Die schimmernde, gesunde Haut ist in der Ayurveda-Derma­tologie Ausdruck einer auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Ernährung und der richtig versorgten sieben Körpergewebe (Dhatus). Insbesondere die ersten beiden Gewebe Plasma und Blut (Rasa und Rakta) beeinflussen die Gesundheit der Haut und des Immunsystems sowie aller nachfolgenden Gewebe wie Muskeln, Fett, Knochen, Nerven und Keimzellen. In der Aus­strahlung eines Menschen zeigt sich die Essenz aller sieben Dhatus (Ojas), die sich voneinander abhängig aufbauen.

Erkrankungen der Haut ergeben sich demzufolge aus Funk­tionsstörungen im Aufbau der Körpergewebe, die häufig durch Ernährungsfehler und falsche Lebensführung entstehen. Sie werden mit speziellen diätetischen Empfehlungen, Kräuter­rezepturen und individuellen Ordnungstherapien behandelt. In der Diagnostik gibt die Betrachtung der Ausscheidungen (Malas) wie Stuhl (Purisa), Urin (Mutra) und Schweiß (Sveda) wichtige Hinweise auf die Entstehung und Entwicklung von Störungen, die sich auf die Haut auswirken.

Einfluss der drei universellen ayurvedischen Regelkräfte auf die Haut

Generell werden im Ayurveda Konstitutionen unterschieden, die sich aus den Bioenergien Vata, Pitta und Kapha in ganz indi­vidueller Gewichtung im Menschen ausprägen und das Zusam­menspiel von Körper, Geist und Seele ständig beeinflussen. Bei Störungen des gesundheitlichen Gleichgewichts wirken sie körperschädigend als Doshas (Verderber).

In der Haut wirkt Vata auf die gefäßlose Oberhaut (Epidermis) und mittlere Hautschicht, die bindegewebige Lederhaut (Corium); Pitta auf Lederhaut und Grenze zur Oberhaut und Kapha auf Unterhaut (Subkutis) und Lederhaut. Vata-betonte Haut neigt entsprechend ihrer konstitutions­typischen Qualitäten zu Trockenheit bis Rauheit, Feinheit, dunk­len Verfärbungen sowie zu Kühle und Klimaempfindlichkeit. Die klinische Manifestation von Vata-Störungen kann sich in Stuhlverstopfung, plötzlich auftretenden Schmerzen, rot-braunen bis grau-schwarzen Verfärbungen von Haut und Schleimhäuten, Verlust von Wahrnehmungsfunktionen, Krämpfen, übermäßiger Erregung, Abmagerung sowie Lockerheit oder Nicht-Kompakt­heit des Gewebes ausprägen.

Pitta-Ungleichgewichte fördern in der Haut übermäßige Schweiß­bildung, Akne, Brennen, Rötungen, Hitzeempfindungen, Ent­zündungen und Eiterbildung. Klinisch lassen sich rötliche, gelb­liche und grünliche Verfärbungen des Urins und des Stuhls erkennen. Häufig entstehen saures Aufstoßen (Sodbrennen), übermäßiger Hunger und Durst sowie Durchfälle.

Kapha-Störungen fördern Ödeme, Klebrigkeit, Öligkeit und Hautjucken sowie Verhärtung der Gefäße. Auf der körperlichen Ebene manifestiert sich zuviel Kapha als Schweregefühl, Appetit­losigkeit, Ablagerungen, übermäßige Speichelbildung, unzu­reichende Verdauungskraft (schwaches Agni), süßlicher Ge­schmack im Mund, Schläfrigkeit, Trägheit und Übergewicht sowie weißliche Verfärbungen der Ausscheidungen und Organe.

Gesundheit der besonders hautrelevanten Körpergewebe Plasma und Blut

A. Plasma (Rasa Dhatu)

Ein gut aufgebautes Rasa Dhatu beeinflusst alle sechs nach­folgenden Körpergewebe und ist deshalb von größter Wichtigkeit für die Gesundheit der Haut sowie Ausstrahlung und Schönheit eines ganzheitlich gepflegten Menschen.

Rasa bedeutet im ayurvedischen Sinne nicht nur Plasma, sondern auch Lymphe und Nährflüssigkeit der Zellen. Neigt die Haut zu Trockenheit, fehlt ihr vor allem das gesund aufgebaute erste Körpergewebe Rasa. Die wichtigste Maßnahme für die Stärkung von Rasa ist die Ernährungsoptimierung. Um Rasa zu nähren und zu befeuchten, sollten täglich mindestens 30 ml raumtemperiertes Quellwasser pro Kilogramm Körpergewicht getrunken werden (bei 6o Kilo 1,8 l). Des Weiteren besitzt die Heißwasser-Trinkkur eine stark Vata-beruhigende, aus­leitende und entkramp­fende Wirkung. Gegen die Rasa-störenden Vata-Erhöhungen können nahrhafte, gesalzene (6 g pro Tag) Flüssigkeiten hilfreich sein. Natürlich süße Fruchtsäfte, warme Suppen und milde, ge­kochte Gemüsesorten wirken Rasa-stärkend. Vata wird durch bittere Speisen verstärkt.

Das feurig-heiße Pitta-Dosha beeinflusst man besonders in der warmen Jahreszeit günstig mit kühlenden Zubereitungen aus mildem Joghurt und grü­nen Gurken oder mit leicht bitterer und Pitta-senkender Rohkost, Blattsalaten und mög­lichst knackig gegartem Ge­müse (Brokkoli, Spargel, Spinat). Frischfruchtsäfte (ohne Zitrusfrüchte) und Leber/Galle schonende Pflanzensäfte sind gegen Pitta-Störungen sehr empfehlenswert. Der Verzicht auf saure, sehr scharfe und stark gesalzene Kost ist ebenfalls hilfreich bei der Behandlung von übermäßigem Pitta.

