Mudras sind nonverbale Kommunikations- und Ausdrucksmittel, die aus Handgesten, Fingerbewegungen, Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen bestehen. In der letzten Ausgabe haben wir uns im ersten Teil mit den Grundlagen der Mudra-Praxis beschäftigt und verschiedene Arten von Mudras kennengelernt. In diesem zweiten Teil erfahren Sie, wie man sie praktiziert und welchen wohltuenden Mehrwert das Ausüben von Mudras hat. Zusätzlich werden einige Basisübungen detailliert vorgestellt.

Goldene Regeln der Mudra-Praxis

Jeder ab fünf Jahren kann Mudras praktizieren. Um einen möglichst großen positiven Effekt zu erzielen, sollte man folgende Regeln beachten:

Zeitpunkt:

Die idealen Zeiten sind morgens, nachmittags und abends. Zu diesen Zeiten ist die kosmische Energie auf ihrem Höhepunkt.

Position der Hände:

In fast allen Mudras werden die Hände mit den Handflächen nach oben auf den Knien gehalten. Zeigen sie nach unten, geht Energie verloren. Die nach oben gerichteten Handflächen symbolisieren Offenheit für den Empfang.

Mahlzeiten:

Mudras sollten mit nüchternem Magen geübt werden. Therapeutische Mudras sollten nicht nach den Mahlzeiten praktiziert werden, insbesondere nicht jene, die den Stoffwechsel beeinträchtigen. Dauer: Es dauert dreißig Sekunden, bis das Mudra einen elektromagnetischen Kreis bildet. Ein Mudra sollte jedoch mindestens zwei bis fünf Minuten lang gehalten werden. Optimalerweise sollte man Mudras täglich 45 Minuten praktizieren, die man in drei Einheiten à 15 Minuten einteilen kann.

Körperhaltung:

Den besten Effekt erzielt man, wenn Mudras in einer meditativen Körper- und Geisteshaltung ausgeübt werden. Aber man kann Mudras auch im Gehen und beim Lesen eines Buches oder im Sitzen halten, solange die Wirbelsäule gerade ist. Man sollte Mudras nicht während des Essens oder bei der Arbeit praktizieren.

Druck:

Am Berührungspunkt wird ein minimaler Druck ausgeübt. Bei längerem Halten entsteht eine natürliche Spannung in den Nervenenden, die blockierte Kanäle öffnen kann.

Aufmerksamkeit:

Mit Aufmerksamkeit und Konzentration kann man ein subtiles Pulsieren an den Berührungspunkten spüren, ein positives Zeichen für die Bildung des elektromagnetischen Kreises im Körper.

Körperzeichen:

Bei Übelkeit, Sodbrennen, Schwindel, Überhitzung oder Kältegefühl sollte man ein Mudra beenden.

Die Vorzüge von Mudras

Das regelmäßige Üben von Mudras wirkt sich positiv auf Geist, Körper, Psyche und biomagnetische Felder aus. Einige der wesentlichen Vorteile von Handmudras sind:

Gefühl der Verbundenheit:

Einheit ist Einssein und Einssein ist überall in diesem Universum – die friedlichste, günstigste und verfügbarste Quelle für Gesundheit und Wohlbefinden.

Gesundheit:

Die Kraft der Mudras reinigt die subtilen Kanäle (Nadis) und psychischen Zentren (Chakren), sodass unsere Lebenskraft ungehindert in alle Teile des Körpers fließen kann.

Klarheit des Geistes:

Der Reinigungsprozess klärt den Geist und die mentalen Fähigkeiten nehmen zu, sodass sich die Intelligenz der Seele besser ausdrücken kann.

Optimierung der Aura:

Mudras reinigen das biomagnetische Feld des Körpers und stärken es, wodurch sich auch ein Schutzschild gegen negative Energien bildet.

Bewusstseinserweiterung:

Durch den Reinigungsprozess und die Aktivierung von Chakras wird das Bewusstsein transformiert underweitert.

Transformation und Regeneration des physischen Körpers:

Der Gesamteffekt der ständigen Praxis von Mudras ist die Transformation und Regeneration der Körper-Geist-Einheit.

Gefühl der Glückseligkeit:

Ein Mudra bewirkt, dass Lebensenergie durch einen bestimmten Kanal fließt, wodurch unsere Lebensenergie gestärkt wird.

Gleichgewicht der Elemente:

Das Ausüben von Mudras harmonisiert und gleicht die fünf Elemente im Körper aus.

Wiederherstellung des angeborenen Rhythmus von Organsystemen:

Regelmäßiges Praktizieren von Mudras belebt die zellulären Signalwege zwischen den Organen und den Organsystemen. Die Wiederherstellung des Flusses steigert das Wohlbefinden.

