Siegfried Kogelfranz, Journalist und Autor, Jg. 1934, arbeitete 37 Jahre beim SPIEGEL, davon einige Jahre als Ressortchef und Korrespondent in Moskau und Budapest. Er ist Autor von fünf Sachbüchern mit Themen zur Zeitgeschichte. Ende 1993 erkrankt er an Diabetes II und reist auf Empfehlung indischer Freunde nach Delhi. Er unterzieht sich seiner ersten Ayurveda-Kur, die ihn von der Diabetes heilt.

Siegfried Kogelfranz wird neugierig auf die ganzheitliche indische Heilkunst und beginnt, intensiv über den Ayurveda zu recherchieren. Mittlerweile hat er neun Ayurveda-Kuren in Indien und Sri Lanka sowie eine in Deutschland absolviert. Sein Buch „Ayurveda Live“ (siehe Rezension Ayurveda Journal, Heft 11/September 2006) erschien nach neun Kuren im Herbst 2006 bei GOLDMANN/Randomhouse. Siegfried Kogelfranz lebt und arbeitet in Hamburg.
„Ayurveda Live“ ist ein ungewöhnliches Buch, da es mit journalistischer Gründlichkeit perfekt recherchiert ist, fernab von blumigen Formulierungen und Vorstellungen geschrieben ist und auf Erfahrung der Heilung am eigenen Selbst basiert.

Als ich im April im Haus des Autors ankomme, bin ich zunächst von der Familie nebst Hund umringt und beginne, mich zu entspannen. Einen SPIEGEL-Auslandskorrespondenten zu interviewen, empfand ich im Vorfeld nicht als die leichteste Übung. Siegfried Kogelfranz begrüßt mich herzlich, bittet mich in sein Arbeitszimmer und nimmt mir jede Befangenheit. Mir begegnen Offenheit und österreichische Gelassenheit. Wir tauschen zunächst Ayurveda-Neuigkeiten aus. Bevor ich meine erste Frage stelle, denke ich, dass man ihm seine 73 Jahre nicht ansieht.

Herr Kogelfranz, wie 73 sehen Sie nicht aus und schon gar nicht wie jemand, der mit knapp 60 an Diabetes II erkrankt ist.

SK: Damals nach der Diagnose begab ich mich in eine Diabetes-Spezialklinik. Der beratende Arzt entwarf für die anstehende Lebenszeit ein beunruhigendes Szenario. Zunächst wäre ich auf Diabetes-Medikamente angewiesen und falls ich überhaupt noch lange genug leben sollte, würde die Insulinabhängigkeit folgen. Er machte deutlich, dass ich den Rest meines Lebens mit allen erwähnten Nachteilen als Diabetiker verbringen würde.

Wäre er überrascht, Sie jetzt so zu sehen?

SK: Das bin ich selbst. Ich nahm nie an, dass ich so alt werden würde, da Journalisten neben Gastwirten und Nachtclubkellnern die geringste Lebenserwartung unter Männern haben. Nun bin ich schon 12 Jahre über die entsprechende Statistik hinaus und fühle mich fit.

Und Sie führen das nach wie vor auf Ihre Ayurveda-Kuren zurück?

SK: Ja, selbstverständlich. Den Diabetes habe ich dank Ayurveda in den Griff bekommen, meine Blutwerte sind bestens, lediglich bei ungesunder Lebensweise melden sich leicht erhöhte Werte und warnen mich. Schon meine erste Kur war ein Meilenstein zu einer neuen Gesundheit. Ich habe mich allerdings auch streng an die Vorgaben der Ärztin gehalten, was Behandlungen, Diät, Yoga und Medikation betraf. Ich halte das für den Erfolg einer Kur unabdingbar.

Wie stehen Ihre deutschen Ärzte vor Ort zu dieser ungewöhnlichen Genesung?

SK: Mein Internist ist mittlerweile nach anfänglichen Zweifeln vom Ayurveda sehr angetan. Ausgelöst wurde diese Wende nach objektiv drastischer Verbesserung meines Blutbildes.

Haben Sie noch weitere gesundheitliche Probleme in den Griff bekommen?

SK: Ja. Neben kleineren Beschwerden habe ich unangenehme Folgen einiger Tropenkrankheiten in den Griff bekommen. Durch beruflich bedingtes Reisen in abgelegene Gebiete habe ich mich u.a. mit dem Epstein Barr-, dem Coxsacchi- Virus und einem weiteren Virus infiziert, was meinen Allgemeinzustand in Form von Erschöpfung und chronischer Müdigkeit sehr beeinträchtigt hat. Die deutschen Ärzte empfahlen Ruhe. Das erschien mir nicht wirklich ausreichend. Ich entschloss mich zu einer weiteren Ayurveda-Kur, die sämtliche Folgen der Tropenkrankheiten verschwinden ließ. Ich bin also (schmunzelt) in die Tropen gereist, um von Tropenviren geheilt zu werden.

