“Meine Haut ist so empfindlich, dass ich keine Creme vertragen kann!”,

klagt eine große, schlanke Frau in den mittleren Jahren, die völlig aufgelöst zu mir in die Wellness-Praxis kommt. Da ich der Kundin ansehe, dass sie nervös ist, bitte ich Sie, sich erst einmal hinzusetzen und ein Glas Tee zu trinken. Langsam wird sie ruhiger und erzählt mir zögernd von ihrem Alltag. Sie wirkt innerlich unausgeglichen. Die Hautanalyse zeigt eine sensible, trockene und spröde Haut. Das beobachte ich, wenn Menschen sich gestresst fühlen, “viel um die Ohren” haben, ungelöste Probleme mit sich herumtragen oder schlecht schlafen. Die Personen spüren oft ein unangenehmes Spannungsgefühl im Gesicht, verbunden mit Brennen oder Jucken. Auch neigt die Haut zu Rötungen, Schuppungen und Verhornungen.

Ursachen sensibler Haut aus konventioneller und ayurvedischer Sicht

Die konventionelle Medizin führt sensible Haut auf eine Schädigung der obersten Hautschicht zurück. Die Ursachen sind nicht klar definierbar. Konstitutionelle Faktoren können eine Rolle spielen, ebenso Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung, trockene Kälte, Hitze und starke Sonnenstrahlung. Auch Inhaltsstoffe von Cremes können sich negativ auswirken. Da die Ursachen aus medizinisch-analytischer Sicht nicht eindeutig sind, fällt es schwer, entsprechende Behandlungsempfehlungen zu geben.

Aus der Sicht des Ayurveda liegt die Ursache sensibler Haut in der Dosha-Konstellation und deren Störung. Beispielsweise ist die Haut einer gesunden Vata-Frau in der Regel glatt, feinporig, zart und mit einem geschmeidigen leichten Fettfilm geschützt. Da Vata-Typen über einen wachen, beweglichen Geist verfügen, sich für vieles interessieren und ausprobieren möchten, verlieren sie sich oft in der Vielzahl der Angebote und fühlen sich dann gestresst. Auch berufliche und private Belastungen setzen ihnen zu. Dieses Ungleichgewicht zeigt sich oft zuerst am Hautbild: raue Flecken treten auf, die Haut wirkt glanzlos, fühlt sich trocken an und neigt zu Knitterfältchen. Weitere Kennzeichen eines aus dem Gleichgewicht geratenen Vata-Typs sind aufgesprungene Lippen und dunkle Ringe unter den Augen.

Vata und Pitta Typen neigen zu sensibler Haut

Die feurigen Pitta-Typen verfügen über viel Energie. Ihre Haut ist in der Regel gut durchblutet, warm, weich, geschmeidig, gut durchfeuchtet, hell und pfirsichfarben. Oftmals entwickelt der Pitta-Typ einen übermäßigen Ehrgeiz, möchte besser sein als andere und gerät durch zu viel Aktivität in Zeitdruck. Unter Stress neigt er dann zu Ungeduld, ist leicht reizbar und ärgerlich. Ist das Pitta aus dem Gleichgewicht geraten, kann die Haut mit Rötungen, Reizungen, Entzündungen und Brennen reagieren. Umwelteinflüsse verstärken diese Tendenz. Bei heißem Wetter und starker Sonnenbestrahlung fühlt sich die Haut brennend und empfindlich an. Sie ist dann besonders sensibel gegenüber chemischen Verbindungen (Kosmetik-Cremes) und neigt leicht zu allergischen Reaktionen.

Sowohl Vata- als auch Pitta-Typen neigen also zu irritierter und sensibler Haut, wobei die Vata-Haut mehr zu Trockenheit und Feuchtigkeitsmangel, die Pitta-Haut eher zu Rötungen und Entzündungen neigt. Beiden Typen gemeinsam ist der aus dem Gleichgewicht geratene Säureschutzmantel, der die Haut vor Fremdstoffen, Bakterien und Viren schützen soll. Die Schwäche des natürlichen Schutzschildes macht es möglich, dass die Haut einerseits schneller Feuchtigkeit verliert und austrocknet, andererseits anfälliger gegenüber äußeren Reizen ist. Auch Krankheitserreger und Keime können leichter in die Haut eindringen.

Ziele sind, die Hautbarriere wieder aufzubauen und zu stärken, den Fett- und Feuchtigkeitsmangel auszugleichen, die Geschmeidigkeit der Haut wieder herzustellen und vor weiterem Austrocknen zu schützen. Das gelingt aus ayurvedischer Sicht unterstützend mit Reinigungs- und Pflegemitteln aus natürlichen Produkten, die die Haut nicht reizen. Ein wichtiger Punkt ist auch der Schutz vor UV-Strahlen (Sonnenschutzmittel mit einem hohen mineralischen UV-Filter sind allgemein gut verträglich).

