Verschiedene Arten von Schlafstörungen werden im Ayurveda differenziert behandelt.

Einschlafstörungen

Einschlafstörungen findet man meistens bei überdrehten Menschen, die nicht abschalten können. Sie leiden oft an Ängsten, Sorgen oder Zeitdruck. Gemäß dem Ayurveda handelt es sich hier um eine reine Vatastörung.
Neben einer geordneten Tagesplanung ohne Zeitdruck sind alle bisher besprochenen Punkte hilfreich.

Besonders wichtig ist es, möglichst während der abendlichen Kaphazeit ins Bett zu gehen. Anschließend beginnt langsam die Pittazeit mit einem höheren Aktivitätsniveau. Vatastörungen sind hierfür besonders empfänglich.

Durchschlafstörungen

Ab 2.00 Uhr nimmt im Biorhythmus das Vata stetig zu. Der Schlaf wird naturgemäß flacher, die Traumphasen sind intensiver und länger. Liegt zusätzlich eine Anregung von Vata vor, kann es zu Durchschlafstörungen kommen. Viele Menschen wachen deshalb zwischen 2.00 Uhr und 4.00 Uhr auf und sind hellwach. Das Einschlafen fällt schwer oder ist gar unmöglich.

Langfristige Abhilfe schafft hier ebenfalls die Vataroutine.

Bei hartnäckigen Durchschlafstörungen sollte der Serotonin- und Melatoninspiegel überprüft werden. Häufig hilft eine tryptophanreiche Ernährung und/oder ein tryptophanhaltiges Food-Supplement.
Eine zweite Variante kommt von einem gestörten Pitta. Diese Menschen schlafen zunächst gut ein, wachen aber dann ca. alle 90 Minuten auf und leiden unter Herzklopfen, Muskelspannungen oder Emotionen wie Ärger, Angst oder Traurigkeit.

Der Organismus ist häufig übersäuert und überhitzt.

Gerade in der Pittaphase zwischen 22:00 und 2:00 sind Galle und Leber aktiv. Im Rahmen der inneren Reinigung können Säuren und andere Reizstoffe den Körper überschwemmen und zu Schlafstörungen führen.

Es empfiehlt sich hier, scharfe Nahrungsmittel zu reduzieren und die süße, bittere oder herbe Geschmacksrichtung zu bevorzugen. Es sollen keine Mahlzeiten ausgelassen werden. Das Abendessen sollte nicht zu wenig sein, um nicht hungrig aufzuwachen. Während der Phasen von Schlaflosigkeit hilft ein kleiner Snack aus einer halben Tasse Milch und einem Teelöffel Rosenblätter-Marmelade. Rosenblätter wirken auf Geist, Körper und Gefühle kühlend. Ist der Kopf heiß, kann man einen Teelöffel Kokosöl mit einigen Tropfen Lavendelöl mischen und damit die Scheitelpartie leicht einmassieren.
Bei starken Pittastörungen sind ayurvedische Food-Supplements angezeigt. Amalaki wirkt kühlend und entsäuernd. Guduchi unterstützt die Leberentgiftung.

Zerschlagenheit am Morgen

Der Schlaf ist lang, aber nicht erfrischend. Nach acht oder mehr Stunden Schlaf sind diese Menschen am Morgen träge, müde und erschöpft. Ergänzt wird diese Symptomatik manchmal durch kurze Durchschlafstörungen am frühen Morgen. Hier besteht zusätzlich eine Kapha-Störung, hervorgerufen durch Verschlackung.
Bei starken Anreicherungen des Kaphas in den Geweben kann der Schlaf selbst gestört sein. Die Immobilität während des Schlafes verlangsamt den Stoffwechsel der Muskulatur. Das Kapha wirkt dann übersäuernd, verschleimend und stauend. Der Körper fühlt sich schwer und geschwollen. In Verbindung mit dem Vata kann es zu Gliedersteifigkeit und Gelenkschmerzen kommen. Zusammen mit Pitta sind Entzündungen möglich.
In diesem Fall ist es wichtig, noch vor der persönlichen Kaphaphase aufzustehen. Eine Massage am Morgen mit warmem Öl ist sinnvoll. Wichtig ist reichlich Bewegung. Während des Tages soll regelmäßig heißes Wasser getrunken werden. Es ist besser, zu schwere, süße, salzige und saure Nahrungsmittel zu reduzieren. Abends ist eine leichte Mahlzeit empfehlenswert. Ideal wäre eine Suppe, gewürzt mit Ingwer oder Pfeffer. Vor dem Schlafengehen kann ein heißer Kräutertee, aber keine Milch getrunken werden.

