Nicht nur durch ein gutes Verhalten am Tage können wir unserem Körper Gutes tun. Auch in den Abendstunden und in der Nacht haben wir mit unseren Ernährungs- und Schlafgewohnheiten einen großen Einfluß auf das tägliche Wohlbefinden.

Besonders das richtige Abendessen bestimmt unmittelbar über Vitalität und Entspannung von Körper und Geist.

Entgegen der hiesigen Gewohnheit, zum Abendessen eine kalte Brot-Mahlzeit einzunehmen, in der Käse, Wurst und ab und zu mal ein Radieschen oder eine saure Gurke die Abwechslung im Speiseplan darstellen, ist ein warmes Abendessen eine der wichtigsten Grundregeln der ayurvedischen Ernährungs- und Gesundheitslehre.

Mit feinen Suppen, aromatischen Eintöpfen und leicht verdaulichen Gemüse- und Getreidegerichten findet der Tag seinen genußvollen und gesunden Abschluß. Cremige Linsen- und Gemüsesuppen, leckere Kartoffelgerichte, im Ofen geschmorte Wurzelgemüse oder mit frischen Kräutern abgeschmeckte Getreidepfannen werden mit milden, aber verdauungsfördernden Gewürzen zubereitet und schenken dem Organismus alles, was er nach einem anstrengenden Tag für seine Regeneration und Erneuerung benötigt.
Gerade für Berufstätige, die am Tage häufig nicht die Gelegenheit haben, sich mit einem frischen und energiereichen Mittagessen zu versorgen, ist ein nach ayurvedischen Prinzipien zubereitetes Abendessen unentbehrlich.

Aus meiner Erfahrung als Ayurveda-Ernährungsberater weiß ich jedoch, dass es vielen meiner Klienten äußerst schwer fällt, sich am Abend die Zeit und den Raum zu nehmen, um ein gutes Abendessen zuzubereiten. Häufig kommen sie spät und erschöpft nach Hause und die Energie reicht gerade noch für eine schnelle Tiefkühlpizza oder ein Sandwich. Oder sie haben zur “guten” Essenszeit von 18.00 – 19.00 Uhr noch keinen Appetit Der große Heißhunger überfällt sie erst gegen 21.30 Uhr und wird mit einer Nasch- und Futterorgie vor dem Fernseher befriedigt. Die darauf folgenden Blähungen, Völlegefühle, Schlafstörungen und Anlaufprobleme am nächsten Morgen werden nur selten als unmittelbare Konzequenz der falschen Ernährungs- und Verhaltensweise am Abend betrachtet. Gelingt es jedoch, einige ayurvedische Empfehlungen für den Abend praktisch umzusetzen, so verbessert sich das persönliche Befinden unmittelbar!

Eine der wichtigsten Gewohnheitsänderungen beginnt mit einem dem Biorhythmus angepassten Zeitmanagement, in dem ein frühes, leichtes Abendessen und im Anschluß keine anstrengenden Aktivitäten vorgesehen sind. Unser Stoffwechsel benötigt die regenerativen Abendstunden mit Ruhe und Entspannung, um seine zellerneuernden und gewebeaufbauenden Funktionen zu aktivieren. Ist unser Magen jedoch mit einer zu üppigen und schwerverdaulichen Mahlzeit überlastet oder befinden wir uns nach 20.30 noch in nervlich angespannter Aktivität (vor dem Computer, bei der Arbeit o.ä.), so werden die Kräfte der körperlichen Erneuerung verhindert und Störungen im Dosha-Gleichgewicht, der Dhatu-Qualität und der aktiven Agnifunktionen breiten sich aus. Gelingt es jedoch, den Versuchungen des mitternächtlichen Internetsurfens, der abendlichen Pflichterfüllung bei der Steuererklärung oder Bügelwäsche zu widerstehen und statt dessen ein vata-ausgleichendes Ölbad, eine ojas-aufbauende Schlafmilch und ein frühes Schlafengehen (gegen 22.00 Uhr) zu genießen, so können wir sicher sein, am nächsten Morgen voller Lebensfreude und Leistungsfähigkeit in den nächsten Tag zu starten.

Praktische Tips für das ayurvedische Abendessen

Das Abendessen dient im Ayurveda dem Ausgleich von Vata und Kapha. Da am Abend das Verdauungsfeuer eher schwach ist und der Körper durch die Aktivitäten des Tages bereits viel Kraft verloren hat, sollten wir nun eine warme, nährende und energiespendende Mahlzeit einnehmen. Das Essen sollte so früh wie möglich sein und keinesfalls später als 19.30 Uhr eingenommen werden. Am besten werden alle süßen Speisen und kohlehydrathaltigen Nahrungsmittel verdaut. Auf sehr scharfe oder anregende Speisen oder Gewürze können wir verzichten, ebenso ist Fleisch oder Fisch am Abend nicht förderlich.

Am Abend sollte laut der ayurvedischen Ernährungslehre immer eine Suppe gegessen werden. Dies gilt besonders für die Vata-Konstitution, ist aber auch für jeden anderen Stoffwechsel sehr empfehlenswert. Eine Suppe am Abend schenkt dem Körper Ruhe, Stärkung und Entspannung. Wurzelgemüse und Kartoffeln wirken hier sehr ausgleichend und helfen dem Stoffwechsel bei der inneren Reinigung und Entsäuerung.

Ayurvedische “Gute-Nacht-Milch”

200 ml frische Bio-Milch, 1 Msp. Muskatnusspulver, 1 MS Safran, 1 TL Honig oder Sharaka (ayurvedischer Kandiszucker)
Alle Zutaten mischen und in einem kleinen Topf erwärmen. Dann leicht aufschäumen (macht die Milch leichter) und in kleinen Schlucken vor dem Schlafengehen trinken.

Erschienen im Ayurveda Journal 13

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Gesunder Schlaf”.

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Kerstin Rosenberg
Kerstin Rosenberg ist eine international bekannte Ayurveda-Spezialistin, Dozentin und Autorin. Seit mehr als 20 Jahren bildet sie Ayurveda-Ernährungsberater, Gesundheitscoachs und psychologische Ayurveda-Therapeuten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die renommierte Europäische Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Kur- und Kompetenzzentrum in Birstein, Hessen. www.ayurveda-akademie.org, www.rosenberg-ayurveda.de