Immer mehr Kinder fallen in der Schuleingangsphase durch erhebliche motorische Defizite, Haltungsschäden und Fußfehlstellungen auf. Hinzu kommen Übergewicht bis hin zur Fettleibigkeit. Zunehmende Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Mobbing und Gewalt an Schulen lassen die Frage aufkommen, welchen Beitrag Yoga als Schulfach leisten könnte, wie bereits in der Niederlausitzer Grundschule in Berlin-Kreuzberg und der Suitbertusschule in Ratingen geschehen.

Die Vorteile durch Yoga liegen auf der Hand:

Mit Yoga besser im Unterricht sitzen

Yoga stärkt die Rückenmuskeln und erleichtert Kindern das Sitzen. Körperliche Fehlhaltungen, die leicht zu Verspannungen führen können, werden vermieden, was wiederum einer nachlassenden Konzentration vorbeugt.

Mehr Selbstvertrauen

Yoga stärkt das Selbstvertrauen ohne den Charakter eines Wettkampfes und harmonisiert impulsives Verhalten. Yoga entspannt und macht damit auch widerstandsfähiger gegenüber Stress. Die Yogakörperübungen integrieren ein Loslassen, Anspannen, Entspannen, ein Sich-Fordern, Hineinspüren, Annehmen, Überwinden und fördern damit die geistige Bewusstheit und das Körperbewusstsein. Wenn es gilt, herausfordernde Balance-Yogaübungen auszuführen, steigert sich automatisch die Konzentration, die benötigt wird, um die Übung durchzuführen – der Kopf wird geleert von einer störenden Gedankenkulisse.
Yoga fördert die Disziplin durch regelmäßiges und genaues Ausführen der Übungen. Das Erinnern der Durchführung kultiviert „Smriti“ (Erinnerungsvermögen), „Dhi“ (Unterscheidungsvermögen) durch genaues Ausführen und Dhriti (Willenskraft) und Mut durch mehr fordernde Übungen.

Unterscheidungsfähigkeit (Dhi), Mut (Dhairya), Willensstärke (Dhriti) und Wissen vom Selbst (AAtmaadi vijnaana) sind die idealen Therapien für den Geist.

– Ashtanaga Hridayam SU, I, 26

Yogaübungen, die die Blutzufuhr zum Gehirn steigern und damit Sauerstoff, Nährstoffe befördern und laut der Yoga Philisophie auch Energie (Prana), steigern damit die geistige Wachheit und Funktionsfähigkeit des Gehirns.

Mit Yoga gegen Übergewicht

Viele Kinder leiden körperlich und seelisch unter Übergewicht, können aber über den leistungs- und wettkampforientierten Sportunterricht keinen richtigen Zugang zu körperlicher Bewegung finden. Hier kann Yoga eine sinnvolle Alternative aufzeigen.
Jüngste Forschungen haben ergeben, dass ein erhöhter Plasma Cortisol Gehalt im Blut in Verbindung mit Übergewicht, insbesondere dem Bauchfett steht. Cortisol lässt sich nachweislich durch die inneren Glieder des Yoga, Dhyana (Meditation), Samadhi (reines Bewusstsein) verringern. Durch die Anregung der Verdauungstätigkeit und des Stoffwechsels durch Yoga wird ferner ein gewichtsreduzierender Impuls gesetzt. Die vermehrte Ausschüttung von Serotonin, dem so genannten „Glückshormon“, verleiht das Erleben von Wonne und Zufriedenheit und beugt somit dem „Frustessen“ vor.

Yoga und Gewaltprävention

Yoga liefert einen Beitrag zur Prävention und Reduzierung von Gewalt an den Schulen und kultiviert Friedfertigkeit – eines der Ziele der Yoga Philosophie. Der dafür in der Yoga Philosophie verwendete Fachbegriff lautet „Ahimsa“, was Nicht-Verletzen oder Gewaltlosigkeit bedeutet, eine Geistesverfassung, die lebensfördernde Einflüsse schafft sowie „Asteya“, Freiheit von Habsucht, Nichtstehlen. Patanjali, der Exponent der Yoga Philosophie, sagt in seinem Yogalehrbuch „Yoga Sutras“: „Im Zustand der Gewaltlosigkeit (Ahimsa) gegründet, verschwindet in der Gegenwart des Yoga Praktizierenden alle Feindseligkeit zwischen den Lebewesen“ (Vers II.35). Hat der Yoga-Schüler die Geistesverfassung des Yoga als den Zustand des Geistes, in dem alle Gedanken- und Gemütsbewegungen zur Ruhe gekommen sind (Vers I.2), erlangt, „Dann ruht der Sehende in seiner eigenen Natur“ (Vers I.3).

Vasudeva Kutumbaka – Die Welt ist meine Familie

Die Auswirkungen von Yoga gehen aber über die Verbesserung von Gelenkigkeit, Kraft und Konzentration hinaus. Yoga bedeutet Einheit, Harmonie. Abgeleitet von der Sanskritwurzel „yuj“. Einheit, Harmonie mit sich selbst, mit all den oft auch widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen. Einheit mit seinem Körper und dann, in immer größer werdenden Kreisen, Harmonie mit der Umgebung und der Welt. Am Anfang eines friedvolleren Umgangs miteinander steht die persönliche Erfahrung der Ebene der eigenen Friedfertigkeit.

Der Mensch ohne Ruhe im Denken, wie kann da Frieden sein. Ohne Frieden, wie kann Glück da sein.

– Bhagavad Gita.

Der älteste Mann der Welt, Joan Rindavets brachte es mit folgendem Zitat aus einem Interview auf den Punkt: „Das Wichtigste ist nicht, viele Jahre auf dem Buckel zu haben, sondern in Frieden, Ruhe und Freundschaft mit dem Rest der Welt zu leben“ (Weser Kurier, 11.10.2003).
Ayurveda Journal 14 · Seite 18 – 19