterien versetzter Milch durch Gärung. Joghurt ist daher sauer. Besonders in Kombination mit Zitrusfrüchten, Tomaten, Beeren oder Bananen bringt sie daher Pitta aus dem Gleichgewicht, blockiert die Zirkulationskanäle, bildet Ama (Stoffwechselschlacken) und führt häufig zu Hautreizungen und -entzündungen. Somit ist das klassische Frühstück aus Müsli mit Joghurt mit Früchten keine gute Idee. Die beste Art, Joghurt zu sich zu nehmen, ist als Lassi, Joghurt und Wasser zu gleichen Teilen mit Kräutern, oder in Form von Raita, dem Joghurt-Salat, der zu den meisten indischen Mahlzeiten serviert wird. Die Leichtigkeit der Gurke hebt die Schwere des Joghurts auf. Er wird leichter durch Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel oder Cayennepfeffer. Joghurt wird hauptsächlich für Vata-Typen empfohlen.

Sauerrahm, saure Sahne, Schmand, Creme Fraiche

Dies sind mit Milchsäurebakterien versetzte Rahmprodukte in verschiedenen Fettstufen. Aufgrund ihrer sauren Eigenschaften können sie wie Joghurt entzündliche (Pitta-) Zustände verschlimmern, einschließlich Geschwüren, Fieber und Infektionen. Sauerrahmprodukte sind am besten für Vata-Typen geeignet.

Käse

Käse ist schwer, ölig und klebrig. Er kann Arthritis, Gicht, Infektionen, Akne, Erkältungen, Geschwüre und Lungenerkrankungen verschlimmern und den Cholesterinspiegel erhöhen. Je fermentierter und salziger der Käse ist, desto schwieriger ist er zu verdauen, und desto mehr stört er Pitta und Kapha. Speziell Pitta wird durch die Kombination von Käse mit Zitrusfrüchten, Tomaten, Beeren oder Bananen zusätzlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Zirkulationskanäle werden blockiert und Ama gebildet. Junge, milde, süß schmeckende Käsesorten sind grundsätzlich vorzuziehen. Schwer verdauliche Käsesorten können mit Gewürzen wie Senf, Cayenne, schwarze Pfeffer, Meerrettich und Kreuzkümmel „erleichtert“ werden. Paneer, der selbst hergestellte und in Indien häufig verwendete Käse, ist leicht verdaulich, genauso wie Hüttenkäse. Er ist kühl, nahrhaft und hat einen hohen Proteingehalt. Frischkäse ist etwas klebriger, aber immer noch leichter zu verdauen als normaler Käse.

Alternative bei Kuhmilchunverträglichkeit

Wer mit der Verdauung von Kuhmilch und ihren Produkten Probleme hat, unter Asthma, Husten oder anderen Erkrankungen leidet, die mit Verschleimungen einhergehen, kann als Alternative Ziegenmilch ausprobieren. Sie hat zusammenziehende, süße, kühlende und leichte Qualitäten und wirkt auf alle Doshas ausgleichend. Sie ist damit auch für Menschen geeignet, die unter Husten, Asthma, Verschleimungen, Fieber, Durchfall oder Ödemen leiden. Optimalerweise sollte sie warm und mit Gewürzen eingenommen werden.

Der alte Werbeslogan „Die Milch macht’s“ ist als auch heute noch gültig, wenn Sie folgende Punkte beachten:

  1. ausschließlich frische, unbehandelte Biorohmilchaus der Region
  2. in kleinen Mengen
  3. warm
  4. mit den richtigen Gewürzen

Dann wird die Milch ihre zellverjüngende Anti-Aging-Wirkung und ihren Effekt auf unseren Geist voll entfalten.

Erschienen im Ayurveda Journal 59

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda Traumziel Sri Lanka”.

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