Pancakarma, die klassische Ayurvedakur mit fünf Behandlungen, die mehr bewirken als die Ausleitung von Doshas, Stoffwechselschlacken und körperfremden Substanzen wie Pestizide, Fungizide usw. Der Einfluss von Pancakarma auf die menschliche Psyche zeigt sich im Praxisalltag in verschiedenster Weise mit unterschiedlichen Auswirkungen auf das psychische Gleichgewicht.

Dies wird leicht verständlich, wenn wir davon ausgehen, dass die Psyche ein aktiver Prozess in der Funktion eines Vermittlers zwischen Selbst (reinem Bewusstsein) und der Funktionseinheit Körper ist. Psyche ist keine aus sich heraus existierende Realität wie das Bewusstsein, es ist die Interaktion zwischen Gefühlen, Erlebtem, den Interpretationen des Erlebten, deren Bewertung und den daraus entstehenden Emotionen und Gefühlen.

Pancakarma und das Licht des Lebens

Die Billionen von Körperzellen mit ihren speziellen Aufgaben bedienen sich einer Kommunikation mittels Licht, sogenannter Biophotonen, die eine aufeinander abgestimmte physiologische Funktionalität ermöglichen, das Arbeiten im Verbund, koordiniert zu optimierter Organtätigkeit. Ein Mangel an Biophotonen oder eine Störung der Kommunikation führt nicht nur zu körperlichen sondern auch zu psychischen Erkrankungen und wahrscheinlich auch zu Allergien. Bei einer Depression sprechen die Betroffenen immer wieder auch von dem Fehlen an innerer Helligkeit und Lebenslust, es mangelt an Ausstrahlung und Glanz.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Essenz aller Gewebe (Ojas) verweisen, die dem Menschen sein Charisma gibt, deren feinste Form die Aura ausmacht und an einem intakten Immunsystem beteiligt ist. Nur ein intakter optimaler Gewebeaufbau bringt gutes Ojas. Ein guter Gewebeaufbau hängt auch von der optimalen Verdauungsfunktion (Jatharagni) und dem Gewebestoff-wechsel (Dhatu-Agni) ab. Kein optimaler Stoffwechsel ohne ungestörte Kommunikation der Zellen. Ojas ist der materielle Stoff, der am meisten Licht enthält. Die acht Tropfen im Herzen (Para Ojas) erhellen unser Gemüt.

Kein Leben ohne Licht. Was für die Außenwelt gilt, wird auch sicher für die Innenwelt gelten, denn Innen und Außen erhalten ihre gesonderte Existenz nur durch den Standpunkt des Betrachters. Wir wissen alle, wie positiv sich im Frühjahr der zunehmende Sonnenschein auf unser Gemüt auswirkt. Viele Menschen leiden unter dem Lichtmangel im Winter, den sogenannten Winterdepressionen. Wir nehmen mit dem Sonnenlicht über die Haut Biophotonen (Photonen sind die kleinsten Lichtteilchen) mit Hilfe von Bhrajaka-Pitta auf. Zudem werden diese kleinsten Lichtteilchen über pflanzliche Nahrung aufgenommen.

Je frischer die Nahrung (kurzer Weg: Ernte – Verzehr) ist, desto mehr Photonen nehmen wir auf. Je länger die Lagerung, desto weniger Lichtteilchen nehmen wir auf, die Lichtstrahlung nimmt mit Dauer der Lagerung ab. Die Pflanzen nehmen wie wir Menschen über das Sonnenlicht Photonen auf. Durch Lagerung, ob im Gefrierfach oder in der Dose verlieren sie zunehmend an Strahlung. Die Nahrung wird dunkel (tamasisch) mit wenig Lebens-/ Lichtenergie. Tamas wiederum hat sehr direkt mit Depressionen zu tun. Wie oben erwähnt, ruft nicht nur der Mangel an Lichtteilchen, sondern auch eine fehlerhafte Kommunikation der Zellen untereinander Störungen hervor. Diese können durch Ama in den Zellzwischenräumen zu Lichtstreuung und damit zu Fehlinformationen führen, die an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind.

