ayurvedisch und mit heimischen Heilpflanzen behandeln

Unser Organismus wird nun mit kälterem herbstlichen Wetter konfrontiert. Haben wir für eine Balance zwischen Aktivität und Ruhephasen gesorgt, werden wir sehr wahrscheinlich über genügend Kraftreserven und Wärmedepots verfügen, um damit zurecht zu kommen. Denn der Herbst ist eine feuchte und kühle Jahreszeit, in welcher Kapha vorherrscht, aber auch Vata wird durch die häufigen Stürme aktiviert. Doch gerade in den Übergängen zwischen den Jahreszeiten geraten die Doshas schnell aus dem Gleichgewicht, viele Menschen haben dann mit leichten Erkältungen, Halsentzündungen oder Erkrankungen der Atemwege zu tun.

Im Ayurveda unterscheiden wir drei Leitsymptome, die jeweils für eine Gruppe von Krankheiten stehen:

  1. Schnupfen (Rhinitis, Pratisyaya) inklusive Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  2. Husten (Kasa)
  3. Asthma (Dyspnoe, Shvasa)

Zur ersten Gruppe gehört auch die Mandelentzündung (Tonsillitis) und die Rachenentzündung (Pharyngitis). Im Ayurveda wird dies Kantharaga, wörtlich „Rötung des Halses“ genannt.

Ursachen für Kantharaga: Lokalisiertes Pitta führt zu Irritation, Heiserkeit und Husten.
Bei den ersten Anzeichen wie leichtes Kratzen im Hals oder Heiserkeit ist das Gurgeln mit Triphala-Tee oder Tee aus getrocknetem Ingwerpulver (stündlich schluckweise getrunken), sehr zu empfehlen. Auch das Kauen auf ein bis zwei Nelken (Lavangadi) kann direkt helfen, da Nelken eine leicht antibiotische Wirkung haben.

Sie sollten sich vor Kälte und Wind schützen und Kopf und Hals warm halten. Vermeiden Sie psychische Belastungen wie Trauer, Besorgnis und Zorn; sehr trockenes Essen und das Unterdrücken der natürlichen Dränge.

Bei Vata bedingtem Schnupfen soll nur warmes Wasser zum Waschen und Trinken benutzt werden. Ölige, saure und warme Speisen sowie Brühe sind zu bevorzugen. Gurgeln Sie mit warmem Salzwasser und vermeiden Sie körperliche Anstrengungen und psychische Belastungen.

Bei Pitta bedingtem Schnupfen werden Ghee, Milch, Gerste, Reis, Weizen, Fleischbrühe von Wildtieren in der Nahrung empfohlen ebenso wie kühlendes und nicht säuerndes Fleisch, bitteres Gemüse und Mung.

Bei Kapha bedingtem Schnupfen sind zunächst alle Milchprodukte zu vermeiden. Trikatu ist sehr empfehlenswert.

Ein Grundsatz der Volksmedizin sagt: „Ein Mensch heilt am besten durch das, was in seiner Umgebung wächst.“ Denn was mit denselben Nährstoffen, Lichtquellen und Temperaturen zurechtkommen muss wie wir selbst, ist uns biologisch ähnlich – und kann deshalb gut aufgenommen werden. Unsere heimischen Pflanzen haben einen weiteren Vorteil: Sie sind sehr gut erforscht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde ein gewaltiger Schatz an Erkenntnissen und Erfahrungen gesammelt, den wir nach ayurvedischen Prinzipien einsetzen können. Bei gerötetem Hals (Kantharaga) empfehlen sich zwei bewährte heimische Pflanzen.

Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Der Odermennig wird auch „Sängerkraut“ genannt, denn besonders Redner und Sänger pflegen die Stimme mit Odermennig-Tee. Er wirkt wegen seiner hohen Anteile an Gerbstoffen hemmend bei Entzündungen und gegen die Entwicklung von schädlichen Mikroorganismen in den Schleimhäuten. Seine Bitterstoffe wirken appetit- und gallenanregend sowie allgemein kräftigend. Flavonoide wirken entzündungs-hemmend und antibiotisch. Begleitstoffe sind ein wenig ätherisches Öl, Kieselsäure, Schleimstoffe. Die Gesamtheit aller Inhaltsstoffe macht die arzneiliche Wirkung aus.

