Antworten auf Fragen rund um die Reinigungskur Panchakarma (PK)

Dr. med. Karin Pirc, Maharishi-Ayurveda Klinik Bad Ems – Dr. Hans Rhyner, Praxis für Ayurveda Medizin in Österreich – Dr. med. K. Bandecar, Praxis für Ayurvedische Medizin Hannover – Elmar Stapelfeld, Dozent und Leiter der Ayurveda Kuren an der Europäischen Akademie für Ayurveda in Birstein – Michael Rohrschneider, Heilpraktiker, Zentrum für Ayurveda Medizin Hamburg – Dr. med. Sophie Beall, Maharishi-Ayurveda Gesundheitszentrum, Seelisberg/Schweiz

1. Warum nimmt Panchakarma in der Ayurveda-Medizin eine derartig zentrale Rolle ein?

Dr. Hans Rhyner:

Bei Panchakarma werden weder die Krankheit noch die Symptome behandelt. Es wird direkt in die Pathogenese eingegriffen, d.h. die Ursachen beseitigt. Das ist natürlich viel effektiver und deshalb ist Panchakarma prinzipiell die erste Wahl in der Ayurveda Medizin.

Dr. Karin Pirc:

Einer Studie zufolge werden mit einer 12-tägigen Maharishi Panchakarma-Kur so viele Umweltgifte aus dem Körper geschleust, wie es der Körper in Eigenregie nur in 25 Jahren erreichen kann. Durch diese immense Reinigung wird die Selbstheilungskraft des Organismus maximal angeregt.

2. Für welchen Ayurveda-Anbieter soll man sich entscheiden?

Elmar Stapelfeld:

Im Rahmen von Wellness (also bei nicht-medizinischen Entspannungsanwendungen, die mit dem klassischen Panchakarma wenig gemein haben) geht man nach seinem persönlichen Empfinden. Der gesunde Mensch, der seine Gesundheit durch Ayurveda erhalten und fördern will, wird mehr Wert auf die medizinischen Kenntnisse des Therapeuten legen müssen. Allerdings sind beim Gesunden standardisierte Kurprogramme eher vertretbar. Der kranke Mensch muss am aufmerksamsten prüfen, ob der Therapeut sein Handwerk gelernt hat. Die individuelle Behandlung ist einer der wichtigsten Grundsätze des Ayurveda. Für jeden Erkrankten müssen die Anzeigen und Gegenanzeigen der Verfahren genau geprüft und das Kurprogramm individuell gestaltet worden sein.

3. Bitte geben Sie unseren Lesern Tipps für Kuren in Indien, Sri Lanka etc.

Michael Rohrschneider:

Ist eine PK überhaupt angezeigt und wer soll das bei der Buchung in Deutschland beurteilen? Was ist, wenn vor der PK Unverdautes (Ama) ausgeleitet werden muss? Die Beantwortung dieser Fragen sind mitentscheidend für die Dauer und die Art der Behandlung. Wer eine klassische PK-Behandlung möchte, sollte mindestens 4 Wochen einplanen. Liegt eine schwere Erkrankung vor, wäre auch noch zu berücksichtigen, dass die lange Anreise, die ungewohnte Nahrung und zu manchen Jahreszeiten auch das Klima sich auch nachteilig auswirken können. Die nach der PK evtl. notwendige medikamentöse Behandlung endet häufig darin, dass die mitgegebenen Medikamente von der Quantität nicht ausreichend, z.T. hier nicht verfügbar oder gar nicht zu identifizieren sind. Es ist zu empfehlen, sich ausgiebig zu informieren, eher bei kompetenten Fachleuten in Deutschland, als in einem Reisekatalog.

4. Die Angebote bezüglich der Dauer einer Panchakarma Kur sind recht unterschiedlich.

Dr. Karin Pirc:

Je länger die Kur, desto größer der Effekt. Hier im Westen, wo Zeit Geld ist und die Panchakarma-Kuren aufgrund des großen Personaleinsatzes auch kostenintensiv sind, empfehlen wir Gesunden, die lediglich erschöpft sind, meist eine 10-tägige Kur, Menschen mit stärkeren oder chronischen Beschwerden sollten besser mindestens 14 Tage investieren.

Dr. K. Bandecar:

Ein Arzt kann erst dann entscheiden, wie lange eine Panchakarma-Kur dauert, wenn er eine umfassende Anamnese bei dem Patienten erhoben hat. Ist dies nicht im Vorfeld möglich, sollte der Patient 3-4 Wochen dort verbringen können.

