Das heutige Leben ist komplex – und das der Frau im ganz Besonderen. Im Spagat der täglichen Selbstoptimierung zwischen Karriere, Partnerschaft, Kindern, Haushalt, gesundheitsbewusstem Lifestyle und Selbsterfüllung kann es ganz schön anstrengend werden. Viele Frauen fühlen sich vom Alltag überfordert und erschöpfen sich in den täglichen Herausforderungen.

Dabei sind Gesundheit und Glück aus ayurvedischer Sicht einfach zu erlangen: Wir leben typgerecht und stimmen unsere Ernährungs- und Verhaltensweisen auf die individuellen Bedürfnisse unseres Körpers und der Psyche ab. Damit schaffen wir ein inneres Gleichgewicht, das uns zufrieden, geistig widerstandsfähig und immunstark macht. Als zentrales Element der Familie können wir so auch unser Umfeld positiv beeinflussen.

Körper und Geist befinden sich in einem ständigen Erneuerungsprozess

Abhängig von den Qualitäten unserer Nahrung, der Stärke unseres Stoffwechsels und unseren täglichen Aktivitäten befinden sich Körper und Geist in einem ständigen Erneuerungsprozess. Nahrung wird mithilfe unseres zentralen Verdauungsfeuers im Magen (Jatharagni) aufgespalten und mittels weiterer Stoffwechselfeuer (Agnis) in die sieben Dhatus (Körpergewebe) umgesetzt. Sie beeinflusst (stört oder harmonisiert) in Abhängigkeit ihrer Qualitäten jedes Dosha (Vata, Pitta und Kapha). Zudem werden aus der Nahrung die feinstofflichen Essenzen (Prana, Tejas und Ojas) der drei Doshas gebildet, zusätzlich wird deren Bildung beeinflusst durch unsere Sinneswahrnehmungen. Da im Ayurveda der Geist zu den Sinnen gehört, schließt dies Denkprozesse unseres Geistes ein.

Dabei reicht es nicht aus, von einem der drei Essenzen mehr zu haben. Nein, was immer wir über die Nahrung und die Sinne aufnehmen, muss auch gut verdaut respektive verarbeitet werden.

Eine Tabelle über Pana/Vata, Tejas/Pitta und Ojas/Kapha
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Dauerstress belastet

Sind wir aber ständig lauten Geräuschen (z. B. gequälte Schreie), starken visuellen Impulsen (z. B. Smartphone-Aktivitäten, Horrorfilme – insbesondere abends/nachts), schlechten Gerüchen (z. B. Abgase, Schweiß), bösen Worten und negativen Gedanken ausgesetzt oder hat unser Geschmackssinn Kontakt mit Essensresten, Mikrowellenkost oder „Dosenfutter“, stehen unsere Sinne unter Dauerstress. Dazu kommen die Anforderungen im Beruf und Zuhause.
So wird der tägliche natürliche Erneuerungs- und Regenerationsprozess des Körpers und unseres Geistes unterbrochen. Denn unter einer derartigen Überlastung ist unser Stoffwechsel nicht in der Lage, die Nahrung vollständig zu verdauen. Wir verlieren das Gefühl für uns selbst, weil es unserem Körper schwerfällt, sich noch bewusst über die Sinne wahrzunehmen, und es wird nahezu unmöglich die feinstofflichen Essenzen (Prana, Tejas, Ojas) korrekt zu bilden.

Nun sind die drei Essenzen mit ihren Funktionen auf feinstofflicher Ebene aber ausschlaggebend dafür, ob wir zum Beispiel ausdauernd fokussiert arbeiten können, aufmerksam bleiben und dabei noch gut gelaunt und rücksichtsvoll mit unserer Umgebung umgehen können. All diese positiven Eigenschaften sind gleichzeitig ein Zeichen für einen hohen Anteil an Sattva, einer der drei feinstofflichen Eigenschaften der Natur und des Geistes. Sattva, die Intelligenz oder Klarheit, verleiht mentales Gleichgewicht und schafft Harmonie, Rajas, die Energie oder Bewegung, verursacht Ungleichgewicht und Tamas, die Substanz, schafft Trägheit und ermöglicht Schlaf.

Eine Tabelle über das Ungleichgewicht von Sattva, Rajas und Tamas.
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Als zentraler Mittelpunkt der Familie mit all ihren Aufgaben genießt das Wohl der Frau im Ayurveda die höchste Priorität. Hat sie ausreichend Sattva, verfügt sie mit ihrer weiblichen Kraft über ein großes Maß an emotionaler Intelligenz und versorgt ihr Umfeld mit Liebe, Nahrung, Zufriedenheit und Gesundheit. Leidet die Frau hingegen unter Stress und Erschöpfung, so ist auch ihr gesamtes Umfeld von Mangel betroffen.

Was kann Frau tun, um Sattva zu pflegen?

Ein ganz wichtiger Schlüssel dazu ist das richtige Maß an „Verlangsamung“. Die meisten von uns sacken nach wöchentlichen Aktivitätsexzessen zu einem erschöpften Haufen zusammen, aus dem es schwerfällt, wieder auf die Beine zu kommen (ohne Hilfe von Kaffee & Co.). Dieses Verhalten aber lässt den Körper von einem Übermaß an Rajas zu Tamas wechseln, und wir erschöpfen uns mit der Zeit nur immer mehr. Dabei ist es gar nicht so schwer, langsam in eine gewisse Stille zu kommen. Alles was wir tun müssen ist, unsere Aufmerksamkeit auf die kleinen, einfachen Freuden des Lebens zu lenken, die von Natur aus Sattva in uns erhöhen. Dies sind die instinktiv herzerwärmenden, freudigen Momente, die uns tief bewegen. Die Momente, die mehr Wert sind als alles Materielle.

