Nach dem ayurvedischen Konzept setzt sich der menschliche Körper aus strukturgebenden und funktionellen Aspekten zusammen.

Die Struktur des menschlichen Körpers wird gebildet aus den 5 Elementen (Mahabhutas) Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde, den sieben Haupt- und Nebengeweben (Dhatus und Upadhatus) und 7 Abfallprodukten (Malas)

Grobe und feine Zirkulationskanäle (Srotas) dienen als Leitbahnen. Das Funktionsprinzip leisten drei Urenergien (Doshas) genannt Vata, Pitta, Kapha und 13 transformatorisch wirksame Verdauungs- und Stoffwechsel-feuer (Agnis).

Der Mensch entspricht dem Universum. Denn all die verschiedenen Bestandteile, die sich im Universum befinden, finden sich auch im Menschen, und so viele wie sich im Menschen finden, finden sich auch im Universum.

– Charaka Samhita, 4.13

Doshas und Mahabhutas

Betrachten wir heute die 3 Urenergien (Doshas) etwas genauer.

Vata als das Bewegungsprinzip ist für alle Arten von Bewegung zuständig, körperlich wie auch geistig-emotional und in der Natur ebenso wie im menschlichen Körper. Es bewegt die Planeten, lässt es regnen, Blumen wachsen, lässt Gedanken fließen und transportiert Nährstoffe, um nur einige Beispiele zu nennen. Vata repräsentiert die Elemente Äther und Luft und hat die Eigenschaften (Gunas) kalt, trocken, leicht, rauh, fein, beweglich und subtil. Menschen mit Vata-Dominanz sind geistig, körperlich und emotional sehr beweglich, flexibel und sensibel. Sie haben eine rehhafte Statur und wir finden sie unter den Dichtern, Denkern, spirituellen Lehrern und Erfindern unserer Gesellschaft. Vata dominiert das hohe Alter, das ja bekanntlich durch Weisheit geprägt sein sollte.

Pitta ist ein thermisches, transformatorisches Prinzip, das verstärkt wird durch Eigenschaften wie heiß, leicht ölig, scharf-penetrierend, leicht, frei fließend, schlecht riechend und flüssig. Pitta ist das Feuerelement im menschlichen Körper wie auch in der Natur. Es findet sich in der Sonne, im Vulkan und in Stoffwechselvorgängen der Erde, des Universums ebenso wie in Verwandlungsprozessen des menschlichen Körpers. Der typische Pitta-Mensch wäre demnach also recht feurig und temperamentvoll. Körperlich der Athlet schlechthin! Pitta verleiht Scharfsinn, Geordnetheit, Präzision, Zielgerichtetheit und gute Verdauungskraft. Für welche Aufgaben und Berufe ist der Pitta-Mensch prädestiniert? Pitta dominiert das mittlere Alter, die Zeit der Berufsausübung, der Familiengründung, des Hausbaus etc. alles, was Energie, Tat- und Initiativkraft erfordert.

Kapha gibt allen Dingen und Lebewesen Zusammenhalt, Struktur und Stabilität. Eigenschaften wie kalt, feucht, schwer, langsam/träge, unbeweglich, weich/glatt und schleimig fördern Kapha, welches die Elemente Wasser und Erde repräsentiert. In der Natur finden wir das Kaphaprinzip im Mond oder im Frühjahr, wenn sich alles wieder von Neuem formt. Für den Menschen ist es in der Kindheit am Wirken, wo das neugeborene Wesen sich besonders intensiv körperlich wie geistig strukturiert. Später folgen dann bis zum 25. Lebensjahr Schul-, Berufsausbildung, Studium – die Plattform für die darauffolgende Pitta-Phase des Lebens. Kapha verleiht Beständigkeit, Stabilität, Liebe, Treue, Kraft und Ausdauer, Ruhe, Seriosität, Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit – Qualitäten, durch die folgerichtig also unsere Kindheit geprägt sein sollte. Der typische Kapha-Mensch ist der Fels in der Brandung, jemand zum Anlehnen, jemand, auf den man bauen kann.

Die Natur hat uns geformt

Die Doshas und somit die Elementenverteilung sind von Geburt an in jedem Menschen anders gewichtet. Das macht jeden von uns zu einem ganz eigenen besonderen Wesen.

Der Ayurveda beschreibt 10 Konstitutionstypen, die sich aus den verschiedenen Kombinations- möglichkeiten der 3 Doshas ergeben. Die Gewichtung der Doshas bestimmt maßgeblich unsere Fähigkeiten, unseren Charakter, unsere Intelligenz, das Aussehen, Bedürfnisse etc..

Die Lehre von den Doshas rückt ins Bewusstsein, dass die Natur jeden von uns anders geformt/gedacht hat und jeder entsprechend etwas anderes braucht, um im Gleichgewicht zu bleiben. Das bezieht sich auf alle Aspekte des Lebens: Essen, Verhalten, Tätigkeit, emotionales und soziales Miteinander. Alle Erlebnisse und Eindrücke haben einen Einfluss. Geraten diese Doshas durch ein unausgewogenes Verhältnis der 5 Elemente (Mahabhutas) aus dem Gleichgewicht, so beginnen sich Störungen aufzubauen, die, wenn nicht korrigiert, sich in Krankheitsbildern zunehmend manifestieren. Krankheit ist laut Ayurveda also eine Verschiebung der Nervenenergie Vata, der Feuerenergie Pitta und/oder der Nährenergie Kapha.

Doshas und Geist

Neben den physiologischen Doshas existieren auch solche, die dem Geist zugeordnet werden: Sattva steht für Reinheit, Weisheit, Gelehrtsein, Erleuchtung – Rajas ist die antreibende Kraft, die Dynamik – Tamas könnte mit Trägheit, Dumpfheit, Schwere und Unreinheit beschrieben werden. Für die Gesundheit des Geistes empfiehlt der Ayurveda die regelmäßige Praxis traditionell bewährter Meditationstechniken. Nur ein gesunder, befreiter Geist kann sich einen gesunden Körper formen.Ayurveda Journal 4 · Seite 14