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Anti-Aging-Medizin aus ayurvedischer Sicht

Das Titelbild des Artikels zeigt eine blonde Frau um die 40 mit einer weißen Bluse. Sie lacht aus vollem Herzen. Der Hintergrund ist verschwommen.
Das Titelbild des Artikels zeigt eine blonde Frau um die 40 mit einer weißen Bluse. Sie lacht aus vollem Herzen. Der Hintergrund ist verschwommen.

Über das Thema Anti Aging sind die Prävention und Gesunderhaltung stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Hier scheinen sich moderne Medizin und Ayurveda auf einer neuen Ebene zu treffen.

Die drei Säulen moderner Anti-Aging-Medizin sind:

  • Ernährung inklusive Nahrungsergänzung durch Orthomolekulartherapie
  • Lebensstil
  • Hormontherapie

Lebensstil alt und neu

Die Empfehlungen zur Ernährung und gesundem Lebensstil könnten oft aus ayurvedischen Lehrbüchern stammen. So sind das “dinner cancelling”, also das Auslassen der Abendmahlzeit, sowie die Kalorienreduktion eine wirkungsvolle Methode der Stimulation von Wachstumshormonen.

So wird die Bedeutung von Schlaf, Stress, Bewegung und Zeitmanagement betont, die allesamt im Svasthavritta, der ayurvedischen Gesundheitslehre, vor über 2000 Jahren bereits definiert wurden.

Die Gabe von Orthomolekulartherapeutika zielt darauf ab, freie Radikale durch Antioxidantien unschädlich zu machen. Der klassische Ayurveda legte immer schon Wert auf eine Lebensweise, die gar nicht erst derartig viele freie Radikale erzeugt und zugleich mit Rezepturen wie dem berühmten Chyavanprash (ein Mus auf Basis von Amla-Früchten mit zahlreichen Heilpflanzen zubereitet) solchen entgegenwirkt.

Die Hormontherapie zielt darauf ab, gezielt durch Gabe verjüngender Hormone wie STH, DHEA, Melatonin, Pregnenolon, Serotonin, Östrogene, Progesteron und Testosteron Einfluss auf den Alterungsprozess zu nehmen.

Der Ayurveda betrachtet diese Säule kritisch, da es sich bei derartiger Gabe nicht um Sekrete handelt, die unser Körper aufgrund einer Erkrankung nicht mehr herstellen kann und daher einer Substitution bedarf. Es geht auch nicht um die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe durch Stimulation einzelner Drüsen – stattdessen werden hoch dosiert stark wirksame Produkte verabreicht, deren Auswirkung nicht immer absehbar ist.

Auch der Ayurveda weiß um die Kraft gesunder Hormone und deren Potenzial zur Verjüngung. Nur die Methode, diese zu stimulieren, unterscheidet sich und basiert auf ordnungstherapeutischen Prinzipien wie Schlafhygiene, Mahlzeitenreduktion und -optimierung sowie regelmäßige Reinigungskuren mit anschließenden Aufbaumaßnahmen. Die Phytotherapie kann nebenwirkungsärmere Hormone gezielt ansteuern, was beispielsweise im Rahmen der Phytoöstrogene hinreichend erforscht und erwiesen ist.

Ganzheitliche Verjüngung durch Ayurveda

Verjüngung wird im Ayurveda mit dem Begriff Rasayana beschrieben. Rasa bedeutet nährende Essenz und Ayana ist der Weg durch verschiedene Kanäle.

Rasayana-Therapie wirkt sowohl allgemein als auch spezifisch verjüngend. So kann eine Rasayana-Behandlung gezielt für alternde Organe wie unser Herz, Gehirn oder die Haut erfolgen mit der Zielsetzung, diese vor weiterem Abbau zu schützen, ihre Funktionalität zu unterstützen und ihre Regeneration zu beschleunigen.

Die Möglichkeit der Verjüngung beginnt im Kern mit der Geburt. Wenn Sie Ihre Konstitution mit allen Stärken und Anfälligkeiten verstehen, können Sie schon in jungen Jahren diejenigen Strukturen und Funktionen unterstützen, die anlagebedingt schneller altern.

Vor allem Vata betonte Naturelle neigen aufgrund der sie steuernden Eigenschaften schneller zu Abbau und sollten daher spätestens in der zweiten Lebensphase die Kraft der Verjüngung nutzen. Die Maßnahmen lassen sich als Dravya (substanzabhängig) und Adravya (substanzlos) Rasayana klassifizieren. An Substanzen kommen nebst ausgewählten Nahrungsmitteln wie Ghee (Butterreinfett) und Sharkara (medizinischer Rohrzucker) vor allem spezielle Heilpflanzen mit verjüngendem Rasayana-Potential zum Einsatz – hier einige Beispiele:

  • Amalaki – Emblica officinalis – wirkt abwehrsteigernd, herzstärkend, blutaufbauend, hautregenerierend
  • Ashvagandha – Withania somnifera – wirkt stärkend, muskelaufbauend, immunmodulierend, schlaffördernd und regenerierend
  • Brahmi – Bacopa monniera – verjüngt das Nervensystem, wirkt herzstärkend, schlaffördernd und hirnleistungssteigernd
  • Guduchi – Tinospora cordifolia – unterstützt Verdauung und Stoffwechsel, schützt die Leber, verjüngt die Haut und wirkt immunmodulierend
  • Pippali – Piper longum – verjüngt die Atemwege und optimiert somit die Sauerstoffaufnahmekapazität
  • Sariva – Hemidesmus indicus – ein exzellentes Rasayana nach Schwangerschaften und für Kinder mit spezifischem Bezug zum Blut und der Haut
  • Shatavari – Asparagus racemosus – die Pflanze zur Verjüngung in den Wechseljahren

Aus diesen und vielen weiteren Heilpflanzen lassen sich nach einer eingehenden ayurvedischen Diagnostik mit einer Konstitutionserforschung wahre Verjüngungs-Cocktails herstellen. Suchen Sie hierzu aber bitte einen erfahrenen Therapeuten auf, da eine Selbstverordnung nicht die gewünschten Wirkungen entfalten und in einzelnen Fällen auch unerwünschte Nebeneffekte haben kann.

Substanzlose Adravya-Rasayana Methoden umfassen Atemübungen, harmonische Bewegungen und Körperarbeit wie im Yoga-Asana, mentale Techniken der Konzentration, Fokussierung und Meditation. Auch ein werteorientiertes Leben, die Erfüllung sinnlicher Bedürfnisse, materielle Sicherheit, regulierte zwischenmenschliche Beziehungen und spirituelle Ausrichtung zählen zu den zentralen Elementen von Rasayana. Wenn sich das Gefühl von innerer Ruhe, Harmonie und Glücksgefühlen bei Ihnen ausbreitet, sind Sie ganz nah dran …

Erschienen im Ayurveda Journal 27

Ayurveda Journal 27 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Seelisches Gleichgewicht”.

Heft 27 im Shop bestellen

Ojas – Der Schlüssel zum Glück

Das Titelbild des Artikels Ojas zeigt eine weißgekleidete Frau die auf einer grauen Steinmauer an einem künstlich angelegtem Teich sitzt. Vor dem Teich wächst eine grüne Pflanze.
Das Titelbild des Artikels Ojas zeigt eine weißgekleidete Frau die auf einer grauen Steinmauer an einem künstlich angelegtem Teich sitzt. Vor dem Teich wächst eine grüne Pflanze.

Aus ayurvedischer Sicht ist ein glückliches Leben in Gesundheit und Erfüllung ganz einfach: Wir nehmen frische und bekömmliche Nahrung zu uns und genießen regelmäßig Bewegung in der freien Natur. Dadurch gewinnen wir alle vitalen Aufbaustoffe, die unser Körper für einen aktiven Stoffwechsel und zur substanziellen Zellerneuerung benötigt. Während der Gewebe aufbauende Prozesse erneuern sich nicht nur unsere Zellen, sondern wir gewinnen auch – sozusagen als Abfallprodukt – essentielle Lebensenergie Ojas. Und Ojas – was übersetzt soviel wie Strahlen bedeutet – ist verantwortlich für unsere hormonelles Gleichgewicht, unsere vitale Lebensenergie und emotionale Stimmungslage.

Je mehr Ojas gebildet wird, umso mehr Glückshormone und Lebensfreude stellen sich ein. Kein Wunder, das die ojas-aufbauenden Therapiemethoden des Ayurveda besonders begehrt sind! Häufige Anwendung finden sie in Rahmen von Ayurveda-Wellness-Kuren sowie Kosmetikbehandlungen. Im Saundarya, der ayurvedischen Schönheitslehre wird aus sehr anschaulicher Weise beschrieben, wie eine Ojas-erfüllte Person ihr inneres und äußeres Strahlen zum Erblühen bringen kann und mit ihrer sinnlichen Anziehungskraft die gesamte Umgebung verzaubert. Dazu werden zarte Ölmassagen (samvahana) mit duftenden Essenzen verabreicht und süße, wohlschmeckende Speisen mit anregenden Gewürzen gereicht. Ganz so wie wir es uns bei 1001 Nacht vorstellen….

“Diejenigen Mittel (und Maßnahmen), die zu einem optimalen Zustand vom Nährgewebe rasa und den anderen Geweben führen, nennt man rasayana.”

(CarS Ci. 1.1.8)

Gesundheit und Vitalität mit Rasayana

Der Sammelbegriff für alle Ojas-stärkenden Maßnahmen lautet Rasayana, was wörtlich als “Der Pfad zu oder die Verwirklichung von (einem optimalen Zustand der) Gewebe” übersetzt werden kann. Zu den klassischen Rasayana-Therapien zählen vitalisierende Regeln der ayurvedischen Lebenskunde, spezielle Ernährungsempfehlungen, Reinigungsübungen und Heilkräuter. Begleitet werden diese Maßnahmen von ayurvedischen Ölbehandlungen und Massagen, die sich durch langsame, ruhevolle Ausstreichungen, einfühlsame Berührungsqualität und eine entspannende Wirkung auszeichnen. Denn der Verlust von Lebensenergie und Vitalkraft ist nicht nur auf eine verminderte Stoffwechselaktivität zurückzuführen, sondern wird auch durch Erschöpfung, psychische Belastung wir Ärger, Ängsten oder Einsamkeit sowie mangelnde spirituelle Erfüllung ausgelöst.

