Ein wichtiges Kriterium, das die ayurvedische Ernährung von den herkömmlichen Empfehlungen unterscheidet, ist die Bedeutung, die einem effizienten Stoffwechsel zukommt. Die Kraft, mit der unsere individuelle Verdauung funktioniert, nennt man im Ayurveda Agni. Wenn Agni stark und gesund ist, wird die aufgenommene Nahrung vollständig abgebaut und nährt uns auf ihrem Weg durch die Körpergewebe, um letztlich für uns Ojas, die Lebensenergie zu bilden.

Weil das, was wir essen auch unserer Konstitution, der Tageszeit, den klimatischen Bedingungen und dem Energieverbrauch angepasst sein sollte, ist unser persönliches Agni die wichtigste Instanz, die allen Überlegungen zur gesunden Kost zugrunde liegen sollte.

Denn wieviel nützen uns die perfekten Lebensmittel, wenn Agni schwach ist und alles nur unvollständig verdaut wird?

Kurkuma ist bitter und nicht ohne weiteres für die Vata (Nervenenergie) betonte Konstitution geeignet. Wenn für luftige Vata-Menschen Kurkuma mit seiner leber- und gallestärkenden Kraft angezeigt ist, wird die Einnahme mit Milch oder Joghurt empfohlen.

Unverdaute Nahrung, die im Ayurveda Ama genannt wird, sammelt sich an und es entstehen Schlacken und möglicherweise langfristig Blockaden, die zu Krankheiten führen.

Fenchel, Kreuzkümmel und frischer Ingwer kann von allen Menschen genossen werden. Die Samen werden im Mörser leicht aufgedrückt und in Ghee bei kleiner Hitze kurz angeröstet, um ihr volles Aroma zu entwickeln. In der richtigen Dosierung stärken diese Gewürze Agni, ohne die Feuerenergie Pitta zu aggravieren und helfen u.a., Blähungen nach dem Genuss z. B. von Pilzen, Paprika und Kohlgemüse zu reduzieren.

Deswegen sollten unsere unentbehrlichen Helfer, die Gewürze, in einem gut verdaulichen Essen nicht fehlen. Natürlich werden nicht alle stoffwechselanregenden Gewürze jedem empfohlen und schon gar nicht die scharfen, denn die sind besonders geeignet, die schwache Kapha-Verdauung zu unterstützen. Eine pittabetonte Stoffwechsellage würde durch Chilischärfe unnötig angeregt und könnte sich zu einem “Strohfeuer-Agni” entwickeln: es brennt schnell hoch, aber nicht effizient.

Es gibt allerdings Gewürze, die keinem Stoffwechseltyp schaden und die sich in einer ausgewogenen Mischung als allgemein verdauungsanregend verdient gemacht haben. Dazu gehören Kurkuma, Fenchel, Koriander, Kreuzkümmel, schwarzer Pfeffer, Ingwer, Bockshornklee und Zimt richtig dosiert. Gemeinsam sind sie stark, um viele Speisen bekömmlicher zu machen: Agni Plus Gewürzmischung. Aber auch einzeln haben sie durchaus vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.

Koriander verringert die Stoffwechselenergie Pitta und wirkt gegen Durchfälle und Blähungen. Sein wundervolles Aroma und seine vielseitige Verwendung sind in der ayurvedischen Küche fast unentbehrlich. Bockshornklee-Samen werden wegen ihres strengen Geschmacks sehr sparsam verwendet und wirken speziell bei körperlichen Schwächezuständen und schwachen Nerven. Zimt ist u.a. schweiß- und harntreibend, außerdem wird seine blutzuckersenkende Wirkung gelobt. Heiße Milch mit Zimt stärkt die Nerven. Auch fördert Zimt die Entgiftung und stärkt und strafft das Gewebe.

Die Palette der Gewürze wird von ayurvedischen Köchen mit großer Vielfalt eingesetzt, sie spielen damit wie der Maler mit seinen Farben. Wenn sich die köstlichen Aromen mit Heilkraft in der Küche entfalten, können die Menschen mit allen Sinnen genießen.

Ayurveda Journal 9 · Seite 23