Die ayurvedischen Eigenschaften sind:

Geschmack (Rasa): zusammenziehend, bitter
Energie (Virya): sita (kühlend)
Wirkung nach der Verdauung (Vipaka): katu (scharf)
Wirkung auf die Doshas: Pitta und Kapha reduzierend und Vata leicht erhöhend

Indikationen:

Rachenentzündungen, Überanstrengung oder Entzündung der Stimmbänder, alle Erkrankungen des Kehlkopfes, Heiserkeit, Magensäuremangel, Verdauungsstörungen nach fettreichem Essen, leichter Durchfall

Zubereitung eines Tees:

1 TL Odermennigkraut mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen; täglich 3 Tassen trinken, bis die Beschwerden abklingen Diese Teemischung ist auch zum Gurgeln geeignet.

Tinktur:

20g getrocknetes Odermennigkraut in 100 ml 70% Alkohol geben, 10Tage ziehen lassen, abseihen, vor der Anwendung mit 2-3 Teilen Wasser verdünnen, mit dieser Lösung 3-4 mal täglich gurgeln.

Berichte über die Heilkraft des Odermennigs sind schon aus der Antike überliefert. Heute verschwindet er aus der freien Natur vor allem infolge des Chemieeinsatzes in der Land- und Forstwirtschaft. Deshalb beginnt man, ihn für die Drogengewinnung zu kultivieren. Er gehört weiterhin hierzulande zu den wichtigsten Drogen.

Salbei (Salvia officinalis)

Salvia kommt von salvere, heilen. Die Heilkunde des Altertums und des Mittelalters schätzte den Salbei und gebrauchte ihn häufig. In China wurde Salbei schon um 3ooo v. Chr. heilkundlich erwähnt. Die keltischen Druiden glaubten sogar, dass Salbei Tote zum Leben erwecken könnte.

Wirkstoffe: ätherisches Öl, Gerbstoffe, Bitter-stoffe, Flavonoide. Die Inhaltsstoffe wirken desinfizierend und zusammenziehend.

Die ayurvedischen Eigenschaften sind:

Eigenschaft (Guna): leicht
Geschmack (Rasa): zusammenziehend, bitter, scharf
Wirkung (Virya): sita (kühlend)
Wirkung nach der Verdauung (Vipaka): scharf
Doshas: Kapha- und Vata-reduzierend, Pitta erhöhend
Spezifische Wirkung (Prabhava): schweißhemmend, Herz beruhigend

Heilwirkungen bei: Halsentzündungen, grippalen Infekten, Rachen- und Zahnfleischentzündungen, Blähungen, Darmentzündungen, Durchfall, beim Abstillen (Milchfluss hemmend), bei übermäßiger Schweißabsonderung (Hyperhydrosis) und Magenentzündungen.

Rezepte für Halsentzündung und Heiserkeit

Kauen eines Salbeiblattes wirkt gegen Mundgeruch
Tee: 1 EL frische oder getrocknete Salbeiblätter mit ¼ Liter heißem Wasser übergießen. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, täglich 2-3 Tassen trinken oder gurgeln, bis die Beschwerden nachlassen.
Tinktur: 20g getrocknete Salbeiblätter mit 100 ml 60-70 % Alkohol mischen, 10 Tage stehen lassen, abseihen und in eine Tröpfchenzählflasche füllen. Vor der Anwendung mit 2 Teilen Wasser verdünnen.
Gurgeln: mit Kamille 1:1 gemischt

Nebenwirkungen: In der Schwangerschaft sollte Salbei nicht innerlich eingenommen werden. Auch stillende Mütter sollten auf Salbei verzichten, da die Pflanze den Milchfluss hemmt. Größere Mengen Salbei können zu Schwindel-anfällen, Herzjagen und Mundtrockenheit führen. Hauptverantwortlich für diese Beschwerden ist das Salbeiöl Thujon.
Ayurveda Journal 19 · Seite 20 – 21

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Ute von Scherenberg
Ute von Scherenberg hat eine Ausbildung in ayurvedischer Heilkunde, Ernährung, Massage, Frauen- und Kinderheilkunde und Phytotherapie; Yogalehrerin BDY/EYU. Lebt auf einem kleinen Bauernhof am Rande des Ruhrgebietes. In ihrem großen Kräutergarten pflegt sie seit vielen Jahren heimische und ayurvedische Heilkräuter, leitet Kräuterseminare und organisiert Kurwochen und Reisen zum Thema „Ayurveda und Yoga“.