Schlaf-Apnoe

Die Bedeutung der Schlaf-Apnoe ist erst in den letzten Jahren erkannt worden. Während des Schlafes entspannt sich die Muskulatur. Dies gilt auch für die Muskeln, die an der Atmung beteiligt sind. Das erschlaffende Gaumensegel führt zunächst zu vermehrten Atemanstrengungen in Form des Schnarchens. Bei weiterer Erschlaffung kann der weiche Gaumen die Atemwege verschließen. Es kommt zum Atemstillstand, der mehrere Sekunden dauert. Durch vermehrte Muskelaktivität im Halsbereich kommt die Atmung nach ca. 10 Sek. wieder in Gang.
Vergrößerte Mandeln oder Polypen können auch bei Kindern zur Schlafapnoe führen. Seltener ist die zentrale Schlafapnoe, bei der eine Schädigung des Atemzentrums selbst vorliegt. Die Schlafapnoe kann durch konservative Maßnahmen gebessert werden.

Dazu gehören:
Gewichtsreduktion
Vermeidung von Alkohol
Leichtes Abendessen
Vermeidung von Schlaftabletten, möglichst keine Medikamente vor dem Schlafengehen
Schlafen auf der Seite

In ausgeprägten Fällen wird eine Schlafmaske verordnet.
Aus ayurvedischer Sicht ist eine Reduktion von Kapha angesagt. Dazu gehören vornehmlich alle Maßnahmen, die bei Nebenhöhlenentzündung und Bronchitis angezeigt sind. In der täglichen Routine ist das Nasenreflexöl empfohlen. Man schnieft mehrmals täglich 1-2 Tropfen des Öls in jedes Nasenloch.
Spezifisch wirksam ist Pippali (Piper longum). Der lange Pfeffer ist scharf und erhitzend. Dadurch baut er Kapha ab und reinigt die Atemwege vom Schleim. Er ist dadurch alleine oder zusammen mit Ingwer und schwarzem Pfeffer (Trikatu) ein gutes Mittel bei Schlaf-Apnoe.
Während ayurvedischer Reinigungskuren hört man oft von den Ehefrauen, dass ihre Männer weniger schnarchen. Bei Schlafapnoe ist deshalb ein Versuch mit Pancha Karma einschließlich einer Serie von Nasya (Nasenbehandlungen) einen Versuch wert.

Restless-Leg-Syndrom

Die ruhelosen Beine können für die Betroffenen ein Martyrium darstellen. Beim stillen Sitzen und vor allem beim Liegen fangen die Beine, seltener die Arme, an zu kribbeln. Durch Bewegung verbessern sich die Symptome. Manchmal kommt es zu unwillkürlichem Zucken der Beine. Verschlechtert werden die Beschwerden durch einen vollen Bauch und durch Stress.
Die Ursachen sind unbekannt. Es wird eine Störung des Dopaminstoffwechsels im Rückenmark diskutiert.
Das Restless-Leg-Syndrom kann durch leichtes Essen und durch Stretching reduziert werden. Am besten macht man vor dem Schlafengehen ein Set an Yogaübungen, die vor allem den Rücken und die Beine durchdehnen.
In der Schulmedizin werden bei starken Beschwerden sogenannte Dopaminagonisten eingesetzt. Das sind Stoffe, die wie Dopamin wirken. Seitens des Ayurveda ist deshalb ein Versuch mit Kapikacchu (Mucunia pruriens) zu empfehlen. Es enthält natürliches Dopamin. Man rührt 2 mal täglich _ Tl in heißes Wasser oder besser noch heiße Milch und steigert langsam die Dosis, bis eine Besserung eintritt.
Ayurveda Journal 14 · Seite 30 – 31

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Dr. Hans Schäffler
Dr. Hans Schäffler gehört zu den ersten Ayurveda-Ärzten in Europa. 1977 medizinisches Staatsexamen, seit 1984 Arzt für Naturheilverfahren, 1983 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda e.V., 1984 / 85 Studium des Ayurveda bei führenden ayurvedischen Kapazitäten in Indien, USA und Europa, 1986 Aufbau des ersten ayurvedischen Gesundheitszentrums in Deutschland, seit 1993 ärztlicher Leiter des Ayur-Veda Gesundheitszentrums im Hotel Schloss Pichlarn, Österreich. Seit 2010 persönliche Ausbildung bei Te Wairemana in der Spiritualität und der Heilkunst der Maori.