Der Körper vergisst nicht

Jede Körperzelle hat Bewusstsein, Intelligenz (Prana) und Gedächtnis. Wir kennen z.B. das Schmerzgedächtnis der sensiblen Nervenzellen, das immunologische Gedächtnis des Immunsystems. Wir kennen aber auch den Einfluss von Gefühlen und psychischen Zuständen auf Organe, Gewebe und deren Funktionen, z.B. Durchfall durch Angstgefühle. Wir kennen den Begriff Psychoperistaltik, den Gerda Boysen geprägt hat, psychische Vorgänge, die sich in der Darmperistaltik wiederspiegeln und durch Behandlungstechniken in Fluss gebracht werden können, psychische Prägungen, die sich in der Muskulatur speichern und durch deren Wiederholung genährt und gespeichert werden.

Neuere Erkenntnisse sprechen auch von metabolic memory, d.h. dass selbst längere Zeit nach einer optimalen Einstellung eines Diabetikers die einzelne Zelle unter metabolischem Stress leidet. Dauerhafter Stress zeigt sich z.B auch als Vermehrung von Vata-Dosha (Vata Dushti) im Muskelgewebe und führt zu einem erhöhten Grundtonus der Muskulatur. Langfristig können sich daraus chronische Erkrankungen entwickeln. Man kann in diesem Zusammenhang von negativen psychosomatischen Programmierungen sprechen, die, wie der Name schon sagt, sowohl psychisch als auch somatisch wirken.

Können diese negativen Programmierungen gelöscht werden? Ich meine ja, denn auch die psychischen Reaktionen während einer Pancakarma-Behandlung deuten auf einen Vorgang hin, den ich hier einmal reaktivierende Löschung nennen möchte. Das erneute bewusste wie auch unbewusste Durch- und Erleben von Emotionen als retrospektive Erfahrung ist immer wieder zu beobachten. Dies kann sich in konkreter Form durch Erinnerung mit starker emotionaler Präsenz zeigen oder auch durch nicht konkretes emotionales Erleben geschehen. Beispiele dafür sind in der Praxis immer wieder zu beobachten. Phasen der Traurigkeit, freudiger Erleichterung, gesteigerte oder wiedergewonnene Entscheidungsfreudigkeit, emotionaler Fluss werden immer wieder von den Patienten beschrieben.

Beim reaktiven Löschen durch eine Pancakarma-Behandlung spielen die verwendeten Substanzen eine entscheidende Rolle, wobei sie weniger Einfluss auf die Anwesenheit von Photonen haben als auf die Kommunikationswege und die emotionalen Muster. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang sind traumatisch emotionale Erlebnisse, die auch im Körpergewebe ihre Spuren hinterlassen.

Pancakarma und Psyche

Die unmittelbaren Einflüsse auf die psychische Verfassung eines Menschen durch eine Pancakarma-Behandlung lassen sich am besten an ein paar Beispielen erklären. So habe ich wiederholt die Erfahrung gemacht,

  • dass Patienten während oder nach einer Behandlung zu lang anstehenden Entscheidungen in der Lage waren, die z.T. über Monate oder gar Jahre anstanden. Die Dinge klarer zu sehen und Ängste vor der neuen Situation abgebaut zu haben, sich befreit zu fühlen, waren die Aussagen.
  • nach Traumata entstandene körperliche Symptomatiken: z.B. das seit 15 Jahren dauerhafte Druckgefühl im Magen, entstanden nach Erhalt einer Todesnachricht, ist nach dem therapeutischen Erbrechen (Vamana- Behandlung) unmittelbar verschwunden, eine wahrhaft emotionale Befreiung.
  • eine mehrtätige Traurigkeit ohne einen konkreten Bezug auf eine Situation oder Erfahrung mündet in einen Zustand emotionaler Erleichterung. „So habe ich mich schon seit Jahren nicht mehr gefühlt.“
  • ein allgemeines Gefühl des Befreit-Seins.

Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele ähnliche Erfahrungen von Patienten aller Altersgruppen und verschiedenster Herkunft. Es wird deutlich, wie stark die Wechselwirkungen von Psyche, Körper und Pancakarma-Behandlungen sind, wie angesammelte Gifte entfernt, die gestörte Zellkommunikation und das Zellgedächtnis in einen optimierten Zustand versetzt werden können.
Ayurveda Journal 27 · Seite 9 – 10