Häufig wird Rasayana “nur” las Verjüngungs- und Wellnesstherapie verstanden. Doch unser Reichtum an Ojas ist das beste Mittel, um die körperlichen und psychischen Kräfte aufzubauen und die Immunkraft zu stärken. Damit gewinnt unser Leben wieder eine neue Intensität und eines der wichtigsten Ziele der Ayurveda-Medizin – die Gesunderhaltung des Gesunden – kann erreicht werden. In diesem Sinne können alle Rasayana-Behandlungen auch als wertvolle Präventionsmaßnahmen betrachtet werden.

klassische Wirkungen
(CS Ci. 1.2.3)
“rasayana…
Indikationen
“rasayana ist gut bei…

Einsatzgebiete
“rasayana kann genutzt werden für die…
– erhält die doshas im Gleichgewicht
– stabilisiert die Gewebe
– stärkt Verdauung und Stoffwechsel (agni)
– verbessert den Schlaf
– beseitigt körperliche und geistige Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwäche
– fördert die Gesundheit
– erhält die Jugend
– fördert Schönheit und Ausstrahlung
– fördert das Leben
– allgemeiner Schwäche
– Burnout und Stressfolgen
– Abmagerung
– unerfülltem Kinderwunsch
– kindlichen Entwicklungsstörungen
– Abwehrschwäche
– Altersschwäche
– immunologischen Erkrankungen
– Prävention
– Gesundheitsförderung
– Kosmetik
– medical Wellness
– Anti-aging
– Abwehrförderung
– Regeneration
– Rehabilitation
– Altersheilkunde

 

Praktische Empfehlungen für mehr Vitalität

Befreiung von Belastungen und Schlackstoffen
Im Ayurveda werden unverdaute Stoffwechselschlacken (ama) als eine der Hauptursachen für Ojas-Mangel und verfrühte Alterungsprozesse betrachtet. Somit beginnt eine Rasayana-Kur meist mit einer Anregung des Verdauungsfeuers (agni). Besonders geeignet hierfür ist die therapeutische Anwendung von Langem Pfeffer (Pippali = Piper longum). Klassisch erfolgt die Dosierung von Pippali nach einem speziellen Muster, bekannt als “vardhamana pippali”. Bei diesem Muster wird Pippali in aufsteigenden Dosen verabreicht und wieder allmählich verringert, nachdem es für gewisse Zeit auf einer Maximaldosis gehalten wurde. Begleitet wird dies von einer leichten Fastenkur oder Schonkosternährung.

Mehr Lebensenergie mit Nahrungsergänzungen
Die wichtigste Rasayana-Therapie ist die Einnahme von Heilkräutern und Gewebe stärkenden Nahrungsmitteln. Rasayana-Heilmittel werden aus pflanzlichen und mineralischen Rezepturen hergestellt, wie z.B. heiße Milch mit den aufbauenden Heilkräutern Safran, Ashvagandha und Zimt oder ein Mus aus Mandeln, Rosinen, Süßholz, Shatavari (Spargelwurzel) und Kardamon. Diese Nahrungskonzentrate sind sehr wohlschmeckend, nähren die Körpergewebe und halten alle Doshas im Gleichgewicht.

Das berühmteste Einzel-Rasayana ist die Amla-Frucht. Besonders tonisiert sie Augen, Haare, Herz, Leber und den Verdauungstrakt. Die Klassiker loben besonders auch die Haritaki-Frucht: Das ganze Jahr über zeitige sie gesundheitsfördernde Wirkungen – ähnlich fürsorglich “wie eine Mutter” und besitzt zudem eine mild abführende Wirkung. Für Nerven, Psyche und Intelligenz gilt Shankhapushpi als das beste Rasayana, ebenso wie Brahmi und Tulasi. Die weibliche Gesundheit und Fortpflanzungskräfte profitiert von Shatavari mit heißer Milch. Und als klassische Anti-Stress-Pflanze, die bei körperlicher und geistiger Erschöpfung und Auszehrung eingenommen wird, ist Ashvagandha bekannt.

Die richtige Lebenseinstellung
Für die Aktivitäten und ethischen Verhaltensweisen gibt Ayurveda folgende Empfehlungen:

  • Die Wahrheit sprechen und ehrlich zu sich selbst und anderen sein
  • Schlechte Gefühle wie Ärger oder Zorn vermeiden, oder – wenn sie trotz Bemühungen – kommen – nicht an anderen Menschen auslassen
  • Sich um folgende Eigenschaften bemühen: ruhig und friedvoll sein, hilfsbereit, respektvoll gegenüber Älteren, Götter verehren
  • Kein Sex zusammen mit Drogen und Gewalt
  • Die allgemeinen Regeln bezüglich der täglichen Routinen (Svasthavritta) mit seiner Morgenroutine, Massageempfehlung und Yoga beachten
  • Die Balance zwischen Schlafen und Wachsein in angemessenem Maße halten

Erschienen im Ayurveda Journal 26

Ayurveda Journal 26 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Mehr Vitalität”.

Heft 26 im Shop bestellen

Das Phänomen Schmerz – Krankheit oder Symptom?

Eine hölzerne Darstellung des Menschlichen Körpers mit einem rot dargestelltem Schmerzpunkt an der Schulter.
Eine hölzerne Darstellung des Menschlichen Körpers mit einem rot dargestelltem Schmerzpunkt an der Schulter.

Schmerz ist ein interaktives Phänomen welches auf der physischen, mentalen, emotionalen und biochemischen Ebene wirke. In dem medizinischen Text über klinische Praxis namens Madhava Nidana (ca. 700 n. Chr.) wird Schmerz (shula) als eine eigenständige Krankheit (roga) behandelt.

Im Alltag erfahren wir Schmerz oftmals als ein Symptom einer anderen Krankheit. Was also ist der Unterschied zwischen einem Symptom und einer Krankheit? Eine Krankheit hat ihre eigene samprapti-Pathogenese, eine klar definierte Entstehungsgeschichte sowie spezifische Anzeichen und Symptome. Sie durchläuft doshaspezifische Veränderungen durch die 6 Stadien der Entwicklung einer Krankheit: Akkumulation, Provokation, Ausbreitung, Komplexbildung, das in Erscheinung Treten und die Chronifizierung.

Andererseits muss ein Symptom nicht auf der Basis eines besonderen Krankheitsprozesses entstehen. Ein Symptom kann verursacht werden, wenn ein Dosha sich in seinem eigenen Hauptsitz vermehrt, ohne dabei eine Krankheit zu verursachen. Beispiel: Vata sammelt sich im Dickdarm an und erzeugt Unterbauchkrämpfe, Flatulenz und Obstipation. Wenn die Ursache nicht behoben wird, kann Vata durch Veränderungsprozesse gehen. Es produziert im Verlauf verschiedene Anzeichen und Symptome in Jedem Krankheitsstadium. Wenn Schmerz konstant, also chronisch auftritt und das Hauptproblem darstellt, kann man ihn als Krankheit einstufen.

Vata und Schmerz

Vata ist vornehmlich verantwortlich für das Zustandekommen von Schmerz. Grund ist, dass Vata eng mit Prana (oder dem Qi in der TCM) verbunden ist, welches wiederum das zentrale Nervensystem kontrolliert. Vom Dickdarm aus bewegt sich Vata in verschiedene Körperkanäle (srotamsi).

Prana fließt durch den gesamten Körper, durch jeden srotas, durch jedes Organ und jeden Vitalpunkt (marma). Wenn Prana in seiner Funktion gestört wird auf Grund einer Störung des Gleichgewichts einer oder mehrerer Qualitäten von Vata, ist Schmerz in den Sinnesorganen, im Emotionalkörper oder im physischen Körper die Folge.

Die Qualitäten von Vata sind folgende: trocken (ruksha), leicht (laghu), kalt (shita), rau (khara), subtil (sukshma) und beweglich (chala). Nach dem Axiom „Gleiches verstärkt Gleiches“ führen extrem trockene Speisen oder Klimaeinflüsse sowie Kälteexposition zu erhöhtem Schmerzempfinden. Die bewegliche Qualität von Vata kann Wanderschmerzen verursachen. Vata-Schmerzen verschlimmern sich während der Vata-Tageszeiten – zum Morgengrauen und zur Abenddämmerung und in der Herbst- und Winterjahreszeit.

Pitta und Kapha-Schmerzen

Als nächstes betrachten wir die Qualitäten von Pitta: heiß (ushna), sich ausbreitend (sara), scharf (tikshna), ölig (sniqdha), flüssig (drava) und leicht (laghu). Wenn sich diese Qualitäten im Organismus vermehren und Pitta somit Vata blockiert, mischen sich die Attribute der beiden Doshas.

Der typische Pitta-Schmerz ist folglich von heißer Qualität und erzeugt Entzündungen und Hautirritationen; die scharfe Eigenschaft kann Geschwüre und Gewebsdurchbrüche erzeugen.

Vermehrte ölige Qualitäten führen zu Verschleimung von Lunge und Atemwegen und möglicherweise zu Übelkeit; die sara-Qualitäten produzieren einen ausstrahlenden Schmerz und eine Rötung bei Berührung. Der Pitta-Schmerz ist mit Entzündung verbunden. Er erhöht sich um Mittag und Mitternacht sowie während des Sommers. Er ist oft gefolgt von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Dieser Schmerz verschlimmert sich durch Hitzeeinflüsse und wird gelindert durch Kälteanwendungen.

Die Qualitäten von Kapha sind: schwer (guru), dumpf (manda), kalt (shita), ölig (snigdha), klebrig (picchila), statisch (sthira) und zähflüssig (drava). Wenn eine dieser Qualitäten gestört wird und Vata blockiert, so wird der entstehende Schmerz charakteristisch sein für Kapha. Aufgrund der schweren Eigenschaften wird der Schmerz tief sein. Die langsamen und dumpfen Qualitäten lassen den Schmerz dumpf erscheinen.

