Dashamula ist eine der am häufigsten verwendeten Wurzelmischungen im Ayurveda, bestehend aus den zehn Wurzeln verschiedener auf dem indischen Subkontinent wachsender Bäume und Sträucher. Die frisch gesammelten Wurzeln werden gereinigt und zum Teil geschält, dann können sie als Grobschnitt verwendet werden oder sie werden getrocknet und fein zu einem Pulver gemahlen bzw. zur Herstellung verschiedener Kräuterliköre, Kräuterpasten, Öle und Kräuterghee, auf die ich später noch näher eingehe, weiterverarbeitet.

Anwendung finden diese Produkte häufig zur Reduzierung von Vata und den damit verbundenen Beschwerden, aber auch zur Aufrechterhaltung der Balance von Vata-, Pitta- und Kapha-Dosha.

Alle zehn Bestandteile sind je zu 10 % im Dashamula enthalten. Fünf dieser zehn Wurzeln stammen dabei von Bäumen. Dies sind die sogenannten Brihat Panchamula, die fünf großen Wurzeln:

  • Aegle marmelos (Bilva), die Wurzel des Bilva-Baumes, wird in Indien als die Verkörperung von Lord Shiva selbst angesehen.
  • Premna obtusifolia (Agnimantha) wird in Indien bei Entzündungen eingesetzt.
  • Oroxylum indicum (Shyonaka) gilt im Ayurveda als Amapachana (Ama-verdauend).
  • Stereospermum suaveolens (Patala) ist als Stärkungsmittel bekannt.
  • Gmelina arborea (Gambhari) hilft unter anderem, die Konzentration zu verbessern.

Die anderen fünf Wurzeln stammen von Sträuchern, die als Laghu Panchamula, die fünf kleinen Wurzeln, bezeichnet werden:

  • Desmodium gangeticum (Shalaparni) kann alle drei Doshas verringern.
  • Uraria picta (Prishnaparni) wirkt Vata-reduzierend.
  • Solanum indicum (Brihati) ist ein Haartonikum.
  • Solanum xanthocarpum (Kantakari) wirkt Kapha- und Vata-reduzierend
  • Tribulus terrestris (Gokshura) Tridosha-reduzierend.

Dashamula wird als Churna (Pulver) und in verschiedenen Aufbereitungen wie Kashaya (Abkochung der Wurzeln), Arishta (Kräuterlikör), Dashamula Tailam (Dashamula-Öl mit Sesamöl als Basisöl) auf unterschiedlichste Weise verwendet.

Dashamula Churna ist wohl am bekantesten unter den Dashamula-Präparationen und kann
leicht bei der Essenszubereitung beigemischt werden. Ein Drittel Teelöffel in die Abend- und
Morgenmahlzeit ist wohltuend für den Darm und wirkt als Antioxidans im Organismus.

Dashamula Taila wird im Rahmen der ayurvedischen Panchakarma-Therapien häufig für
die Vata-reduzierenden Öleinläufe (Anuvasana Basti) verwendet. Das Auftragen des Öls auf die Kopfhaut oder Stirn hat eine entspannende Wirkung bei Kopfschmerzen. Es ist ebenfalls bestens geeignet für den Shirodhara (Ölstirnguß).

Zwei bis drei Tropfen in jedes Nasenloch pflegen die Nasenschleimhäute, besonders im Winter
während der Heizperiode, wenn die Nasenschleimhäute leicht austrocknen.

Einmal wöchentlich einen Tropfen in jedes Ohr hält das Trommelfell geschmeidig, was wichtig für das Hörvermögen ist. Dies darf aber nur durchgeführt werden, wenn keine Entzündung
vorliegt und kein Loch im Trommelfell vorhanden ist.

Dashamula Arishta (enthält durch das spezielle Herstellungsverfahren circa 5–7 % Alkohol).
Ein- bis zweimal täglich 15–20 ml mit der gleichen Menge warmem Wasser nach dem Essen ist ein stärkendes Tonikum für die Nerven und beruhigt den Darm. Dashamula Arishta kann auch über mehrere Wochen in der oben genannten Dosis eingenommen werden und ist dann allgemein kräftigend und unterstützt das Immunsystem.

Es sollte nicht bei vermehrtem Pitta-Dosha und im Fall von Diabetes eingenommen werden.

Dashamula Kashaya wirkt nervenberuhigend, allgemein stärkend, unterstützt das  Erinnerungsvermögen und ist entlastend bei Blähungen. Auch in Zeiten vermehrten Stresses wirkt Dashamula entspannend und fördert den Schlaf. 5 ml mit 100 ml warmem Wasser verdünnt sollte warm getrunken werden. Der sehr bittere Geschmack kann durch Zugabe von etwas Honig abgemildert werden.

