“Regelmäßige Ölmassage des Kopfes beugt Kopfschmerzen, Haarausfall und frühzeitigem Ergrauen vor. Der Kopf und besonders die Stirn werden gestärkt. Die Sinne arbeiten besser, das Gesicht strahlt und sogar der Schlaf wird tiefer.
– Charaka Samhita Sutrasthan Kapitel 5, Vers 81 – 83 (Zusammenfassung)

Regelmäßige Ganzkörper Ölmassagen verbessern die gesamte Ausstrahlung. Sie stärken besonders die Haut und machen sie sanft. Schlechter Körpergeruch und Dumpfheit werden beseitigt. Sie beugen insbesondere Vata-Ungleichgewicht vor und verlangsamen den Alterungsvorgang.

– Charaka Samhita Sutrasthan Kapitel 5, Vers 85 – 93 (Zusammenfassung)

Eine tägliche Selbst-Massage fördert nicht nur die Hautgesundheit, sondern wirkt gleichzeitig auf unsere physiologische wie seelisch-emotionale Gesundheit positiv ein und entspannt auch den Geist.

Über Nervenbahnen und Reflexwirkungen ist die Haut mit allen inneren Organen verbunden. Daher lassen sich über die Hautoberfläche Körper und Geist sowie allgemeine Gesundheit positiv beeinflussen. Massagen vermögen Stoffwechselabbauprodukte in den Zellen zu lockern, sodass die körpereigenen Entgiftungssysteme von Haut, Nieren und Darm diese Ablagerungen ausscheiden können. Massagen sollten nach Möglichkeit zum festen Bestandteil der Körperhygiene werden. Bei regelmäßiger, wiederholter Anwendung nimmt die Gesundheit auf allen Ebenen zu. Zuerst merken Sie vielleicht “nur”, dass Sie sich vitaler, kräftiger fühlen oder vielleicht weniger müde als sonst. Auch die tiefergelegenen Bindegewebsschichten werden durch regelmäßige Massage besser duchblutet. Dies regt den Kreislauf an und fördert die Entschlackung.

Das Abhyanga (Ölmassage) ist besonders wohltuend und beruhigend bei Vata-Problemen und für Menschen mit ausgesprochener Vata-Dosha Konstitution, sofern keine gravierende Stoffwechselstörung vorliegt, und natürlich in der kalten Jahreszeit. Die genannten Effekte erzielen Sie allerdings nicht mit einem beliebigen Speiseöl. Laut ayurvedischen Überlieferungen müssen die Massageöle mit entsprechenden Kräutern mediziniert sein.

Durchführung einer Ölmassage

In der Regel wird empfohlen, Abhyanga frühmorgens auszuführen. Wärmen Sie das medizinierte Öl auf ca. 40 Grad Celsius an, z. B. im Wasserbad. Ölen Sie sich zuerst von oben bis unten ganz und gar ein und führen Sie im Anschluss daran die eigentlichen Streichbewegungen durch. Es sollte die gesamte Handfläche aufgelegt werde, sodass sie sich ganz natürlich dem Körper anpasst. Vermeiden Sie auf jeden Fall, punktuell in den Körper einzudringen, ganz gleich an welcher Stelle, oder mit spitzen Fingern zu behandeln. Die Streichbewegung der Hände mit der Wuchsrichtung der Körperhaare wirkt beruhigend und besänftigend auf den Körper und gleicht alle Arten von Vata-Störungen aus. Das Rückwärtsstreichen entgegen der Wuchsrichtung der Körperhaare belebt den Zellstoffwechsel, regt die Durchblutung und die gesamten Hautfunktionen an und fördert den Abbau von Stoffwechselablagerungen. Der Wechsel in der Strichrichtung bewirkt eine sehr ausgewogene Behandlung: Eine so durchgeführte Ölanwendung hilft dem Körper zu entschlacken, während sie gleichzeitig eine entspannende und stressreduzierende Wirkung auf Körper und Geist hat. Das Ölen von Kopfhaut und Ohren gilt als besonders wichtig.

Nicht durchgeführt werden sollte Abhyanga eine Stunde vor und nach dem Essen, während der Menstruation, bei Erkältungen und spätabends (nach 20 Uhr).

Auch den Fußsohlen sollten Sie immer besondere Aufmerksamkeit schenken. Gerade Körperpartien wie Ober- und Unterarme, Ober- und Unterschenkel sowie Rücken können Sie mit großen auf- und abführenden Längsstrichen behandeln. Den Gelenken schenken Sie durch kreisende Bewegungen besonders viel Aufmerksamkeit. Auch der Bauch wird mit kreisenden Bewegungen und zwar im Uhrzeigersinn massiert. Wenn es möglich ist – beispielsweise an Beinen, Rumpf und Kopf – bewegen Sie beide Hände an einander entsprechenden Körperpartien synchron. Als Zeitrahmen für die Ölbehandlung werden in der Regel 5 – 10 Minuten täglich empfohlen. Optimal ist es, wenn Sie das Öl nach der Massage noch 10 Minuten auf der Haut lassen.

