Die ayurvedische Medizin hat eine sehr eigene Auffassung davon, wie eine Frau sich während der Menstruation verhalten sollte. Gerade für europäische Frauen ist dies manchmal schwer nachvollziehbar (Werbung in den Medien: Sportliche Aktivitäten, Tampons etc.). In den ersten drei Tagen der Menstruation sollte weder geduscht, gebadet noch die Haare gewaschen werden.

Der gesamte Organismus ist auf Ausleiten programmiert

Wenn Wasser über den Körper fließt, wird dieser Prozess unterbrochen und es dauert manchmal Stunden bis das normale Bluten wieder einsetzt. Wasser unterbricht energetische Prozesse. Das bedeutet aber nicht, dass die Körperpflege und Hygiene in dieser Zeit vernachlässigt werden sollte, sondern man verwendet Wasser im Waschbecken oder einer Schüssel, Seife und Waschlappen. Sport und körperliche sowie geistige Überanstrengung sollte vermieden werden. Keine stark aktivierenden Yoga-Asanas, auch kein Sonnengruß. Leichte Übungen und Spaziergänge sind angeraten. Während der ersten drei Tage der Menstruation sollte kein Abhyanga (Ganzkörper-Ölmassage) gegeben werden und die menstruierende Frau sollte auch keine Massage bekommen. Sexuelle Enthaltsamkeit während der Periode. Apana Vayu (Subdosha von Vata – Sitz im unteren Teil des Körpers = Dickdarm, Blase, Genitalien und Oberschenkeln) stößt Rajah (Menstruation) aus, diese Energie und ihre nach unten gerichtete Bewegung sollte nicht gestört werden. Situationen, die Sorgen, Ängste und Ärger hervorrufen, sollten vermieden werden. Die menstruierende Frau sollte sich soviel geistige und körperliche Ruhe wie möglich gönnen. Eine Bettruhe von drei Tagen von Beginn der Periode an wäre empfehlenswert. Je stärker die menstruationsabhängigen Beschwerden sind, desto mehr sollte diese Ruhe eingehalten werden. Menstruationsbeschwerden und -schmerzen (Dysmenorrhoe) werden nach der ayurvedischen Heilkunde in drei Typen unterteilt: Vata, Pitta und Kapha. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, die Ursache (im Sinne der Doshas) für das vorliegende Problem genau zu kennen. So kann eine Frau mit einer Kapha-Konstitution durchaus Menstruationsprobleme vom Pitta- und/oder Vata-Typ haben.

Vata-Störungen

Vor Beginn der Periode starke Schmerzen, Völlegefühl, Schmerzen im Unterbauch und im unteren Rücken. Verstopfung, Krämpfe und Schlaflosigkeit. Geringer Fluss des Menstruationsblutes. Bei Vata-Menstruationsbeschwerden kann eine Mischung zu gleichen Teilen aus Ashwagandha, Vidari und Tagar eingenommen werden. Die Kräuter werden zu gleichen Teilen gemischt und man nimmt von dieser Mischung je ein TL mit warmem Wasser nach dem Mittag- und Abendessen ein. Menstruationskrämpfe des Vata-Typs können sehr gut mit Rizinusöl behandelt werden. Das Rizinusöl wird sanft auf dem Unterbauch einmassiert.

Pitta-Störungen

Empfindliche Brüste, Kongestionen, Reizungen und Entzündungen, Blasenreizung, ein Brennen beim Wasserlassen, Hitzewallungen und emotionale Gereiztheit. Eine starke Menstruationsblutung kann eine Folge dieser Störung sein. Bei Pitta-Symptomen nimmt man 2 mal täglich nach den Mahlzeiten einen 1/2 TL Shatavari mit warmem Wasser ein. Kokosöl auf dem Unterbauch aufgetragen wirkt beruhigend und entspannend. Bei starken Menstruationsblutungen empfiehlt es sich auch einen 1/2 TL Ashoka in ein halbes Glas warmes Wasser einzurühren und vor den Mahlzeiten zu trinken.

Kapha-Störungen

Völlegefühl, Flüssigkeitseinlagerungen im Bindegewebe, Gefühle der Schwere, Lethargie und Müdigkeit. Menstruationsprobleme des Kapha-Typs können mit folgenden Kräutern wirkungsvoll behandelt werden: 1/2 Teil Punarnava, 1/2 Teil Manjistha und 1/8 Teil Trikatu. Nach dem Mittag- und Abendessen nimmt man ca. 1/2 TL dieser Kräutermischung ein und spült mit warmem Wasser nach. Senf- und Rizinusöl in gleichen Anteilen auf den Unterbauch aufgetragen wirkt, lindernd bei Kapha-Symptomen.

Wenn man sich während des gesamten Zykluszeitraumes an Ernährungsempfehlungen für den eigenen Konstitutionstyp orientiert, täglich einige Yogaübungen ausführt, die für die Konstitution empfohlen werden, können Menstruationsprobleme und -schmerzen häufig recht wirkungsvoll verhindert werden. Auch die regelmäßige Einnahme von Aloe Vera-Gel oder -Saft (Kumari) ist empfehlenswert.Ayurveda Journal 5 · Seite 15

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Erika Diehl
Geb. 1954, Heilpraktikerin, Yogalehrerin und Kosmetikerin. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei verschiedenen Lehrern in Deutschland und Sri Lanka. Abschluss an der SEVA-Akademie, München CAT / CAS. Seit 1988 unterrichtet sie an verschiedenen öffentlichen Einrichtungen und Volkshochschulen. Arbeitet seit 1997 als Ayurveda-Spezialistin in der eigenen Naturheilpraxis ANAHATA-Zentrum für Ayurveda und Yoga in Wolfratshausen und als Dozentin an der SEVA-Akademie, München.