Die Zahl Drei ist in vielen Kulturen eine besondere Zahl, denken wir nur an die christliche Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist oder in der indischen Kultur an die Dreiheit von Schöpfer (Brahma), Erhalter (Vishnu) und Zerstörer (Shiva). Im Ayurveda sind es die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha, die die Grundlage in der physischen Welt bilden, sowie die drei Gunas: Sattva, Rajas und Tamas als Grundlage in der geistigen Welt.

Im Westen weniger bekannt, aber genauso wichtig, sind die drei Gefährtinnen, die zu den Göttern gehören. Da ist Sarasvati, die Gefährtin von Brahma, die als Göttin des Lernens und der Kunst verehrt wird, Lakshmi oder Shri, die Göttin des Reichtums und des Glücks, welche die Gemahlin von Vishnu ist, und Parvati, die Ehefrau von Shiva. Alle drei Göttinnen werden als Shakti bezeichnet. Shakti bedeutet Kraft und beschreibt die Dynamik innerhalb der Schöpfung, die ausführende Kraft.

Shakti als weibliche Gottheit der indischen Göttinnen, von denen hier nur einige wenige genannt worden sind, sind auch die Attribute der menschlichen Frauen. Leider wird in unserer heutigen Gesellschaft diese Vielfältigkeit selten gewürdigt, sondern es wird eher versucht, sie durch medikamentöse oder hormonelle Behandlungen zu reduzieren.

Hysterie, PMS, Gefühlsschwankungen und Irrationalität sind die negativen belasteten Bezeichnungen von Gefühlszuständen, die viele Frauen kennen. Positiv gesehen geht es um eine tiefe Fähigkeit, den Strom der dynamischen Veränderung in der Schöpfung in sich selbst zu fühlen und zum Ausdruck zu bringen.

Der Ayurveda hilft dabei, die Phasen, die ein weiblicher Körper im Laufe eines Lebens und eines Mondzyklus durchläuft, besser zu verstehen und mit den Veränderungen liebevoll umzugehen. In den verschiedenen Phasen im Leben einer Frau sind die Doshas, unabhängig von der Konstitution (Prakriti) unterschiedlich ausgeprägt.

Phasen der KindheitVataPittaKapha
Balavastha bis 10 Jahre224
Kumari 10-12 Jahre (Entwicklung sekundäre sexuelle Merkmale)124
Rajomati 12-16 Jahre (Menstruation beginnt)143
Phasen des ErwachsenseinsVataPittaKapha
Yuvati 16-40 Jahre (höchste reproduktive Phase)143
Praudhavastha 40-50 Jahre (Pre-Menopause)341
Vriddha 50+ Jahre431

Die Tabellen zeigen, dass die Doshas in den verschiedenen Lebensphasen eine sehr unterschiedliche Verteilung haben. Daraus lässt sich schließen, dass für verschiedene Lebensphasen ein unterschiedliches Verhalten und eine angepasste Ernährung sinnvoll sind. Bevor man sich also in eine hormonelle Behandlung gibt, sollte man versuchen, die Dosha-Umstellung durch ayurvedische Kräuter und Verhaltensweisen zu erleichtern.

Caraka erklärt, dass sich der Uterus nach der Ovulationsperiode zusammenzieht und kein Shukra hineinlässt wie ein Lotus, der sich nach Mitternacht schließt. Aufgrund des erhöhten Vatas während der Menstruation, ist es wichtig, dass die Frau ihr Verhalten dementsprechend anpasst. Alle Aktivitäten, die das Vata zusätzlich in die Höhe treiben wie joggen, reiten, zu schwere körperliche Arbeit, zu viel reden und zu viel Wind sollten vermieden werden. Stattdessen sollte die Frau sich schonen, sich verwöhnen lassen, oder sich selbst verwöhnen.

MenstruationsphaseZeitDosha
Menstruation Rajah sravakal3-5 TageApana Vata ist erhöht
Ovulationsperiode Ritu Vyatitakal 12-15 TageKledaka und Avalambaka Kapha sind erhöht
Post-Ovulationsperiode Ritu Vyatitakal 9-13 TageRanjaka Pitta ist erhöht

Praktische Tipps

Während der Menstruation ist das Vata, vor allem das Apana Vata, erhöht und sollte daher reduziert werden:

  • Pranayama, vor allem die Wechselatmung
  • Leichte Bewegung, gerne an der frischen Luft, Sportarten wie Yoga, Chi Gong und Tai Chi oder nach Bedarf Ruhen
  • Vata erhöhende Speisen wie Knäckebrot, Rohkost, Kohlarten und schwere, fettige Speisen vermeiden
  • Dafür leichte gut verdauliche, warme Speisen zu sich nehmen
  • Vata Tee trinken
  • Bei starken Krämpfen Bauchmassage mit Rizinusöl
  • Abhyanga
  • Matra-Basti, bevor die Tage beginnen
  • Vor dem Schlafengehen Fußmassage mit Ghee

In strengen brahmanischen Familien in Indien ist der menstruierenden Frau zum Beispiel der Umgang mit Küchenutensilien untersagt. Das heißt, dass ihre Aufgaben in dieser Zeit von anderen Frauen oder sogar von den Männern übernommen werden. Sie gilt in dieser Zeit als unrein und ist auch von anderen Pflichten entbunden. Westliche Feministinnen schreien bei dieser Vorstellung auf, vergessen dabei jedoch auch, dass diese Regelung die Frau schützen und ihr die Möglichkeit geben, sich auszuruhen und Kraft für den nächsten Monat zu sammeln.

Während meiner Ayurveda Massage-Ausbildung in einem Kloster in Holland bekamen wir neben unserem freien Tag zwei weitere freie Tage, wenn wir unsere Tage hatten. Im Laufe des Monats, spürte ich an meinem Energielevel, ob ich diese Tage genutzt hatte, um mich zu regenerieren, oder ob ich Freunde in Deutschland besucht hatte.

Bei uns im Westen wird von einer menstruierenden Frau erwartet, dass sie ihre Arbeit wie gewohnt weiter verrichtet, möglichst ohne dass ihre Umgebung mitbekommt, in welchen „Umständen“ sie sich befindet. Statt ihre Frauen zu umsorgen, lassen viele Männer ihre Partnerinnen lieber „in Ruhe“ aus Angst vor scheinbar unangemessenen Gefühlsausbrüchen. Und kein Wunder, dass die Gefühle in dieser hochsensiblen Zeit ungefiltert herausbrechen, weil wir die ganze Zeit versuchen, immer gleich zu sein und unsere Vielfältigkeit zu unterdrücken.

Jede Frau sollte mit ihrem Zyklus vertraut sein und ihr Verhalten dementsprechend anpassen. Natürlich ist die Gefühlslage eine andere, wenn wir uns in der kapha-dominanten Ovulationsphase befinden oder in der pitta-dominanten post-Ovulationsphase, und wieder anders in der vata-dominanten Menstruationsphase. Wer sich mit seinem Zyklus vertraut macht, kann Herrin der Gefühle anstatt ihr Opfer sein! Die Göttinnen sind nicht nur in der metaphysischen Welt, sondern stecken in jeder Frau. Alle von uns haben einen göttlichen Kern.

Erschienen im Ayurveda Journal 25

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Yoga und Therapie – Heilung durch Balance”.

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