Mudras zur Erhaltung der Gesundheit

Die fünf Mudras der Elemente

Diese Mudras sind sehr einfach und können täglich durchgeführt werden, um Vata, Pitta und Kapha auszugleichen und die Harmonie zwischen den wichtigsten inneren Organen und Organsystemen aufrechtzuerhalten.

1. Prithvi Mudra

Prithvi bedeutet Erde und entsprechend erhöht diese Geste das Erdelement im Körper. Formung: Berühren Sie mit dem Daumen die Ringfingerspitze und strecken Sie die verbleibenden Finger aus. Nutzen:

  • Es reduziert das Gefühl von Entwurzelung, Überforderung, Verwirrung und Unentschlossenheit und hilft, sich zu erden.
  • Toleranz und Geduld werden erhöht.
  • Es hilft bei Abmagerung und schwächenden Krankheiten, schützt vor Müdigkeit und Trägheit und erzeugt Lebensenergie.

2. Jala Mudra

Jala bedeutet Wasser. Dieses Mudra verbessert die Flüssigkeitszirkulation im Körper. Formung: Verbinden Sie das Polster des kleinen Fingers mit dem des Daumens und strecken Sie die verbleibenden Finger aus. Nutzen:

  • Es hilft bei der Reinigung, Verteilung und Zirkulation von Körperflüssigkeiten und lindert Dehydrierung.
  • Es unterstützt die Heilung von Hauterkrankungen
  • Es bringt Glanz in den Körper und beugt vorzeitiger Hautalterung vor.

3. Agni Mudra

Agni bedeutet Feuer. Dieses Mudra hilft bei der Wiederherstellung des Stoffwechsels und der körpereigenen Intelligenz. Formung: Biegen Sie den Ringfinger vom zweiten Glied an, legen sie ihn am Daumenansatz an und drücken Sie ihn mit dem Daumen nach unten. Halten Sie die restlichen Finger gerade. Nutzen:

  • Es hilft bei der Verbrennung von überschüssigem Körperfett, da es den Stoffwechsel balanciert, kurbelt eine träge Verdauung an und fördert denAppetit.
  • Es verbrennt überschüssigen Schleim.

4. Vayu Mudra

Vayu bedeutet Luft und das Vayu Mudra reduziert das Luftelement. Es lindert Schmerzen und beruhigt ein überreiztes Nervensystem. Formung: Biegen Sie den Zeigefinger vom zweiten Gelenk zur Daumenwurzel und drücken Sie ihn mit dem Daumenpolster nach unten. Halten Sie die anderen drei Finger so gerade wie möglich. Nutzen:

  • Es beruhigt Vata und löst Winde aus dem Körper.
  • Es hilft bei Schmerzen, lindert Unruhe und kann auch als erste Hilfe dienen.
  • Es reduziert Zittern in den Gliedmaßen.

5. Akasha Mudra

Akasha ist das Ätherrespektive Raumelement. Dieses Mudra hilft bei der Schaffung oder Reduzierung von Raum, gerade so wie es der Körper braucht. Formung: Verbinden Sie das Mittelfingerpolster mit dem des Daumens und halten Sie die verbleibenden Finger gerade. Nutzen:

  • Dieses Mudra ist eine Kombination aus dem Ätherelement (Mittelfinger) und der Sonne (Daumen). Es hat die Fähigkeit, alle das Hören betreffende Leiden zu lindern.
  • Da dieses Mudra Spannungen abbaut und den Geist ruhig und gelassen werden lässt, wird es gern während der Meditation praktiziert.
  • Es ist eine erste Hilfe bei Schwindel und bei Kiefersperre, die manchmal während des Gähnens, in Stresssituationen oder bei Überanstrengung auftritt.

Die Reise zu sich selbst

Mudras sind ein mächtiges Werkzeug des Yoga, um den Körper ins Gleichgewicht zu bringen. Der Schlüssel zur Gesundheit liegt darin, dass wir im Einklang mit unserer inneren Natur und der Natur als Ganzes leben. Gesundheit ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem Körper und Geist im inneren Selbst verankert sind. Die Antwort auf jede Frage und jeden Konflikt liegt in uns. Yoga zu praktizieren bedeutet nicht nur das Studieren der Sutras (geistige Lehrsätze), sondern das Erforschen des inneren spirituellen Seins. Egal, wie viele Bücher Sie gelesen oder wie viele Schulungen Sie absolviert haben: Nichts macht wirklich Sinn, bis die theoretischen Lehren zu gelebten Erfahrungen werden. Es gibt keine Abkürzung. Gehen Sie nach innen, denn nichts hat eine größere Kraft zu heilen als das Selbst.