Erkältungskrankheiten vermeiden, den Stoffwechsel regulieren, die Energie steigern – ayurvedische Kräuter und Gewürze helfen bei der Selbsthilfe.

Der Ayurveda bietet eine Vielzahl an Kräutern und Gewürzen, aus denen eine Hausapotheke zusammengestellt werden kann, die bei Bedarf schnell und sanft hilft – ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Somit geht keine wertvolle Zeit verloren, in der sich Krankheitserreger ausbreiten und Symptome verschlechtern können.

Auch zur Prophylaxe eignet sich eine Ayurveda-Hausapotheke. Die regelmäßige oder kurweise Einnahme spezieller Kräuter kann Infekten vorbeugen, Verdauung und Stoffwechsel regulieren, das Energieniveau steigern, das Nervensystem stärken, Hormone balancieren und den Alterungsprozess verlangsamen.

Ayurveda ist Hilfe zur Selbsthilfe

So wie die Hitze dem Feuer und das Flüssigsein dem Wasser, so ist der Ayurveda dem Menschen im Innersten zutiefst vertraut,

heißt es im wichtigsten ayurvedischen Klassiker Caraka Samhita. Der Ayurveda denkt nicht verkopft, sondern natur- und lebensnah. Jeder Mensch trägt dieses Wissen in sich und kann es eigenständig nutzen, wenn er die Grundregeln kennt und respektiert.

Für eine erfolgreiche ayurvedische Behandlung sind Kenntnisse über die individuelle Konstitution und den aktuellen Gesundheitszustand erforderlich. Eine Diagnose kann nur der ausgebildete Ayurveda-Therapeut stellen. Anhand dieser lässt sich eine Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten erkennen und eine Hausapotheke maßgeschneidert zusammenstellen. Zur Erhaltung der Gesundheit und Linderung kleinerer Beschwerden kann sich jeder dagegen selbst helfen.

Quelle: © getty images
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Wenn Sie zum Beispiel eine Kapha dominierte Konstitution haben, aktuell übergewichtig sind, vormittags lange ausschlafen und gerne Milchprodukte verzehren, dann neigen Sie aus ayurvedischer Sicht zur Entwicklung von schleimigen Erkältungen, Müdigkeit, schwacher Verdauung und Wassereinlagerungen. Diesen Beschwerden können Sie gezielt vorbeugen.

Die meisten Kräuter und Gewürze sind in unterschiedlichen Zubereitungsformen wie Pulver, Presslinge oder Kräuterweine im Ayurveda Fachhandel erhältlich. Meistens werden die Substanzen nach der Ernte getrocknet und dann fein ausgemahlen. Diese Pulver (Churna) werden in Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Milch eingerührt. Ihre Haltbarkeit ist relativ unbegrenzt, das Aroma und einige Wirkstoffe nehmen aber mit dem Alter ab. Deshalb empfiehlt sich spätestens nach zwei Jahren ein Neukauf der Produkte, feine Gewürze sollten sogar jährlich erneuert werden.

Das ABC Ayurvedischer Kräuter und Gewürze

Im Ayurveda werden alle Substanzen nach einer speziellen Systematik klassifiziert:

Geschmack (Rasa)

Es werden sechs Geschmacksrichtungen unterschieden: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Jeder Geschmack vertritt zwei der fünf Elemente der Natur. Die ersten drei Geschmäcker erhöhen Kapha und senken Vata, die letzten drei senken Kapha und erhöhen Vata. Sauer, salzig und scharf erhöhen Pitta, während süß, bitter und herb dieses senken. Jedem Geschmack werden eigenständige Wirkungen auf den Körper zugewiesen.

Eigenschaften (Guna)

Diese werden in zehn Gegensatzpaaren dargestellt, von denen die wichtigsten heiß-kalt, trocken-feucht, leicht-schwer und träge-spitz sind. Der gezielte Einsatz einer Eigenschaft gleicht die jeweils entgegengesetzte aus und wirkt entsprechend lindernd. Ein Beispiel ist die trocken-heiße Wirkung von Ingwerpulver bei schleimigen Erkältungskrankheiten.

Wirkung nach Verdauung (Vipaka)

Gemäß Ayurveda ändert sich die Wirkung eines Geschmackes nach Verdauung der Substanz im
Magen-Darm-Trakt vor Aufnahme in die Blutbahn. Süß und salzig werden süß; sauer bleibt sauer;
scharf, bitter und herb werden scharf. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel: manche
Früchte wie Amalaki schmecken sauer, wirken aber nach der Verdauung süß – und reduzieren dadurch
sogar Beschwerden durch übermäßige Säure. Manche Gewürze wie der Langpfeffer (Pippali) schmecken scharf, wirken aber nach der Verdauung süß – und reizen weniger die Schleimhäute.

Thermische Kraft (Virya)

Dem Temperaturverhalten wird eine große Bedeutung beigemessen. Erhitzende Substanzen öffnen
Körperkanäle, regen die Zirkulation an, stimulieren Verdauung und Stoffwechsel. Kühlende Substanzen ziehen zusammen, verlangsamen Prozesse, beruhigen, nähren und bauen auf.

