Nüsse und Samen sind nicht nur kulinarisch eine Bereicherung, sondern auch ernährungsphysiologisch von Bedeutung. In der ayurvedischen Ernährung werden sie seit Jahrtausenden gezielt eingesetzt. Gerade jetzt im Herbst bietet uns die Natur unzählige Möglichkeiten, Walnüsse, Haselnüsse oder Esskastanien zu sammeln – und dies aus einem guten Grund. Denn Nüsse gelten im Ayurveda als Vata-Tonikum. Die meisten von ihnen wirken durch ihre warmen, erdenden und öligen Eigenschaften stärkend, erdend und nährend. Da Vata im Herbst dominiert, sind sie jahreszeitlich ein wunderbares Balance-Mittel.

Wichtig: ein starkes Verdauungsfeuer

Nur wenn unser Körper weitgehend frei von Ama (unverdaute Stoffwechselrückstände) und unser Verdauungsfeuer stabil ist, können Lebensmittel wie Nüsse Körper und Geist nähren und stärken. Ist das Verdauungsfeuer Agni bereits geschwächt, können sie die Dysbalance verstärken, da sie nicht verdaut werden können. Bei schwachem Agni ist es deshalb ratsam, Nüsse nur in kleinen Mengen zu konsumieren.

Diese Tipps entlasten das Agni:

  • Art und Menge: Nüsse nur in kleinen Mengen essen, immer gut kauen und nicht trocken und als ganze Nuss verspeisen.
  • Zeit der Einnahme: Mittags ist das Verdauungsfeuer am stärksten, deswegen empfiehlt es sich, Nüsse vorzugsweise zwischen 11-14 Uhr zu essen.
  • Einweichen: Nüsse können vor dem Verzehr einige Stunden in Wasser eingeweicht werden. Das entlastet den Stoffwechsel.
  • Schälen: Nach dem Einweichen können Nüsse zusätzlich enthäutet werden (z. B. Mandeln oder Paranüsse).
  • Pürieren: Ein Nussmus ist gekauft oder selber zubereitet eine leichter verdauliche Variante und tut vor allem Vata gut. Alternativ können die Nüsse im Gericht mitgekocht werden (z. B. beim Kitchari).
  • Zerkleinern: Nüsse können auch gemahlen und als Topping über das Gericht gegeben werden. Eine wohlschmeckende und gut verdauliche Zusammenstellung ist dieser Nussmix: Zwei Handvoll Walnüsse, einen Esslöffelt Fenchelsaat und einen halben Teelöffel Zimt im Standmixer fein pürieren und davon ein bis zwei Teelöffel über das Essen geben.

Nüsse für den Herbst:

Cashewkerne: Süß und erwärmend senken Cashews vor allem das Vata-Dosha. Sie sind am besten verträglich, wenn sie gekocht werden.

Esskastanien: Maronen sind basisch, nahrhaft und stärkend und gleichen eher das Vata- und Pitta-Dosha aus.

Haselnüsse: Haselnüsse sind erwärmend und nährend und besonders gut für Vata geeignet.

Mandeln: Mandeln, die eigentlich die Kerne einer Steinfrucht sind, zählen zu den Lebensmitteln, die Vata ausgleichen. Sie sind sattvisch, gelten als Aphrodisiakum und stärken Körper und Geist. Vatas und Pittas können Mandeln gerne geschält und eingeweicht essen.

Paranüsse: Stecken voller Selen, sind sattvisch und nahrhaft, schwer und ölig und senken das Vata-Dosha. Nur in kleinen Mengen verzehren.

Pistazien: Pistazien sind erwärmend, ölig und schwer und daher vor allem für Vata geeignet.

Walnüsse: Walnüsse sind süß und erwärmend und sind durch ihren adstringierenden Geschmack in kleinen Mengen auch für Pitta und Kapha geeignet.

Auch Saaten sind im Herbst eine wertvolle Bereicherung für den Speiseplan

Leinsamen: Am besten in geschroteter Form können Leinsamen in kleinen Mengen von allen Doshas regelmäßig verzehrt werden und sorgen im Herbst und Winter für ein ausgewogenes Agni.

Kürbiskerne: Süß, bitter und adstringierend und für alle Doshas geeignet. Passen gut geröstet als Topping zur Kürbissuppe oder als Nussbutter in das morgendliche Porridge.

Sonnenblumenkerne: Nährend, schwer und ölig und besonders gut für Vata und Pitta geeignet.

Sesam: Erhitzend, nährend und erdend ist Sesam für Vata und Kapha das Mittel der Wahl, um hartnäckiger Winterkälte zu trotzen. Vor allem als Laddus mit Ghee und Gewürzen entfalten sie ihre nährende Wirkung.

Nüsse für alle Doshas

Alle Doshas dürfen im Winter gerne Nüsse und Samen in kleinen Mengen konstitutionsgerecht zubereitet in ihren Speiseplan integrieren. Vatas können bevorzugt cremiges und nährendes Nussmus und Nussmilch im morgendlichen Porridge verwenden und Pittas halten sich bei allzu erhitzenden Sorten einfach ein wenig zurück. Auch Kaphas dürfen im Winter zu Nüssen und Saaten greifen – am besten, wenn sie mit scharfen Gewürzen in der Pfanne trocken geröstet wurden – und auch dann nur in kleinen Mengen (!) verzehren.

Rezept für einen erdenden Walnuss-Möhren-Kuchen

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Zutaten:

120 g Dinkelmehl • 100 g gemahlene Mandeln • 60 g Haferflocken, gemahlen • 70 g Dattelzucker • 2 TL Backpulver • 1 TL Zimt, gemahlen • 1/2 TL Kardamom, gemahlen • 1/4 TL Vanille, gemahlen • 1/4 TL Ingwer, getrocknet • 1 MSP Muskat, gerieben • 1 TL Abrieb von einer Bio-Orange • 1/2 TL Abrieb von einer Bio-Zitrone • 120 ml Mandelmilch • 120 g Apfelmark • 4 EL Ghee, geschmolzen • 200 g Möhren, gerieben • 60 g Walnüsse, gehackt

Zubereitung:

Ofen auf 175 °C vorheizen. Möhren waschen, raspeln und beiseitelegen. Alle trockenen Zutaten miteinander mischen. Alle flüssigen Zutaten unterrühren. Eine Springform mit etwas Ghee ausfetten und den Teig hineinfüllen. Im Ofen für ca. 40 Minuten goldbraun backen und am besten noch lauwarm mit Vanillesahne und einem heißen Chai-Tee genießen.

Guten Appetit!