Dashamula Gritha wird aus Ghee und Dashamula sowie zehn weiteren Kräutern hergestellt.
Es wird häufig für die Ghee-Einnahme im Rahmen einer Panchakarma-Behandlung als Vorbehandlung (Purvakarma) eingenommen, besonders wenn es um die Reduzierung von Vata- oder Kapha-Dosha geht.

Die tägliche Einnahme von einem halben oder einem Teelöffel mit warmem Wasser wirkt ausgleichend auf alle drei Doshas. Eine größere Dosis sollte nur nach Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt für Ayurveda-Medizin eingenommen werden.

Dashamula Rasayanam wirkt stärkend auf die Atemwege, lindert Blähungen und Schluckauf. Die Inhaltsstoffe dieser Kräutermarmelade sind Dashamula und weitere 17 Kräuter.

5–10 g ein- bis zweimal täglich mit warmem Wasser oder besser mit Honig ist die übliche Dosis.

Kindern unter fünf Jahren gibt man 1–2 g und Kindern von fünf bis zwölf Jahren jeweils 5 g mit Honig oder warmer Milch oder Wasser.

Was die klassischen ayurvedischen Schriften sagen

In der Charaka Samhita und dem Astanga Hridaya wird Dashamula auch als entzündungshemmend bei Arthritis und lindernd bei Muskel- und Gelenkschmerzen
beschrieben. Die Funktionen der Atmungsorgane werden unterstützt und auch eine nervenberuhigende Wirkung ist erwähnt. Außerdem wird auf eine entgiftende Wirkung auf den Organismus hingewiesen.

Die Wirkungsweise von Dashamula und den daraus hergestellten Präparaten werden beschrieben als:
Dipana (karminativ): entblähend
Pachana (digestiv): verdauungsfördernd
Ruchya (aperitif): appetitanregend
Vatanulomana (antifl atulent): blähungsvorbeugend
Shulahara (spasmolytisch, analgetisch): entkrampfend, schmerzlindernd
Balya (tonisch): kräftigend, stärkend

In der Praxis

In meiner Ayurveda-Praxis hat Dashamula einen festen Platz und fi ndet in unterschiedlicher Weise Anwendung. Ich empfehle meinen Patienten häufig Dashamula Arishta. Die stärkende und nerventonische Wirkung ist in manchen stressbelasteten Lebensphasen eine wirksame Unterstützung.

Für die Einläufe während einer Panchakarma-Behandlung ist Dashamula häufi g Bestandteil der Einlaufmischung. In einem Niruha Basti (reinigende Darmspülung), einem Einlauf aus Salz, Honig, Kräuterpaste, Öl und einem Dekokt (einer Kräuterabkochung) kann Dashamula sowohl als Dekokt oder als Kräuterpaste zum Einsatz kommen. Auch für die Kräuterdampfbäder, die Schwitzbehandlungen (Svedana), verwende ich mitunter Dashamula als Grobschnitt.

Dashamulakshira Dhara ist eine ganz besondere, wunderbare Behandlung zur Entspannung, Stressreduktion oder bei Schlafproblemen. Dabei wird Dashamula-Pulver in Milch (Kshira) aufgekocht. Diese Abkochung kann warm als Shirodhara (Ölstirnguß) oder Sarvangadhara (Ganzkörperguss) verwendet werden. Auch Kräuterwickel (Lepas) lassen sich aus Dashamula-Pulver vermischt mit warmem Wasser oder Öl bei Muskelverspannungen und ähnlichen Beschwerden in der Praxis ohne großen Aufwand herstellen und anwenden.

Die sind nur einige wenige Beispiele für ein weites Spektrum an Verwendungsmöglichkeiten von Dashamula, diesen zehn wunderbaren Wurzeln, die uns die Natur schenkt und die wir zu unserem Wohlergehen in dieser Vielfalt nutzen können.

Erschienen im Ayurveda Journal 59

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Ayurveda Traumziel Sri Lanka“.

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Michael Rohrschneider
Heilpraktiker, seit 1989 in eigener Praxis tätig. Ayurveda-Spezialist, Panchakarma-Therapeut, Seminarleiter, Meditationslehrer, Autor, Adviser of Dr. Gahukar’s International Academy of Ayurved & Panchakarma, Nagpur. rohrschneider@ayur-med.de, www.ayur-med.de