„Im Ayurveda wird Nahrung immer weich gekocht und Rohkost vermieden“ – diese Annahme ist ein weit verbreiteter Irrtum. Richtig dagegen ist, dass im Ayurveda eine Überlastung des Verdauungsapparates als Ursache vieler Krankheitsentwicklungen gesehen wird.

Im klassischen Ayurveda wurden Blattsalate kaum verwendet. Die Nahrungsmittelgruppe „Haritavarga“ bezog sich traditionell auf frisches „Grünzeug“ und umfasste frischen Ingwer, Limone, Rettich, Korianderblätter, Karotten, Zwiebeln und Knoblauch. Wir gehen der Fragestellung auf den Grund, ob Salate wirklich so gesund, leicht und bekömmlich sind, wie sie in der westlichen Vollwertküche betrachtet werden.

Fakt ist:

Nahrung dient aus ayurvedischer Sicht der Gewebesynthese und Energieproduktion.
Wird für die Verdauung und Verstoffwechselung von Nahrungsmitteln mehr Energie
verbraucht, als später zur Verfügung steht, ist das ein defizitäres Geschäft. Wir investieren mehr, als wir am Ende gewinnen.

Wir Menschen sind Warmblüter mit einer Körpertemperatur von knapp 37° C. Unsere Verdauung und die chemischen Reaktionen des Stoffwechsels sind temperaturabhängig. Enzyme haben bei einer bestimmten Temperatur ihr Aktivitätsmaximum, bei gleichwarmen
Organismen liegt das Optimum der meisten Enzyme bei 37° C.

Kalte Nahrung wird im Körperinneren erst erwärmt, um dann verdaut zu werden. Rohkost-salate sind nicht nur kalt, sondern auch roh – ihre Verdauung benötigt daher noch mehr Energie (Agni). Salatblätter sind von Natur aus leicht (laghuguna), aber schwer verdaulich
(gurupaka). Die leichte Natur wird unseren Körper kaum nähren, die schwere Verdaulichkeit erfordert aber einen hohen Energieaufwand zur Verarbeitung.

Deshalb empfiehlt der Ayurveda Speisen und Getränke, die leicht verdaulich sind, gut resorbiert, transportiert und verarbeitet werden können. Durch wärmende Zubereitungsarten
wie Kochen, Dünsten, Dämpfen, Backen, Rösten oder Braten findet eine Art „Vorverdauung“
im Kochtopf statt, die unseren Körper entlastet.

Fazit:

Die Stärken von Salat sind ayurvedisch überschaubar. Bittere Sorten (z.B. Chicoree, Rucola, Radicchio, Löwenzahn) wirken blutreinigend, antimikrobiell und reduzierend. Da wir ohnehin zu wenige Bitterstoffe konsumieren, sind Salate hierfür gut geeignet.

Salate sind ballaststoffreich und fördern somit die Darmfunktion und Stuhlentleerung. Ein Thema, das für viele Mischköstler ein Problem darstellt – bei einer ayurvedischen Ernährung allerdings keine Rolle spielt. Die Kehrseite: Ballaststoffe sind auch immer Ballast, sie sind unverdaulich und sorgen bei vielen für erhebliche Probleme.

Mein Tipp:

Wenn Sie Salate mögen, wählen Sie vor allem bittere Sorten aus, verzehren Sie kleine Beilagenportionen und diese nur zur verdauungsstarken Mittagszeit. So kommen Sie in den
Genuss der Frische und gesundheitlichen Vorteile – ohne lästige Verdauungsprobleme
im Anschluss.

Erschienen im Ayurveda Journal 46