Gesichtsmassage

Für die klassische ayurvedische Gesichtsmassage hat sich folgender Ablauf bewährt: Reinigen Sie zuerst das Gesicht. Das im Wasserbad erwärmte Gesichtsöl wird sanft auf das Gesicht und die Ohren verteilt und anschließend mit 2 oder 3 Fingerkuppen jeweils 3 bis 7 Mal in folgender Weise einmassiert (wo möglich mit beiden Händen parallel):

  • die Stirn von der Mitte nach außen zu den Schläfen
  • kneten der Augenbrauen von innen nach außen zwischen Daumen und Zeigefinger
  • kreisende Bewegungen an den Schläfen
  • sanft um die Augen massieren
  • die Nase von der Stirn (3. Auge) zur Nasenspitze, dann beide Nasenflügel
  • die Wangen in kreisende Bewegungen von den Ohren zu den Nasenflügeln
  • den Unterkiefer entlang vom linken zum rechten Ohr mit einer “Fingerschere” (zwischen Zeige- und Mittelfinger) und umgekehrt (Handwechsel)
  • nun mit den Fingerspitzen die Ohren umkreisen und mit Daumen und Zeigefinger vom Ohrläppchen aus die Ohrmuschel drückend massieren
  • den Hals vom Unterkiefer abwärts mit “Handschere” (zwischen Daumen und geschlossenen Fingern) mit der rechten und linken Hand im Wechsel

GARSHAN Massage

Alternativ zur Ölmassage empfiehlt der Ayurveda die Garshan-Massage, eine Trockenmassage mit Seidenhandschuhen. Sie wird zur Ama-Reduzierung, Gewichtsabnahme oder bei vorherrschendem Kapha empfohlen. Die Garshan-Massage wird genauso wie die Ölmassage vor dem Duschen durchgeführt. Die sanfte Stimulierung des Bindegewebes regt Stoffwechsel und Kreislauf an. Schlacken werden schneller und leichter abgebaut, die Lymphdrainage gefördert. Durch den sanften Peeling-Effekt werden Hautschüppchen gründlich und schonend beseitigt. Ebenso hilft sie unterstützend bei Vorbeugung und Reduzierung von Zellulite.

Durchführung: Beginnen Sie mit dem Gesicht, dann Hals, Schultern und Arme. Im Gegensatz zur Ölmassage werden die Arme jedoch in umgekehrter Richtung massiert, d.h. beginnend mit den Fingern arbeitet man sich langsam bis zu den Schultern vor. Dabei sollte der Aufwärtsstrich etwas stärker betont werden, um die stoffwechselanregende und Kaphareduzierende Qualität zu verstärken. Alle Gelenke werden grundsätzlich mit kreisenden Bewegungen massiert. Brustkorb und Bauch mit kreisenden Bewegungen sanft massieren, die weibliche Brust jedoch auslassen (Bauch im Uhrzeigersinn). Der Rücken kann mit Längsstrichen behandelt werden und das Gesäß mit großen, kreisenden Bewegungen. Am Schluss Füße und Beine – beginnend mit den Füßen mit langen Strichen nach oben arbeiten. Aufwärtsbewegung wieder etwas stärker betonen. Die Garshan-Massage sollte man nicht bei übermäßigem Vata, direkt vor oder nach dem Essen, nicht zu spät abends (wegen der anregenden Wirkung), nicht bei Krankheiten und nicht bei Frauen während der Schwangerschaft oder Periode durchführen.

UDVARTANA Massage

Der antike Autor Vagbhat schreibt darüber in seinem Lehrbuch (Ashtanga Hridaya): “Udvartana besänftigt Kapha, verflüssigt das Fett, erzeugt Stabilität (Stärke, Kompaktheit) und macht eine exzellente Haut.”

Eine spezielle Trockenmassage wird im Ayurveda mit Pulvern durchgeführt. Sie wird als Udvartana bezeichnet. Sie kann je nach Konstitution direkt auf trockener Haut oder nach einer Ölmassage durchgeführt werden. Udvartana kann auch lokal (z.B. Oberschenkel und Hüften) zur Beseitigung von Cellulite oder Fettpolstern eingesetzt werden. Die Anwendung des Gesichtspulvers ergibt einen besonders zarten und sanften Teint. Bei der Massage dringen die Wirksubstanzen des Pulvers tief in die Haut ein und können ihre Wirkung dort gut entfalten. Die Haut regeneriert, der Stoffwechsel wird gestärkt und die Bildung von Ojas gefördert.

Nagelmassage

Stark beanspruchte Nägel benötigen besondere Pflege. Spülmittel, Seifen, Wind und Wetter greifen die feine Schutzschicht der Nägel an. Deshalb empfiehlt der Ayurveda die regelmäßige sanfte Massage der Fingernägel und des Nagelbettes.

Durchführung: Etwas Nagel-Ghee auftragen und sanft von der Nagelwurzel nach vorne massieren. Pro Hand ca. fünf Minuten. Am besten täglich anwenden.

Ayurveda Journal 8 · Seite 8 – 9