Reinigungsmilch für die gereizte, juckende, schuppende, trockene Haut zum Selbermachen:

  • 1 TL Aloe-Vera-Wasser
  • 1 TL Aloe-Vera-Gel
  • 1 TL Honig (nur wenn keine Allergie auf Honig besteht)
  • 1 TL Kokosöl

Alle Zutaten (reicht für 1 Portion) miteinander vermischen, anschließend auf die Gesichtshaut auftragen, leicht einmassieren. Mit lauwarmem Wasser entfernen. Aloe Vera kühlt und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, wirkt reizlindernd, genauso wie Honig. Das Kokosöl sorgt für den schützenden Fettfilm.

Pflegemassnahmen für sensible Hauttypen

Beachten Sie folgende Ratschläge, wenn es Ihrer Gesichtshaut an Glanz fehlt, sie sich trocken, rau und spröde anfühlt sowie zu Knitterfältchen neigt:

  • Den Körper morgens mit einer warmen Ölmassage aus Sesam- oder Mandelöl verwöhnen,
  • Entspannung finden, z.B. beim Yoga, Walken oder Wandern,
  • leicht verdauliche, gekochte Speisen essen und warme Getränke zu sich nehmen,
  • Öleinläufe mit Sesamöl, um dem Körper innerlich Feuchtigkeit zu geben,
  • einmal im Monat ein sanftes Peeling (Ubatana),
  • einmal wöchentlich mit einer pflegenden Gesichtpackung die Haut nähren, schützen und geschmeidig machen.

Sanftes Peeling zum Selbermachen:

2 EL Hafermehl
½ TL Honig
Rosenwasser
1 TL Melisse (getrocknet und zerkleinert)
etwas Joghurt

Alle Zutaten (reicht für 1 Portion) zu einer homogenen Masse verrühren, sanft damit das gereinigte Gesicht massieren. Mit warmem Wasser abspülen.

Eine sehr pflegende Gesichtspackung zum Selbermachen:

¼ Banane
¼ Avocado
1 Prise Kardamon
1 EL Sahne oder Joghurt
etwas Mandel- oder Hafermehl

Reicht für 1 Portion. Banane und Avocado pürieren und mit den übrigen Zutaten zu einer Creme verrühren. Nach Belieben mit Mandel- oder Hafermehl andicken. Die Creme-Packung auftragen, 20 Minuten einwirken lassen. Mit warmem Wasser abspülen.

Beachten Sie folgende Punkte, wenn Ihre Gesichtshaut zu Sommersprossen und Mitessern neigt, irritiert, gerötet und sonnenempfindlich ist:

  • Den Körper morgens mit einer warmen Ölmassage aus Kokos- oder speziellem Pitta-Öl verwöhnen,
  • reichlich frisches Obst und Gemüse essen, kühlende und bitter schmeckende Mahlzeiten zu sich nehmen,
  • Artischocken, Brokkoli, Gurken und alle Blattsalate sind gut bekömmlich,
  • viel trinken, am besten zimmertemperiertes Wasser,
  • einen ausgewogenem Rhythmus von Ruhe und Aktivität finden,
  • Urlaub in Ländern mit gemäßigten Temperaturen verbringen,
  • Spaziergänge im Wald und an Seen oder am Meer in viel frischer Luft,
  • an heißen Sommertagen kurzes Abduschen mit lauwarmem Wasser,
  • öfter mal schwimmen gehen,
  • einmal im Monat ein sanftes Peeling (Ubatana),
  • einmal wöchentlich eine pflegende Gesichtspackung, die die Haut klärt, beruhigt und mit Feuchtigkeit versorgt.

Sanftes Peeling zum Selbermachen:

2 EL Hafermehl,
1 EL Aloe-Vera-Gel,
1 El Aloe-Vera-Wasser,
etwas Joghurt.

Alle Zutaten (1 Portion) zu einer homogenen Masse verrühren, sanft damit das gereinigte Gesicht massieren. Mit warmem Wasser abspülen.

Pflegende Gesichtspackung zum Selbermachen:

2 EL Joghurt,
TL Rohrzucker,
1TL Hafer- oder Reismehl,
¼ TL Kokosöl

Alle Zutaten (1 Portion) zu einer cremigen Masse vermischen. Die Creme-Packung auftragen, 20 Minuten einwirken lassen, mit warmem Wasser abspülen.

TIPP: Da gerade bei sensibler, empfindlicher Haut Öl als Körperpflegemittel manchmal unverträglich ist, bieten sich als Alternative unraffinierte Sheabutter und das Wachs des Jojobastrauches an.

Kundinnen mit sensibler Haut rate ich von häufigen Schaumbädern und langem, heißen Duschen ab, da die Haut dadurch gereizt wird. Starke Hitze, Kälte und Wind wirken irritierend und trocknend auf die Haut und sollten deshalb gemieden werden. Ebenso Seife, grobkörniges Peeling, eine aggressive Reinigung der Haut sowie wahlloses Cremen mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen – denn dadurch wird die sensible Haut noch empfindlicher, als sie ohnehin schon ist.

Ein regelmäßiger Besuch bei einer Ayurveda-Kosmetikerin empfiehlt sich, da sie die Bedürfnisse der unterschiedlichen Hauttypen kennt und der Kundin die entsprechende fachmännische Beratung und Behandlung zukommen lässt.

Ayurveda Journal 35 · Seite 48 – 49

[ratings]