Im Sanskrit gibt es verschiedene Bezeichnungen für diese besondere Pflanze – Guduchi, Madhuparni, Amrita, Kundalini, Tantrika oder Chakralak-shanika. Die Namen bezeichnen unterschiedliche Wirkaspekte oder Formen der Pflanze. Die schönste Bezeichnung für die unscheinbar wirkende Pflanze ist Amrita. Amrita heißt übersetzt: Nektar.

Amrita hat eine verjüngende Wirkung

Die Gewebe werden durch diese Pflanze gereinigt, gekräftigt und dadurch verjüngt. Diese Bezeichnung schließt Jugend, Vitalität und langes Leben ein. Wenn im Ayurveda von Verjüngung gesprochen wird, bedeutet das auch: bis ins hohe Alter fit und gesundzu sein und keinen schmerzhaften langsamen Tod zu sterben, begleitet von Krankheiten.

Signaturlehre

Die Form der Pflanze, Blätter, Blüten und Beschaffenheit, kann auf den Menschen übertragen werden. Betrachten wir die Pflanze genauer, dann bedarf das nicht vieler Worte der Erklärung:

Guduchi ist eine Kletterpflanze und zeichnet sich durch eine besondere Eigenschaft aus: sie wirft manchmal alle Blätter ab. Man bekommt den Eindruck als würde sie eingehen und langsam sterben. Aber plötzlich nach einigen Wochen spitzen wieder kleine Triebe in einem schönen Maigrün hervor. Dann kommen an verschiedenen Stellen zarte lanzettenartigen Blättchen durch, die sich später zu großen Herzen entfalten. Die Pflanze ist wieder zu neuem Leben erwacht und rankt sich weiter in die Höhe.

Wir können ein Stück Ast von Amrita im Raum aufbewahren und nach Wochen wieder in die Erde stecken und auch dann erwacht sie zu neuem Leben.

Wirkungen von Guduchi

Guduchi ist ein bitteres Tonikum und verbessert die Verdauungskraft (einschließlich der Leber). Auf der psychischen Ebene stärkt sie die geistige Verdauung und entfacht wieder unser „Lebensfeuer“. Darüber hinaus verbessert sie noch unseren Intellekt und verhilft zu geistiger Klarheit, dadurch kann uns auch das Lernen und Denken wieder leichter fallen.

Durch die Einnahme weckt sie bei uns wieder neue Lebenskräfte und unterstützt uns in Zuständen, in denen wir uns völlig erschöpft und fast schon dem Tod nahe fühlen. Sie verlängert nicht das Leben um Jahre, sondern verbessert die Lebensqualität.

Guduchi hat einen bitteren und herben Geschmack, aber eine erwärmende Wirkung, wirkt auf den Körper basisch. Ihre ayurvedischen Eigenschaften sind schwer und ölig. Vor allem reduziert Guduchi starke Pitta Zustände. Sie ist eine der wenigen Pflanzen, die alle drei Doshas ausbalanciert (Tridoshahara).

Entsprechend den ayurvedischen Urtexten wirkt Amrita auf verschiedenen Ebenen :

  • Immunitätsschwäche
  • Infektionserkrankungen
  • Leber- und Milzerkrankungen
  • Herpes Simplex und Herpes Zoster
  • „burn out syndrom“
  • Neurologische Erkrankungen
  • Fieber, Gelbfieber, Malaria
  • Atemwegsstörungen
  • Diabetes
  • Hämorrhoiden
  • Anämie
  • Candidiasis
  • Hauterkrankungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • Aphrodisiaka

Amrita besitzt eine stark entgiftende und entschlackende Wirkung, weshalb sie gerne zur Frühjahrskur genommen wird, um die sich im Winter angesammelten Stoffwechselschlacken und Zellgifte wieder aus dem Körper zu leiten. Sie soll sogar bei Bissen von giftigen Tieren helfen. Ein wirkungsvolles ayurvedisches Präparat ist Amritottaram Kashaya (bestehend aus Amrita, Ingwer und Haritaki). Diese Kräuterabkochung kann zur Vorbereitung vor der Panchakarma-Reinigungskur gegeben werden.

In Ayurveda ist nicht nur die Pflanze, die man gibt wichtig, sondern auch: wann man sie in der Behandlungsabfolge gibt und in welcher Form (Öl, Pulver, Paste…) sie gegeben wird. Ein paar traditionelle ayurvedische Präparate mit Guduchi sind: Dhanvantharam Tailam, Cheriya Rasnadi Kashaya, Valiya Marma Gudika und Amrtottaram Kashaya.

Ayurveda Journal 5 · Seite 19

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Heike Seegebarth
Heike Seegebarth ist in Indien geboren. Heil­praktikerin, seit 1997 in eigener Ayurveda-Praxis in Nürnberg. Ayurveda- Studium in Indien, (Universität in Coimbatore, Tamil Nadu). Seit 9 Jahren hält sie ­Seminare und bietet Ausbildungen zum Thema Ayurveda an.