Flüssige, ölige und kühle Attribute führen zu Kaltschweißigkeit, Verschleimung und Schwellungen. Im Gegensatz zum Wanderschmerz von Vata und dem Fokalschmerz von Pitta lässt sich der Kapha-Schmerz durch die statische Eigenheit von Kapha lokalisieren. Dieser Schmerz lässt sich generell durch Bewegung, Aufwärmübungen oder eine kräftige Druckmassage lindern. Der Kapha-Schmerz tritt meist am Vormittag oder frühen Abend auf sowie im Spätwinter und Frühling.

Diagnostik

Differentialdiagnostisch gilt es, folgendes abzuklären:

  • Finden Sie die Dosha-Beteiligung heraus: Verschleimung bedeutet Kapha; Infektion bzw. Entzündungsanzeichen bedeuten Pitta; Trauma, Unfall oder Nervenschmerzen zeigen Vata an. Fragen Sie nach dem Auftreten des Schmerzes in Abhängigkeit zur Tageszeit.
  • Finden Sie heraus, welche Maßnahmen verschlimmernd bzw. lindernd wirken: Bewegung wird Vata erhöhen, aber Kapha lindern. Wärmeanwendungen wie z.B. Rizinusölpackungen, werden Vata reduzieren jedoch Pitta erhöhen.
  • Handelt es sich um einen physisch, mental, emotional oder biochemisch verursachten Schmerz?

Ayurvedische Schmerztherapien für die Praxis

  1. Abhyanga: die ayurvedische zweihändige bzw. vierhändige Ölmassage mit speziellen, medizinierten Kräuterölen, welche entsprechend der Dosha-Aggravation eingesetzt wird.
  2. Ushma Sveda: das Aroma-Dampfbad – eine Dampfkabine, in der bei 40 – 50 °C feuchter Hitze und diaphoretischen Kräutern besonders Vata-Schmerzpatienten behandelt werden.
  3. Khadi·Basti: lokales, warmes Kräuterölbad bei Vata bedingter Lumbo-lschialgie bzw. Diskprolaps.
  4. Niruha Basti: Kräutereinlauf zur primären Vata-Therapie bei chronischen Schmerzsyndromen, chronisch-degenerativen und neuro-psychiatrischen Erkrankungen
  5. Pinda Sveda: In heißes, mediziniertes Öl getauchte Kräuterbolus. Sie wirken schmerzlindernd bei Arthralgien, Myalgien, Myogelosen.
  6. Padanqhata: Die indische Seilfußmassage löst tiefe Schmerzblockaden in der Skelettmuskulatur, macht die Gelenke, Sehnen und Muskeln geschmeidig und beugt Sportverletzungen vor, wirkt Abwehr stärkend.
  7. Pizzichil: Beim „königlichen Ölguss“ kombiniert man die Wirkung des Überwärmungsbades mit der einer Tiefenmassage. 6-8 Liter warmes Sesamöl fließen unter den kreisenden Händen zweier Therapeuten über den gesamten Körper. Alle Gewebe werden gleichmäßig durchwärmt. Durch Vata-, Pitta- und Kapha-Störungen verursachte Schmerzen werden auf diese Weise ausgeglichen. Das Bindegewebe wird gereinigt von Schwermetallen, Amalgam, freien Radikalen Säureschlacken und Nahrungsmittelzusätzen.
  8. Sira Vedha: das blutige Schröpfen bei heißen Gelosen im Rückenbereich bei von Pitta verunreinigtem Blutgewebe (rakta dhatu).

Erschienen im Ayurveda Journal 20

Ayurveda Journal 20 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Unsere Haut”.

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Entschlacken mit Ayurveda-Ernährung

Das Titelbild des Artikels Entschlacken mit Ayurveda-Ernährung zeigt zwei weiße Schalen auf einem braunen Holztisch die mit einer appetitlich aussehenden Dal-Suppe gefüllt sind. Im Hintergrund befindet sich eine geöffnete Ölkaraffe.
Das Titelbild des Artikels Entschlacken mit Ayurveda-Ernährung zeigt zwei weiße Schalen auf einem braunen Holztisch die mit einer appetitlich aussehenden Dal-Suppe gefüllt sind. Im Hintergrund befindet sich eine geöffnete Ölkaraffe.

Gesundheit ist aus ayurvedischer Sicht nicht nur ein statistischer Durchschnittswert oder ein allgemeines Wohlbefinden, sondern ein Zustand voller Vitalität, Widerstandskraft und Lebensfreude. Krankheit definiert Ayurveda als Disharmonie des inneren Gleichgewichts und als den Kontakt mit Schmerz. Leiden können sowohl physischer wie psychischer Natur sein. Auf physischer Ebene ist eine falsche Ernährung oft der Hauptverursacher für Krankheiten aller Art. Denn sie führt unweigerlich zu Störungen des Stoffwechsels (Agni), welche sich über kurz oder lang auch in Problematiken der Organfunktionen oder schlechtem Gewebeaufbau widerspiegeln.

Durch die täglichen Belastungen, die aus unangemessenen Ernährungsgewohnheiten entstehen, ist der Körper nicht in der Lage, sich von allen Giften und Verdauungsrückständen zu befreien. Die Ausscheidungen (Malas) des Körpers werden ungenügend und sammeln sich an. Angestaute Malas werden zu Toxinen (Ama). Diese Gifte schwächen den Körper zunehmend, lagern sich ab und führen zu Krankheiten. Um den Organismus von Ama zu befreien, ist es sowohl notwendig, den Körper zu reinigen, als auch die Ursachen im geistig-emotionalen Bereich zu finden und die Lebensgewohnheiten so umzustellen, dass in Zukunft eine Schlackenansammlung vermieden oder reduziert wird.

Neben Fastenkuren (langana) – welche im Ayurveda als intensivste Anti-Ama-Kur angesehen werden – bieten auch kurative Diätkonzepte die Möglichkeit, das Verdauungsfeuer (Agni) anzuregen, Toxine (Ama) zu eliminieren und Krankheiten präventiv zu begleiten. Speziell Hauterkrankungen, Verdauungsprobleme, Allergien oder Erkrankungen des Bewegungsapparats gelten als typische Krankheitsbilder, die durch falsche Ernährungsgewohnheiten hervorgerufen werden. Gerade ungeeignete Zubereitungsformen von Speisen oder falsche Nahrungsmittel-Kombinationen haben direkt spürbare Auswirkungen, da sie die Zirkulationskanäle (Srotas) blockieren, Toxine (Ama) erzeugen und die Doshas aus dem Gleichgewicht bringen können.

Leichte Kost

Diese gesundheitsschädlichen Ernährungsgewohnheiten zu vermeiden, ist der erste Schritt einer jeden Ernährungstherapie. Um zu ermitteln, welche falschen Ernährung- und Lebensgewohnheiten zu den individuellen Beschwerdebildern führen, ist eine ausführliche Diagnose und Befunderhebung notwendig: Darauf abgestimmt werden ayurvedische “Schonkostdiäten” mit überwiegend warmen, gekochten, milden und leicht verdaulichen Speisen zusammengestellt. Mit leichten Gemüse- und Getreidegerichten wird das Verdauungssystem entlastet und der Körper in seinen Selbstheilungskräften angeregt.

Als besonders empfehlenswerte Nahrungsmittel führen die klassischen Ayurveda-Schriften Reis, Mungbohnen, Gerste, Fenchel, Kürbis, Karotten, Kartoffeln, Gurken, Zucchini, Rote Beete, Pastinake sowie Ghee und Honig für die Heil- und Panchakarmakost auf.

Diese werden auf vielfältigste Weise mit anregenden Gewürzen zubereitet. Dabei gilt: Je dünner, bzw. wässriger gekocht wird, umso leichter ist das Essen, je leichter die Ernährung, umso intensiver der Reinigungsprozess. In diesem Sinne wird durch die Kochmenge des Wassers – hier variieren die Rezepte von 4 Teilen Wasser auf 1 Teil Getreide und Gemüse bis zu 24 Teilen Wasser auf 1 Teil Getreide/Mungbohnen und Gemüse – im Feintuning auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt.

Individuelle Anpassung ist wichtig

Die Grundlage einer jeden Ayurveda-Diät ist die Anpassung der Dosha-ausgleichenden Ernährungsempfehlungen auf die persönlichen Befindlichkeitsstörungen: Leiden wir also unter Beschwerden, die durch zu viel an Vata hervorgerufen werden, so ist besonders darauf zu achten, dass alle kalten und trockenen Speisen, zu scharfe Gewürze, unregelmäßige Mahlzeiten und schwere Speisen wie Kohl, Paprika, rohe Zwiebeln und roher Knoblauch gemieden werden. Ist hingegen das Pitta-Dosha aus dem Gleichgewicht geraten, so sind saure und heiße Speisen, scharfe Gewürze, tierische Eiweiße und zu viel Salz besonders schädlich. Um Kapha-Störungen entgegen zu wirken, müssen schwere, süße, schleimige und fettige Speisen gemieden und statt dessen viel Blattgemüse, Gerste, anregende Gewürze und Hülsenfrüchte in den Speiseplan integriert werden.

Aufbauend auf die typgerechten Ernährungsempfehlungen kommen weitere, spezielle Diätkonzepte zum Einsatz, welch direkt auf den Zustand der strukturellen Bestandteile des Körpers (srotas und dhatus) abgestimmt sind. Als zusätzlicher Verstärker der diätetischen Ernährungsempfehlungen werden häufig Kräuterpräparate und Nahrungsergänzungen wie Triphala oder Trikatu eingesetzt. Diese haben eine äußerst effektive Wirkung auf die einzelnen Funktionssysteme: So dient Triphala in der Ayurveda-Diätetik als “Srota-Putzer” und wird zu Beginn eines jeden Reinigungs- und Ausleitungsprozess empfohlen. Trikatu ist der “Agni-Entfacher”, mit dem das Verdauungsfeuer fit gemacht wird, um Ama zu beseitigen.

