Manjistha (Latein Rubia cordifolia) ist bei uns unter dem Namen Färberwurzel bekannt. Früher wurde es zum Färben von Stoffen verwendet, daher der Name.

In der Ayurveda-Medizin wird die getrocknete Wurzel als Dekokt und Pulver verwendet. Die Wurzel verringert das Pitta und Kapha Dosha, ist bitter, herb und süß im Geschmack (Rasa). Die Potenz (Virya) ist erhitzend. Manjistha ist eine der am stärksten blutreinigenden Pflanzen und besten Umstimmungsmittel im Ayurveda. Häufig findet Manjistha Anwendung bei Hauterkrankungen, Wassersucht, Gelbsucht und vielen anderen Erkrankungen.

Neueste Studien haben ergeben, dass Manjistha (Rubia cordifolia) Dekokt die Blutqualität verbessert, die Blutzirkulation im venösen System und im Lymphsystem erleichtert sowie der Bildung von Blutgerinnseln entgegenwirkt. Manjistha unterstützt die nährenden und entschlackenden Funktionen des Lymphsystems. Das vielseitige Organ Leber wird durch Manjistha gereinigt und in seiner Funktion unterstützt. Diese nachhaltige Wirkung in Leber und Lymphsystem zeigt, wie wertvoll diese Pflanze zur Gesunderhaltung und Behandlung verschiedenster Erkrankungen für uns ist.

Darreichungsform von Manjistha (Rubia cordifolia)

Eine weitere häufig verwendete Darreichungsform ist Maha-Manjisthadi Kwath (Abkochung), das hauptsächlich bei Hauterkrankungen, Juckreiz durch vermehrtes Pitta und Adipositas (Fettleibigkeit) verabreicht wird. In diesem Kwath sind mehr als 25 verschiedene Pflanzen und Kräuter enthalten. Auch bei der Behandlung von gutartigen und bösartigen Geschwulstbildungen wird Manjistha als Dekokt (Kwath) oder Arishta (Kräuterwein) zur Blutreinigung und zur Unterstützung bei der Zerstörung von Tumorzellen während Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. Wir haben in diesem Bereich auch sehr gute Erfahrungen zur Verhinderung von Rezidiven gemacht. Eine Einnahme von Manjistha nach Operationen, Chemo- oder Strahlentherapie wirkt den Neubildungen entgegen.

Manjistha für die äußerliche Anwendung

Als eine der wichtigsten hauttherapeutischen Pflanzen kann Manjistha (Rubia cordifolia) auch äußerlich aufgetragen werden. Bei Hauterkrankungen und äußerlichen Entzündungen empfiehlt sich eine Paste aus Manjistha-Pulver (Churna) und Honig. Die Gewebsbildung bei Knochenbrüchen wird durch eine Paste aus dem Manjistha-Pulver, Molke und Süßholz nachweislich gefördert.

Bei Verbrennungen hat sich Manjisthadya Gritha bewährt, ein Präparat aus Manjistha, Ghee, rotem Sandelholz und Sanseveria zeylanica. Dieses Gritha ist stark Pitta reduzierend und fördert die Wundheilung.

Der „Indische Flieder“

(botan. Name: Azadirachta indica), wie der Nimbaum in deutscher Sprache heißt, ist ein in ganz Indien und Burma weit verbreiteter Baum. Nim ist eine unglaublich vielseitig einsetzbare Pflanze. Außer den frischen Blättern und Blüten ist Nim auch bei uns in unterschiedlichen Darreichungsformen leicht erhältlich. Nim Tabletten sollten allerdings nur kurmäßig und nicht über längere Zeiträume (max. 6 Wochen) durchgehend eingenommen werden.

In der Ayurveda-Medizin werden hauptsächlich die Rinde, die Blätter und das aus den Samen gepresste Öl verwendet. Grundsätzlich wirkt Nim stark blutreinigend, entgiftend, entzündungshemmend, lebertonisch und laxativ, je nach den verwendeten Pflanzenteilen.

Die Rinde ist bitter und zusammenziehend im Rasa (Geschmack). Sie wird als Pulver, Dekokt oder wässriger Auszug verwendet, besonders in Fällen von intermittierenden und paroxysmalem Fieber, um Durst, Schwindel und Erbrechen zu lindern, sowie bei allgemeiner Schwäche, Appetitverlust und Hauterkrankungen. Ein Dekokt aus Nimrinde und Pippali (langer Pfeffer) wird bei rheumatischen Erkrankungen und Lumbago (Hexenschuss) verabreicht. Die tägliche Einnahme von Panchatikta Gritha, ein mediziniertes Ghee, in dem Nimrinde ein wesentlicher Bestandteil ist, ist bei Hautkrankheiten eines der wirksamsten Mittel. Äußerlich aufgetragen lindert es Juckreiz und fettet trockene Haut nachhaltig. In vielen anderen ayurvedischen Medikamenten zur Behandlung von Diabetes und Lebererkrankungen ist die Nimrinde ein wirkungsvoller Bestandteil.

Die Blätter sind bitter und herb im Geschmack, haben eine kühlende Wirkung und verringern Pitta. Der Saft der Blätter, falls frisch verfügbar, oder das Öl sind ein bewährtes Mittel gegen Würmer im Verdauungstrakt. Ein Umschlag (Lepa) mit Nimblättern und Sesamsamen ist ein höchst wirkungsvolles Mittel bei schlecht heilenden Geschwüren. Die entgiftende und desinfizierende Wirkung des Nim kommt hier gut zur Geltung.

Das Öl wird aus den Samen gepresst und hat eine gelbliche Farbe. Es ist bitter und herb im Geschmack, kühlend im Virya (Potenz) und besänftigt das Vata Dosha. Bei Hauterkrankungen wie Urticaria und Ekzemem wird das Öl äußerlich gegen den Juckreiz, wie auch innerlich verabreicht. Diese stark juckreizlindernde Wirkung tröstet über den etwas strengen Geruch hinweg. Auch bei rheumatischen und anderen Schmerzen (z.B. Kopfschmerzen) ist das Öl sehr hilfreich. Die Einnahme von bis zu 10 Tropfen Nimöl ist gerade auch bei Arthrosen ein wunderbares Heilmittel.

Ayurveda Journal 4 · Seite 9

Vorheriger ArtikelHautprobleme
Nächster ArtikelDie ayurvedische Denk- und Begriffswelt
Michael Rohrschneider
Heilpraktiker, seit 1989 in eigener Praxis tätig. Ayurveda-Spezialist, Panchakarma-Therapeut, Seminarleiter, Meditationslehrer, Autor, Adviser of Dr. Gahukar’s International Academy of Ayurved & Panchakarma, Nagpur. rohrschneider@ayur-med.de, www.ayur-med.de