Es sind die vier großen W´s, die laut Ayurveda für eine gute Verdauung sorgen: Was wir essen (prakriti), wie viel wir essen (rashi), wann wir essen (kala) und – ganz wichtig – wie wir die Speisen zubereiten (karana). Wer diese einfachen Regeln für die tägliche Ernährung berücksichtigt, kann das leckerste Essen auf gesunde Weise genießen – ohne Reue und ohne „Nachwehen“ wie Blähungen, Völlegefühl oder Verdauungsbeschwerden.

Spannenderweise gibt es viele Menschen, die Essen können was sie wollen und damit keinerlei Probleme haben. Doch wer sich durch ein sensibles Vata-Dosha und/oder einen sensiblen Vata-Darm (krura koshta) auszeichnet, der sollte auf eine bekömmliche und leicht verdauliche Ernährung zu achten. Den viele Vata-Typen leiden durch ihre konstitutionsbedingte Veranlagung bereits von Kindheit an unter Bauchweh, Koliken und Blähungen. Dies liegt an den mit Vata assoziierten Eigenschaften wie luftig, trocken, rau, unstetig und beweglich, die sich schnell durch sprichwörtlich zu viel Wind im Bauch manifestieren. Gleichzeitig blockiert bei Stress, Anspannung und Bewegungsmangel häufig das sogenannte Apana vayu, die abwärts gerichtete Vata-Bewegung im Körper, was zu Störungen in den Kanälen der Stuhlausscheidung (purisha vaha srotas) führt.

All dies wird aus ayurvedischer Sicht als Ursache für Flatulenz, den Blähungen betrachtet.

Um das Apana Vayu wieder in den Fluss zu bringen helfen Substanzen mit vata-anuloma Qualität. Diese gleichen das gestörte Apana Vata aus und sollten regelmäßig eingenommen werden. Dazu zählen z.B. Trauben, gekochter Knoblauch oder entkrampfende Gewürze wie Fenchel und Ajwain.

Koshta – das Reaktionsmuster des Darms

Koshta heißt übersetzt Bauch und beschreibt die genetische Veranlagung und die Momentaufnahme der typgerechten Stuhlbildung und Reaktion des Darms auf abführende oder stopfende Nahrung. Entsprechend der individuellen Dosha-Prägung neigt jeder Menschen zu einem typgerechten Reaktionsmuster im Darm, das seine Verdauung bestimmt. 

Krura-koshta – ein von Vata hervorgerufener unsensibler Darm mit Blähungen und hartem Stuhl. Der Darm hat eine ausgeprägte Neigung zu Trockenheit, Krämpfen und Verstopfung. Er reagiert sehr empfindlich auf Stress und alle kalten, trockenen, zusammenziehenden und stopfenden Nahrungsmittel wie unreife Banane, Rohkost, Linsen, Kohl, Granatapfel oder Apfel.

Einfache Tipps für ein gutes Bauchgefühl

So komplex und unangenehm die Beschwerden für die Betroffenen auch sein mögen, die Therapie ist einfach und wirksam: Gelingt es auf zu schwere, zu trockene und generell Vata-erhöhende Speisen wie Hülsenfrüchte, Bohnen, Kohl, frisches Brot und Frittiertes zu verzichten, sind die häufigsten Ursachen für Blähungen bereits beseitigt.

Besonders wohltuend gegen Blähbauch sind regelmäßige Mahlzeiten mit warmen, gekochten und leicht verdaulichen Speisen. Sanft gegarte Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete und Fenchel, gut verträgliche Getreide wie Reis oder Gerste und die leicht verdauliche Mungobohne als Proteinquelle bilden ein ideales Schonkost-Menü für eine gesunde Verdauung.

Gewürze machen Speisen leichter verdaulich

Und natürlich dürfen auch die richtigen Gewürze nicht fehlen! Bereits kleine Mengen von Gewürzen können wir Wirkung der Nahrung auf nachhaltige Weise verändern. Zu den wichtigsten Gewürzen, gegen Blähungen zählen Kreuzkümmel, Hing (Asafödita), getrockneter Ingwer und Fenchelsamen. Wer nicht nur unter Blähungen, sondern auch unter Völlegefühl leidet, der sollte unbedingt auch Bockshornkleesamen in seine Gewürzbox für den täglichen Gebrauch integrieren. Und damit die Gewürze ihre volle Wirkkraft entfalten, werden sie im Ayurveda mit Ghee (Butterschmalz) angeröstet. Alternativ kann auch Sesamöl verwendet werden – beide Fette zeichnen sich als optimale Trägersubstanz für verdauungsfördernde Gewürze aus.

