Im Frühjahr wächst der Wunsch nach frischen, leichten Nahrungsmitteln, um den Winter aus den Gliedern zu vertreiben.

Neues Leben erwacht, und die heimischen Wild- & Heilkräuter kündigen den Frühling an.

Nutzen wir die ersten Frühjahrstage, um bei einer Kräuterwanderung die Vielfalt unserer heimischen Heilkräuter kennenzulernen. Ganz so, wie der Ayurveda es vorsieht, sollten wir die Nahrungsmittel unserer Region bevorzugen. Hierzu gehören natürlich auch die Gewürze und Heilkräuter, die in der Ayurvedaküche die essentielle Grundlage bilden. Wir kennen viele dieser Kräuter, weil sie schon in der Heiltradition unserer Vorfahren ihre Anwendung fanden. Wie ist der Geschmack (Rasa), und welche Wirkung (Virya) auf die Doshas lässt sich hieraus ableiten? Heilkräuter haben oft einen bitteren Geschmack, daher sind sie für eine Frühjahrskur ideal geeignet.

Löwenzahn

Mit seinen goldgelben Blüten kündigt der Löwenzahn ausdrucksvoll das Frühjahr an. Im Volksmund kennt er viele Namen wie Butter- oder Pusteblume. Zu Heilzwecken wurden hierzulande schon früher die Wurzeln und Blätter ver­wendet, da sie mit ihren Bitterstoffen für ihre harntreibende, stoffwechsel­an­re­gen­de, entzündungshemmende und entgif­tende Wirkung bekannt waren. Ge­schmack = bitter & süß, Wirkung = kühlend, V+, PK -. In der Küche ist dieses vitaminreiche Kräutlein für Salate und die Blüten z.B. für Gelee & Sirup wieder­entdeckt worden.

Löwenzahnsirup

4 volle Hände frische Löwenzahnblüten (von äußeren grünen Hüllblättern befreit) mit ca. 1,2 l kaltem Wasser zum Kochen bringen, vom Herd nehmen und 24 Stdn. ziehen lassen. Den Blütensud abseihen und mit ca. 1kg Rohrohrzucker oder Sharkara gut verrühren. Mit 2 Limetten (in Scheiben geschnitten), 3 Kardamomkapseln und ½ TL Flower-Power Gewürzpulver (Bioladen) zum Kochen bringen. Auf kleinster Herdstufe zu Sirup eindicken lassen. Heiß in Schraubgläser abfüllen. Passt zum Süßen von Kräutertee, Süßspeisen oder zum Glasieren für gebackene Bananen.

Bärlauch – auch Waldknoblauch genannt

ist eine uralte Heilpflanze, die schon bei den Kelten und Germanen für ihre kräftigende Eigenschaft bekannt war. Verwendet werden die jungen, grünen Blätter vor der Blüte im Frühjahr, die Knollen im Herbst. Damit es keine Verwechslungen mit seinen giftigen Verwandten, den Herbstzeitlosen und Maiglöckchen gibt, verreiben sie ein Blatt, es muss den typischen Knoblauchduft haben! Geschmack der Blätter = scharf, bitter & salzig, Wirkung = erhitzend; VK-, P+, magen- und blutreinigend, eignet sich gut bei Verdauungsstörungen und Bluthochdruck; nicht während der Schwangerschaft!

Grüner Spargel mit getrockneten Tomaten & Bärlauch (4 Pers.)

250g Staudensellerie, geputzt und in dicke Scheiben geschnitten
250g grüner Spargel, im unteren Teil geschält und in mundgerechte Stücke geschnitten
½ rote Paprikaschote, in feinen Würfeln
1 EL Ghee
½ TL Ajwain
1 TL Kumin
1 TL Fenchelsaat
1 kl. rote Zwiebel, in feine Spalten geschnitten
1 cm dicke Scheibe Ingwer, geschält und fein gewürfelt
3 eingelegte, getrocknete Tomaten
1-2 getrocknete Feigen, in kleinen Würfeln
5 Bärlauchblätter, fein geschnitten

etwas Limetten- oder Zitronensaft, Prise Zucker, Salz und Pfeffer aus der Mühle, Petersilie

Ghee in einer Pfanne erhitzen, die ge­mörserten Gewürze (Ajwain, Kumin, Fenchel) dazugeben, umrühren und kurz mitrösten, dann Zwiebeln, Ingwer, Tomaten, Feigen und Zucker dazugeben, alles kurz andünsten. Die vorbereiteten Gemüse in die Pfanne geben, andünsten, etwas Limettensaft & Flüssigkeit hinzufügen, Deckel drauf und fertig garen. Zum Ende der Garzeit salzen und pfeffern. Vor dem Servieren mit Bärlauch und Petersilie abschmecken.
Die Blüten vom Schwarzen Holunder
entfalten im April/Mai ihren betörenden Duft und werden für Gelee, Sirup oder Heiltee verwendet. Sie sind harn- und schweißtreibend. Geschmack = bitter, süß & scharf, Wirkung = leicht erhitzend; VK-, P+. Holunder ist ein traditionelles Gewächs unserer Lebensregion.

Holunderblütencreme (4 Pers.)

25 ml Holunderblütensirup  (Herstellung siehe Heft 10, Seite 15),  mehr oder weniger je nach Geschmack
2 EL Rohrohrzucker oder Sharkara, nach Geschmack
250 g Mascarpone
100 g Magerquark
100 g Joghurt
¼ TL Ingwerpulver
¼ TL Kardamompulver, frisch gemörsert
¼ TL Zimtpulver
¼ TL Vanillepulver, gestrichen
Zum Abschmecken 1 Spritzer Rosenwasser (Vorsicht, nicht zuviel!)
Flower Power-Gewürz zur Garnitur

Mascarpone, Quark, Joghurt, Gewürzpulver, Holundersirup und Süßmittel verrühren und mit Rosenwasser abschmecken, lecker….
Und nun viel Freude bei Ihren Exkursionen und Kochkreationen!

Ayurveda Journal 17 · Seite 20 – 21

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Sybille-Michaela Balkow
Sybille-Michaela Balkow ist Dipl. Ayurveda- Therapeutin für ganzheitliche Ernährung und Gesundheit sowie Ayurveda-Köchin (REAA), Dozentin für Ayurveda am Campus Naturalis Berlin & München sowie Autorin von Fachartikeln über Ayurveda und artverwandte Naturheilverfahren; sie leitet zusammen mit Ihrem Mann das Ayurveda Institut “Ojas” in Bremen. Seit 10 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Ayurveda, Spiritualität, Pflanzenwissen, Kulturen anderer Länder und deren schamanistischen Traditionen.