Anorexia bedeutet Appetitlosigkeit

Sofern keine zehrende Krankheit die Ursache ist oder eine Erkrankung vorliegt, die Appetitverlust mit sich bringt, kann es sich auch um die bei hauptsächlich jungen Mädchen und Frauen vorkommende psychophysiologische Störung Anorexia nervosa handeln. In den beiden ersten Fällen muss natürlich die Grundkrankheit behandelt werden.

Im Ayurveda wird der Verlust des Appetits Arochaka genannt. Das geschwächte Agni (Verdauungsfeuer) ist der Grund für die Appetitlosigkeit. Da bei Anorexia nervosa die psychische Komponente eine wesentliche Rolle spielt, ist die Stärkung des Agni zwar hilfreich, aber keineswegs ausreichend. Es ist zwingend eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Eine ambulante Behandlung ist nicht erfolgsversprechend, da keine ausreichende Kontrolle über das Essverhalten gegeben ist.

Gestörtes Vata-Dosha oder Pitta-Dosha als auch Kapha-Dosha kann für Arochaka verantwortlich sein. Die drei Gunas „Sattva, Rajas und Tamas“ sind für die Abläufe im Geist (Manas) verantwortlich. Die unten aufgeführten Symptome wie Angst, Lethargie, Nervosität sind Symptome von Manas (Geist). Hieraus lässt sich leicht der Zusammenhang von Körper und Geist erkennen.

Die Entstehung einer solchen Erkrankung wie Anorexia nervosa ist aus ayurvedischer Sicht zurückzuführen auf:
1. Unzulängliche oder exzessive Verwendung der Sinne (z.B .mangelnder Körperkontakt oder dauerhaft schlechten Gerüchen ausgeliefert sein. Extrem übler Geruch kann Appetitlosigkeit hervorrufen.)
2. Abnorme Verwendung des Geistes und der Intelligenz, das heißt falsche Verwendung von Sprache, Geist und Körper (z.B. ständiges Grübeln, eine aggressive Sprache oder Schlafmangel)

Liegt eine Vata-Störung zugrunde, sind die Zähne empfindlich, Schmerzen und Unwohlsein im Brustraum, Schlaflosigkeit, Nervosität und Angst sind mögliche Symptome.

Verursacht durch Pitta sind Mundgeruch, süßer, saurer oder scharfer Geschmack im Mund, Brennen im Brustraum, Schwitzen, Bewusstlosigkeit und Durst hervortretende Symptome.

Ist Kapha-Dosha aus dem Gleichgewicht, zählen Schweregefühl im Magen und Körper, Lethargie, süßer Geschmack und Jucken im Mund sowie Erbrechen zu den häufigsten Symptomen.

Aus ayurvedischer Sicht ist Agni-deepana (Stärkung des Verdauungsfeuers) unbedingt nötig, da Agni auch für den Appetit verantwortlich ist. Besonders geeignet hierzu sind z.B. Hingvastaka und Bhaskarlavan mit Buttermilch als Anupana (Begleitsubstanz) und ähnliche Churnas. Auch Yakrit (Leber) sollte unterstütz werden z.B. durch die Einnahme von Draksaristha.

Shirodhara, Ölmassagen z.B. mit Dhanvantaram Enna Tailam oder andere nährende Behandlungen wie Sashtik Pinda Sveda (der ganze Körper wird mit warmen Säckchen, die mit gekochtem Reis gefüllt sind massiert), die Stärkung von Agni und eine stationäre psychotherapeutische Behandlung ist die ideale Therapiekombination. Meines Wissens gibt es leider keine psychosomatische Therapieeinrichtung, die diese ayurvedisch-medizinischen Behandlungen anbietet um diese optimale Therapiekombination anzubieten. Ayurveda Journal 4 · Seite 12

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Michael Rohrschneider
Heilpraktiker, seit 1989 in eigener Praxis tätig. Ayurveda-Spezialist, Panchakarma-Therapeut, Seminarleiter, Meditationslehrer, Autor, Adviser of Dr. Gahukar’s International Academy of Ayurved & Panchakarma, Nagpur. rohrschneider@ayur-med.de, www.ayur-med.de