Auch in der ayurvedischen Küche, die die regional unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten in Indien nachhaltig beeinflusst hat, zählt Brot nicht zur Ernährungsbasis. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass die ayurvedische Ernährungslehre keine allgemein gültigen Diätempfehlungen gibt.

In Deutschland werden hauptsächlich Roggen und Weizen, zunehmend auch Dinkel und Mais bei der Brotherstellung verwendet. Dabei wird meist Hefe oder Sauerteig zugesetzt. Wer Brot auf seinen täglichen Speiseplan setzen will, sollte sich nicht nur seiner eigenen Konstitution, seiner Verdauungskraft und seines Alters bewusst sein.

Er sollte sich auch über die Art des Brotes, die unterschiedlichen Zutaten und deren Qualitäten, sowie die Herstellung und Zusatzstoffe informieren. Denn sie bestimmen wesentlich deren Bekömmlichkeit. So werden Sauerteigbrote meist besser vertragen als Hefebrote. Weizen zum Beispiel vermehrt aufgrund seines süßen Geschmacks Kapha-Dosha. Roggen wirkt erhitzend und vermehrt Pitta, während Gerste durch die Eigenschaft trocken Vata vermehrt.

  • Menschen mit einer Vata-Dominanz oder Vata-Erkrankung sollten auf Weizen/Hefe Brot verzichten, da diese Art Brote Vata stören und zu Blähungen führen können. Sauerteigbrot wird meist besser vertragen.
  • Bei Pitta-Dominanz oder Pitta-Störung kann Sauerteig zu Sodbrennen führen, auch Roggen ist weniger gut geeignet, da er erhitzend wirkt.
  • Bei einer Kapha dominierten Konstitution oder Erkrankung kann Sauerteigbrot besser verdaut werden, wenn es getoastet wird. Knäckebrot mit hohem Roggenanteil ist ebenfalls gut geeignet.
  • Fladenbrote wie Chapati sind, da weder Sauerteig noch Hefe oder Treibmittel verwendet werden, im Allgemeinen frisch zubereitet und gut verträglich. Zum Teil wird durch Beigabe von Gewürzen, wie z.B. bei Papadam (ganz dünnes Fladenbrot aus Linsenmehl) ein verdauungsfördernder Effekt erzielt.

Brot kann unterschiedlich auf den Organismus eines Menschen wirken. Allgemein aber gilt auch bei Brot der ayurvedische Grundsatz:

Iss das, was Du gut verdauen kannst!

Die Zeit der stärksten Verdauungskraft liegt zwischen 11.00 bis 14.00 Uhr. In Deutschland aber wird Brot meist morgens oder abends gegessen. Da viele der in Deutschland erhältlichen Brotsorten aber nicht gerade leicht verdaulich sind, können dadurch bei regelmäßigem und übermäßigem Brotgenuss Verdauungsprobleme entstehen.

Große Belastungen für den Verdauungstrakt entstehen vor allem, wenn spät abends, nach 19 Uhr Brot gegessen wird. Ein gekochtes leichtes Gemüsegericht oder eine Suppe wären da weitaus angebrachter. Für die Morgenmahlzeit empfehlen sich warme Speisen als bekömmlich Alternative zum Frühstücksbrot. Art und Zusammenstellung richten sich nach der jeweiligen Konstitution und dem Gesundheitszustand. Wer absolut nicht auf seine gewohnte Brotmahlzeit verzichten will, sollte zumindest Hartkäse oder andere schwer verdauliche Beläge meiden. Denn die schwer verdauliche Kombination kann auch den besten Verdauungstrakt überfordern. Frische pflanzliche Brotaufstriche, oder Fruchtaufstriche ohne Zucker, am besten selbst hergestellt, sind da weitaus leichter verdaulich. Noch besser ist es, sein Brot selbst zu backen. Denn die Art des Getreideanbaus, manipulierte Getreidesorten, unsere Lebensweise, Zusatzstoffe im Brot und geänderte Backverfahren belasten die meisten handelsüblichen Brotsorten und damit auch die Verdauung.

So gut ein Brot auch sein mag, es muss verdaut werden können. Auch das so häufig hochgelobte Vollkornbrot ist für manche Menschen kaum zu verdauen und kann bei schwacher Verdauungskraft zu schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen führen. Ich erinnere mich an eine junge Frau, die in einem Bioladen eine Anstellung fand und auf Anraten der Kollegen vermehrt auf Vollkornprodukte, auch Vollkornbrot, umstieg. Nach einigen Monaten kam sie in meine Praxis und klagte über starken Gewichtsverlust, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen.

Eine Diätumstellung auf leicht verdauliche Nahrungsmittel verbesserte ihren Gesundheitszustand schnell und nachhaltig. Bei den meisten akuten und besonders bei chronischen Verdauungsproblemen jeglicher Art, sollten Sie den Verdauungstrakt entlasten und eine Zeit lang auf Brot verzichten. Der Ayurveda-Kundige ihres Vertrauens wird Ihnen sicherlich dabei helfen können einen Platz für geeignete Brotsorten in Ihrer persönlichen Ernährung zu finden. Zum Schluss noch ein kleines Rezept für Ihr zukünftiges Lieblingsbrot.

Wildkräuter-Buttermilchbrot

500g Dinkelmehl 1050
500 ml Buttermilch
1 Handvoll frische Kräuter, z.B. Gundermann, Brennnessel, Giersch
etwas Kräutersteinsalz
2 Tl Weinsteinbackpulver
1 Tl Natron

Mehl und die sehr fein geschnittenen Kräuter zusammen mit Kräutersalz, Backpulver und Natron vermischen. Die Buttermilch unterrühren. Den Teig in eine mit Ghee ausgefettete Kastenform geben und bei ca. 180 – 200° C ca. 45 Minuten backen.

Möge es ihnen schmecken und bekommen.
Brot ist ein wichtiges Nahrungsmittel, sollte aber individuell in verdaulicher Menge und Zusammensetzung zum Zeitpunkt einer ausreichenden Verdauungskraft genossen werden.

Guten Appetit.

Ayurveda Journal 34 · Seite 16 – 17

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