Für Kapha-geprägte Menschen sind reinigende und ausleitende Maßnahmen angezeigt, um Rasa zu harmonisieren und die Entgiftung anzuregen. Kurze Nahrungskarenz oder eine gut abgestimmte Reduktionsdiät, begleitet von Trockenmassagen und Kräuterpulver- bzw. Wärmeanwendungen, entlasten von Schla­cken (Ama). In der Kapha-Ernährung wird Zurückhaltung von Milchprodukten, Fett, Salz und schwerverdaulichen Speisen (scharf gebraten) empfohlen. Die süße Geschmacksrichtung gilt als Kapha-erhöhend.

Grundsätzlich gelten als Rasa-stärkend vor allem saftig gekochte Gerichte wie warme Suppen und Gemüseeintöpfe, vitaminreiche Getränke, Reis- und Getreidemahlzeiten, kleine Mengen an Nüssen und eingeweichten Trockenfrüchten sowie Nahrungsmittel, die von unserem Verdauungsfeuer (Agni) vollständig umgewandelt werden können und den Stoffwechsel dadurch nicht unnötig belasten. Diese Ernährung versorgt alle Körpergewebe optimal und bringt die Haut zum Strahlen.

B. Blut (Rakta Dhatu)

Die von vielen Blutgefäßen durchzogene Lederhaut ist der Hauptsitz von Rakta Dhatu. Eine gesunde Haut ist gut durchblutet und zeigt eine rosige Färbung. Ist das Blut hingegen gesundheitlich belastet, zeigt sich dies bei zahlreichen organischen Störungen mit Gelbfärbung der Haut, Schleimhäute und Skleren als Ikterus sowie bei Sauerstoffmangel als Zyanose (Blaufärbung) oder bei Anämie (Blutarmut) als Blässe.

Auch der Aufenthalt im Freien (Sauerstoff), die Nikotinabstinenz und eine gesunde Lungenfunktion stärken Rakta Dhatu.

Für die Gesundheit des Blutes allgemein werden Leber stärkende Heilpflanzen, saisonales, vitamin- und mineralstoffreiches Gemüse und leicht verdauliche, fettarme Speisen bevorzugt. Vor allem vegetarische Kost mit natürlich süßem (Möhren, Kürbis) und leicht bitterem Geschmack (Mangold, Blattsalate, Spinat) wird bevorzugt. Da das Blut sehr eng mit dem Pitta-Prinzip im Körper verbunden ist, sollten alle Pitta-störenden Nahrungs- und Ge­nussmittel wie Fleisch, stark Säurehaltiges, Kaffee, Alkohol und scharfe, erhitzende Gewürze zumindest innerhalb einer Haut-Kur gemieden werden.

Ayurvedische Behandlung der Haut – allgemeine Regeln

Neben der Stärkung von Plasma und Blut sowie des Immunsystems setzt die Ayurveda-Medizin eine Vielzahl von Heilkräutern ein, die der Bekämpfung von Hauterkrankungen dienen. Man geht davon aus, dass Hautkrankheiten oft zusätzlich durch falsche Lebensgewohnheiten entstehen wie

  • Stoffwechsel belastende Essenszusammenstellungen
  • exzessives Essen und Trinken sowie Genussmittel- Missbrauch
  • zu häufige Nahrungsaufnahme (ohne Hunger) sowie die daraus folgende Schwächung der Verdauungskraft
  • exzessiver Verzehr von vergorenen, salzigen, sauren, abgestandenen oder aufgewärmten Speisen
  • Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse wie Urinieren, Stuhlgang, Niesen, Gähnen, Blähungen
  • Belastende Klima- oder Arbeitsplatzverhältnisse (ständig zu heiß, zu kalt oder häufiger Wechsel)
  • häufiger Genuss von zu kalten Flüssigkeiten, halbgefrorenen und eisgekühlten Nahrungsmitteln.

Die ayurvedische Entgiftungskur Panca-Karma (Fünf Behandlun­gen) setzt individuell verordnete Anwendungen zur Ausleitung von Toxinen aus Magen und Dünndarm (therapeutisches Er­brechen und Abführen) auch zur Behandlung von Haut­erkrankungen ein. Typischerweise werden solche Kuren eingeleitet mit Ölmassagen (Abhyangas) und kombiniert mit der Schwitz­therapie (Svedana). Auch die innerliche Behandlung mit Ghee (geklärte Butter), die Vata-senkenden Einläufe (Basti) sowie die Verabreichung von Medi­kamenten über die Nasenschleimhaut (Nasya) sind je nach Indika­tion erprobte und erfolgreich ange­wandte ayurvedische Behand­lungen gegen chronische Erkran­kungen und Hautkrankheiten.
Ayurveda Journal 17 · Seite 33 – 34

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Margrit Witt-Horchlerist
Margrit Witt-Horchlerist ist Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten Ayurveda, Diätetik und Phytotherapie. Ihre Ayurveda-Praxis in Hamburg, die Villa Veda, gründete sie vor sieben Jahren (www.villaveda.de). Zum größten Teil wurde sie seit 1997 an der Europäischen Akademie für Ayurveda in Birstein ausgebildet. Sie ist Vorstandsmitglied im VEAMT und leitet seit einigen Jahren eigene Fortbildungen zum Thema Ayurveda in Hamburg. Konsultationen nach Vereinbarung.