Eine Mutter berichtet vom Leben ihres Sohnes mit Down-Syndrom und wie der Ayurveda ihr Halt und Hoffnung gab.

Mein Sohn Tim ist ein Wunschkind. Ich träumte vorher, wie man es so macht als Mutter: Es sollte gut aussehend sein, mit blonden Haaren und blauen Augen. Intelligent natürlich und beliebt in der Schule. Die Erfüllung meines Glückes!

Doch es kam anders. „Ihr Kind hat das Down-Syndrom“, sagte man mir im Krankenhaus. Mein Sohn ist geistig behindert. Er hat einen Gendefekt mit äußeren sichtbaren Merkmalen und körperlichen Einschränkungen. Mein Traum zerplatzte wie eine Seifenblase. Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, mir genau vorzustellen, was eine geistige Behinderung bedeutet. Für mein Kind und für die ganze Familie. Tim wurde in der Kinderklinik nur auf organische Funktionsstörungen behandelt. Meine Sorgen und meine Probleme mit dem Alltag mit einem kranken Kind konnten nicht berücksichtigt werden.

Ärzte und Therapeuten sahen vordergründig das Syndrom, weniger die Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften. Alles, was wir im Alltag machten, war therapeutisch auf Krankheit fixiert. Ich suchte jedoch vor allem ein System, das alle Aspekte berücksichtigt.

Dies und noch viel mehr fand ich im Ayurveda. Dort wird das Leben mit all seinen Facetten beschrieben. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht sein Syndrom. Es wird geschaut, wer diese Krankheit hat. Die Symptome, die ein Mensch mit Morbus Down aufweist, sind die Folgen eines unveränderbaren Gen-Defekts. Jedoch die Folge-Krankheiten, die daraus entstehen, können minimiert werden.

Hilfe bei der Förderung

Aufgrund des Gen-Defektes und einer motorischen Entwicklungsverzögerung werden Menschen mit Down-Syndrom als geistig behindert eingestuft. Die motorische Entwicklungsverzögerung kommt durch den verminderten Muskeltonus. Dadurch können die Kinder wenig eigene Erfahrung machen und das behindert die Entwicklung des Gehirns. Somit müssen die Eltern oder vertraute Menschen im Umfeld dem Kind helfen, geistig gefordert zu werden.

Im Ayurveda wird meiner Erfahrung nach die Gesamtheit betrachtet: die Eigenschaften des Kindes und auch der Eltern. Somit versucht man einen gemeinsamen Weg zu finden, in dem das Kind gedeihen kann. Unterstützend können durch einen erfahrenen Ayurveda-Arzt einige Mittel gegeben werden, um die Hirnleistung zu stärken, darunter Brahmi. Es fördert das Lernvermögen und optimiert die motorische Koordination.

Aufbau der Muskulatur

Muskulatur wird benötigt, um zu sprechen, greifen und um mobil zu werden, um sich eigenständig fortzubewegen. In der Kräuteranwendung kann Ashvagandha zur Stärkung der Muskulatur eingesetzt werden. Zusätzlich sollten Massagen mit medizinierten Ölen wie Mahanarayan-Öl durchgeführt werden. Massagen helfen den Tonus zu erhöhen, Nervenzellen und Sinne werden angeregt und Synapsen verschaltet. Zugleich stärken Massagen die Beziehung von Mutter, Vater und Kind.

Individuelle Ernährung

Im Ayurveda wird viel Wert auf die Ernährung gelegt, die zum jeweiligen Typ passen sollte. So wurden die Empfehlungen an die Konstitution von Tim angepasst. Faktoren wie Eigenschaften (Guna) des Nahrungsmittels und welche Eigenschaften die jeweilige Konstitution ausgleicht sollten beachtet werden. Ebenso die Quantität einer Mahlzeit, Essenszeit und Art der Verarbeitung des Essens (roh, gekocht, gedünstet …), unterstützende Gewürze und Kräuter. Wichtig ist ebenso die Verdauung.

Tim hat aufgrund seiner schwachen Muskulatur auch eine Verdauungsschwäche. Das heißt für ihn: Rohkost und Vollkorn kann er nur schlecht verdauen. Deshalb wird Gemüse immer gekocht und mit Gewürzen und Kräutern (wie Basilikum und Petersilie) angereichert.

Die gesunde Milch für Kinder ist bei einer Überproduktion von Schleim in der Nase und in den Bronchien kontraindiziert. Tim ist häufig verschleimt. Deswegen gibt es nur ganz selten Milch. Und wenn, dann nur mit Kardamom, Zimt und Ingwer. Auf Käse und Quark verzichten wir weitgehend. Genauso meiden wir saure Produkte wie Tomaten und Früchte, da sie die Kanäle zwischen den Zellen blockieren.

Stärkung der Mutter

Am Anfang regierte Tim gewissermaßen über mich. Mein Tag war voll mit Terminen bei Therapeuten und Ärzten. Daneben waren wir regelmäßig bei der Krankengymnastik, und Tim brauchte zudem Stunden um zu essen. Mit der Zeit wurde ich immer ungeduldiger und unzufriedener.

Durch Ayurveda habe ich viel über meine Konstitution gelernt – und wieder mehr Energie gefunden. Ich habe meinen alten Beruf als Technische Zeichnerin an den Nagel gehängt und mich in Ayurveda ausbilden lassen. Und endlich konnte ich mich im Beruf austoben, und Tim hatte eine geduldige Mutter. Das war für beide wichtig. Zudem habe ich für mich den Wert der Freiheit neu erkannt. Ich kann mein Leben selbst in die Hand nehmen und selbst gestalten. Tim kann das nur bedingt. Deshalb ist es für alle Menschen mit Assistenzbedarf wichtig, Personen an der Seite zu haben, die eine große Kraft besitzen.

Mit folgenden Mitteln zur Unterstützung habe ich gute Erfahrungen gemacht:

Brahmi:
Stärkt die Nerven bei Unruhe und Erschöfung.

Shatavari:
Ein Tonikum zur Stärkung der Lebenskraft, ausgleichend bei nervlicher Belastung.

Schulmedizin und Ayurveda

Wir brauchen Schulmedizin, denn wichtige Fehlfunktionsstörungen der Organe können durch OPs behoben werden. Manchmal ist eine Antibiotika-Behandlung wichtig, um bei erhöhten Entzündungswerten die Folgeerscheinungen zu minimieren.

Der Ayurveda hilft uns bei der Prävention von Folgekrankheiten des Gen-Defekts. Das Kind wird nicht als Syndrom betrachtet, sondern als individueller Mensch in seinem sozialen Umfeld. Ziel ist es, Körper, Geist und Seele gemeinsam zu erfassen. Beide Systeme haben für mich ihre Berechtigung. Es wäre aus meiner Sicht ein Fehler, sich nur auf ein System zu verlassen.

Ayurveda Journal 38 · Seite 44 – 45
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