Für viele Ayurveda-Anhänger und Konsumenten gehört sie zur täglichen Morgenroutine: die Selbstmassage mit Öl. Aber stammt diese Empfehlung tatsächlich aus der ayurvedischen Feder und gilt sie uneingeschränkt für alle? Wir machen den Faktencheck für Sie.

Die Bedeutung von Ölungen für den menschlichen Körper wird anhand einer 2000 Jahre alten, ayurvedischen Analogie deutlich. In der 2000 Jahre alten „Caraka Samhita“, dem Kernstück der traditionellen Literatur des Ayurveda, steht:

„Wird ein Gefäß gefettet, dann kann dessen Inhalt leicht herauskommen. Gleichermaßen können die drei Krankheit verursachenden Faktoren Vata, Pitta und Kapha den geölten Körper leichter verlassen.“ Kurzum:

gut geschmiert bedeutet besser geschützt!

Der klassische Ayurveda (AHS, Su.2.7-8) sagt:
Regelmäßige Ölmassagen (Abhyanga)

  • entstören den Alterungsprozess
  • verringern Müdigkeit
  • beugen Störungen im Nervensystem vor
  • fördern die Sehkraft
  • wirken nährend
  • fördern Langlebigkeit
  • wirken schlaffördernd und
  • fördern Robustheit und Widerstandskraft.

Um diese Wirkungen lebenslang zu nutzen, empfiehlt die Ayurvedamedizin als Teil der morgendlichen Routine das Einölen des Körpers vor dem Bad bzw. der Dusche.

Die acht wichtigsten Regeln für die Selbstmassage:

I. Vermeiden Sie Zeitdruck und Hektik. Massieren Sie besser seltener und dafür aufmerksamer als täglich im Eiltempo.

II. Massieren Sie sich nur, wenn Sie die zuletzt aufgenommene Nahrung verdaut haben und sich leicht fühlen.

III. Verwenden Sie ein wirksames, nach traditionellen Richtlinien hergestelltes Kräuteröl anstelle einfacher,
kaltgepresster Speiseöle. Unser Tipp:

  • für Vata Konstitutionen: Mahanarayana Taila, Dashamuladi Taila
  • für Pitta Konstitutionen: Candanabalalakshadi Taila, Kshirabala Taila
  • für Kapha Konstitutionen: nur wenig (zum Beispiel Shulahara oder Sarshapadi Taila) oder gar kein Öl verwenden und Trockenmassagen (mit pflanzlichen Pulvern, Rohseidenhandschuhen oder Bürsten) bevorzugen.

IV. Vermeiden Sie zunächst Ölmassagen bei Verdauungsstörungen, akuten Infekten, rheumatischen Erkrankungen und Hautkrankheiten – lassen Sie sich in diesen Fällen durch einen Ayurvedamediziner fachkundig beraten.

V. Die Streichrichtung erfolgt gewöhnlich „Anuloma“ (= entlang der Härchen), an den langen Muskeln werden lange Streichungen, an flachen und runden Muskeln sowie den Gelenken kreisende Bewegungen durchgeführt. Zur verstärkten Anregung der Blutzirkulation wählt man zeitweilig auch die Streichrichtung entgegen den Haarverlauf („Pratiloma“), das macht morgens auch frisch und munter. Die Massagezeit beträgt 15 – 20 Minuten.

VI. Lassen Sie das Öl etwa 30 Minuten nach der Selbstmassage einwirken und halten Sie sich in dieser Zeit nur in gut gewärmten Räumen auf. Wenn Sie in geöltem Zustand ein paar Yoga-Standübungen durchführen und leicht zum Schwitzen kommen, ist das ayurvedisch gesehen optimal. Danach können Sie das nicht eingezogene Öl mit einem Tuch oder Pflanzenpulvern abnehmen und sich mit einem milden, hautneutralen Duschgel abduschen.

VII. Vata Konstitutionen profitieren am meisten von der Selbstmassage, für sie ist daher eine tägliche Durchführung ratsam. Im Herbst und Winter sind sie am wirkungsvollsten, im Frühling und Sommer muss es nicht täglich sein.

VIII. Nehmen Sie Ihren Körper bewusst wahr, und gehen Sie liebevoll mit sich um. Jede Ölung ist auch eine Salbung.

Alles Gute für Ihre Gesundheit!

Ayurveda Journal 39 · Seite 28

[ratings]