Wie ist es möglich, Informationen über Menschen durch einen Blick an den Himmel zu gewinnen? Warum funktioniert die vedische Astrologie?

Die Welt ist, wie es scheint, einem Hologramm vergleichbar: auch noch das kleinste Stück, das man herausschneidet, enthält das ganze Bild. Normalerweise nutzen wir diese Tatsache vom Teil zum Ganzen hin, d.h. wir lesen an einem kleinen Teil ab, wie es dem Ganzen geht:

im Westen aus einem Kubikmillimeter Blut, im Ayurveda am Puls

Umgekehrt lässt sich auch am Ganzen der Zustand eines Teils ablesen. An Zeichen, die sich am ganzen Körper verteilt finden, kann der Arzt ablesen, dass es einem Teil des Körpers nicht gutgeht, z.B. den Nieren. Im alten Indien wurde am Sternenhimmel abgelesen, wie es um eine gerade geborene Person bestellt war. Wegen des unendlichen Zusammenhangs aller Dinge ist dies genauso wenig absurd wie unsere gewohnte Vorgehensweise in der Medizin. Die vedische Wissenschaft, die diese Zeichen richtig zu lesen lehrt, wird Jyotish genannt (vedische Astrologie).

Das Beispiel in der Abbildung benutzt die nordindische Form des Horoskopes. Sie symbolisiert den Anblick des Himmels bei der Geburt.

Die Zahlen stehen für die Sternbilder in der gewohnten Reihenfolge, d.h. 1 für Widder, 2 für Stier, 3 für Zwillinge … 12 für Fische. Die Buchstabenkürzel bezeichnen die darin stehenden beweglichen Himmelskörper mit ihren Sanskrit-Namen: Sy für Surya = Sonne, Sa für Shani = Saturn usw. Oben ist Osten, unten Westen, links Norden und rechts Süden. Die rechte Hälfte des Horoskops entspricht damit dem sichtbaren Himmel bei der Geburt.

Man sieht sofort, dass es Nacht war, da die Sonne (Sy) sich auf der linken Seite befindet. Rechts der Mond (Ch für Chandra) dagegen war am Himmel zu sehen.
Ganz oben, also am Osthorizont ging gerade das Sternbild Nr. 3 auf: das aufsteigende Zeichen, Sanskrit “Lagna”, ist in diesem Falle also “Zwillinge”. Der Saturn (Sa) stand im Sternbild Nr. 7, der Waage, usw.

Es handelt sich hier um das Horoskop eines Patienten*), der mit vielerlei Beschwerden zu mir kam; darunter auch Heuschnupfen mit Asthma – der Anlass für die ayurvedische Konsultation. Nebenbei klagte der Patient aber noch über große Antriebslosigkeit, die mich zusammen mit dem typischen Anblick an eine Depression denken ließ.
Im Horoskop sah ich nun Saturn (Sa) im Haus der Neigungen. Obwohl er im 7. Sternbild sehr glücklich steht, sind hier aus anderen Gründen auch große Schwierigkeiten durch ihn angezeigt. Positiv konnte ich sagen: “Neigung zu Gründlichkeit und harter Arbeit”, aber ich musste eben auch feststellen: “Neigung zur Melancholie”. Da Saturn auch für Abtrennung und Alleinsein steht, las ich noch: “Fähigkeit zur Askese, zum Rückzug in sich selbst – zur Meditation”. Tatsächlich zog der Patient großen Vorteil aus regelmäßiger Meditation. Da die Neigung zur Depression hier aber trotzdem noch einmal durchkam, erwähnte ich bei der Konsultation eher nebenbei, dass auch ein blauer Saphir den Saturn auffangen könnte. Für die Allergie gab ich ayurvedische Pflanzen- und Diätverordnungen.

Als ich den Patienten ein halbes Jahr später wieder traf, war ich über den frischen Anblick erstaunt. Der sonst sehr zurückhaltende Patient strahlte mich an und demonstrierten sofort einen blauen Saphir an seiner Hand. Er hatte ihn im Urlaub im Ausland gekauft und erzählte begeistert, dass er seither viel mehr Energie habe. Er mußte den Ring allerdings jedesmal zur Nacht ablegen, weil er sonst zu wach und energievoll war, um einschlafen zu können.

Der Kenner sieht im Horoskop, dass Saturn horoskop-technisch seinen problematischen Blick auch auf das Haus der Ehepartnerin und auf die Venus wirft. Dies legt Trennung von der Ehepartnerin nahe, was tatsächlich auch jahrelang der Fall war. Statt zur Scheidung kam es aber zu einer bis heute währenden Wiedervereinigung. Aus dem Blickwinkel der Astrologie kann das daran liegen, dass im Horoskop der Ehepartnerin eine ähnliche Konstellation in Bezug auf Saturn vorlag, die sie ebenfalls durch regelmäßige Meditation harmonisierte. Warum kann das dieser Ehe helfen? Saturn zeigt eine starke Kraft zum Alleinsein in der Person an. Diese kann man negativ füllen, indem man sich depressiv isoliert, oder positiv, indem man sich zweimal am Tag freiwillig von allen Sinnen zurückzieht – also durch Meditation. Dann hat man dieser starken Tendenz genügend Raum gegeben und muss sich nicht auch noch scheiden lassen, um allein zu sein.
Das Beispiel zeigt aber, dass man die von Saturn gespiegelte Kraft auch noch auf ganz andere Weise zufriedenstellen kann, nämlich durch den passenden Edelstein.

Nach meiner Erfahrung können Edelsteine in der Größenordnung, wie sie im Jyotish verwendet werden, sehr starke Wirkungen haben. Das gilt besonders für den blauen Saphir, den Rubin und den Diamanten. Daher sollte man einen Jyotish-Stein nicht ohne ausdrückliche Empfehlung eines Kundigen verwenden.

Ayurveda Journal 10 · Seite 24 – 25

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Dr. Mathias Kossatz
Dr. Mathias Kossatz ist Arzt für Allgemeinmedizin in Frankfurt am Main mit Schwerpunkt Ayurveda und Psychosomatik, ist Dozent der Akademie der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. Studienabschlüssen in Mathematik, Russistik und Humanmedizin. Seit 1982 ist er als Allgemeinarzt in Frankfurt niedergelassen, mit Zusatzbezeichnung Homöopathie und Diplom in Akupunktur. Seit 1980 Ausbildung im Ayurveda. 1990 Ausbildung in der ayurvedischen Reinigungstherapie Panchakarma.