Reinigen und Entschlacken mit Reis-Dal-Suppen

Der klassische Ayurveda-Speiseplan zur Reinigung und Entlastung des Körpers besteht aus einer leichten Suppenernährung, in der Reis, Mungbohnen und leichte Gemüse wie Fenchel, Möhren, Pastinaken oder Kürbis als Heilkost zubereitet werden. Die sogenannten Kicharis stellen eines der wichtigsten Gerichte für eine sanfte Entschlackung im Ayurveda dar. Es gibt unzählige Rezepturen, welche den Darmbereich sanft reinigen und dem Organismus neue Lebensenergie schenken. Für einen klassischen Kichari werden – bis auf wenige Ausnahmen – immer Basmati-Reis und Mung-Dal (halbierte, geschälte Mungbohnen) verwendet; denn aus ayurvedischer Sicht entfalten nur diese Zutaten eine leichte und heilende Kraft, ohne die Doshas zu stören.

Einfache Reis-Dal-Suppe:

Zutaten

– 100g Basmati-Reis
– 50 g gelbe Mungbohnen
– 1 TL Ghee
– 1 dünne Scheibe frischer Ingwer
– 1/2 TL Cuminsamen
– 1/2 TL Ajwain
– 1/2 TL Garam masala
– 1/2 TL Salz

  1. Den Reis und die Mungo-Bohnen unter fließendem Wasser waschen.
  2. Ghee in einen Topf erhitzen, Gewürze hinzufügen und anrösten.
  3. Nun 600 ml Wasser aufgießen und zum Köcheln bringen.
  4. Die Reis-Dal-Mischung in das kochende Wasser geben, umrühren und im geschlossenen Kochtopf 40 Minuten sanft köcheln lassen.
  5. Das Salz zufügen und die Reis-Dal-Suppe gut umrühren. Nach Wunsch mit noch etwas mehr Cumin, Garam masala und frischem Koriander abschmecken.

Falsche Ernährungsgewohnheiten machen uns krank

Die häufigsten Fehler, welche aus ayurvedischer Sicht zu Krankheiten führen oder diese verstärken:

  • Eine für die individuelle Konstitution unangemessene Ernährung.
  • Vor allem die Kombination von sauren und schleimigen Speisen (wie z.B. Tomaten mit Käse, Zitrusfrüchte mit Joghurt) sowie Milch zusammen mit tierischem Eiweiß (Fisch und Milch, Fleisch und Milch) ist besonders belastend für das Srota-System.
  • Der Genuss von zu viel sauren Speisen: Zitrusfrüchte, Tomaten, saure Milchprodukte, Essig und alle anderen sauer schmeckenden Speisen sollten in einer Reinigungsdiät unbedingt vermieden werden.
  • Der Verzehr von Fleisch, Fisch, Eiern, Käse, Kaffee, Alkohol, Zitrussäften und Rohkost belasten den Organismus und ist während einer Reinigungsdiät strengstens untersagt.
  • Eine den Tages- und Jahreszeiten nicht angepasste Ernährung, wie Früchte und Salat am Abend, schwere Speisen am Morgen oder Milchprodukte im Frühjahr.
  • Unregelmäßige Mahlzeiten sowie Unruhe und Stress beim Essen führen zu einer Schwächung des Verdauungssystems und der Immunkraft.
  • Zuviel Essen und zur falschen Zeit. Eine gesunde Ernährung besteht aus drei regelmäßigen Mahlzeiten, die maximal 2/3 des Magens füllen.

Empfehlenswerte Nahrungsmittel und Gewürze für die Ayurveda-Reinigungsdiät

  • süße und warme Speisen wie süße Früchte, Wurzelgemüse, Getreide, hochwertige Öle, Nüsse, Dal
  • saftige und gekochte Speisen wie Suppen, Eintöpfe, gedünstete Früchte, frisch zubereitete Gemüsegerichte
  • anregende und stärkende Gewürze wie Cumin, frischer Ingwer, Koriander, Fenchel, Kardamom und Ajwain
  • scharfe Gewürze wie Chili, schwarzer Pfeffer oder Pippali (langer Peffer) regen den Stoffwechsel am intensivsten an, befreien die Srotas und helfen, Ama zu verbrennen
  • bittere Gemüse, Kräuter und Gewürze – wie Blattgemüse, Chicoree, Artischocken oder frische Kräuter wirken anregend, entwässernd und gewebeabbauend auf den Stoffwechsel
  • nicht erhitzter Honig als einziges Süßmittel, welches den Stoffwechsel stimuliert
  • das regelmäßige Trinken von mindestens 1,5 – 2,5 Liter heißem Wasser am Tag ist essentiell für einen harmonischen Ausleitungsprozess während der Reinigungstage
  • 2 Tassen heißes Ingwerwasser am Morgen regen den Stoffwechsel an und öffne die Srotas

Erschienen im Ayurveda Journal 28

Ayurveda Journal 28 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Reinigen und Entschlacken”.

Nasya – ein Trumpf der Natur

Das Titelbild des Artikels Nasya zeigt eine Frau von nahem die sich mit zwei Fingern an die Stirn und mit drei Fingern a die Nase fasst. Sie hat die Haare zusammengebunden, hat die Augen zu und lächelt nicht.
Das Titelbild des Artikels Nasya zeigt eine Frau von nahem die sich mit zwei Fingern an die Stirn und mit drei Fingern a die Nase fasst. Sie hat die Haare zusammengebunden, hat die Augen zu und lächelt nicht.

Was ist “Nasya”? Es ist die “eindrucksvollste” Reinigung der Nasennebenhöhlen zur Behandlung von akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen und ihrer Folgeerkrankungen. Diese ayurvedische, naturheilkundliche Reinigung der Nasennebenhöhlen arbeitet mit arzneilichen Ölen, Kräutern oder Rauch und Kräuterdämpfen in 3 Schritten. Die Nase ist Eingangstür in das Innere des Kopfes. Nasya-Behandlungen wirken somit auf alle Organe des Kopfbereiches sowie auf das Zentralnervensystem.

Es ist eine Phase der klassischen Panchakarma- Therapie, der 5-fachen Reinigungsbehandlung aus dem Ayurveda. Bei diesem Verfahren werden die Öle, die vorher mit heilsamen Kräutern nach einem Spezialverfahren versetzt worden sind, in die Nase eingebracht. Zuvor werden die Schulter-Nacken-Region sowie das Gesicht mit Wärme und Massage vorbereitet. Dadurch werden die gestörten Doshas der oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen Kopf-Nacken-Region über die Nase entfernt. Nasya ist eine relativ einfache Behandlungsform, die von den meisten Patienten als angenehm empfunden wird, besonders natürlich danach, wenn sich alles frei und belebt anfühlt. Zeichen einer erfolgreichen Behandlung sind auch ein verbesserter Schlaf, Schärfung der Sinnesorgane und eine verbesserte emotionale Befindlichkeit.

Wozu Nasya? Indikationen:

  • akute und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen,
  • Asthma, Heuschnupfen, Haarausfall, chronische Müdigkeit,
  • Migräne und Kopfschmerzen unterschiedlicher Genese,
  • Rheumatische Erkrankungen, zervikale Spondylitis, Arthrosen,
  • Neuralgien, Gesichtslähmung, MS,
  • Zur Stärkung der Sinnesorgane

Arten des Nasya

  1. Entsprechend ihrer Wirkung: Reinigung (Shodhana), Abführen (Virecana), Linderung / Beruhigung (Shamana), Stärkung (Brimhana), zum Reduzieren von Vata-Dosha.
  2. Entsprechend der verwendeten Behandlungsformen: Auspressen frischer Heilpflanzen (Avapida), Einführen arzneilicher Öle (Navana), Inhalieren des Rauches verschiedener Pflanze (Dhuma), Einführen medizinischer Pulver mit Hilfe eines speziellen Röhrchens (Virecana/Dhumpana).
  3. Entsprechend der Dosis: 2 Tropfen pro Nasenloch (Pratimarsha) oder 8-32 Tropfen pro Nasenloch (Marsha).

Basisbehandlung: 3 – 5 Termine (Zeitdauer ca. 75 Min.)

Langzeitbehandlung: 8-10 Termine (sowie 1-2x Darmreinigung)

Wichtige Hinweise für die allgemeine Vorbereitung des Patienten:

  1. Kopf Stirn und Ohren vor Kälte, Hitze und Zugluft schützen.
  2. An Behandlungstagen 2 x 10 Min. mit Kräuterdampf inhalieren; an Nicht-Behandlungstagen 4 x 10 Min., danach pro Nasenseite 4-6x täglich 2 Tropfen Anu-Thaila einmassieren und hochatmen.
  3. 1-2x mit Bittersalz / F.X.-Passage-Salz oder Rizinusöl den Darm abführen.
  4. Nase mit einer natürlichen Nasensalbe, Zinksalbe etc. pflegen.
  5. Schonend die Nase putzen, über je 1 Nasenloch, das andere zuhalten.
  6. Morgens mit 1-2 Tl. Sesamöl ca. 5 Min. gurgeln, danach die Zunge mit einem Zungenreiniger säubern.
  7. Schonung und Ruhe an Behandlungstagen, evtl. sogar ein paar Tage Urlaub nehmen.
  8. Täglich 3l trinken, also mehr als das direkte Durstgefühl (Ingwerwasser, Atemtee, Kräutertee, Gemüsebrühe etc.)
  9. Nahrungsempfehlungen während der Nasya-Kur-Tage: Suppen und leichte Gemüse-Gerichte, täglich 1 Tl. Meerrettich, frische Kräuter und Gewürze verwenden, keine kalten Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren besonders am Abend zu sich nehmen, leichte Brotsorten, Dinkelbrote, Knäckebrot etc. fettarme und gekochte Nahrung verzehren.

Tipps zur täglichen Nasenreinigung:
Mit einem Nasenspülkännchen (oder mit einer warmen, leicht salzigen Lösung in der hohlen Hand) die Nase über dem Waschbecken spülen, anschließend mit etwas Sesamöl oder besser noch einem so genannten Nasenreflexöl, z.B. Anu-Thaila die Nasenschleimhaut einmassieren. Sie können so die Schutzfunktion der Nasenschleimhaut positiv unterstützen und den nasalen Bereich der Atemwege reinigen. Eine intakte Nasenschleimhaut produziert ein flüssiges Sekret, welches Bakterien und Viren davon abhält, sich dort anzusiedeln.

