Interview mit Dr. med. Hans Schäffler

Kann Ayurveda verjüngen?

Die Umkehr des Biologischen Alters war bereits vor 3.000 Jahren eine eigenständige Disziplin des Ayurveda. Anti-Aging ist neuerdings zu einem Modewort geworden. Von diesem Trend muß sich der Ayurveda deutlich abgrenzen.

Kann es Anti-Aging geben, da das Alter eine unabdingbare Realität ist?

Anti-Aging ist ein unglücklich gewählter Begriff. Es macht natürlich keinen Sinn, das Älterwerden aufhalten zu wollen. Das Alter bringt einen ständigen Zuwachs an Erfahrung und Reife, die kein vernünftiger Mensch missen möchte. Aber jeder Mensch möchte natürlich auch in der Lage sein, die Früchte des Alters gesund und energievoll genießen zu können. Das zu schnelle Altern kann man regulieren.

Wie kann man sich die ayurvedischen Anti-Aging Methoden vorstellen?

Ayurveda Programme machen fit, sie geben die Kraft und den Mut, den man braucht, um mit zunehmenden Alter sich immer wieder auf neue Situationen einstellen zu können.

Im Laufe des Lebens verschlackt der Organismus. Organe und Gewebe werden dadurch schlechter ernährt und altern damit zu schnell. Ayurvedische Methoden reinigen die Gewebe von Toxinen, Krankheitsstoffen und Umweltbelastungen. Dadurch erholen sich die Zellen. Gleichzeitig geben wir eine ayurvedische Spezialität, die Rasayanas. Es sind Präparate aus Heilpflanzen und Mineralien, die gezielt die Organe stärken und das Altern verlangsamen. Ergänzt werden diese Programme durch Stressmanagement, wobei der Ayurveda hier auf die alte Yoga-Tradition zurückgreifen kann.

Idealerweise beginnt man mit einer 10-14 tägigen Entschlackung. Die ayurvedischen Ölbehandlungen lösen tiefsitzende Toxine, gleichzeitig entspannen sie und regen die Regeneration an. Die meisten Menschen berichten, dass sie alleine nach einer Reinigungstherapie wieder für ein Jahr voller Energie sind.

Nach einer Reinigung ist es an der Zeit, die Organe wieder zu ihrer bestmöglichen Funktion zu bringen. In der Regel empfiehlt sich eine Kombination aus ayurvedischen Heilkräutern und Nahrungsergänzungen. Wichtig ist auch, dass wir zu Hause unsere Gewohnheiten so modifizieren, dass unsere Gesundheit länger vorhält.

Altern die verschiedenen Doshas auf verschiedene Art und Weise?

Die Doshas beschreiben die verschiedenen Typen an Menschen. Es ist augenscheinlich, dass manche Menschen schneller altern. Im Ayurveda sind das die Vatatypen. Vata entspricht dem Luftelement. Es ist die Grundlage von Aktivität und Beweglichkeit auf Kosten der Körperlichkeit. Vatatypen sind in Reinform hagere, knochige Menschen mit trockener Haut und geringer Muskulatur. Der altersgemäße Abbau wird dort schneller sichtbar.

Das zweitschnellste Dosha im Altern ist das Pitta. Es entspricht dem Feuer. Bezogen auf den Menschen ist es die Grundlage von guter Verdauung und einem guten Stoffwechsel. Der innere Motor läuft einfach schneller. Das ist der Grund für das etwas schnellere Altern.

Im Bezug auf das Altern hat es am besten das Kapha, das dem Wasserelement entspricht. Kaphatypen haben straffe und feuchte Gewebe, so dass Haut und Muskulatur grundsätzlich langsamer altern.

Was können die einzelnen Doshas generell tun um länger jung zu bleiben?

Jeder Typ hat seine besonderen Stärken und natürlich auch Schwachpunkte. Die Stärken müssen ins Leben gebracht werden, die Schwachpunkte kann man abpuffern.

Vata ist körperlich und geistig der aktivste und beweglichste und damit kreativste Typ. Das muss er natürlich ausleben dürfen, da er daraus seine Kraft und Lebensfreude bezieht. Zum Ausgleich braucht Vata eine gute Lebensroutine, viel Schlaf und regelmäßige, warme, nahrhafte Mahlzeiten.

Pittatypen haben eine gute innere Verbrennung, einen klaren Intellekt, gute Führungseigenschaften und lieben die Herausforderung. Sie müssen sich oft einbremsen, um nicht zu überhitzen. Hier helfen kühlende Nahrungsmittel, kühlende Hautpflege und das nötige Maß an „Muße“, was heute so schön als Stressmanagement bezeichnet wird.

Kaphatypen sind stabil, kräftig und ausdauernd. Sie brauchen eine leichte, warme, gut gewürzte Ernährung und regelmäßig viel Bewegung.

Woran erkenne ich die Qualität einer Ayur-Veda Behandlung?

Ayurveda ist vor allem eine ganzheitliche Heilkunde. Deshalb gehört sie in die Hände von erfahrenen Ärzten, besonders dann, wenn es um Krankheiten geht. Daneben gibt es erfahrene Therapeuten, die gute Behandlungen und eine umfassende Beratung anbieten. Das ist jedoch nur für gesunde Menschen gedacht, die sich was Gutes tun wollen. Da es derzeit jedoch noch keine Ausbildungsstandards für Ärzte und Therapeuten gibt, ist man gut beraten, die Qualität des angebotenen Programm kritisch zu hinterfragen.Ayurveda Journal 2 · Seite 17

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Dr. Hans Schäffler
Dr. Hans Schäffler gehört zu den ersten Ayurveda-Ärzten in Europa. 1977 medizinisches Staatsexamen, seit 1984 Arzt für Naturheilverfahren, 1983 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda e.V., 1984 / 85 Studium des Ayurveda bei führenden ayurvedischen Kapazitäten in Indien, USA und Europa, 1986 Aufbau des ersten ayurvedischen Gesundheitszentrums in Deutschland, seit 1993 ärztlicher Leiter des Ayur-Veda Gesundheitszentrums im Hotel Schloss Pichlarn, Österreich. Seit 2010 persönliche Ausbildung bei Te Wairemana in der Spiritualität und der Heilkunst der Maori.