In der traditionellen Naturheilkunde Indiens, dem Ayurveda, geht man davon aus, einen gesunden Körper gesund zu erhalten. Der Ernährung wird hierbei große Aufmerksamkeit geschenkt. Die Kräuter und Gewürze bilden das Herzstück der ayurvedischen Küche, und somit die Grundlage für eine gute Verwertbarkeit der aufgenommenen Nahrung. Zu den Gewürzen zählen Kräuter, Samen und Rinden, die ganz, gemahlen oder zerstoßen verwen-det werden.

Alle Nahrungsmittel, und somit auch Kräuter & Gewürze, werden im Ayurveda den innewohnenden Kräften, Geschmacksrichtungen und Wirkungs-weisen zugeordnet. So gibt der Geschmack einen wichtigen Hinweis auf den Einfluss im Körper und auf die 3 Doshas Vata – Pitta – Kapha. Ein scharf schmeckendes Gewürz wirkt erhitzend (regt die Verdauung und den Stoff-wechsel an, tötet Bakterien ab, erzeugt Wärme), andere Geschmacksrichtungen wiederum haben eine kühlende Wirkung (gut bei Fieber), der süße Geschmack hat einen aufbauenden Effekt auf den Körper, gibt Zusammenhalt und Zufriedenheit.Reinigende, reduzierende Substanzen schmecken vorwiegend bitter oder herb, und gerade diese treffen wir in vielen Kräutern und Gewürzen an. Wie auch in den Heiltraditionen unserer Vorfahren, werden im Ayurveda die Gewürze nicht nur für den guten Geschmack, sondern auch zur Vorbeugung und zum Ausgleich von Disharmonien eingesetzt. Der richtige Umgang mit diesen Kräutern und Gewürzen ist bezeichnend für die ayurvedische Medizin und Kochkunst.

Chili

sehr intensive Schärfe; Pitta sollte darauf gänzlich verzichten, weil er Entzündungen verstärken kann, auch im mentalen Bereich kann die „Hitze” verstärkt werden. Antibakteriell, regt das Verdauungsfeuer und den Stoffwechsel an, kleidet die Magenschleimhaut aus, enthält Capsaicin, schüttet bei übermäßigem Gebrauch Endorphine aus, ist als „Scharfmacher” bekannt; hilft schwere, schleimige & süße Speisen besser zu verdauen V, K- P+

Kurkuma (Gelbwurz)

ist sehr blutreinigend, wirkt entzündungshemmend und durch die Bitterstoffe wird der Stoffwechsel ins Gleichgewicht gebracht, fördert die Leberfunktion und den Gallenfluß, gut bei Darmpilzen; paßt besonders gut zu allen Kohl- und Reisgerichten VPK=, im Übermaß VP+

Ingwer

frisch stärkt er die Leberfunktion, verdünnt auf natürliche Weise das Blut und senkt einen ernährungsbedingten erhöhten Cholesterinspiegel; kann zu allen Speisen verwendet werden, da er aber einen scharfen Geschmack hat, sollte er im Hochsommer wegen der Hitze nur spärlich verwendet werden, sattvisch, VK- P+

Empfehlenswert ist die Ingwerknolle auch als Tee: 1 dicke Scheibe frischer Ingwer mit ½ l kochendem Wasser überbrühen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen, auf Wunsch mit etwas Honig süßen.

Ayurveda Journal 22 · Seite 25

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Sybille-Michaela Balkow
Sybille-Michaela Balkow ist Dipl. Ayurveda- Therapeutin für ganzheitliche Ernährung und Gesundheit sowie Ayurveda-Köchin (REAA), Dozentin für Ayurveda am Campus Naturalis Berlin & München sowie Autorin von Fachartikeln über Ayurveda und artverwandte Naturheilverfahren; sie leitet zusammen mit Ihrem Mann das Ayurveda Institut “Ojas” in Bremen. Seit 10 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Ayurveda, Spiritualität, Pflanzenwissen, Kulturen anderer Länder und deren schamanistischen Traditionen.