Wege zu mehr Glück und Zufriedenheit

Sei wirklich anwesend, wenn du mit geliebten Menschen zusammen bist

Nimm dir die Zeit für einen wirklichen Austausch, frage und höre genau zu, was sie antworten. Lerne Familie und Freunde so genau kennen, und lerne, wie sie ticken. Entwickle einen Sinn für Nähe und Wärme.

Verbringe mehr Zeit mit Tieren

Wir können unendlich viel lernen über die Fähigkeit unserer Tiere, im Moment zu leben und durch die einfachsten Dinge Glück zu erlangen. Nehmen wir nur die Katze, die mit einem zufällig herabhängenden Faden spielt.

Verbringe mehr Zeit in der Natur

Ein Spaziergang, Barfußlaufen im Gras, den Sonnenaufgang oder -untergang beobachten, den Wolken nachsehen oder den Nachthimmel erforschen, all dies fördert Sattva in uns. Zeit in der Natur zu verbringen, ist gleichzeitig energetisierend, aufmunternd und tief beruhigend.

Komm in Bewegung auf die richtige Art

  • Vata-Frauen haben von Natur aus einen hohen Anteil
    an Rajas (Bewegung). Sanftes Yoga, Atemübungen
    und Bewegung in der Natur harmonisieren
    den Energiefluss und öffnen innere Freiräume.
  • Pitta-Frauen, deren Natur auch zum Teil von Rajas
    bestimmt ist, brauchen vor einer ruhevollen Entspannung
    ausreichend dynamische Bewegung, um
    Spannung abzubauen. So sollten sie eine sportliche
    Yogapraxis vorziehen. Für das mentale Gleichgewicht
    helfen auch Meditation und Singen.
  • Kapha-Frauen haben naturgegeben einen hohen
    Anteil an Tamas. Sie brauchen dynamische Sport und
    Yoga-Arten. Auch sexuelle Aktivität wird hier
    besonders empfohlen, um Tamas entgegenzuwirken.

Schaffe mehr sattvischen Raum im eigenen Zuhause

Ordentliche, übersichtliche, geräumige und lichtdurchflutete Räume, dekoriert mit Pflanzen, Kerzen und Naturbildern, fördern Sattva. Zeit in ihnen zu verbringen, fühlt sich wunderbar an. Besonders Farben wie Weiß, Creme- und Pastelltöne, Entrümpeln und liebevolles Dekorieren können uns besser fühlen lassen. All dies ist augenblicklich wohltuend und beruhigend für unsere Sinne und für unseren Geist.

Pflege deine Sinne

Wenn wir uns sattvischen Sinneseindrücken aussetzen, erhöhen wir ganz nebenbei Sattva im Geist. Es geht hier um Umarmungen, Liebkosungen, eine sanfte Massage, das Tragen von Naturmaterialien wie Seide, Schur- und Baumwolle, natürliche Gerüche wie Weihrauch und Aromaöle, das Hören von sanfter, wohltuender Musik, das Lesen von Wohlfühl-, urkomischen oder inspirierenden Büchern und das Schauen von Filmen mit Happy End.

Tue etwas Gutes

Wir können große Freude erfahren, wenn wir uns ab und zu etwas Zeit nehmen, zu einem guten Zweck beizutragen oder jemandem zu helfen, ohne dafür etwas zu erwarten. Geld zu spenden, erfüllt dabei nicht denselben Zweck, wie etwas Zeit und Energie zu investieren.

Sei dankbar

Mache dir klar, wie viel es jeden Tag in deinem Leben gibt, für das du dankbar sein solltest. Gerade in unserer Gesellschaft geht es uns besonders gut, und doch streben wir nach noch mehr. Überlege dir jeden Abend fünf Dinge, für die du an diesem Tag dankbar warst, ein unerwartetes Lächeln im überfüllten Bus oder den heißen Tee zur rechten Zeit. Lasse diese Momente noch einmal Revue passieren, mit allen Facetten. Diese positiven Gedanken und Gefühle erhöhen ganz von allein Sattva.

Sei liebevoll zu dir selbst

Schließlich fast der wichtigste Punkt, mit dem wir Zufriedenheit und Freude in unser Leben bringen können: Sei ein bisschen liebevoller mit dir. Verbringe etwas Zeit mit dir selbst, um dich und deine Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Wenn wir es schaffen, herzlicher, vergebender und fürsorglicher mit uns selbst zu sein, sind wir es ganz natürlich auch gegenüber anderen. Allerdings ist dies schwieriger, als es klingt, aber versuche es einfach jeden Tag erneut.

Uns auf die einfachen, häufig kostenlosen Freuden des Lebens zu konzentrieren, erhöht unsere Fähigkeit, Freude und Zufriedenheit zu empfinden, und wird sogar unsere Entscheidungsfähigkeit positiv beeinflussen. Haben wir mehr Sattva in uns, sehnen wir uns nach mehr Aktivitäten der gleichen Art. Am wichtigsten aber ist es, dass wir damit auch unsere Fähigkeit verbessern mit den Herausforderungen des Lebens besser zurechtzukommen.

Erschienen im Ayurveda Journal 59

Ayurveda Journal 59 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda Traumziel Sri Lanka”.

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