Sie scheinen mit Ihren Kuren in den Ursprungsländern immer viel Glück gehabt zu haben. Man hört von anderen Ayurveda-Reisenden, die vor Ort Enttäuschungen erleben, was die Qualität der Kur, die ärztliche Betreuung oder die Unterbringung betrifft.

SK: Das ist natürlich ein wichtiger Punkt. Ich bin immer nur auf persönliche Empfehlung in ausgesuchte Resorts oder Kliniken gefahren. Dazu kommt, dass ich bereits vor meiner ersten Kur etwa 30mal in Indien war, das Land kenne und wusste, was mich erwartet. Klima, Mentalität und Kultur sind sehr verschieden von der unseren. Wer noch nie in Indien war, sollte nicht als erstes in eine Klinik reisen, sondern besser in ein Resort. Eine geschützte Umgebung erleichtert die Verarbeitung ungewohnter Eindrücke.
Leider wird auch in Indien manches unter dem Deckmantel des Ayurveda angeboten, was mit Original-Ayurveda wenig zu tun hat. Um Enttäuschungen zu vermeiden, hilft nur Aufklärung und intensive Recherche vor der Buchung. Am besten auf Empfehlungen erfahrener Reisender hören.

Leben Sie eigentlich auch in Deutschland nach ayurvedischen Richtlinien?

SK: Ich muss zugeben: nein. Ich achte, wo es geht auf meine Ernährung, was im Kreise der Familie nicht immer einfach ist. Der Wohlfühleffekt nach einer Kur hält trotzdem ein halbes, manchmal ein ganzes Jahr an. Eine Kur sollte für dieses Ergebnis mindestens drei Wochen dauern, absolutes Minimum sind zwei Wochen. Sehr konsequent bin ich allerdings in der Einnahme meiner ayurvedischen Präparate.

Ein aktueller Brennpunkt….Wie sehen Sie die in den Medien immer wieder diskutierten Meldungen über die Belastung ayurvedischer Nahrungsergänzungen?

SK: Die ganze Geschichte ist natürlich wesentlich differenzierter als in den Medien dargestellt. Zum einen sind die aufsehenerregenden Meldungen über belastete Präparate wahr, da manche der Kräutergärten an vielbefahrenen Straßen liegen und die dadurch bedingte Luftverschmutzung Verunreinigungen in den Präparaten nach sich zieht.
Andererseits gehören Metalle wie Quecksilber in bestimmte ayurvedische Mittel, werden aber durch Vorbehandlung neutralisiert und haben therapeutische Wirkung, sind aber noch nachweisbar.
Generell gilt, man muss genau hinsehen, was man wo kauft, da immer noch viele Präparate illegal importiert werden und unsicherer Herkunft sind. Aber angesichts der teilweise tödlichen Nebenwirkungen hiesiger pharmazeutischer Präparate ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit ayurvedischen Kräutern zu vergiften, vergleichsweise gering.

Da schwingt Kritik am deutschen Gesundheitssystem mit. Was, meinen Sie, macht dagegen das Erfolgsgeheimnis des Ayurveda aus?

SK: Zunächst einmal ist der Ayurveda die älteste und vielleicht beste Ganzheitsmedizin. Er kümmert sich nicht nur um einzelne Gebrechen und auch nicht nur um den Körper, sondern ebenso um Geist und Seele. Er behandelt und heilt den ganzen Menschen. Aber eigentlich sind wir hier schon einen Schritt zu weit, denn der Ayurveda will nicht nur Krankheiten heilen, sondern den Menschen in erster Linie gesund erhalten und seine Lebensspanne verlängern.

Welche Chancen sehen Sie für den Ayurveda?

SK: Die große Chance ist, dass das Bewusstsein der Notwendigkeit einer Ganzheitsmedizin zunimmt, im Gegensatz zur weiteren Spezialisierung in der westlichen Medizin, die Symptome immer detaillierter behandelt. Eigentlich ist das Wissen schon da, dass Krankheiten oft tiefergehende Ursachen haben, zum Beispiel geistige oder seelische Verletzungen. Trotz dieses Wissens wird die westliche Medizin weiter spezialisiert. Die Patienten werden von einem Spezialisten zum nächsten geschickt, keiner kümmert sich wirklich um den ganzen Menschen. Die Schulmedizin muss an diesem Punkt dazulernen.
Der Ayurveda verfolgt da einen ganzheitlicheren Diagnoseansatz. Eine ausführliche Anamnese im Zusammenspiel mit verschiedenen Diagnosetechniken gibt dem Arzt einen tieferen Einblick in das Wesen seines Patienten und damit eine bessere Grundlage zur ganzheitlichen Heilung. Eine Herangehensweise, die statt Herumkurieren an Symptomen eine dauerhafte Genesung möglich macht.

Ein wünschenswerter Ansatz auch für die Zukunft der westlichen Medizin. Herr Kogelfranz, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Ayurveda Journal 14 · Seite 22 – 23