Ob Entspannen in Rückenlage oder Powerflows: wirkungsvolle Yoga-Übungen gegen kalte Füße und Hände

Wenn es kalt wird, möchte unser Körper vor allem seine Mitte und damit die lebenswichtigen Organe sowie das Gehirn vor der sinkenden Temperatur schützen. Dafür entzieht er zuerst den äußersten Gliedmaßen Wärme. Also den Fingern und Händen, den Zehen und Füßen.

Ganzheitliche Ansätze, wie Ayurveda und Yoga, schulen exzellent die Wahrnehmung. Durch Beobachtung und Hinterfragung kommen wir oft schon einen großen Schritt weiter. Wenn bemerkt wird: Hände und Füße sind/werden kalt, sollten die Fragen dazu lauten: Wo passiert das? Wann? Was war da los? Warum immer wieder?

Die Kleiderfrage

Sind wir vielleicht schlicht unpassend angezogen? Mit ein wenig ‚Einsicht‘ in die nun mal herrschenden thermisch-saisonalen Verhältnisse in Mitteleuropa können wir die Wahl der Garderobe in den Wintermonaten passend angleichen. So sexy die High Heels in den zarten Strümpfen auch sein mögen, Eiszapfen-Füße sind es sicher nicht.

Yoga hier: Üben Sie dynamische Asanas, die Energie durch Ihren ganzen Körper pumpen. (Und nehmen Sie morgen ruhig mal die Boots aus dem Schrank).

Die Sache mit dem Mut

„Kurz vor dem Absprung habe ich dann doch kalte Füße bekommen und die Sache lieber gelassen“ – haben Sie sich das schon einmal sagen hören? Manchmal ist das vernünftig und angebracht, wenn Sie aber immer kneifen, kurz bevor Sie Ihre Wünsche realisieren können, gibt Ihnen auch das Aufschluss – und Möglichkeiten zur Veränderung.

Yoga hier: Standhaltungen, diese stärken Ihre ‚Stand‘-festigkeit und Ihren ‚Stand’-punkt.

Vorbote von Kopf- und Menstruationsschmerzen

Sie kommen nach Hause, der Kopf fühlt sich heiß an, aber die Füße eiskalt, eine Andeutung von Ziehen im Hinterhaupt, an den Schläfen oder über den Augen? Kopfschmerzen sind im Anmarsch oder die Menstruation.

Yoga hier: keine aktivierenden Asanas üben, sondern hinlegen und entspannen in Rückenlage (Savasana), Wärmflasche an die Füße und ein seidiges, kühles Augenkissen mit Aromafüllung Minze oder Lavendel auflegen.

Sind Sie ein Kopfarbeiter?

Unterrichten Sie? Meine Yogaschüler lachen meist oder seufzen vor Begeisterung über meinen kühlen Griff auf ihrer erhitzen Haut, zumindest geben sie mir freundlicherweise ein gutes Gefühl zu meinen kalten Händen. Bei andauernder starker Konzentration sammelt sich Hitze vorwiegend im Kopf – und die Extremitäten gehen leer aus.

Yoga hier: Mentale Anstrengung immer wieder zwischendurch mit fließender Bewegung gepaart mit voller Atmung ausgleichen.

Das ganze Jahr zwei Paar Socken übereinander an?

Das ist möglicherweise ein grundlegender Hinweis auf die Themen: Kreislauf – Stoffwechsel – Durchblutung. Und daher nur bedingt eine Frage der Raum- oder Umgebungstemperatur.

Yoga hier: Im vinyasa flow üben, ohne Hektik, aber stetig in Bewegung, sinnvoller Wechsel von Dynamik und Statik, Entspannung erst zum Ende der Übepraxis.

Unsere emotionale Lage

Hatten Sie gerade ein stark irritierendes Erlebnis, das Sie noch beschäftigt? Schock, Trauer oder Frustration lassen uns ebenfalls (auch an Händen und Füßen) ‚erkalten‘.

Yoga hier: Umkehrungen erzeugen eine andere Blickrichtung, Stress kann sich lösen.

Medikamente eingenommen?

Sie mussten für eine Weile Antibiotika einnehmen? Das hinterlässt oft eine Grundkälte in den Organen, die sich auch äußerlich darstellt.

Yoga hier: Powerflows, die Sie zum Schwitzen bringen und so die Entgiftung und Entschlackung anregen.

