Sind Sie schon vor Sonnenaufgang wach und frisch? Oder schlummern Sie gerne bis in den späten Morgen hinein? Fühlen Sie sich mit Ihren Morgen-Gewohnheiten gut gelaunt und voller Tatendrang? Nein? Um dies zu ändern, muss man verstehen, wie die biologische Uhr am Morgen tickt: Der Stoffwechsel ist zwischen sechs und zehn Uhr mit dem internen Hausputz beschäftigt. Die Empfehlungen sind für alle Typen gut. Sie basieren auf den klassischen Schriften, „Ashtanga Hridaya Samhita“, ca. 500 n. Chr., und sind von Vagbhata aus Sindh, Pakistan verfasst. Die Auswahl folgender Handlungen ist etwas länger als unsere Reinigungs­gewohnheiten. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken!

Wann den Tag beginnen? – Giftstoffe ausleiten – Typgerechte Aktivität – Nähren und Pflegen – Lebensenergie aufnehmen – Innehalten und energe­tischer Schutz

Was die Reinigung unterstützt

Je nach Doshatyp, Jahreszeit und aktueller Verfassung wird empfohlen, zwischen vier und sieben Uhr das Bett zu verlassen. Haben Sie auch schon bemerkt, dass bei spätem Aufstehen ein diffuses Schwere­gefühl entsteht, das den ganzen Tag anhält und fast nicht mehr los zu werden ist?

Auch die Bildung von Schlackenstoffen und Gewichtszunahme wird durch zu langes Schlafen verstärkt. Um die nächt­lichen Schlacken-Ansammlun­gen auszu­scheiden, sind Maßnahmen wie Zungen­schaben, Ölziehen, Ölmassage, Körper- und Atemübungen als auch Meditation hilfreich. Sie erleichtern das freie Zirku­lieren der vitalisierenden Lebensenergie (Prana). Die Verdauungskraft (Agni) wird angeregt, die Ausscheidungen (Malas) gefördert, sowie die Wahrnehmungs­fähigkeit (Manas) geklärt und gestärkt.

Das typgerechte Frühstück ist erst die Krönung. Spätestens zwei Stunden nach dem Aufstehen sollte eine natürliche Darm­entleerung stattfinden. Kaffee reizt die Nerven des Dickdarmes so stark, dass die Peristaltik zu stark angeregt wird.

Das Trinken von drei bis sechs Deziliter war­mem, gekochtem (Ingwer-) Wasser vor dem Frühstück regt die Ausscheidung nicht nur sanft an, es reinigt wie eine innere Dusche auch den gesamten inneren Verdauungsweg. Für das Ölziehen wird ein Esslöffel gereiftes Sesamöl oder im ayurvedischen Fachhandel erhältliches Mundöl im Mund hin und her gesogen bis es emul­giert und dann auf ein Papiertuch gespuckt. Nicht nur fettlösliche Schlacken­stoffe werden gebunden, auch das Zahn­fleisch wird kräftiger, das Immunsystem stärker, die Lymphen entlastet, etc.

Um die Zunge zu reinigen, verwenden Sie einen kleinen Löffel oder einen speziellen Zun­genschaber. Die Zunge wird damit zwei bis drei mal von der Zungenwurzel bis zur Zungenspitze sanft abgeschabt. Dies unterstützt nicht nur den gesamten Ver­dauungs- und Ausscheidungsprozess, auch Mundgeruch wird beseitigt. Jetzt die Zähne putzen wie ge­wohnt.

Die Nasenreinigung (jala neti) wird mit einem Neti-Kännchen, das mit warmem Salzwasser gefüllt wird, durchgeführt. Diese Anwendung löst nicht nur Ab­lagerungen und Pollen in den Nasen­höhlen, sondern stimuliert auch direkt die Gehirn­funktionen. Fließt Ihr Atem „leicht wie Öl“, ist diese Spülung nicht nötig und das einölen der Nasenwände ausreichend.

Aktivieren und energetisieren

Sich je nach Typ und Verfassung leicht bis intensiv zu bewegen, regt den Lymphfluss und die Zirkulation an, auch die Aus­scheidung der Schlackenstoffe wird un­terstützt. Joggen, Radfahren, zügiges Spa­zieren oder Körperübungen wie Yoga, Chi Gong, Tai Chi, Dehnungen u.ä. bringen Leichtigkeit und Geschmeidigkeit in den Körper. Eine Ganzkörper-Ölmassage wirkt nicht nur belebend und reinigend. „Sie vertreibt Alter, Anspannung und Ansammlungen von Vata (z.B: Unruhe, Nervosität, Schmerzen). Sie schenkt gute Sehfähigkeit, Ernährung für den Körper, langes Leben, guten Schlaf, gute und gesunde Haut“ (Ashtanga Hridaya). Atemübungen (Pranayama) bringen in kurzer Zeit viel Sauerstoff zum Gehirn, was zu einer erhöhten Denk-Kapazität führt. Dies wirkt schon in 2, 3 Minuten sehr belebend! Nach Atemübungen ist es einfacher, den Verstand fünf bis 10 Minu­ten zu sammeln. Dazu gibt es ver­schiedene Möglichkeiten. Und jetzt mit einem Tupfer wohlriechendem Parfüm den Tag begrüßen! Wie fühlt sich das an?

Schritt für Schritt

Wichtig bei der Einführung von neuen Gewohnheiten ist, sich und dem Körper Zeit zu lassen. Probieren Sie in kleinen Schritten etwas Neues aus und geben Sie sich drei bis vier Wochen Zeit zur Angewöhnung. Ich wette, Sie werden so wie ich, die wohltuenden Auswirkungen vermissen, wenn Sie die nötige Zeit dazu nicht vorsehen. Mailen Sie mir Ihre Erfahrungen?
Ayurveda Journal 17 · Seite 31 – 32

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Sonja Gubler
setzt sich seit 1992 in Theorie und Praxis mit ganzheitlichen Ernährungssystemen wie Ayurveda, Anthroposophie, Makrobiotik und Vollwerternährung auseinander. Sie ist heute als Ayurvedic Clinical Therapist EIVS, mit ayurvedischer Ernährungsberatung, Kochkursen, Pflanzenheilkunde, Aromathrapie und Massagen sowie Yoga Privatstunden in Zürich tätig. Außerdem arbeitet Sonja Gubler als Dozentin und Referentin für Ayurveda an Privatschulen sowie für Firmen und Vereine.