Was ist “Nasya”? Es ist die “eindrucksvollste” Reinigung der Nasennebenhöhlen zur Behandlung von akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen und ihrer Folgeerkrankungen. Diese ayurvedische, naturheilkundliche Reinigung der Nasennebenhöhlen arbeitet mit arzneilichen Ölen, Kräutern oder Rauch und Kräuterdämpfen in 3 Schritten. Die Nase ist Eingangstür in das Innere des Kopfes. Nasya-Behandlungen wirken somit auf alle Organe des Kopfbereiches sowie auf das Zentralnervensystem.

Es ist eine Phase der klassischen Panchakarma- Therapie, der 5-fachen Reinigungsbehandlung aus dem Ayurveda. Bei diesem Verfahren werden die Öle, die vorher mit heilsamen Kräutern nach einem Spezialverfahren versetzt worden sind, in die Nase eingebracht. Zuvor werden die Schulter-Nacken-Region sowie das Gesicht mit Wärme und Massage vorbereitet. Dadurch werden die gestörten Doshas der oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen Kopf-Nacken-Region über die Nase entfernt. Nasya ist eine relativ einfache Behandlungsform, die von den meisten Patienten als angenehm empfunden wird, besonders natürlich danach, wenn sich alles frei und belebt anfühlt. Zeichen einer erfolgreichen Behandlung sind auch ein verbesserter Schlaf, Schärfung der Sinnesorgane und eine verbesserte emotionale Befindlichkeit.

Wozu Nasya? Indikationen:

  • akute und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen,
  • Asthma, Heuschnupfen, Haarausfall, chronische Müdigkeit,
  • Migräne und Kopfschmerzen unterschiedlicher Genese,
  • Rheumatische Erkrankungen, zervikale Spondylitis, Arthrosen,
  • Neuralgien, Gesichtslähmung, MS,
  • Zur Stärkung der Sinnesorgane

Arten des Nasya

  1. Entsprechend ihrer Wirkung: Reinigung (Shodhana), Abführen (Virecana), Linderung / Beruhigung (Shamana), Stärkung (Brimhana), zum Reduzieren von Vata-Dosha.
  2. Entsprechend der verwendeten Behandlungsformen: Auspressen frischer Heilpflanzen (Avapida), Einführen arzneilicher Öle (Navana), Inhalieren des Rauches verschiedener Pflanze (Dhuma), Einführen medizinischer Pulver mit Hilfe eines speziellen Röhrchens (Virecana/Dhumpana).
  3. Entsprechend der Dosis: 2 Tropfen pro Nasenloch (Pratimarsha) oder 8-32 Tropfen pro Nasenloch (Marsha).

Basisbehandlung: 3 – 5 Termine (Zeitdauer ca. 75 Min.)

Langzeitbehandlung: 8-10 Termine (sowie 1-2x Darmreinigung)

Wichtige Hinweise für die allgemeine Vorbereitung des Patienten:

  1. Kopf Stirn und Ohren vor Kälte, Hitze und Zugluft schützen.
  2. An Behandlungstagen 2 x 10 Min. mit Kräuterdampf inhalieren; an Nicht-Behandlungstagen 4 x 10 Min., danach pro Nasenseite 4-6x täglich 2 Tropfen Anu-Thaila einmassieren und hochatmen.
  3. 1-2x mit Bittersalz / F.X.-Passage-Salz oder Rizinusöl den Darm abführen.
  4. Nase mit einer natürlichen Nasensalbe, Zinksalbe etc. pflegen.
  5. Schonend die Nase putzen, über je 1 Nasenloch, das andere zuhalten.
  6. Morgens mit 1-2 Tl. Sesamöl ca. 5 Min. gurgeln, danach die Zunge mit einem Zungenreiniger säubern.
  7. Schonung und Ruhe an Behandlungstagen, evtl. sogar ein paar Tage Urlaub nehmen.
  8. Täglich 3l trinken, also mehr als das direkte Durstgefühl (Ingwerwasser, Atemtee, Kräutertee, Gemüsebrühe etc.)
  9. Nahrungsempfehlungen während der Nasya-Kur-Tage: Suppen und leichte Gemüse-Gerichte, täglich 1 Tl. Meerrettich, frische Kräuter und Gewürze verwenden, keine kalten Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren besonders am Abend zu sich nehmen, leichte Brotsorten, Dinkelbrote, Knäckebrot etc. fettarme und gekochte Nahrung verzehren.

Tipps zur täglichen Nasenreinigung:
Mit einem Nasenspülkännchen (oder mit einer warmen, leicht salzigen Lösung in der hohlen Hand) die Nase über dem Waschbecken spülen, anschließend mit etwas Sesamöl oder besser noch einem so genannten Nasenreflexöl, z.B. Anu-Thaila die Nasenschleimhaut einmassieren. Sie können so die Schutzfunktion der Nasenschleimhaut positiv unterstützen und den nasalen Bereich der Atemwege reinigen. Eine intakte Nasenschleimhaut produziert ein flüssiges Sekret, welches Bakterien und Viren davon abhält, sich dort anzusiedeln.

Ist die Nasenschleimhaut in ihrer Funktion z.B. durch Allergien und Staub gehemmt, wird das Sekret zäh und die Gefahr der Infektion besteht.
Durch eine regelmäßige Spülung der Nase und anschließendem Einölen der Schleimhäute werden diese stimuliert und Ihre Nasenatmung wird deutlich besser

Erschienen im Ayurveda Journal 23

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda und Ökologie”.

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Meine Geschichte: Ich war jahrelang jeden Winter geplagt von Nasennebenhöhlenentzündungen der schlimmsten Art, bekam Antibiotika, die Nasennebenhöhlen wurden durchstoßen, Tamponaden wurden bei HNO-Ärzten gelegt, Kopfschmerz plagte mich, ich war zeitweise arbeitsunfähig und krank. Bei meinem ersten Indienaufenthalt bekam ich über 2 Wochen täglich ein Nasyam. Dies war 1995. Die Behandlungen hielten mein Leiden bis zum heutigen Tage. Marianne Scherer ist Ayurveda-Therapeutin, Masseurin, Heilpraktikerin, Krankenschwester und Yoga-Lehrerin.