© Meera-Seetharaman

Wer stark Gewürztes in seiner Alltagskost nicht mag, für den gibt es Hingavastha churna, eine traditionelle Gewürzmischung, die als Nahrungsergänzung gegen Blähungen eingesetzt wird. Die Mischung besteht aus acht Gewürzen und ist zum Ausgleich vieler Vata-Störungen geeignet. Sie kann selbst gemacht (siehe Rezept) oder im Ayurveda-Versand bestellt werden. Ihre optimale Wirkung entfaltet sie bei täglicher Einnahme von  ¼ TL – ½ TL der Gewürzmischung mit etwas Ghee erhitzt und unter die ersten Bissen der Mahlzeit gemischt. Der Geschmack ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch der Effekt phänomenal.

Rezept: Hingavastha churna – Gewürzmischung aus 8 Teilen

20 g Hing
5 g getrockneter Ingwer
5 g schwarzer Pfeffer
5 g Pippali, langer Pfeffer
5 g Ajwain
5 g Cumin
5 g Kümmel
5 g schwarzes Salz
Ghee zum anbraten

Ghee in einer Pfanne erhitzen und Hing darin kurz anrösten.
Die anderen Gewürze mischen, gleichmässig mörsern und ebenfalls in einer Pfanne auf kleiner Flamme mit Ghee anrösten.
Gewürzpulver abkühlen lassen und vermischen.

Anrösten hilft

Nicht nur Gewürze werden im Ayurveda angeröstet, sondern auch alle Getreide und Hülsenfrüchte. Dieser zusätzliche Arbeitsvorgang beim Zubereiten der Nahrung wird speziell für Vata- und Kapha-Typen empfohlen, um die Speisen leichter verdaulich zu machen: Dazu werden die Körner und Bohnen einfach im trockenen Topf (ohne Fett) unter Rühren angeröstet bis sie leicht nussig riechen. Anschließend werden sie normal weiterverarbeitet. Alleine dieser kleine Ayurveda-Küchentipp hilft vielen, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide ohne Blähungen besser zu verdauen.

Ayurvedische Ernährung mit Hülsenfrüchten, Gemüse, Kräuter und Öl
© Nadine Greeff / Stocksy United

Auf die eigene Aufnahme- und Verdauungskapazität achten

Unabhängig davon, wie sorgfältig wir unsere Mahlzeiten zubereiten, immer dann, wenn wir zu viel oder zur falschen Zeit essen, wird das Verdauungsfeuer (Agni) geschwächt und Verdauungsstörungen produziert. Im Ayurveda wird die Aufnahmekapazität (Abhyavaharana) und Verdauungskapazität (Jarana) bei jedem Menschen auf individuelle Weise betrachtet und in einem auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmten Speiseplan berücksichtigt. Wichtigste Regel für alle mit schwacher Verdauungskraft: Immer nur dann essen, wenn du wirklich (noch) Hunger hast. Unnötige Zwischenmahlzeiten und den ´Teller leer essen´, obwohl du eigentlich schon satt bist, sollten unbedingt gemieden werden.  

Auch das zu späte Essen am Abend raubt uns oft den Schlaf. Denn alles, was nach 21.00 Uhr gegessen wird, kann laut Ayurveda nicht oder nur noch sehr schlecht verdaut werden. Dies spüren all diejenigen, die unter einen sensiblen Verdauungssystem leiden deutlich, wenn sie in der Nacht unter Bauchdrücken, Blähungen oder Völlegefühl leiden. Hier hilft es, die Mahlzeit um 1-2 Stunden nach vorne zu verlegen und den Abend mit einem entspannten Verdauungsspaziergang ausklingen zu lassen.

Rezept: Takra-Buttermilch gegen Blähungen und zur Vata-Regulation

45 g (2 EL) Vollfettjoghurt
200 ml Wasser
½ TL Cumin, gemahlen
1 MS Ajwain, gemahlen
¼ TL Steinsalz
1 EL frisches Korianderkraut, fein gehackt
Joghurt, Wasser, Cumin, Ajwain und Salz miteinander verquirlen. Das frisch gehackte Korianderkraut untermischen.