Ist die Nasenschleimhaut in ihrer Funktion z.B. durch Allergien und Staub gehemmt, wird das Sekret zäh und die Gefahr der Infektion besteht.
Durch eine regelmäßige Spülung der Nase und anschließendem Einölen der Schleimhäute werden diese stimuliert und Ihre Nasenatmung wird deutlich besser

Erschienen im Ayurveda Journal 23

Ayurveda Journal 23 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda und Ökologie”.

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Köstliches Ostermenü

Das Titelbild des Rezepts Köstliches Ostermenü zeigt einen herrlich gedeckten Tisch mit Eiern selbstgebackenem Brot, Kerzenleuchten, einem Blumengesteck und Geschirr. Eine künstliche Grille sitzt auf dem Holztisch.
Das Titelbild des Rezepts Köstliches Ostermenü zeigt einen herrlich gedeckten Tisch mit Eiern selbstgebackenem Brot, Kerzenleuchten, einem Blumengesteck und Geschirr. Eine künstliche Grille sitzt auf dem Holztisch.

Zarte Tulpen und Primeln, der erste knackige grüne Spargel und frische Kräuter, die aus der Erde sprießen: Jetzt ist wirklich endlich Frühling, die Zeit von Anfang und Neubeginn. Sie zeigt uns den Kreislauf des Lebens und bringt uns Leichtigkeit, Freiheit und die Kraft zur Entfaltung. Der Frühling entspricht allem Anfang. Ein wundervoller Zeitpunkt für ein Ostermenü, das Sie und Ihre Liebsten verwöhnt und all Ihre Sinne berührt.

Menü:

Kardamon-Rosen-Lassi


Zutaten für zwei Personen

– 4 EL veganer Kokosjoghurt
– 400 ml Reis-Kokos-Drink
– 1-2 Kardamomkapseln
– 1 MSP Vanillepulver
– 1 EL Wildrosen-Blütenmus oder Rosenwasser
– optional: getrocknete Rosenblüten

Zubereitung:
Kardamomsamen aus den Kapseln lösen und im Mörser zerstoßen. Mit dem Kokosjoghurt, Reis-Kokos-Drink, Vanille und Wildrosen-Blütenmus oder Rosenwasser in den Mixer geben und alles pürieren. Auf zwei Gläser verteilen, mit Rosenblüten oder Lavendelblüten garnieren und servieren.

Fertig zubereiteter Kardamon-Rosen-Lassi.
Admin Pernat | Ayus Publications e.K.
© Verena Becker / Livin´ Lightly

Vorspeise: Cremige Blumenkohl-Mungsuppe


Zutaten für zwei Personen

– 1 kleiner Blumenkohl
– 2 EL gelbe Mungbohnen (über Nacht eingeweicht)
– 1 TL Senfsaat
– 1/2 Schalotte
– 1 TL Kurkuma, gemahlen
– 1 MSP Asafoetida
– 1-2 EL Kokosöl
– 3 EL Kokosmilch
– Salz
– schwarzer Pfeffer

Für das Topping

– 1 TL Schwarzkümmel
– 1 TL Sonnenblumenkerne
– 1 TL Pinienkerne
– 1 TL Sesam
– 2 EL Brotwürfel
– 1 TL Ghee
– ein paar Blätter Basilikum

Zubereitung:
Mungbohnen über Nacht einweichen. Den Blumenkohl in Röschen zerteilen und beiseitelegen. In einem weiten Topf das Kokosöl erhitzen. Die Schalotte fein schneiden und mit der Senfsaat und dem Hing im Kokosöl anschwitzen, bis die Zwiebel glasig ist und der Senf zu springen beginnt. Kurkuma hinzugeben und ebenfalls kurz anschwitzen. Mungbohnen und Blumenkohl in den Topf geben und zwei Minuten anbraten. Mit Wasser ablöschen, sodass der Blumenkohl gerade so bedeckt ist. Die Suppe zum Kochen bringen und dann bei kleiner Temperatur mit geschlossenem Deckel etwa fünfzehn Minuten garen, bis der Blumenkohl und die Mungbohnen weich sind.

Mit einem Pürierstab zu einer cremigen Suppe verarbeiten. Die Kokosmilch einrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Einige Minuten bei kleiner Flamme köcheln lassen. In der Zwischenzeit in einer kleinen Pfanne das Ghee erhitzen und die Brotwürfel darin knusprig braten. Schwarzkümmel, Sonnenblumenkerne, Pinienkerne und Sesam hinzugeben und kurz mitbraten, bis der Schwarzkümmel sein Aroma entfaltet und die Kerne anfangen zu bräunen. Basilikum in feine Streifen schneiden und mit dem restlichen Topping vermischen. Suppe abschmecken und mit dem Topping anrichten.

Fertig zubereitete Blumenkohl-Mungsuppe
Admin Pernat | Ayus Publications e.K.
© Verena Becker / Livin´ Lightly

Hauptgang: Frühlingsrisotto mit grünem Spargel, Erbsen und Basilikum-Bärlauch-Pesto


Zutaten für zwei Personen

– 100 g Arborio-Reis
– ca. 500 ml Gemüsebrühe
– 100 ml trockener Weißwein
– 1 Handvoll grüne Erbsen
– 1 Stange Bleichsellerie
– 1 kleines Bund grüner Spargel
– 1 Schalotte
– 1 Knoblauchzehe
– 2-3 TL Ghee
– Schale von einer halben Bio-Zitrone
– Salz, Pfeffer

Zutaten für ein kleines Glas Basilikum-Bärlauch-Pesto

– 2 Bund Basilikum
– ½ Bund Bärlauch
– 40 g Pinienkerne
– ca. 100 ml Olivenöl
– Salz

Zubereitung:
Für das Pesto die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis sie Duft entfalten. Vom Herd nehmen und auskühlen lassen. Basilikum waschen und trocken schütteln. Basilikum, Bärlauch, Pinienkerne und Salz in einen Mixer geben, nach und nach Olivenöl hinzugeben und mixen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Beiseitestellen.

Schalotte und Knoblauch schälen und fein würfeln. Einen Teelöffel Ghee in einem weiten Topf erhitzen. Schalotte und Knoblauch darin bei mittlerer Hitze glasig dünsten. Risottoreis hinzugeben. Unter Rühren ein bis zwei Minuten weiterrösten. Wein abmessen, zugießen und bei mittlerer Hitze unter Rühren zwei bis drei Minuten verdampfen lassen.

Gemüsebrühe erwärmen und langsam Kelle für Kelle zum Risotto gießen, bis der Reis gerade so bedeckt ist. Immer wieder umrühren und Brühe nachgießen. Risotto offen bei kleiner Flamme nach Packungsanweisung leicht köcheln lassen, bis der Reis schön cremig, aber im Kern noch leicht bissfest ist.

In der Zwischenzeit einen Teelöffel Ghee in einer Pfanne erhitzen. Die holzigen Enden vom Spargel abschneiden. Spargel für ein paar Minuten in der Pfanne anbraten und mit einer Prise Salz abschmecken. Spargel in Streifen schneiden.

Bleichsellerie fein hacken und mit den Erbsen circa acht Minuten vor Ende der Garzeit zum Risotto geben. Das Risotto mit Salz, Pfeffer und Zitronenschale abschmecken und einen Esslöffel Pesto unterheben. Risotto auf zwei Teller verteilen, mit Spargel und ein wenig Pesto garnieren und direkt servieren.

Fertig zubereitetes Frühlingsrisotto mit grünem Spargel, Erbsen und Basilikum-Bärlauch-Pesto.
Admin Pernat | Ayus Publications e.K.
© Verena Becker / Livin´ Lightly

Dessert: Mango-Kokos-Tarte


Zutaten für circa 12 Portionen

Für den Boden:

– 200 g Haferflocken
– 100 g Mandeln
– 30 g Dattelsüße
– 40 ml Kokosmilch
– ½ TL Vanille

Für das Topping:

– 2 reife, süße Mangos
– 1 Tasse Cashewkerne
– 3 TL Dattelsüße
– 1 TL Kokosöl
– 1 TL Kokosraspeln
– Rosenblüten

Zubereitung:
Cashewkerne über Nacht einweichen.

Für den Boden die Haferflocken und Mandeln in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Abkühlen lassen und mit einem Mixer zu Mehl verarbeiten. Mit Vanille, Dattelsüße und Kokosmilch verkneten und in eine mit Backpapier ausgelegte Springform füllen und gleichmäßig am Boden andrücken. Im Kühlschrank für 30 Minuten durchkühlen lassen.

Mangos schälen und in Stücke schneiden. Cashews abgießen, mit Wasser abspülen und mit den Mangos, der Dattelsüße und dem Kokosöl zu einer cremigen Masse pürieren. Auf dem Boden verteilen und einige Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen. Eine halbe Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen und mit Kokosraspeln und Rosenblüten garnieren.

Fertig zubereitete Mango-Kokos-Tarte.
Admin Pernat | Ayus Publications e.K.
© Verena Becker / Livin´ Lightly

Schlafstörungen und Schlaflosigkeit (Nidra-Nasha)

Das Titelbild zeigt eine müde, erschöpft aussehende Frau in Schlafkleidung, die im Bett auf dem Rücken liegt. Sie liegt in grauer Bettwäsche, hat die Augen offen und kann nicht einschlafen.
Das Titelbild zeigt eine müde, erschöpft aussehende Frau in Schlafkleidung, die im Bett auf dem Rücken liegt. Sie liegt in grauer Bettwäsche, hat die Augen offen und kann nicht einschlafen.

Im Ayurveda, speziell in der südindischen Kalaritradition nimmt das gezielte und tiefgreifende Arbeiten mit dem sogenannten Marma-Nadi-System, einem Wissen von sensiblen Punkten (Marmas) und Energiebahnen (Nadis) des Körpers, eine ganz besondere und zentrale Stellung ein.

Ein Zuviel oder Zuwenig an Nahrung, sexuellen Aktivitäten oder Schlaf in Bezug auf die Konstitution, Bewusstseinsebene, Lebensalter, Gesundheitszustand und Jahreszeit stören das körperliche und geistige Gleichgewicht und sind Auslöser für Störungen im körperlichen Gleichgewicht und der Psyche. Hieraus lässt sich das natürliche, individuelle Maß an Schlaf ableiten, das Körper und Geist benötigen. Ausgeruht und entspannt mit frohem Gemüt am Morgen zu erwachen lässt auf einen erholsamen, ausreichenden Schlaf schließen.