Meist sind zu kalte äußere Extremitäten ein Zusammenspiel aus vielen Komponenten: Sie waren im Büro stark gefordert, haben dann in der Kälte auf Ihre Verabredung gewartet, die zu spät kam. Eine Konfrontation hinterlässt mental und emotional ihre Spuren; die Menstruation kommt und so weiter. Yoga Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen) können hier schnell und situationsgerecht helfen.

Die nachfolgenden Übungen lassen sich sowohl einzeln, je nach Bedarf und Umstand, anwenden und ausführen. Sie können die Sequenz aber auch im Ganzen üben, damit gleichen Sie alle genannten Faktoren aus: just go with the flow.

Viel Freude bei Ihrem persönlichen Yoga-Programm gegen kalte Hände und Füße, genießen Sie auch die kalte Jahreszeit mit allen Sinnen.

Übungen gegen kalte Hände & Füße

1. Navasana dynamisch
(Boot-Variation)
Aus der Rückenlage den Oberkörper aufrollen, Blick nach vorne, Arme ausstrecken. Beine in eine 90/90 (table top) Position bringen, hier halten, mit langen Armen, aus den Schultern heraus die Hände kräftig auf den Boden schlagen, ca. 30 x. Blick dabei nach vorne richten, nicht zur Decke. Nacken-, Rumpf-, Becken-, Arm- und Beinmuskulatur werden hier aktiviert, allein dieser Vorgang schafft schon Energie. Die Hände kribbeln zunächst beim Aufschlagen und werden dann sehr schnell warm.

2. Übergang zu Adho Mukha Svanasana
(nach unten schauender Hund)
Kreuzen Sie von der letzten Wiederholung aus die Fußgelenke, halten Sie die Knie fest, nehmen Sie einen kleinen Schwung und kommen Sie auf alle Viere. Von hier schieben Sie die Hände etwas nach vorne und heben das Gesäß nach hinten oben. Sie stehen jetzt im herabschauenden Hund. Das ist u.a. eine Umkehrung mit der entsprechenden stresslösenden Wirkung.

3. Adho Mukha Svanasana, dynamisch
Die Arme stehen in dieser Position diagonal zu den Schultern, Mittelfinger parallel zueinander, restliche Finger gespreizt. Den Hund in Bewegung bringen: auf der Stelle laufen, ohne die Zehen abzuheben, jeweils eine Ferse senken, die andere heben und umgekehrt, ca. 10 x pro Seite. Die Beine werden gedehnt, Blockaden in den Knien gelöst, die Füße werden warm.

4. Übergang zu Ardha Uttanasana (halbe Vorbeuge),
Uttanasana (Vorbeuge),
dann aufsteigen zu Tadasana (Berghaltung)
Nach vorne laufen mit einem großen Schritt, oder mehreren kleinen, den Oberkörper mit langem Rücken nach vorne strecken, dabei auf die Fingerspitzen kommen und den Kopf leicht heben, Ardha Uttanasana. Kopf und Rücken zum Boden sinken lassen, Uttanasana. Mehrfach mit der Atmung üben: Rücken und Kopf anheben, einatmen, Rücken und Kopf senken, ausatmen. Aus der letzten halben Vorbeuge mit dem Einatmen die Arme über die Seiten nach oben führen, den Körper mit langem Rücken ganz aufrichten und strecken, Blick zu den aneinandergelegten Händen, dann ausatmen und Arme seitlich sinken lassen.

5. Utkat Asana (kraftvolle Haltung)
Aus dem Stand in die Knie gehen, Knie nicht weiter als über die Fußzehen nach vorne schieben, Gesäß sinkt, gleichzeitig Arme nach oben strecken. Dynamisch 3 – 5 x sinken und wieder aufsteigen, dann die Position statisch halten, 5 tiefe, volle Atemzüge lang. Beine wieder strecken. Schafft ‚Boden unter den Füßen‘, erzeugt Hitze.

6. Garudasana (der Adler)
Beide Knie anbeugen, Standbein: links. Rechtes Bein von vorne um das linke Bein wickeln, wenn möglich in linker Wade einhaken. Rechten Ellbogen in linke Armbeuge versenken, die Unterarme verschränken, linke Hand drückt in rechte Handfl äche. 5 tiefe, volle Atemzüge, dann Seitenwechsel = linkes Bein oben, linker Arm in rechter Armbeuge. Deblockiert durch die Spiralbewegung.

7. Tadasana mit Verbindung zum Herzen
Aufrecht stehen, Hände zusammen legen, Daumen auf Brustbein. Den eigenen Herzschlag fühlen, Dankbarkeit und wohlige Wärme durchfl ießen Sie.

Erschienen im Ayurveda Journal 44

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Demenz”.

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