Dosha-Bezug und Wirkung (Karma)

Gemäß der Zuordnung einer Substanz nach Geschmack, Eigenschaften, Wirkung nach Verdauung
und Thermik ergibt sich ein Gesamtbild hinsichtlich ihrer Wirkung auf Vata, Pitta und Kapha
und ihrer Einsatzmöglichkeiten bei Beschwerden.

Hinweis:

Die nachfolgenden Empfehlungen ersetzen keinen Arzt. Sollten Beschwerden länger als drei Tage anhalten oder sich verschlechtern, sollte man unbedingt einen fachkundigen Therapeuten aufsuchen.
Schwangere, Kinder und chronisch erkrankte Menschen sollten vor Einnahme der genannten Kräuter einen Arzt oder Therapeuten konsultieren.

Quelle: © Jessica Sprenger
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Ajwain, der Königskümmel

für einen freien Bauch

Geschmack: bitter, scharf

Eigenschaften: leicht, trocken, spitz

Wirkung nach Verdauung: scharf

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke: Der aromatische Königskümmel hilft dabei, schwere Nahrung (Fleisch, Käse, Kartoffel- und Nudelgerichte, Linsen) leichter zu verdauen. Er lindert Blähungen, Krämpfe und Völlegefühl. Auch Unterleibsbeschwerden vor und während der Menstruation können gemildert werden.

Im Handel verfügbar sind die ganzen Samen und das ausgemahlene Pulver (Churna). Auch in klassischen Gewürzmischungen wie Hingvashtaka Churna ist Ajwain ein wichtiger Bestandteil.

Anwendung: Zerstoßen Sie die getrockneten Samen in einem Mörser und verrühren Sie ½ Teelöffel Pulver mit etwas Ghee oder Olivenöl. Nehmen Sie diese Mischung 1 – 3x
täglich kurz vor den Mahlzeiten ein und trinken Sie direkt danach etwas heißes Wasser oder Ingwertee. Eine weitere traditionelle Anwendung ist die Dampfinhalation bei Erkältungen und schleimiger Bronchitis – hierzu werden die zerstoßenen Samen mit Wasser erhitzt und der entstehende Dampf 5 – 15 Minuten lang inhaliert.

Quelle: © Jessica Sprenger
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Amalaki, die indische Stachelbeere

Königin der Prävention

Geschmack: alle außer salzig

Eigenschaften: trocken, spitz

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: kühlend

Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke: Amalaki gilt als das Verjüngungsmittel im Ayurveda. Die getrocknete Frucht unterstützt das Immunsystem, reduziert im Magen übermäßige Säure, stärkt die Augen und gilt als Tonikum für Haut, Haare und Nägel.

Im Handel verfügbar sind das Fruchtpulver (Churna), Presslinge des Extrakts, Gärgetränke und die berühmte Rezeptur Chyavanprash – ein stärkendes Fruchtmus mit zahlreichen Kräutern, Gewürzen, Honig, Ghee und Rohrzucker. Amalaki ist zudem Bestandteil der berühmtesten Dreifruchtmischung Triphala.

Anwendung: Verrühren Sie täglich 1 Teelöffel der pulverisierten Trockenfrucht (Amalaki Churna) in einem Glas warmem Wasser und trinken Sie dieses morgens oder abends getrennt der Mahlzeiten. Möchten Sie den Magen unterstützen, nehmen Sie ½ Teelöffel nach den Mahlzeiten mit Wasser ein. Das Amla-Mus ist ein allgemeines Tonikum für die ganze Familie, von klein bis groß – es wird v.a. zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten eingesetzt, 1 gehäufter Teelöffel morgens zum Frühstück mit einer Tasse Ingwertee ist bereits ausreichend.

Quelle: © Jessica Sprenger
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Ashwagandha, der indische Ginseng

Geschmack: bitter, süß, scharf

Eigenschaften: leicht, ölig

Wirkung nach Verdauung: süß

Thermik: erhitzend

Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Einsatzmöglichkeiten in der Hausapotheke: Die Winterkirsche Ashwagandha zählt zu den bedeutendsten Pflanzen der Ayurvedamedizin. Ihre Wurzel gilt als Aufbaumittel für gesunde Muskulatur und Aphrodisiakum für eine gesunde Sexualität und Fortpflanzung. Sie stärkt das Nervensystem, lindert Atemnot, fördert den Schlaf und die Regeneration. Im Handel verfügbar sind nebst dem Wurzelpulver (Churna) auch Presslinge des Extrakts und der gleichnamige
Kräuterwein Ashwagandharishta.

Anwendung: Köcheln Sie 1 Teelöffel Wurzelpulver (Ashwagandha Churna) ein paar Minuten lang in 250ml Bio-Kuhmilch mit einer Messerspitze Pippali-Langpfeffer. Trinken Sie diese Mischung tiefwarm als nährender Cocktail am späten Nachmittag oder Abend. Für den ruhigen Schlaf eignet sich auch ein Likörgläschen (40ml, mit der gleichen Menge Wasser verdünnt) des
Kräuterweins.

Teil 2 der Ayurveda Hausapotheke
Teil 3 der Ayurveda Hausapotheke

Ayurveda Journal 41 · Seite 16 – 26

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