Pflanzenextrakte im Ayurveda

Die ayurvedischen Pflanzen, die im tropischen Klima Indiens wachsen, sind Schätze aus der Natur mit sekundären Pflanzenstoffen, die in ihrem ganzheitlichen Zusammenspiel in der ayurvedischen Heilpflanzenlehre – Dravyaguna – beschrieben sind. In Indien werden diese Pflanzen als Nahrungsergänzungen im Rahmen von ayurvedischen Diätplänen zur Erhaltung der Gesundheit und Stärkung von Körper und Geist eingesetzt. Auch in Europa sind viele der Pflanzen bekannt und werden seit 30 Jahren als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel verwendet.

Verschiedene Formen von Extrakten ayurvedischer Pflanzen werden im traditionellen Ayurveda verwendet. Durch eine Konzentrierung der Wirkstoffe kann eine vorgegebene Einnahmemenge im Vergleich zu Pflanzenpulvern reduziert werden. Es gibt verschiedene traditionelle Extraktionsverfahren. Je nach Bedarf werden entweder die wasserlöslichen oder die wasserunlöslichen Pflanzenteile aus dem Material herausgelöst.

Herstellung von wasserlöslichen Extrakten

Für die Produktion von wasserlöslichen Extrakten wird zuerst eine Abkochung (Dekokt) hergestellt, das grobe Pflanzenmaterial wird abgeseiht und die Flüssigkeit durch weiteres Verkochen des Wassers konzentriert. Die zurückbleibende Paste wird traditionell in der Sonne getrocknet. Bei moderner Herstellung werden heute aus den Dekokten in Edelstahltürmen bei heißer Luft Sprühextrakte hergestellt. Das heißt, die Pflanzenabkochungen werden von oben in diese Türme gesprüht und verdampfen durch die in den Türmen erzeugte Hitze. Wenn diese Sprühextrakte am Boden ankommen, sind sie pulverisiert. Das moderne Verfahren hat den Vorteil, dass es deutlich hygienischer verläuft. Das so gewonnene Pflanzenmaterial wird zu „Ganvatis“ verarbeitet – eine Bezeichnung für eine Kräutertablette aus einem wässrigen Extraktionsverfahren. Für diese Verfahren eignen sich alle Pflanzen, deren Wirkstoffe nicht überwiegend aus ätherischen Ölen bestehen.

Herstellung von Extrakten mit wasserunlöslichen Wirkstoffen

Durch ein anderes Verfahren werden die wasserunlöslichen Wirkstoffe aus den Pflanzen gelöst. Dabei werden die Pflanzen zerkleinert, in Wasser zerdrückt und über 24 Stunden zum Quellen gebracht. Das grobe Material wird sorgfältig abgefiltert und das stärkehaltige Sediment, das sich am Boden in Form eines Schlamms ablagert, so extrahiert, im Schatten getrocknet und zu sogenannten Satvas (Satva Kalpa) verarbeitet.

Potenzierung von Wirkstoffen

Durch ein weiteres Verfahren kann insbesondere Amla (Amalaki) oder Pippali, der lange Pfeffer, potenziert werden. Dabei wird frischer Amla-Saft mit Amla-Pulver vermischt und durch ständiges Rühren mit einem großen Mörser getrocknet. Dieser Vorgang kann beliebig bis zu 108-mal wiederholt werden. Dabei wird dem so getrockneten Pulver immer wieder frischer Amla-Saft hinzugefügt, bis ein hochpotentes und kostbares Pulver entsteht. Ein ähnlicher Vorgang wird zur Potenzierung von Pippali durchgeführt. Hier wird anstelle von frischem Saft eine Abkochung der Pippalifrüchte als Potenzierungsflüssigkeit verwendet und dem Pippalipulver hinzugefügt. Der Vorgang kann sich bis zu 192 Stunden erstrecken. Dieses alte Herstellungsverfahren – durch Rühren mit der Hand bei normalen Temperaturen eine Potenzierung zu erreichen – wird heute kaum noch durchgeführt. Grundsätzlich sind alle Verfahren zur Extraktion und Potenzierung in den alten traditionellen Schriften des Ayurveda beschrieben. Dahinter stehen die Erfahrungen von unzähligen Generationen ayurvedischer Vaidyas. Entscheidend bei allen Verfahren ist die Erhaltung des ganzheitlichen Werts der Pflanze und damit die Berechenbarkeit in Anwendung und Wirkung.

Kontrovers diskutiert: Moderne Extrationsverfahren mit CO2

Im Gegensatz dazu stehen die modernen Extraktionsverfahren mit alkoholischen Lösungen oder Hochdruckverfahren mit CO2, bei denen durch ein industrielles Verfahren Pflanzenwirkstoffe isoliert vom Rest der Pflanze herausgelöst werden. Insbesondere die Verwendung von CO2-Extrakten wird kontrovers diskutiert. Die Mehrzahl der ayurvedischen Experten lehnen diese Extrakte ab und Substanzen aus dem ganzheitlichen Zusammenhang der Pflanze herausgerissen und isoliert werden.

Produktsicherheit

Grundsätzlich sollten alle ayurvedischen Produkte in europäischen, zertifizierten Laboren auf Schadstoffe untersucht werden. Weiterhin sollten auch bei traditionell hergestellten Extrakten unabhängige Laborergebnisse des charakteristischen Hauptwirkstoffs vorliegen, um Produkttäuschungen vorzubeugen.

Erschienen im Ayurveda Journal 50

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt „Strahlende Haut“.

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