Schlafstörungen sind eine weitverbreitete Erscheinung der Gegenwart. Die Lebensweise im Allgemeinen mit ihrer Hektik, übermäßigen Sinneseindrücken und wenig Mußezeiten kann nicht als schlaffördernd angesehen werden. Spezielle Ursachen für Schlafstörungen wie z.B. Stress, psychische Störungen, Krankheit, exzessiver Gebrauch von Stimulanzien wie Kaffee, Tee, Alkohol und Tabak, unzureichendes Ausmaß an Bewegung, zu spätes Essen, Tagesschlaf und ungünstige Schlafbedingungen wie Lärm usw. ergeben sich häufig aus dieser Lebensweise.

Ein verändertes Schlafverhalten im Alter ist nicht grundsätzlich als Schlafstörung zu betrachten, sondern kann auch auf ein verändertes Schlafbedürfnis zurück zu führen sein. 6-8 Stunden Schlaf für einen Erwachsenen werden durchschnittlich empfohlen. Krankheit, Alter, große sommerliche Hitze erlauben auch Tagesschlaf.

Doshas, Gunas und Schlaf

Schlafstörungen können durch jeden der Doshas und/oder den Grundeigenschaften (Guna) Aufregung (Rajas) und Dumpfheit (Tamas) hervorgerufen werden.

Die Zunahme von Tamas im Geist ist aus ayurvedischer Sicht die Ursache für Müdigkeit. Durch Tamas wird der Geist träge und die Sinnesorgane verlieren an Aktivität, Vata nimmt ab. Es ist deshalb zu empfehlen, gegen 22.00 Uhr schlafen zu gehen, wenn Kapha vermehrt ist und vor 6.00 Uhr am Morgen aufzustehen, wenn Vata vermehrt und der Geist aktiv und beschwingt ist.

Vermehrtes Kapha (Kapha Dosha Vriddhi) führt zu Trägheit (Tamas) und einem übermäßigen Schlafbedürfnis. Diesem ist durch die Anregung von Pitta, Vata und Rajas zu begegnen. Um Rajas nicht zu sehr zu aktivieren, was zu übermäßiger Gedankenaktivität führen würde und damit wiederum die Schlafqualität mindert, ist Gelassenheit und Klarheit (Sattva) zu stärken. Der Schlaf im Sattva Zustand ist kürzer, aber erholsam.

Konstitution und Schlaf

Das Schlafverhalten steht auch im Zusammenhang mit der Konstitution. Menschen mit einer Kapha dominanten Konstitution schlafen bei guter Gesundheit tief und fest, sind schwer zu wecken und neigen zu langen Schlafphasen. Pitta dominante Menschen haben einen kürzeren und erholsamen Schlaf, während Menschen mit Vata-Dominanz einen unterbrochenen und leichten Schlaf haben.

  • Vata dominante Konstitutionen sollten die längsten
    Schlafphasen, ca. 8 Std., haben.
  • Pitta dominanten Konstitutionen reichen in der Regel 6 Std.
  • Kapha dominante Konstitutionen sollten weniger als 6 Std. schlafen.

Daraus lässt sich erkennen, dass Kapha, welches die Schlafneigung fördert, bewusst begrenzt werden sollte, während Vata dominante Konstitutionen mit dem unterbrochenen und leichten Schlaf bewusst auf ausreichend lange Schlafphasen achten sollten.

Wenig Schlaf (Alpa Nidra)

Vermehrtes Vara (Vata Dosha Vriddhi) kann Schlafstörungen bis zur Schlaflosigkeit hervorrufen. Das Einschlafen ist erschwert bis unmöglich und der Schlaf häufig unterbrochen, unruhig und ruhelos. Die Folge können Schläfrigkeit, Angst und Sorge, Erschöpfung sein.

Vermehrtes Pitta (Pitta Dasha Vriddhi) erschwert ebenfalls das Einschlafen und bringt Schlafstörungen mit sich, aber keine komplette Schlaflosigkeit. Typischer Weise kommt es zu nächtlichem Aufwachen zur Pitta-Zeit (12.00 – 2.00 Uhr). Der Schlaf kann auch durch geringe Geräusche gestört werden. Schuldzuweisungen an die Umstände und die Umgebung (Bett, Abdunklung, Lüftung) sind typisch für die Pitta-Schlafstörung.

Die einfachsten Hilfsmaßnahmen bei Schlafstörungen sind:

  • Regelmäßige ausreichende Bewegung wie Laufen, Wandern, Schwimmen usw.
  • Abendessen 2 Std. vor dem Schlafen, nicht später als 20.00 Uhr
  • Spaziergang vor dem Schlafengehen
  • Vermeidung von langem Fernsehen oder problematischen Gesprächen
  • Vermeidung von nachmittäglichem Schlaf

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Stirnölguss (Shirodhara)
  • Ölstausee auf dem Kopf (Shirobasti)
  • Ganzkörper Ölmassage (Sarvanga Abhyanga)
  • Kopfmassage (Shiroabhyanga)
  • Fußmassage (Padabhyanga)

Gut geeignete Öle für diese Behandlungen sind Sesamöl, Brahmi taila oder Bala taila. Eine Vata reduzierende Diät ist zu empfehlen. Warme Milch mit fein gehackten Mandeln und je einer Prise Kardamom und Muskatnuss hilft Ihnen einzuschlafen.

Pflanzliche Hilfen: Brahmi, Jatanamsi, Vaca, Jyotishmati. Je zwei dieser Kräuter zu gleichen Teilen gemischt wird 15 Tage 1g dieser Mischung mit warmer Milch vor dem Schlafen gehen eingenommen. Sie können daraus aber auch einen Tee machen. Natürlich sind auch einheimische Kräuter wie z.B. Melisse, Hopfen, Baldrian, Kamille und Waldmeister als Tee eingenommen von großem Nutzen.

Entspannungsübungen wie z.B. Autogenes Training sind ebenfalls sehr gute Einschlafhilfen.

Retrospektive des Tagesgeschehens: Legen Sie sich in Ihr Bett und gehen Sie im Geist Ihren gesamten Tagesablauf zurück, ohne bei irgendeiner Begebenheit stehen zu bleiben. Schauen Sie sich alle Geschehnisse des Tages an, ohne über einzelne Erlebnisse nachzudenken.

Meditation und Yoga sind äußerst wirksam zur Linderung oder Beseitigung von Schlafstörungen. Schon das tägliche Sitzen in der Sukhasana Stellung (Schneidersitz mit geradem Rücken und den auf den Knien mit den Handflächen nach oben gerichteten Händen., wobei Sie auf den Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna Chakra) schauen. Wenn Sie mit dieser Übung beginnen, sind in der Anfangsphase einige Minuten ausreichend (bis 10 Min. täglich). Dabei ist die tägliche Wiederholung wichtig, nicht so sehr die Dauer, die sich von selbst mit der Zeit verlängert.

So-Ham Atemübungen: Sitzen Sie mit geradem Rücken und schließen Sie die beiden Nasenlöcher mit dem Mittelfinger und Daumen Ihrer rechten Hand. Das rechte Nasenloch mit dem Daumen und das linke mit dem Mittelfinger. Der Zeigefinger zeigt auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Beim Einatmen öffnen Sie das linke Nasenloch und denken dabei die Silbe So. Danach schließen Sie das linke Nasenloch wieder mit dem Mittelfinger und öffnen das rechte, um auszuatmen, wobei Sie die Silbe Ham denken und wiederholen diesen kompletten Vorgang einige Minuten lang. Die Silben werden dabei nur gedacht, nicht gesprochen. So steht für das Universelle, das Göttliche, Ham für das Individuelle. Beides ist im Einklang miteinander. Legen Sie sich danach zu Bett, und atmen in ruhigen Rhythmus weiter.

Erschienen im Ayurveda Journal 23

Ayurveda Journal 23 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda und Ökologie”.

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Duft gewordene Heilkraft

Auf dem Titelbild des Artikels Duft gewordene Heilkraft ist eine junge Frau mit einem Senfgelben Oberteil auf einem Feld zu sehen. Sie riecht an einer gelben Wildblume und ha die Augen dabei geschlossen.
Auf dem Titelbild des Artikels Duft gewordene Heilkraft ist eine junge Frau mit einem Senfgelben Oberteil auf einem Feld zu sehen. Sie riecht an einer gelben Wildblume und ha die Augen dabei geschlossen.

Ayurveda und Aromatherapie

Ein Zusammenspiel der Ganzheitsmedizin Ayurveda mit den Essenzen bestimmter Pflanzen ergibt in der Hand sorgfältig geschulter Aromatherapeuten duftende Heilkraft. Die individuell auf den Konstitutionstyp abgestimmten ätherischen Öle lassen sich unterstützend sehr gut, einfach und effektiv bei ayurvedischen Behandlungen einsetzen.

Im Gegensatz zur westlichen Klassifizierung der Öle aufgrund von körperlichen Symptomen trifft der Ayurveda die Unterscheidung vor allem nach der Energetik der einzelnen Pflanzen und ihres ätherischen Öls. Die Pflanzenessenzen werden im Ayurveda also nicht nur danach ausgewählt, welche Symptome sie bekämpfen, sondern unter anderem, ob sie kühlend, erwärmend, trocknend oder befeuchtend wirken. Mit Hilfe dieser Variablen ist der Therapeut in der Lage zu entscheiden, welche ätherischen Öle am besten für Vata-, Pitta- oder Kapha-Ungleichgewichte einsetzbar sind.

Wirkungsweise der Pflanzenessenzen

Zum Ort der Wirkung gelangen die Pflanzenessenzen über die Haut, die Schleimhäute und das limbische System, die Bronchien sowie den Magen-Darmtrakt. Sobald sie von der Hautoberfläche oder dem Epithelgewebe aufgenommen wurden, gelangen sie schnell über Kapillaren und lymphatische Systeme in den Körperkreislauf.

