Heimische Kräuter sind gesund und lecker. Man sollte die Augen offen halten! Und um diese Wahrnehmung zu schulen, bietet Kräuterfachfrau Heike Wilkens lehrreiche Touren durch Wald und Wiesen an.

Amaranth oder Löwenzahn pflücken und fix als Gemüsebeilage servieren ist für die meisten Südeuropäer nichts Ungewöhnliches. Das hat Heike Wilkens sehr schnell von den Griechen gelernt: leckere Wildkräuter nicht nur zu erkennen, sondern sie auch kulinarisch zu verarbeiten. Als 18-Jährige zog sie ein paar Jahre nach Kreta, wo die würzigen Heilkräuter in jeder „Hausapotheke“ zu finden sind.

Ihre Liebe und Begeisterung für Kräuter brachte sie nach Deutschland mit. 1989 übernahm sie zusammen mit ihrem Bruder ein Reformhaus, kochte später in ihrem eigenen Café mit Kräuterladen viele vegetarische Gerichte. „Als ich etwa 42 Jahre alt war, kam ein Umbruch. Ich entschied mich, mein Wissen zu vertiefen, ließ mich zur ,Heilpflanzenfachfrau‘ ausbilden und begann, mich mit Ayurveda zu beschäftigen.“ Heute bietet die freiberufliche Ayurveda-Therapeutin regelmäßig Kräuterwanderungen südlich von Hamburg an.

Die Kostbarkeiten der Natur werden leicht übersehen

Auch in diesem Jahr wird die sommerliche Wanderung zu interessanten Kräutern führen. Auf diese Tage freut sich Heike Wilkens, deren Lieblingspflanze unter anderem Schafgarbe ist, lange. Zu Beginn versammelt sie ihre Wanderer an einem Buchenhain, dort wo verschiedene Wildkräuter rund um die alten Buchen wachsen, und erzählt erst einmal von den Elementen Erde und Wasser sowie der Kraft des Sonnenlichtes. „Was kann das sein“, fragt sie später dann, pflückt etwas vom Wegesrand und hält es in die Luft. Irgendjemand kommt meistens drauf. „Doch die Mehrheit übersieht die kleinen Kostbarkeiten und hält es zunächst für Unkraut.“

Zahlreiche Wildkräuter wachsen am Wegesrand

Jetzt im Sommer wächst überall am Wegesrand Johanniskraut. Es blüht goldgelb, aus ayurvedischer Sicht verringert es Vata und Pitta. Einige Meter weiter stößt die Gruppe auf die Gemeine Wegwarte, der wilde Chicoree. Ein wunderschönes Kraut mit blauen Blüten und mit vielen Geschichten, die sie sozusagen umranken. Die Wegwarte wächst eher an Feldrändern, manchmal jedoch verschönt sie mit ihrem leuchtenden Blau auch eine Wiese. Ihr Geschmack ist recht bitter.

Am Graben vorbei fällt Baldrian ins Auge. Mittlerweile sind die Blicke der Gruppe schon etwas geschulter. Baldrian wächst oft in feuchter Umgebung, riecht sehr eigen, hat einen erdigen Charakter und wirkt beruhigend auf gestresste Gemüter.

Fast schon am Ende ihres Weges angelangt, kommen noch Fragen der Kräuterspaziergänger. Mit nach Hause nehmen sie nicht nur mehr Kenntnisse über die Pflanzen, sondern nach Möglichkeit, so Heike Wilkens, auch „Ehrfurcht vor der Natur“ und die Erkenntnis „wie vielfältig unsere Natur ist – und wie großartig die vielen Wildkräuter.“

Die Sommerkräuter

Johanniskraut

Enthält Hypericine, Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl. Wirkt stimmungsaufhellend; unter anderem hilfreich bei nervlicher Überlastung, Schlafstörungen, bei Nervenverletzungen und Neuralgien. Johanniskrautöl wirkt äußerlich angewendet schmerzstillend und entzündungshemmend.

Als Tee: 1 –2 TL Kraut und Blüten mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, ca. 5–8 Min. Ziehen lassen.
1 – 3 Tassen täglich trinken.
Vorsicht: Regelmäßige Einnahme von Johanniskraut erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut!

Baldrian

Eine starke Pflanze mit viel „Erdkraft“, im Ayurveda eines der besten Mittel für Nervenstörungen; reinigt die Nervenkanäle und befreit Darm und Gelenke von angesammelten Vata. Wird z.B. verwendet bei rheumatischen Beschwerden, Migräne, Schlaflosigkeit, krampfartigen Schmerzen (Menstruation, Magen und Darm)

Teezubereitung: 2 TL Wurzeln kleingeschnitten mit 1⁄4 kaltem Wasser auffüllen, den Ansatz 10 bis 12 Std. stehen lassen, abseihen, leicht erwärmen, in kleinen Schlucken trinken.

Wegwarte

auch Zichorie genannt

Wegwarte© Heike Wilkens

Verwendet wird die Heilpflanze mit Kraut und Wurzel vor allem als Anregung für Leber und Galle, Magen, Darm und Blase. Es hat einen bitteren Geschmack, Pitta und Kapha werden verringert. Als Wildgemüse schmecken die vor der Blüte geernteten Rosettenblätter fein gehackt auf Butterbrot oder gedünstet als Gemüse; die gekochte Wurzel in Saucen. Und die „Zichorie“ ist vielen Menschen bekannt auch als Zutat in Kaffee-Ersatzmischungen.

Ayurveda Journal 38 · Seite 54 – 55

[ratings]