Die ayurvedische Ernährung hält sich nicht an strenge Regeln oder Diäten sondern erlaubt uns, unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. Einmal auf Ayurveda eingestimmt, gehen wir Schritt für Schritt zurück zu natürlichem Geschmacksempfinden. Alle Nahrungsmittel werden so frisch wie möglich zubereitet.

Die Eckpfeiler der ayurvedischen Kochkunst:

  1. die sechs Geschmacksrichtungen: süß. sauer, salzig, herb, bitter und scharf
  2. die richtige Kombination der Lebensmittel
  3. die Heilkraft der Gewürze

Alle sechs Geschmacksrichtungen sollten in jeder Mahlzeit vorhanden sein, wobei man die eigene Konstitution bzw. die der Familie berücksichtigen muss. Eine typgerechte Ernährung ist eine präventive Maßnahme, um Gesundheit zu erhalten und Befindlichkeitsstörungen oder Krankheiten vorzubeugen.

Typgerechte Ernährung im Ayurveda

Hier einige Empfehlungen für die drei Doshas:

• VATA •

Auf alle scharfen, bitteren und herben Speisen, sowie kalte und trockene Nahrungsmittel wie z. B. Rohkost am Abend sollten Vata-Konstitutionen verzichten. Außerdem sollten sie während der Mahlzeiten keine Zeitung lesen oder fernsehen, weil diese Gewohnheiten die Verdauungstätigkeit blockieren.

Vata’s brauchen mehrmals täglich nahrhafte, leicht verdauliche warme Speisen, die sie erden. Dazu gehören Lebensmittel mit süßem, saurem und salzigem Geschmack sowie gesunde Fette aus Nüssen und Samen, Ghee (ayurvedisches Butterfett) und Pflanzenöle. Sie sollten vor allem genügend warme Flüssigkeit zu sich nehmen, damit ihr Agni (Verdauungskraft) angeregt wird, ihre Hautfeuchtigkeit erhalten bleibt und ihr Kreislauf stabil.

• PITTA •

Pitta-Konstitutionen sollten auf alle scharfen, sauren und salzigen Speisen, ebenso auf zu heiße Speisen und Getränke verzichten. Zu schnelles, hastiges und heißes Essen fördert die Verschlackung und es kann zu entzündlicher Haut (Akne) kommen.

Pitta’s sollten süße, bittere und herbe Nahrungsmittel zu sich nehmen, wie z.B. süßes Obst, leicht bittere Gemüse wie z. B. Rosenkohl im Winter oder Dal (Hülsenfrucht-Gerichte) sowie kühlende Teesorten wie Pfefferminz und Melisse.

• KAPHA •

Überwiegend Kapha geprägte Menschen sollten scharf (regt Agni, die Verdauungskraft an), bitter und herb essen. Vor allem die richtigen Gewürze können den Stoffwechsel ordentlich anheizen.

Möglichst verzichten sollten sie außerdem auf süße, saure und salzige Speisen, da diese Kapha verstärken und Salz Wasser im Gewebe bindet und das Gewicht noch erhöht.

Hier ist besonders die Kombination leicht verdaulicher Nahrungsmittel wichtig. Warme Mahlzeiten wie z.B. Wokgemüse und Suppen sind nicht nur mittags sondern auch abends ideal. Sie belasten nicht unnötig den Stoffwechsel. Kapha’s sollten viel abgekochtes, warmes Wasser zur Unterstützung der Entschlackung trinken. Empfohlen wird auch ein wöchentlicher Fastentag oder ein bis zwei Fastenkuren im Jahr.

Weil der Kapha-Mensch ohnehin schon zu Übergewicht neigt, sind Zwischenmahlzeiten und Tagschlaf zu vermeiden.

Die richtige Kombination der Nahrungsmittel

Ayurvedisch kochen ist nicht indisch kochen, sondern berücksichtigt die Jahreszeiten und lehrt uns heimische Lebensmittel zu bevorzugen, weil sie unter den gleichen klimatischen Bedingungen wachsen und leben wie wir.

Im Ayurveda achtet man sehr auf die Verträglichkeit von Speisen und so heißt es auch: Verträglichkeit geht vor Vollwertigkeit. Es nützen die besten Lebensmittel nichts, wenn der Mensch, der sie verzehrt, nicht die Verdauungskraft dafür hat.

Unverdaute Nahrungs- und Lebensmittel führen zu Verschlackung (Ama) und Krankheit. Ein gutes Beispiel ist die Milch. Sie gehört im Ayurveda zu den drei großen Rasayanas (Verjüngungsmitteln), gleichzeitig ist sie aber ein schwer verdauliches Eiweißprodukt. Milch gibt es heute meistens denaturiert. Selbst die viel beworbene Flaschenmilch ist pasteurisiert und homogenisiert. Milch wird im Ayurveda immer als vollwertiges Lebensmittel betrachtet und sie sollte nie mit einer salzigen Speise kombiniert werden.

Gewürze – die Basis der ayurvedischen Kochkunst

Aus ayurvedischer Sicht sind Gewürze und Kräuter Nahrungsmittel mit besonderen Eigenschaften. Was für einen Komponisten die Noten, sind für einen ayurvedischen Koch die Gewürze. Über den Geschmackssinn kommunizieren sie mit den drei Doshas und sind in der Lage, diese zu regulieren. Besonders die scharfen Gewürze wie Chili, Knoblauch und Ingwer stärken die Darmflora und das Immunsystem, verbrennen Toxine im Darm und machen Speisen besonders bekömmlich.

Vata Menschen lieben beruhigende, wärmende und süße Gewürze wie z.B. Zimt, Kardamom, Fenchel. Pitta Menschen bevorzugen kühlende, harmonisierende und etwas bittere Kräuter und Gewürze wie Dill, Bockshornklee, Kurkuma, Fenchel und Safran.

Kapha Menschen sollten sich an Chili, Curryblätter, Knoblauch, Kreuzkümmel und Pfeffer halten.

Lassen auch Sie sich inspirieren von der abwechslungsreichen, gesunden ayurvedischen Küche.Ayurveda Journal 4 · Seite 9

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Doris Bachmann
Geb. 1955 arbeitet seit elf Jahren in Ihrem eigenen Institut als Ayurveda-Therapeutin und ganzheitliche Kosmetikerin. Seit 1999 leitet Sie ein eigenes Ausbildungs- und Seminarzentrum mit den Schwerpunkten Ayurveda-Massage und Ernährung sowie Naturkosmetik. Ihre Ausbildungen absolvierte Sie in Deutschland, Sri Lanka und Kerala/Indien. Dort arbeitete Sie unter ärztlicher Leitung in Kurkliniken und brachte von dort authentisches Ayurveda mit. Um erfolgreich mit Menschen zu arbeiten machte Sie eine Weiterbildung zur psychologischen Beraterin. Sie arbeitet bis heute als Gastdozentin und Referentin für Schulen und Firmen. Ihre freiberufliche Autorentätigkeit unterstreicht Ihre kreative Ader. Seit diesem Jahr ist Sie Geschäftsführerin der Bachmann Live in Comfort GmbH, einer Firma, die Sie gemeinsam mit Ihrem Mann gegründet hat und die sich auf vielfältige Aufgaben rund ums Wohlfühlen spezialisiert.