Körpergewebe und Organe können einen Teil des ätherischen Öls zur Verwendung in ihren Stoffwechselprozessen herausfiltern oder einfach nur die anregende, sedierende oder ausgleichende Eigenschaft des Öls aufnehmen. Die Wirksubstanzen der Pflanzenessenzen verweilen aufgrund ihrer flüchtigen Eigenschaften höchstens 48 Stunden im Stoffwechsel und verlassen den Körper mit den Ausscheidungen über Darm, Lungen, Nieren oder die Haut.

Der Geruchssinn

Auch über den Geruchssinn mit seiner tiefgreifenden Wirkung auf den Körper stellen ätherische Öle einen Kontakt zwischen der Außenwelt und dem Gehirn her. Das limbische System ist dort verantwortlich für die Verarbeitung von Emotionen, Wünschen, Gelüsten und Erinnerungen sowie Reaktionen auf diese. Die direkte Verbindung von aufgenommenen Düften über die Nasenschleimhaut zum Gehirn ist der Grund dafür, dass ätherische Öle so eine tiefe Wirkung auf verschiedene Aspekte unseres Seins haben. Forschungen haben gezeigt, dass bereits sehr geringe Mengen eine Wirkung zeigen und höhere Dosierungen die Reaktion oft nur unwesentlich steigern oder sogar be- oder verhindern.

Entscheidend für den therapeutischen Erfolg ist natürlich auch die Herkunft und die Reinheit der Öle, wobei es Pflanzenessenzen in Demeter-Qualität und aus kontrolliertem biologischem Anbau gibt.

Düfte als Ergänzung

Eine Kombination von ayurvedischem Wissen gepaart mit Aromatherapie kann den Einsatz von Aromamassagen mit hochwertigen Ölen oder den Butterreinfett Ghee sehr erleichtern.

Ein Tropfen ätherisches Ingweröl in 10g Ghee zum Beispiel kann einer Fußmassage (Padabhyanga) eine zusätzliche erwärmende Qualität geben. Selbstverständlich ersetzen ätherische Öle nicht die klassischen ayurvedischen Massageöle oder mediziniertes Ghee (Ghrita) und sollen damit auch nicht verglichen werden. Vielmehr bilden sie eine Ergänzung des Anwendungsspektrums, das aber mit großer Sorgfalt gehandhabt werden sollte.

Hier einige Beispiele für die schnelle und wenig aufwendige Herstellung von Aroma-Ghee:

Vata-reduzierendes Ghee
Auf 50 g Ghee werden 2 Tropfen Ingweröl, 1 Tropfen Anissamenöl, 1 Tropfen Kardamomöl sowie 1 Tropfen Zitronenöl gegeben und gut verteilt. Einsatz in einer Bauchmassage. Diese Rezeptur unterstützt die Verdauung in angenehmer Weise.

Pitta-reduzierendes Ghee
50 g kühlendes Pitta-Ghee enthalten 2 Tropfen Fenchelöl, 2 Tropfen Korianderöl, 1 Tropfen Dillöl, 1 Tropfen Kardamomöl und 2 Tropfen Pfefferminzöl. Einsatz in der Fuß- oder Bauchmassage.

Kapha-reduzierendes Ghee
Zum Ausgleich der Kapha-Energie gibt man auf 50 g Ghee 2 Tropfen Thymianöl, 2 Tropfen Wacholderöl, 2 Tropfen Minzöl, 2 Tropfen Lemongrassöl und 1 Tropfen Ingweröl und führt damit eine Fuß-, Bauch- oder Rückenmassage durch.

Erschienen im Ayurveda Journal 21

Ayurveda Journal 21 Cover

Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Anspannung und Stress”.

Das Marma-Nadi-System für Fitness und Gesundheit

Das Titelbild des Artikels Marma-Nadi-System zeigt verschiedene Kräuter, Pasten, Öle, Pulver und Kräuterstempel für Massageanwendungen auf einem Holz Tablet. Neben dem Tablet liegen ein Pinsel und ein zusammengerolltes Handtuch.
Das Titelbild des Artikels Marma-Nadi-System zeigt verschiedene Kräuter, Pasten, Öle, Pulver und Kräuterstempel für Massageanwendungen auf einem Holz Tablet. Neben dem Tablet liegen ein Pinsel und ein zusammengerolltes Handtuch.

Im Ayurveda, speziell in der südindischen Kalaritradition nimmt das gezielte und tiefgreifende Arbeiten mit dem sogenannten Marma-Nadi-System, einem Wissen von sensiblen Punkten (Marmas) und Energiebahnen (Nadis) des Körpers, eine ganz besondere und zentrale Stellung ein.

Sushruta, einer der großen Weisen des Altertums, beschrieb 107 Marma-Punkte, die in Gefäßen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Knochen lokalisiert sind. Im Kalari System hat der südindische Weise und Kalarimeister Agasthya dieses System auf über 360 Marma-Punkte erweitert. Dieses uralte System hat auch heute nicht an Bedeutung verloren, sei es für das Erkennen von Blockaden oder zu ihrer wirkungsvollen Beseitigung.

Marmas sind der Sitz der Lebensenergie (Prana), vitale Punkte, die am Körper eine genaue Lokalisation haben. Sie sind Verbindungspunkte von Körper und Geist und sie können als wichtige Konzentrations- und Kreuzungspunkte innerhalb des Nadi-Systems verstanden werden.

  1. Sie zeigen fehlerhafte dynamische Prozesse innerhalb eines Systems an
  2. Durch sie kann das Innere eines Systems relativ leicht und tiefgreifend positiv beeinflusst werden.

Nadis sind Kanälen gleichzusetzen, in denen spezifische aktive Prozesse in einer bestimmten Richtung stattfinden. Es gibt 72.000 Nadis, die den gesamten Körper durchziehen. Das Medium kann grobstofflicher Natur wie die der Lymphe, des Blutes, des Stuhls, des Atems, der Nervenimpulse etc. sein oder wie der „feinstoffliche“ Fluss von Gedanken und Emotionen. Durch die Nadis verteilt sich Prana, die dynamische Lebenskraft, die alles am Leben erhält. Sie ist gemäß ihrer Eigenschaft immer in Bewegung. Sollte dieser natürliche Fluss gestört werden, können die Nadis bzw. Marmas blockiert werden. Es können lokale Beschwerden auftreten aber auch das ganze System kann durch den Rückstau bzw. durch eine geänderte Flussrichtung gestört werden.

Störungen des Marma-Nadi-Systems

Wurden früher, vor ca. 3000 Jahren, diese Punkte und Energiebahnen durch kriegerische Auseinandersetzungen, mittels Pfeilen und Speren verletzt, so finden in der heutigen Zeit die Verletzungen in anderer Art und Weise mit umfassenden Auswirkung statt. Beispiele für störende Einflüsse, die heutzutage „verletzen“ können: „Dis-Stress“ – negativer Stress, Blicke oder Worte, zuviel, zuwenig oder verkehrte Bewegungen bzw. Sportarten, zuviel und schnelles Reden, schlechte Verdauung, Fehlhaltung, langes Stehen, Sitzen und Liegen, Reizüberflutung durch die Medien (Radio, Fernsehen … ), zuviel Reisen, Lesen, am PC sitzen, künstliche Lichtquellen, Essen entgegen der Konstitution, verkehrtes Verhalten in den Jahreszeiten, schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz, verkehrte bzw. eingeschränkte Atemtätigkeit, emotionales Ungleichgewicht, finanzielle Sorgen und Ängste.

Und natürlich sind hier auch die ganz “normalen” Verletzungseinflüsse, wie sie am Bewegungsapparat auftreten können (Knochenbruch, Fehlhaltungen, Zerrungen … ), als Blockaden zu erwähnen.

Behandlungsmöglichkeiten

Der Ayurveda bietet hierfür sehr effektive und oft überraschend schnell wirkende Behandlungsmöglichkeiten an. Was aber wie in allen Naturheilsystemen und auch in der Allopathie das Allerwichtigste ist, ist das eigene Erkennen des Betroffenen, dass er selber aufgefordert ist, in diesem Gesundungsprozess aktiv mitzuhelfen, damit eine möglichst lang anhaltende Gesundheit an Körper und Geist gewährleistet ist.

Um Blockaden im Marma-Nadi-System zu bearbeiten, bedient man sich im Manualtherapiebereich ganz bestimmter Massagestriche, die in bestimmten Ausgangsstellungen ausgeführt werden, welche öfters verändert werden, um so den Fluss im Marma-Nadi-System zu aktivieren. Wichtig ist es, in den Massageabläufen Dehnungen einzubauen, in denen dann ganz gezielt die Problemstelle bzw. im gestörten Nadiverlauf gearbeitet wird. Ferner stellt die Ölauswahl, das Erarbeiten eines Ernährungs- und Bewegungsplans eine große Rolle für die Behandlung. Weitere Behandlungsangebote können sein: Kräuterbeutel (Kizhi), Kräuterauflagen (Lepa), lokale, äußere Öleinläufe (Katibasti). Atem- und Entspannungstechniken können den überaktiven Geist zur Ruhe bringen.

Fallbeispiel (Kurzform)

  • Patient, 50 Jahre, eigene Gärtnerei
  • Beschwerdebild: chronischer Kopfschmerz verstärkt im Herbst und Winter, Durchschlafprobleme, starke Erschöpfung und schnell gereizt, immer häufiger auf Zug und Kälte im Nacken empfindlich.
  • Ernährung: jeden Abend eine große Portion Salat, Hartkäse und Vollkornbrot, morgens Kaffee und Vollkornbrot, mittags Salat, Kohlenhydrate und sehr hastiges Essen. Trinkmenge 1 – 1 1/2 Liter Wasser
  • Schulter-Nackenbereich weist massiven Muskelhartspann auf, Arm- und Handbereich ist sehr muskulär versteift, Brustmuskel ist verkürzt, Kopf- und Schulterbewegungen sind sehr eingeschränkt
  • Grundkonstitution (Prakriti): Pitta/Vata
  • Erhöhung/Störung (Vikriti): Pitta Vata sind erhöht
  • Blockaden folgender Marmas: Ansatzbereich vom Kopfseitwender, oberer Trapeziusanteil, Mitte Achselhöhle, Brustmuskel, Mitte Unterarm, Mitte Handgelenksspalt und dazugehörende Nadis
  • Behandlung: Kalari Massage, Arbeiten mit einem reduzierenden Kräuterbeutel, Auflegen von Lepas, Ernährungsumstellung (abends Rohes und tierisches Eiweiß meiden, Erlernen von Atemtechniken, Bewegungsübungen für den Alltag, Selbsteinölung der betroffenen Gebiete, Schutz vor Zug, Nässe und Kälteeinwirkung.
  • Behandlungsergebnis: Nach 3x Ayurveda Behandlungen beschwerdefrei, hält sich weiterhin an die Empfehlungen und kommt 2-3x im Jahr weiterhin zu Behandlungen, um den gebesserten Zustand zu erhalten.