Dr. Hans Rhyner:

Falls bei Panchakarma mehr als ein oder besser noch alle 5 Ausleitungsverfahren durchgeführt werden sollen, müssen die von den Klassikern empfohlenen Wiederaufbauphasen sowie andere wichtige Regeln genau befolgt werden. Darum dauert eine wirklich komplette Panchakarma Kur mindestens 49 Tage, besser noch 63 Tage. Damit ist auch gewährleistet, dass jeder Therapieschritt optimal auf den Klienten abgestimmt werden kann, denn jeder Behandlungsschritt dauert so lange, bis die erwünschten Symptome erscheinen und nicht eine bestimmte Anzahl von Stunden oder Tagen. Diese aufwendigen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass der ganze Organismus von pathogenen Substanzen gereinigt wird. Idealerweise sollte auch ein Prozess inkludiert sein, der die Reinigung auch der Psyche sicherstellt. In dieser Phase soll der Patient vor allen äußeren Reizen geschützt werden, um sich auf sich selbst besinnen zu können. Meine Erfahrung zeigt, dass eine Schweigewoche diesen Effekt erbringt. Die 63 Tage Kuren habe ich vor 15 Jahren in meiner Klinik in Bangalore (Indien) eingeführt und führe diese Tradition bis heute in meinem Gesundheitszentrum in Österreich fort.

5. Ist eine Panchakarma Kur grundsätzlich für jeden gesund und empfehlenswert?

Dr. Karin Pirc:

Es gibt nur wenige Kontraindikationen: ein Mensch, der eine Panchakarma-Kur machen möchte, sollte nicht übermäßig geschwächt sein, keine akuten Infektionskrankheiten und Entzündungen haben, auch bei manchen Hauterkrankungen ist Vorsicht geboten. Generell gilt: Eine Panchakarma-Kur setzt ein Mindestmaß an Regenerationskraft voraus. Ist dies nicht gegeben, ist es immer möglich mit anderen Maßnahmen wie Entgiftung und Ernährungsumstellung zu Hause, ayurvedischen Heilpflanzenmischungen u. a., einen akuten Entzündungszustand, beispielsweise ein hochakutes Rheuma in einen mehr chronischen Zustand zu überführen und im Anschluss daran eine Panchakarma-Kur zur Intensivierung des Heilungsverlaufs durchzuführen.

Dr. Kalpana Bandecar:

Für Kinder und sehr alte Menschen sowie solche, die an akuten Erkrankungen leiden, sind Panchakarma Kuren nicht geeignet. Es ist für jede Altersgruppe zu prüfen, ob 1. überhaupt eine Indikation besteht und 2. ob er in der körperlichen Verfassung für diese Anwendungen ist. Der Arzt muss individuell entscheiden, ob eine Reinigung oder eher eine Aufbau-Kur notwendig ist.

6. Panchakarma wird auch in Ayurveda-Praxen ambulant angeboten. Ist das ratsam?

Michael Rohrschneider:

Auch in Indien wird PK ambulant durchgeführt. Wir führen in unserem Zentrum alle fünf Behandlungen des PK durch. Alle mit den notwendigen Vor- und Nachbehandlungen einzeln oder miteinander kombiniert, je nach Indikation und Konstitution. PK parallel zur Berufsausübung durchzuführen ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Die Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit ist unerlässlich, ist aber möglicherweise der Einstieg in ein neues Gesundheitsbewusstsein.

Dr. Kalpana Bandecar:

Entscheidend ist die Mitarbeit des Patienten, Anweisungen des Arztes auch im häuslichen Umfeld zu befolgen, zum Beispiel strickte Ruhe und Diät einzuhalten. Der Arzt sollte ambulante Kuren nur bei Patienten durchführen, die er gut kennt und einschätzen kann. Auf jeden Fall sollten die Patienten sich wirklich Urlaub nehmen.

Elmar Stapelfeld:

Ambulante Behandlungen sollten nur von erfahrenen Therapeuten bei sehr verlässlichen Patienten und in abgemilderter Form durchgeführt werden. Der Patient muss gut aufgeklärt und häufige Kurzkontakte zwischen beiden sollten eingerichtet werden.

7. Welche gesundheitlichen Probleme können mit Panchakarma erfolgreich behandelt werden?

Dr. med. Sophie Beall:

In meiner 20-jährigen Tätigkeit im Ayurveda habe ich den großen Wert von Vorbeugung erkannt. Der Zweck des Panchakarma besteht darin, Krankheiten durch regelmäßige Ausleitung von Stoffwechselschlackenstoffen, vorzubeugen, die einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung vieler Erkrankungen darstellen. Panchakarma hat aber auch heilende Wirkung. Es kann Krankheitsverläufe verlangsamen oder bestimmte pathologische Entwicklungen gar umkehren. Es führt zu sehr guten Ergebnissen bei der Vorbeugung von Herz- Kreislauferkrankungen (zu hohes Cholesterin, Bluthochdruck, Übergewicht, Stress) und es ist überaus hilfreich bei Nikotinentwöhnung. Panchakarma kann unterstützend bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden, Rücken- oder Ischiasschmerzen insbesondere in deren Frühstadien eingesetzt werden. Panchakarma trägt zum allgemeinen Wohlbefinden, zur Steigerung der Energie, zu geistiger Klarheit und Lebensfreude bei. Es bewirkt einen sichtbaren Verjüngungseffekt, der sich in einer grösseren Elastizität der Haut zeigt.

Ayurveda Journal 9 · Seite 8 – 9