Interview mit Malte Quedens, Diplom-Ökotrophologe und Leiter der Qualitätssicherung bei der Ayurveda Firma Amla Natur GmbH, über seine Arbeit, Standards in Europa und „kritische Kontrollpunkte“.

Herr Quedens, worin besteht Ihre Aufgabe bei der Qualitätssicherung?

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika keine
gesundheitsschädigenden Wirkungen für den Verbraucher haben dürfen. Meine Aufgabe besteht darin, einmal dafür zu sorgen, dass die importierten Rohwaren unbedenklich und rein sind und zum anderen, dass der Herstellungsprozess innerhalb unserer Manufaktur korrekt und den modernen
Hygienestandards entsprechend abläuft.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie in Ihrem Betrieb, um beste Qualität und Reinheit zu gewährleisten?

Wir achten bei der Auswahl unserer Zulieferer aus Indien auf die verlässliche Umsetzung der geforderten Hygienestandards und moderne Verarbeitungsverfahren. Deshalb besuchen wir regelmäßig
unsere Anbauer und Produzenten vor Ort. In Europa ist das sogenannte HACCP-Konzept für die Lebensmittelproduktion rechtlich vorgeschrieben. HACCP bedeutet: Hazard Analysis and Critical
Control Points, deutsch: Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte. Es handelt sich um ein
klar strukturiertes Konzept mit präventiven Maßnahmen, um Risiken auszuschließen, die bei der
Herstellung von Lebensmitteln entstehen können.

Wie muss man sich das praktisch vorstellen?

Unsere Produktionsräume sind speziell gebaut, um moderne Hygienemaßnahmen beinhalten zu
können. So gibt es im Eingangsbereich eine Schleuse, wo die Straßenbekleidung gewechselt wird.
Weiße Arbeitskleidung, ein Haarnetz und die gründliche Desinfektion der Hände sind ein Muss.
Der Produktionsbereich hat Böden und Wandbekleidungen, die für die Lebensmittelproduktion zugelassen sind und sich leicht reinigen lassen. Das Mobiliar besteht überwiegend aus Edelstahl.

Ich schule die Mitarbeiter regelmäßig hinsichtlich der Hygienemaßnahmen. Alles wird dokumentiert und alle Maßnahmen können nachgeprüft werden. Diese Vorschriften sind selbstverständlich für einen Lebensmittelbetrieb. Jeder, der ayurvedische Produkte herstellt oder verarbeitet, ist rechtlich verpflichtet, so zu arbeiten.

Was ist denn bei Ihnen ein sogenannter „Kritischer Kontrollpunkt“?

Quelle: Ayurveda Journal
Quelle: Ayurveda Journal

Der Import von Rohwaren beispielsweise stellt einen solchen „kritischen Kontrollpunkt“ dar.
Um hier beste Qualität gewährleisten zu können, haben wir Prüfverfahren eingeführt, um Produktsicherheit zu erlangen. Alle Waren werden nach der Ankunft in unserem Lager auf verschiedene Parameter untersucht. Zuerst entnehme ich Proben und schicke sie in ein akkreditiertes deutsches Labor. Wir legen für jedes Produkt fest, welche Parameter im Labor untersucht werden sollen.

Woran erkennen Sie, was untersucht werden soll?

Grundsätzlich prüfen wir auf Schwermetalle und bei Kräuterpulvern und Extrakten auf Mikrobiologie. Bei Wurzeln und niedrig wachsenden Kräutern testen wir zusätzlich auf Schimmelpilzgifte.

Für die Mehrzahl der Parameter gibt es inzwischen amtliche Grenzwerte, die eingehalten werden
müssen. Falls keine amtlichen Werte vorliegen, gibt uns das Lebensmittellabor Werte vor, die aus
Richtwerten der WHO oder anderen anerkannten Institutionen ermittelt werden.

Solange die Freigabe durch das Lebensmittelinstitut nicht vorliegt, bleibt die Ware gesperrt.
Nur Ware, die alle Tests besteht, wird verarbeitet.

Wäre es dann nicht besser, die Kräuter vor dem Import zu testen?

