Eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise sind ausschlaggebend für schönes Haar. Eine zentrale Rolle bei der Pflege von Haaren und Kopfhaut spielen auch ayurvedische Nahrungsergänzungen. Außerdem empfiehlt der Ayurveda das Einölen von Haaren und Kopfhaut vor dem Waschen.

Besonders schädlich auf jedes Haar wirken sich übermäßige Trockenheit und Hitze aus. Zu viel Sonne trocknet das Haar aus und überhitzt den Kopf; Kopfhaut und Haarwurzeln werden geschwächt. Auf keinen Fall sollte man Shampoos mit schäumenden Zusätzen wie Sodiumlaurylsulfat verwenden. Diese aggressiven, chemischen Verbindungen zerstören die äußere Eiweißschicht der Haare und trocknen die Kopfhaut aus.

Welcher Haartyp sind Sie?

Bei jedem Konstitutionstyp bilden die individuellen Anlagen besondere Eigenschaften des Haarwuchses und der Haarbeschaffenheit. Menschen mit einem hohen Vata-Anteil haben meist zartes, dünnes und empfindliches Haar. Es ist oft trocken und spröde, lässt sich leicht entwurzeln und verliert rasch seinen Glanz, wenn Vata aus dem Gleichgewicht gerät. Die Kopfhaut neigt zu Trockenheit und Schuppenbildung. Menschen mit Pitta-Eigenschaften haben dickeres und geschmeidiges Haar, es ist meist rötlich oder blond. Kapha-Menschen verfügen von Natur aus über gesundes, kräftiges und glänzendes Haar mit festen Wurzeln und einer robusten Kopfhaut. Kapha-Haare neigen jedoch zu Fettigkeit und Schuppen.

Sanfte Pflegerituale

Um die Schönheit und vitale Kraft der Haare zu erhalten werden im Ayurveda Pflegeprodukte verwendet, welche die Kopf­­haut in ihrer natürlichen Funktion nicht beeinträchtigen. In der heutigen Zeit empfehlen sich statt der früher üblichen Kräuterpulver eher milde Shampoos mit ayurvedischen Pflanzenauszügen. Oft ist die Kopfhaut allerdings durch Verspannungen oder Fettablagerungen blockiert, so dass die Wirksubstanzen nicht zu den Haarwurzeln vordringen können. Durch eine ayurve­dische Kopfmassage werden Spannungen gelöst, die Durchblutung der Kopfhaut gefördert die Haarwurzeln gestärkt sowie von ausgetrockneten Talgschichten befreit. Vor jeder Haarwäsche wird zunächst ein warmes mit haarspezifischen Wirkkräutern (z.B. Amla, Neem, Shikaikai, Sandelholz, Jasmin, Koriander) traditionell mediziniertes Haaröl in die Kopfhaut und die Haare einmassiert. Anschließend wird das Haar gebürstet und für ca. 20 Minuten in ein warmes Handtuch gewickelt. Lässt man die „Ölpackung“ über Nacht einwirken, kann die Haut die ihr zugeführten Nährstoffe noch besser aufnehmen.
Zur optimalen Haarölentfernung gibt es ein „After Oil Shampoo“ von Classic Ayurveda. Da sowohl das Gehirn als auch die Kopfhaut Kühle bevorzugen, sollte man beim Haarewaschen lauwarmes und beim anschließenden Spülen kaltes Wasser verwenden. Kaltes Wasser stärkt die Kopfhaut und belebt die Nerven.

Hilfe bei Haarproblemen

Bei trockenem Haar sollten zunächst alle Vata erhöhenden Faktoren in der Ernährung und der Lebensweise reduziert werden.

Regelmäßige Kopfmassagen mit warmem Haaröl und eine sanfte, rückfettende Haarwäsche bringen die Kopfhaut und Haare wieder ins Gleichgewicht. Fettiges Haar sollte regelmäßig gewaschen und mit zitronenhaltiger Spü­lung nachbehandelt werden. Da Pitta-Typen von Natur aus größere Körperhitze besitzen, sind sie besonders anfällig für frühzeitiges Haarergrauen und Kahlköpfigkeit. Sie sollten alle Faktoren, die das Pitta-Dosha reizen reduzieren und Amalaki Rasayanas einnehmen.

Bei Schuppen hilft oft schon eine natürliche Ernährungsweise mit verbesserter Verdauungskraft (Agni). Allgemein wird bei Haarausfall empfohlen, die Kopfmassage mit Bhringaraj- und Brahmiöl durchzuführen. Diese wirken verjüngend auf die Haarwurzeln, sodass ein gesundes Haarwachstum wieder einsetzen kann. Um Schuppen und Haarausfall ganzheitlich zu behandeln, bedarf es einer umfassenden Diagnose und einer individuell darauf abgestimmten Behandlungsstrategie.
Ayurveda Journal 18 · Seite 15