Bereits seit der Steinzeit nutzt der Mensch Honig als Süßungsmittel; für das Alte Ägypten ist seine Verwendung auch als Heilmittel belegt. Durch Wasserentzug und Anreicherung mit körpereigenen Substanzen stellen Bienen aus Blütennektar oder aus dem sog. Honigtau, den sie von Rinden- oder Schildläusen sammeln, in vielen Verarbeitungsschritten Honig her. Farbe und Geschmack sind von den besammelten Blüten bzw. von der Art des Honigtaus abhängig, die Konsistenz vom Verhältnis der enthaltenen Zuckersorten.

Inhaltsstoffe

Laut Honigverordnung dürfen dem Honig weder Stoffe zugefügt, noch entzogen werden. Somit ist deutscher Honig ein reines Naturprodukt. Er ist reich an hochwertigem Frucht- und Traubenzucker. Unter den ca. 200 Inhaltsstoffen sind vor allem Vitamine (bes. C, B2, B6) und Mineralstoffe (z.B. Eisen, Magnesium, Kalium, Zink) zu erwähnen. Für die medizinischen Wirkungen des Honigs sind die von den Bienen zugesetzten Enzyme verantwortlich, da diese das Wachstum von Hefen und Bakterien hemmen. Um die Wirkstoffe zu erhalten, sollte der Honig trocken, kühl und dunkel gelagert werden.

Honig in der modernen Medizin

Obwohl nach geltendem deutschem Recht Honig nicht als Heilmittel bezeichnet werden darf, setzt man hierzulande z.B. Manukahonig zur Wundversorgung ein, selbst im klinischen Bereich! Wie normaler Blütenhonig auch, enthält er ein Enzym, das permanent kleinste Mengen von desinfizierendem Wasserstoffperoxid erzeugt und somit nachweislich antiseptisch wirkt. Zudem baut er totes Wundgewebe ab, fördert das Wachstum von Fibroblasten, wodurch die Wunde gleichmäßiger heilt, und besitzt eine leicht entzündungshemmende Wirkung, die Schwellungen, erhöhte Temperatur und lokalen Schmerz positiv beeinflusst.

Honig im Ayurveda

Im Ayurveda gilt Honig als ein herausragendes Nahrungsmittel, das ebenfalls zu Heilzwecken eingesetzt wird. Die Sanskrit-Bezeichnung lautet madhu, verwandt mit dem deutschen Wort Met (= Honigwein). In den klassischen Texten werden verschiedene Honigsorten beschrieben, eingeteilt nach Art der honigbereitenden Insekten. Diese Insekten leben meist in Waldgebieten. Insofern käme den klassischen Sorten am ehesten ein möglichst flüssiger, hochwertiger Waldhonig mit scharfen und bitteren Geschmackskomponenten gleich. Allerdings sollte dieser vor dem Verzehr mindestens ein Jahr gelagert werden, um die beschriebenen Wirkungen entfalten zu können.

Klassische Wirkungen

Honig besitzt sehr differenzierte, teilweise überraschende Eigenschaften. Besonders zeichnet ihn aus, dass er kapha reduziert, obwohl er süß schmeckt. Aufgrund seiner trockenen, zusammenziehenden und „auskratzenden“ (lekhana) Qualitäten kann guter Honig sogar zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Dies ist für die Betroffenen enorm praktisch, da sich mit Honig bei einer sonst zuckerarmen Diät die Lust nach Süßem befriedigen lässt. Die reduzierende Wirkung entfaltet sich vor allem dann, wenn der Honig in warmem Wasser gelöst getrunken wird (ein Teelöffel auf ein Glas).

Vorrangig nutzt man die kapha-ausgleichende Wirkung jedoch bei Atemwegserkrankungen. Stark an Großmutters Empfehlung erinnernd, bei Erkältungen warme Milch mit Honig zu trinken, beschreiben ihn die klassischen Ayurveda-Texte als auswurffördernd, gut für die Stimme und hilfreich bei Husten und Asthma bronchiale. Ferner gilt er als gut für das Herz sowie für Struktur und Färbung der Haut. Zudem regt er Verdauung und Stoffwechsel (agni) an – eine Wirkung, die dem Honig aufgrund von dessen Enzymreichtum auch von modernen Wissenschaftlern zugeschrieben wird. Auch zur Wundheilung setzt man im Ayurveda Honig seit Alters her ein, und seine kühlende Eigenschaft macht ihn zu einem lokalen Akutmittel bei Verbrennungen.

Honig als Vehikelsubstanz (anupana)

Am häufigsten kommt Honig im Ayurveda jedoch als Trägersubstanz für andere Heilmittel zum Einsatz. Er besitzt die außergewöhnliche Eigenschaft (yogavahi), Wirkungen anderer Substanzen zu potenzieren und diese bis in die Tiefen der Gewebe zu befördern. Besonders bei Atemwegserkrankungen und anderen kapha-Störungen wird er zu diesem Zweck verwendet, jedoch auch bei der Verabreichung von Notfallmitteln und alchemischen Präparaten. Wohl ist seiner adhäsiven Eigenschaft zu verdanken, dass sich seine Wirkung noch vor Eintritt in den Magen bereits über die Schleimhäute des oberen Verdauungstraktes entfalten kann. Zudem macht ihn seine Süße zu einem guten Geschmackskorrigens.

Wichtige Empfehlungen

Die klassischen Texte warnen an verschiedener Stelle davor, Honig zu erhitzen. Interessanterweise verlangt auch die deutsche Honigverordnung, dass Honig nicht über 40°C erwärmt wird, damit wertvolle Enzyme und Aromastoffe erhalten bleiben. Nach ayurvedischem Verständnis wirkt erhitzter Honig langfristig „toxisch“. Hierunter ist vor allem eine „Verunreinigung des Blutgewebes“ (rakta) zu verstehen, welche sich in Form von Hautkrankheiten, Entzündungen und Lebererkrankungen äußern kann. Somit sollte Honig warmen Speisen oder Getränken erst nach Abkühlung auf Trinktemperatur beigemischt werden. Aus ähnlichen Gründen empfehlen die klassischen Texte, reines Butterfett (Ghee) und Honig nicht in genau gleichen Anteilen zu verabreichen. In zu großen Mengen eingenommen, besteht ferner die Gefahr, dass Honig Stoffwechselschlacken (Ama) bildet oder Vata erhöht.
Ayurveda Journal 16 · Seite 30 – 31

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Elmar Stapelfeldt
Elmar Stapelfeldt ist Magister der Indologie an der Universität Tübingen mit Schwerpunkt Sanskrit und Ayurveda-Klassiker. Heilpraktiker. Praktische Ausbildung bei Dr. S.N. Gupta in Indien. Fachlicher Koordinator der Ausbildung für Ärzte und Heilpraktiker, Dozent und Kurleiter an Rosenberg‘s Europäischer Akademie für Ayurveda. Buchautor: Ayurveda Manualtherapie und Ausleitungsverfahren. Testldsnfljndfsg yasdndjsf