Natürlich wäre das der bessere Weg, garantiert aber keine Produktsicherheit. Einerseits ist eine Untersuchung in Indien nicht zu empfehlen, weil indische Labore nicht nach unserem Standard
funktionieren. Das heißt, die Ergebnisse auch von regierungsamtlich zugelassenen Laboren weichen
drastisch von den europäischen Werten ab. Man könnte sich auch Proben aus Indien schicken lassen,
allerdings ist man dann nie sicher, ob die entnommenen Proben wirklich aus der gleichen Charge stammen, die man dann tatsächlich geliefert bekommt. Aus diesem Grunde prüfen wir nur Ware, die sich unverwechselbar in unserer Hand befindet und wo die Probenentnahme zu 100 Prozent zuverlässig ist. Wir verlassen uns auch nicht darauf, wenn der Lieferant ein eigenes europäisches Laborergebnis beilegt.

Quelle: © AMLA Natur GmbH
Quelle: © AMLA Natur GmbH

Kommt es häufig vor, dass Ware vernichtet wird?

Im vergangenen Jahr waren es über 1000 Kilogramm. Wir versuchen natürlich auf dem Vorwege durch die Auswahl des Produzenten oder Anbauers möglichst nur aus sicheren Quellen einzukaufen.
Wir besuchen die Lieferanten, lassen uns die Anbau- und Produktionsstätten zeigen und besprechen
unsere Anforderungen an Qualität und Verarbeitung.

Sind Sie nicht verpflichtet, weitere Untersuchungen vorzunehmen?

Wir sind grundsätzlich überhaupt nicht verpflichtet, irgendwelche Untersuchungen vorzunehmen.

Wir sind verpflichtet, saubere Ware in den Markt zu bringen und werden bestraft, wenn wir
leichtfertig kontaminierte Ware verkaufen. Die Wahl, welche Untersuchungen durchgeführt werden müssen, stimmen wir mit dem Labor ab, das uns ständig berät.

Wie ist die Situation von Bio-Produkten aus Indien? Ist wirklich überall Bio drin wo Bio draufsteht?

Gute Frage. Vor drei Jahren hat die EU die Biorichtlinien für sogenannte Drittländer, also auch Indien, drastisch verschärft. Es wurden nur noch wenige ausgesucht Kontrollstellen zugelassen. Die Kontrollen und die Bürokratie für indische Bioanbieter sind gefühlt viel strenger als in Europa selbst.

Sind Sie also der Meinung, dass Ayurveda-Produkte in Deutschland in jedem Fall sicher sind?

Sicher sind meiner Meinung nach die Produkte, die aus einem ordentlichen Lebensmittelbetrieb
mit strukturiertem HACCP-Konzept kommen. Wir arbeiten gerne mit alteingesessenen, seriösen Firmen
zusammen, die über eine gute Qualitätskontrolle verfügen.

Problematisch sind mit Sicherheit Grauimporte von indischen Produkten, die illegal importiert
werden oder von Urlaubsreisen mitgebracht werden.

In den vergangenen Jahren hat es ja viel Aufregung in den Medien wegen überhöhter Schwermetallwerte in ayurvedischen Nahrungsergänzungsmitteln gegeben. Seitdem hat sich viel geändert. Der Druck auf die Herstellerfirmen hat dadurch drastisch zugenommen, es wird deutlich mehr geprüft. Grundsätzlich halte ich persönlich Ayurveda-Produkte für sicher.

Heißt das, dass indische Produkte stärker belastet sind? Wie sieht es dann aus mit den Produkten, die man auf Ayurveda-Kuren in Indien oder Sri Lanka bekommt?

Dazu ist schwer etwas zu sagen. Diese Produkte haben mit Sicherheit nie einen europäischen Labortest gesehen. Man sollte vor allen Dingen keine Produkte erwerben, die metallische Verbindungen enthalten. Diese können hochgradig belastet sein, wenn sie schlecht hergestellt wurden.

Herr Quedens, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Ayurveda Journal 47 · Seite 42 – 43

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