Myome sind gutartige Tumore der Gebärmutter, die sich aus Muskelfasern, Bindegewebe und Drüsenzellen bilden. Statistisch gesehen ist jede 4. Frau über 30 Jahre betroffen.

Oft bilden sich auch mehrere Myome.

Je nach Anzahl, Größe und Lage der Myome (unter der Gebärmutterschleimhaut, in der Muskelschicht, von außen der Gebärmutter aufliegend oder in den haltenden Bändern) können verschiedene Beschwerden wie Schmerzen, verstärkte Regelblutung, Blutungsunregelmäßigkeiten, Blutarmut, Fremdkörpergefühl im Unterbauch, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, Kreuzschmerzen, Probleme für eine Schwangerschaft auftreten.

In der Terminologie des Ayurveda fallen Myome unter die Bezeichnung „Gulma“, ein Oberbegriff für tastbare Tumore im Bauchraum. Es gibt keine eigenständige Klassifizierung gynäkologischer Tumore.

Entstehung von Myomen

Myome treten nur in der Lebensphase zwischen erster und letzter Menstruation auf. Nach der Menopause können sie kleiner werden, denn sie entstehen und wachsen unter dem Einfluss von Östrogen.

Ein möglicher Grund für das heutzutage so häufige Auftreten ist der verstärkte Östrogengehalt unserer Nahrungsmittel durch nicht artgerechte Tierhaltung und die Rückstände von östrogenhaltigen Hormonpräparaten im Trinkwasser bzw. die langjährige Einnahme solcher Präparate.

Häufig ist auch eine psychische und emotionale Komponente an der Entstehung beteiligt, z.B. ein unerfüllter Kinderwunsch, Konflikte im Bereich der Ausdrucksfähigkeit und der gelebten Kreativität der betroffenen Frau, aber auch Einsamkeit, Unsicherheit, Ängste, ungelebte Bedürfnisse, Stress, unregelmäßige Lebensweise.

Aus der Sicht des Ayurveda führen all diese Faktoren am Anfang des Krankheitsgeschehens zu einem gestörten Vata. Dieses beeinträchtigt die Körperkanäle, die für die Versorgung der Fortpflanzungsorgane der Frau zuständig sind (Artavaha Srotas). Es kommt als Folge zu einer Ansammlung von Kapha und Ama (Schlacken). Ama ist die Folge eines geschwächten Verdauungsfeuers (Agni) meist durch falsche Ernährung.

Das gestörte Vata treibt Kapha und Ama in das Gewebe der Gebärmutter, das sich zum Tumor verändert. Beteiligt sind das Muskelgewebe (Mamsa Dhatu), Lymphsystem (Rasa Dhatu) und Blut (Rakta Dhatu).

Häufig besteht gleichzeitig eine Störung im Leberstoffwechsel (Ranjaka Pitta), so dass die Leber ihre Aufgabe, überschüssiges Östrogen abzubauen nicht wahrnehmen kann, was das Wachstum der Myome fördert.

Therapien

Da es sich um gutartige Tumore handelt (nur 0,5% werden bösartig) wird die Notwendigkeit einer Therapie durch das Ausmaß der Beschwerden bestimmt. Die schulmedizinischen Therapien beschäftigen sich in der Regel nur mit dem Tumor als Symptom – die Ayurveda-Medizin mit den Ursachen.

Treten geringfügige Beschwerden auf, wird in der Regel nur eine regelmäßige Kontrolle mittels Ultraschall durchgeführt. Die schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten: Hormonpräparate, unter deren Einfluss die Myome schrumpfen, operative Verfahren, die mit Erhaltung oder kompletter Entfernung der Gebärmutter einhergehen, neuere, weniger invasive Methoden wie die Myomembolisation oder die gezielte Erwärmung mittels Ultraschall, die zum Absterben der Myome führen. Auch für Frauen, die eine Operation durchführen lassen, ist eine begleitende ayurvedische Therapie sinnvoll.

