Jetzt kann eine Frühjahrskur neuen Schwung bringen

Die Göttin steigt aus der Dunkelheit heraus, hinauf zum Licht – zur Freude aller Lebewesen.
Daran glaubten schon unsere Ur-Ahnen und zelebrierten dieses Ereignis, den keltisch-germanischen Frühlingsanfang in der Nacht zum 1. Februar.

Der intensiver werdende Lichteinfall beflügelt Sinneswahrnehmung und Stimmung. Gleichzeitig empfinden wir aber auch Symptome der Frühjahrsmüdigkeit. Es scheint paradox, einerseits stimuliert zu sein und andererseits dennoch unter größter Müdigkeit zu leiden. Die Erklärung aus dem Ayurveda lautet: Die Strahlen der Frühjahrssonne, die ersten Farbtupfer in Gärten und auf Wiesen sowie das Vogelgezwitscher erhellen zwar unsere Gemüter, die zunehmende Wärme lässt aber auch den Winterspeck dahinschmelzen, was sämtliche körperlichen Prozesse behindert und verlangsamt. Ein Gefühl der Schwere entsteht. Der Appetit nimmt ab.

Um auch auf körperlicher Ebene frühlingshafte Gefühle aufkeimen zu lassen, müssen diese Winterschlacken dringend ausgeleitet werden. Die Frühjahrsmüdigkeit ist aber nicht nur lästig, sondern bildet den Nährboden für grippale Infekte, Allergien wie Heuschnupfen, allergisches Asthma, rheumatische Beschwerden, Migräne und weitere Beschwerden.

Die Menschen in allen Kulturen und Regionen wussten, wie sie diese jahreszeitlich bedingten „natürlichen“ Störungen in den Griff bekommen konnten. Mit Fasten, der wohl einfachsten Methode, um schwere, klebrige Substanzen, die Ayurveda als Ama oder überschüssiges Kapha bezeichnet, aus dem Körper zu eliminieren. Trotzdem sollte die Frühjahrsmüdigkeit nicht pathologisiert werden. Sie entsteht auf Grund eines natürlichen, sich jährlich wiederholenden Prozesses, der meldet: Jetzt ist höchste Zeit für eine Art Frühlingsputz!

Neben dem Fasten sind im Frühling Bewegung in freier Natur, scharfe und bittere Gewürze sowie eine Reduktion der Nahrungsmenge angezeigt. Deftige Speisen, die während der Winterzeit ihre Berechtigung hatten, müssen nun mit leichter Kost ersetzt werden. Essen und Leben im Einklang mit den natürlichen jahreszeitlichen Veränderungen garantieren eine optimale Immunität und ein sinnliches Leben.

Also weg mit dem Winterspeck! Nehmen wir doch die geringen Strapazen einer Anpassung an die Jahreszeit auf uns und leiten mittels Nahrungsreduktion und Detox-Therapien wie Panchakarma, die potentiell krankmachenden Faktoren aus unserem Körpersystem aus. Die vedischen Philosophen lehren uns, dass was anfänglich einen bitteren Geschmack besitzt, sich bald schon zu Nektar verwandelt – dem Jungbrunnen des Frühlings.

Ernährungs- und Fastentipps für den Frühling

für Vata und Vata-Pitta Konstitutionen:

Zutaten:

Petersilienwurzel
Fenchel
Sonnnenblumenkerne
Braunhirse

Zubereitung:

2 TL Ghee und 2 TL Sesamöl erhitzen; Gewürze darin anrösten: feines Stück geschälter frischer Ingwer, Ajwan, Asafötida, Kreuzkümmel, dann Sonnenblumenkerne dazugeben, leicht anrösten, schließlich die klein gewürfelten Pastinaken und wenig Fenchel, Meersalz dazugeben, kurz sautieren und dann heißes Wasser dazugeben und danach 3 EL Braunhirsenmehl und bei kleiner Flamme gut köcheln lassen.

Fastentipp:

Gehen Sie einen Monat lang ohne Abendessen ins Bett und essen Sie erst am nächsten Morgen eine kleine Schale mit Ingwer, Kardamom, Sternanis und Zimt gewürzten Früchtekompott und zu Mittag eine frische Gemüsesuppe mit Linsen, Kichererbsen, Reis oder Dal und etwas Ghee.

für Pitta Konstitutionen:

Zutaten:

Lauch
Selleriegrün
grüne Mungbohnen
gemörserter / geschroteter Reis

Zubereitung:

2 TL Ghee oder Olivenöl in einer Pfanne erhitzen; Curryblätter, Bockshornklee, Koriandersamen und Kurkuma dazugeben und mit dem fein geschnittenen Lauch anrösten. Selleriegrün dazu und blanchieren; danach Steinsalz hinzu, umrühren und dann heißes Wasser und eine kleine Menge
Mungbohnen und Reis dazugeben – gut kochen.

Fastentipp:

Nehmen Sie einen Monat lang jeden zweiten Tag nur flüssige Nahrung zu sich. Sie verzichten dabei auf Ihr Frühstück und trinken frühmorgens lediglich ein bis zwei Tassen abgekochtes heißes Wasser. Zu Mittag gönnen Sie sich zwei bis maximal drei Deziliter frischen Gemüsesaft, der mit gerösteten und gemörserten Koriander- und Kreuzkümmelsamen, etwas Kräutersalz und 1 Teelöffel Olivenöl verfeinert wird.

für Kapha, Vata-Kapha und Pitta-Kapha Konstitutionen:

Zutaten Kapha Fastensuppe:

Mangold
Petersilie
Frühlingszwiebel
Ingwer
grüner Chili
Knoblauch
Gerste

Vorbereiten:

Schwarze Senfsaat und Kreuzkümmel in einer trockenen Pfanne rösten, wobei die Senfsamen zu hüpfen beginnen – also unbedingt mit Deckel. Gerste schroten oder mörsern.

Zubereitung:

2 TL Rapsöl in einer Pfanne erhitzen, dann fein gehackte Zwiebel, Ingwer und grünen Chili dazugeben und erst danach die Senfsaat, den Kreuzkümmel sowie die Gerste zugeben; wenn leicht geröstet, Mangold und deutlich weniger Petersilie dazugeben und gut andämpfen. Schließlich wenig
Steinsalz hinzugeben, danach mit heißem Wasser aufgießen und kochen. Ideal, wenn Sie mit dem Mangold auch noch eine gepresste Knoblauchzehe dazugeben und gut einrühren (verbessert den Fettstoffwechsel) – zur Vata Suppe müssten noch 2 Körner schwarzer Pfeffer dazugegeben werden.

Fastentipp:

Konstitutionen mit einer Kapha Komponente eignen sich für ein rigoroseres Fasten. Um den sogenannten Jo-Jo-Effekt zu vermeiden, sollten Sie jedoch nicht ohne Unterbrechung und über längere Zeiträume fasten. Für einen Monat verzichten Sie auf Frühstück und Abendessen. Zu Mittag kochen Sie sich eine leichte, gut gewürzte Gemüsesuppe mit einer Handvoll Mungdal, einer Prise Steinsalz und einem Teelöffel Sesam- oder Rapsöl. Geeignete Gewürze sind schwarzer Pfeffer, langer Pfeffer, frischer Ingwer, Kurkuma, frischer Chili, Kreuzkümmel, Ajwan und Asafötida.

Ayurveda Journal 41 · Seite 10 – 11