Erschienen im Ayurveda Journal 23

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Kuhmilch und ihre Produkte in der ayurvedischen Ernährung

Das Titelbild des Artikels Kuhmilch und Ihre Produkte zeigt eine Hand, die eine Milchflasche aus Glas hält. Die Person schüttet etwas Milch aus der Flasche. Wohin ist nicht zu sehen. Im Hintergrund befindet sich eine verschwommene Pflanze.
Das Titelbild des Artikels Kuhmilch und Ihre Produkte zeigt eine Hand, die eine Milchflasche aus Glas hält. Die Person schüttet etwas Milch aus der Flasche. Wohin ist nicht zu sehen. Im Hintergrund befindet sich eine verschwommene Pflanze.

Klarheit und Widerstandsfähigkeit für den Geist

Heiße Milch mit Honig: Schon als Kind war das der Schlummertrunk, der mich ins Land der Träume führte. Die Kühe standen nebenan auf der Weide und ernährten sich ausschließlich von saftigem Gras und gesunden Kräutern. Abends kamen sie in den Stall und wurden gemolken. Der Imker im Dorf versorgte uns mit Honig. Ayurveda-Kenner wissen: Warme Kuhmilch wirkt beruhigend, herzstärkend und nährend. Frische Biomilch gilt im Ayurveda als wertvolles Lebensmittel, welches Sattva im Geist fördert; also ein Lebensmittel, das zu Klarheit verhilft, zu Mitgefühl befähigt und Ausgeglichenheit und Widerstandsfähigkeit bei Stress unterstützt. Auch gehört Milch zu den sogenannten Verjüngungsmitteln, den Rasayanas. Ganz allgemein besteht eine sattvische Ernährung aus hochwertiger, frischer und vitalstoffreicher Nahrung (z. B. aus biodynamischer Erzeugung; Dosennahrung, aufgewärmte Reste und in der Mikrowelle Zubereitetes gilt als tot), deren liebevoller Zubereitung und einem Verzehr in angenehmer Atmosphäre. In der sattvischen Ernährung werden Fleisch, Fisch und Eier strikt gemieden, sodass die einzigen Quellen tierischen Eiweißes Milch und Milchprodukte sind. Hier gilt der Grundsatz: Je stärker Milch und Milchprodukte erhitzt und verarbeitet werden, desto weniger sattvische Qualitäten haben sie. Auch Hormone und Antibiotika schaden der Milchqualität und machen sie schlechter verdaulich. Bevorzugen Sie deshalb möglichst Biorohmilch und deren Produkte aus ihrer Region von Tieren aus artgerechter Haltung.

Welches Milchprodukt passt zu mir?

Kuhmilch

Abgekochte, warme, frische Biomilch vom regionalen Bauernhof ist ein hervorragendes Beruhigungsmittel für alle Vata-Konstitutionen. Sie fördert die natürliche Intelligenz und ist äußerst nützlich für die mentale Stabilität. Warme Milch gleicht alle Doshas aus, sollte aber bei viel Kapha nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Kalte Milch kann schädlich wirken. Durch ihre feuchten und schweren Eigenschaften kann sie die Zirkulationskanäle verstopfen und den Körper verschleimen. Dies verschlimmert viele chronische Krankheiten wie Asthma, Rheumatismus, Allergien, Arthritis oder Herzerkrankungen. Verstärkt wird diese Wirkung noch durch die falsche Kombination von Milch mit anderen Nahrungsmitteln. Milch sollte nicht zusammen mit Fleisch, Fisch, Eiern, sauren Früchten, Joghurt oder salzigen Speisen kombiniert werden. Gut passen Milch und Milchprodukte zu süßen, ungeschwefelten Trockenfrüchten, stärkehaltigem Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Die schleimgebenden Eigenschaften der Milch können mit Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Zimt und Kurkuma neutralisiert werden. Andere Gewürze wie Ashvagandha, Shatavari, Beinwellwurzel und Ginseng verstärken die verjüngenden Eigenschaften der Milch.

Sahne

Sahne ist der Rahm, der bei unbehandelter Milch nach oben steigt.
Sie enthält 25–33 % Fett. Sahne hat sattvische Qualitäten, die jedoch wie bei Milch durch verschiedene Methoden zur Haltbarmachung wie Ultrahocherhitzung, Sterilisation oder den Zusatz des Verdickungsmittels Carrageen stark reduziert werden. Da sie „schwerer“ als Milch ist, ist sie nicht für Menschen geeignet, die viel Kapha und eine schwache Verdauung haben.

Buttermilch

Sie entsteht aus Rahm beim Butterungprozess durch die Trennung in Fette, die Butter, und die fettfreien Komponenten, die reine Buttermilch. Diese ist leicht verdaulich, herb und leicht wärmend. Sie beruhigt Kapha und Vata. Sie ist darmheilend, also ideal zur Behandlung von Magen-Darm-Störungen.

Butter

Butter besteht zu mindestens 80% aus Fett. Sie ist gut für Menschen
mit starker Verdauung und viel innerer Hitze (Pitta-Typen)
. Geschmolzen ist sie am verdaulichsten. Zu viel Butter kann innere Zirkulationskanäle verstopfen und den Cholesterinspiegel erhöhen.

Ghee

Ghee (geklärte Butter, Butterreinfett) besteht zu fast 100% aus reinem Fett. Es ist ein sattvisches Lebensmittel und besonders leicht verdaulich und rein. Ghee gehört zu den zehn Lebensmitteln, die täglich verzehrt werden sollten. Es durchdringt die feinste Zellebene, wirkt entgiftend, reinigend, verjüngend, regenerierend, entzündungshemmend und stärkend auf das Immunsystem. Ghee kühlt Pitta, beruhigt Vata und ist auch für Kapha, in Maßen, geeignet. Ein zu hoher Konsum führt zu einer Blockade der Körperkanäle und Gewichtszunahme.

Joghurt

Joghurt entsteht aus mit Milchsäurebakterien versetzter Milch durch Gärung. Joghurt ist daher sauer. Besonders in Kombination mit Zitrusfrüchten, Tomaten, Beeren oder Bananen bringt sie daher Pitta aus dem Gleichgewicht, blockiert die Zirkulationskanäle, bildet Ama (Stoffwechselschlacken) und führt häufig zu Hautreizungen und -entzündungen. Somit ist das klassische Frühstück aus Müsli mit Joghurt mit Früchten keine gute Idee. Die beste Art, Joghurt zu sich zu nehmen, ist als Lassi, Joghurt und Wasser zu gleichen Teilen mit Kräutern, oder in Form von Raita, dem Joghurt-Salat, der zu den meisten indischen Mahlzeiten serviert wird. Die Leichtigkeit der Gurke hebt die Schwere des Joghurts auf. Er wird leichter durch Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel oder Cayennepfeffer. Joghurt wird hauptsächlich für Vata-Typen empfohlen.

Sauerrahm, saure Sahne, Schmand, Creme Fraiche

Dies sind mit Milchsäurebakterien versetzte Rahmprodukte in verschiedenen Fettstufen. Aufgrund ihrer sauren Eigenschaften können sie wie Joghurt entzündliche (Pitta-) Zustände verschlimmern, einschließlich Geschwüren, Fieber und Infektionen. Sauerrahmprodukte sind am besten für Vata-Typen geeignet.

Käse

Käse ist schwer, ölig und klebrig. Er kann Arthritis, Gicht, Infektionen, Akne, Erkältungen, Geschwüre und Lungenerkrankungen verschlimmern und den Cholesterinspiegel erhöhen. Je fermentierter und salziger der Käse ist, desto schwieriger ist er zu verdauen, und desto mehr stört er Pitta und Kapha. Speziell Pitta wird durch die Kombination von Käse mit Zitrusfrüchten, Tomaten, Beeren oder Bananen zusätzlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Zirkulationskanäle werden blockiert und Ama gebildet. Junge, milde, süß schmeckende Käsesorten sind grundsätzlich vorzuziehen. Schwer verdauliche Käsesorten können mit Gewürzen wie Senf, Cayenne, schwarze Pfeffer, Meerrettich und Kreuzkümmel „erleichtert“ werden. Paneer, der selbst hergestellte und in Indien häufig verwendete Käse, ist leicht verdaulich, genauso wie Hüttenkäse. Er ist kühl, nahrhaft und hat einen hohen Proteingehalt. Frischkäse ist etwas klebriger, aber immer noch leichter zu verdauen als normaler Käse.

Alternative bei Kuhmilchunverträglichkeit

Wer mit der Verdauung von Kuhmilch und ihren Produkten Probleme hat, unter Asthma, Husten oder anderen Erkrankungen leidet, die mit Verschleimungen einhergehen, kann als Alternative Ziegenmilch ausprobieren. Sie hat zusammenziehende, süße, kühlende und leichte Qualitäten und wirkt auf alle Doshas ausgleichend. Sie ist damit auch für Menschen geeignet, die unter Husten, Asthma, Verschleimungen, Fieber, Durchfall oder Ödemen leiden. Optimalerweise sollte sie warm und mit Gewürzen eingenommen werden.

Der alte Werbeslogan „Die Milch macht’s“ ist als auch heute noch gültig, wenn Sie folgende Punkte beachten:

  1. ausschließlich frische, unbehandelte Biorohmilchaus der Region
  2. in kleinen Mengen
  3. warm
  4. mit den richtigen Gewürzen

Dann wird die Milch ihre zellverjüngende Anti-Aging-Wirkung und ihren Effekt auf unseren Geist voll entfalten.

Erschienen im Ayurveda Journal 59

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Ayurveda Traumziel Sri Lanka”.

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