Im Ayurveda werden die Ursachen der Entstehung von Myomen behandelt, denn auch nach einer Operation können weitere entstehen, solange an der auslösenden Situation nichts verändert wird. Im Sinne einer ganzheitlichen Therapie werden daher folgende Bereiche einbezogen:

a) Lebensweise:

Balance im Alltag finden, ein ausgewogenes Verhältnis von Anstrengung und Entspannung, genug Zeit zum Essen und Schlafen, die eigene Kreativität entdecken und Ausdrucksmöglichkeiten dafür finden, vorhandene Konflikte aufdecken und Lösungen suchen. Regelmäßige Bewegung, z.B. Tanz, Yoga, insbesondere Hormonyoga, und Atemübungen (Pranayama), z.B. die Wechselatmung.

b) Ernährung

Empfehlenswert: vorwiegend vegetarische Ernährung mit warmen Speisen und Getränken zum Vata-Ausgleich, grüne Blattgemüse, Sojaprodukte, Mung Dal, gute pflanzliche Fette, Gewürze: z.B. Ingwer, Gelbwurz, Kreuzkümmel, Asafoetida. Verzicht auf Zucker, Weißmehl, gesättigte Fette, Milchprodukte, Fleisch, alles was kaphasteigernd wirkt und die Tumorbildung fördert.

c) Präparate

Die Therapie mit Kräuterpräparaten sollte von erfahrenen Ärzten oder Heilpraktikern durchgeführt werden. Wichtige Kräuter sind z.B. Kanchanara (Bauhinia variegata), Triphalaguggulu, Chandraprabha Vati, Arogya vardhini, Punarnava etc.

d) Äußere Anwendungen und Panchakarma

(Ayurvedische Reinigungsverfahren): Geeignet sind z.B. Packungen mit Rizinusöl oder Kräutern auf dem Unterbauch, Kati Basti (Ölbehandlung für den Rücken), Bastis (Einläufe).

Eine Panchakarma-Kur, die umfassende ayurvedische Reinigungskur, ist immer sinnvoll. Besonders, wenn ein Kinderwunsch besteht, ist dieses eine optimale Vorbereitung um ausgeglichen in diese Zeit zu gehen.

Fallbeispiel

Eine 45 jährige Frau stellte sich vor, bei der seit 5 Jahren Myome bekannt waren. Ein Myom wurde operativ entfernt, ein Jahr später trat ein neues Myom auf, das zum Zeitpunkt der ersten Vorstellung 5,3 cm Durchmesser im Ultraschall maß. An Beschwerden traten auf: Häufiges Wasserlassen, unregelmäßige Menstruation und wiederkehrende Schmerzen im unteren Rücken.

Die Patientin hat eine Pitta-Vata Konstitution, Vata war erhöht, Zungen- und Pulsdiagnostik ergaben eine mäßige Belastung durch Ama.

Die Ernährungsempfehlungen:

  • Überwiegend vegetarische Ernährung mit warmen Speisen und Getränken, Mungobohnen, Sojaprodukte, Reis, Dinkel, viele grüne Gemüse, Ghee und kalt gepresste Pflanzenöle, gut gewürzt, mit vorwiegend Gelbwurz, frischem Ingwer, Koriander, Kreuzkümmel, Fenchel, frischen Kräutern.
  • Keine Milchprodukte, kein Fleisch, Brot und Teigwaren möglichst wenig.
  • Regelmäßig Yoga und Atemübungen, viel Bewegung an der frischen Luft, Zeit zum Entspannen im Alltag.

Die Patientin setzte sich intensiv mit den vorhandenen Konflikten in der Partnerschaft auseinander und schuf sich durch den Beginn einer weiteren Ausbildung neue berufliche Perspektiven.

Die verordneten Kräuterpräparate:

  • Kanchanara Guggulu
  • Chandraprabha Vati
  • Triphala für 3 Monate
  • Für 4 Wochen abends 1 Teelöffel Rizinusöl in etwas Ingwerwasser

Anwendungen:

Umschläge mit Rizinusöl für den Unterbauch, Massage mit heißen Kräuterbeuteln, Stirnguss mit Kräuteröl.
Nach 3 Monaten ergab eine Kontrolle des Ultraschalls, dass sich das Myom auf 3,8 cm Durchmesser verkleinert hatte, bei weiteren Kontrollen nach einem halben und einem Jahr blieb diese Größe konstant. Die Therapie mit den Kräuterpräparaten wurde fortgesetzt. Die Patientin war beschwerdefrei, ihr Vata ausgeglichen.

Ayurveda Journal 20 · Seite 20 – 21

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Dr. Wiebke Mohme
Dr. med. Wiebke Mohme ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Praxen in Hamburg & Berlin. Ihre Schwerpunkte sind Naturheilkunde, Ayurveda-Medizin und Yogatherapie. Sie bildet Yogalehrer und Yogatherapeuten aus. Ferner finden in ihrem Institut Yoga & Cure Yogakurse & Workshops statt. www.ayurmed-yoga.de und www.yogacure.de Kontakt: info@yogacure.de