Tinnitus ist ein Symptom, bei dem der Betroffene Geräusche wahrnimmt (Zischen, Sausen, Pfeifen, Klingeln und Luftröhrengeräusche), die keine äußere wahrnehmbare Quelle für andere Personen besitzt. Diese akustische Wahrnehmung beruht auf einer Störung der Hörfunktion. Wissenschaftlich gesehen gilt Tinnitus nicht als eigenständige Krankheit, sondern als Symptom oder Syndrom einer Vorerkrankung. Daher ist die Ursachenfindung ausgesprochen komplex.

Etwa 10-20% der Bevölkerung sind von Tinnitus dauerhaft betroffen, und knapp 40% stellen zumindest einmal im Leben ein derartiges Ohrgeräusch fest. Rund ein Drittel aller älterer Menschen leidet an ständigen Ohrengeräuschen. Besonders in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Tinnituspatienten in den westlichen Industrieländern laut Fachpresse stark gestiegen. (Quelle: Robert-Koch-Institut 2006, Tinnitus Liga e.V.)

Ursachen

Die Ursachen sind äußerst vielfältig. Sie reichen von verhärtetem Ohrenschmalz zu Mittelohrerkrankungen, Lärmereignissen, viralen und bakteriellen Infekten, Tauchunfällen, Autoimmunkrankheiten des Innenohrs, Schalltraumata, Stress sowie funktionalen Erkrankungen der Wirbelsäule oder Fehlstellungen des Kauapparats.

Der Therapieeinsatz aus ayurvedischer Sicht

Der Ayurveda betrachtet den Menschen ganzheitlich. Und so werden auch die Ursachen für Krankheiten ganzheitlich gesucht. Krankheit bedeutet im Ayurveda ein aus dem Gleichgewicht geratenes Dosha-System. Sind alle drei Bio-Energien Vata, Pitta und Kapha des Dohas-Systems ausgewogen, ist ein Mensch gesund. Doch unterschiedliche Faktoren können die drei Doshas in Disbalance bringen: falsche Lebensweise wie falsche Essenszeiten, qualitativ minderwertige Nahrung, ein stressiger Lebensstil, Alkohol, Rauchen, unterdrückte Gefühle, innere Unruhe, Bewegungs- und Schlafmangel sowie genetische Prädispositionen.

Für das Syndrom „Tinnitus“ ist ein überschüssiges Vata verantwortlich, das durch jede Form von Reizüberflutung und Stress entsteht. Dies führt zu Blockaden in den Tonkanälen, zu Austrocknung des Gewebes, erzeugt Steifheit und Muskelverhärtung im Ohr. Das passiert in allen Micro-Kanälen, die mit den Ohren und Nerven verbunden sind. Sogar die Ohrenmembram kann steif werden und ihre Flexibilität verlieren. Laut Ayurveda gibt es 28 Typen von Ohrenfunktionsstörungen, zum Beispiel Ohrensausen, Trockenheit im Ohreingang, Ohrenschmerzen.

Die Therapie

So ganzheitlich die Ursachen ermittelt werden müssen, so ganzheitlich und individuell muss der Therapieplan aussehen. Anhand der ayurvedischen Pulsdiagnose, in Verbindung mit einem intensiven Eingangsgespräch, kann der Ayurveda-Arzt die grundlegende Störung im Vata-Pitta-Kapha-System erkennen und die Ursachen für Tinnitus herausarbeiten. Dementsprechend wird ein äußerst individueller Therapieplan erstellt. Ziel der Therapie ist es, alle Verhärtungen und Blockaden im Ohr zu lösen und die Ursachen langfristig zu beseitigen. Dies gilt für alle psychovegetativen Ursachen. Bei allen funktionalen Erkrankungen muss vorab für die entsprechende Beseitigung gesorgt werden.

Die ayurvedische Therapie gegen Tinnitus beinhaltet neben Massagen, individuellen Empfehlungen zur Ernährung und Lebensführung, Pflanzenpräparaten und Entspannungsmethoden wie Yoga und Meditation eine spezifische Ohrbehandlungen: Karnapuranam. Diese sollte im Rahmen einer mindestens 8tägigen Ayurveda-Kur  unter professioneller medizinischer Leitung täglich angewendet werden.

Die Spezialbehandlung Karnapuranam

Im Rahmen einer ayurvedischen Tinnitustherapie wird die sehr wirksame und sanfte Behandlung Karnapuranam einmal täglich durchgeführt. Nach einer durchblutungsfördernden, erwärmenden Kopf- und Ohrmassage wird warmes Heilkräuteröl nacheinander in die äußeren Gehörgänge beider Ohren eingefüllt und verbleibt dort 5-7 Minuten. Eine intensive Ruhephase rundet die beruhigende Anwendung ab.

Erschienen im Ayurveda Journal 26

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Mehr Vitalität”.

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