Die Pubertät ist bei vielen Jugendlichen eine Zeit intensiver Pitta-Störungen: Aggressionen und die jugendliche Akne sind ihre Begleiterscheinungen. Auch das Vata ist fast immer vermehrt. Die Teenager schwanken von einem Entschluss zum anderen, und ihre Selbstsicherheit scheint vorübergehend angeschlagen zu sein. Die verschiedenen Ansätze des Ayurveda vermögen auch hier vorzubeugen.

Je mehr die Doshas des Kindes im Gleichgewicht gehalten werden, desto weniger müssen negative Begleiterscheinungen auftreten.

Dominieren in der Pubertät Vata-Störungen, neigt Ihr Kind zu schnell und häufig wechselnden Stimmungen, redet schnell und schwankt ständig in seiner Meinung. Es ist schnell erschöpft, mit sich selber unzufrieden und „zickig“. Es nörgelt auch bei kleinen Anlässen, vorzugsweise an den eigenen Eltern, herum. Gleichzeitig ist es ängstlich und übersensibel, weint leicht und ist phasenweise extrem anlehnungsbedürftig.

Auch das berühmt-berüchtigte Kichern der Backfische zeigt ein Übermaß an Vata; die jungen Mädchen lachen über alles und jedes, und sei der Grund auch noch so klein. Hat der Jugendliche mehr mit einer Ansammlung des Pitta-Dosha zu kämpfen, ist er ungeduldig, schnell reizbar und neigt zum Aufbrausen. Seine Argumente trägt er mit Vehemenz und stärkster Überzeugungskraft vor und duldet keine Widerrede. Er kritisiert und ärgert sich schneller und heftiger als vor Beginn der Pubertät. Nach einem Wutanfall beruhigt er sich in der Regel relativ schnell.

Die Geschlechter unterscheiden sich

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Vergleicht man die beiden Geschlechter miteinander, haben Männer im Verhältnis eine größere Dominanz von Pitta, Frauen zeigen im Schnitt mehr Vata-Merkmale. Das gleiche finden Sie auch während der Pubertät wieder: Nicht von ungefähr bezeichnet man Jungen in der Pubertät als Halbstarke, die imponieren und sich durchsetzen wollen und „den starken Mann markieren“, mit einem Wort, ihr Pitta schießt über das Ziel hinaus. Mädchen neigen eher zu Vata-Störungen, Kichern, Weinen, ängstlich und nörgelig sein.

Doshas und die Seelenachterbahn

Hilfreich ist es natürlich, wenn der Heranwachsende mit den Begriffen der drei Doshas etwas anfangen und sie mit Inhalt füllen kann. Eltern und Kinder verstehen dann, dass es sich um ein vorübergehendes Ungleichgewicht handelt und nicht um plötzlich auftauchende „negative Charakterzüge“ des vorher so geliebten Sprösslings. Ein Ungleichgewicht kann man im Übrigen ausgleichen, wodurch Eltern und Kinder aus der passiven Rolle des Erleidens und Abwarten-Müssens in die aktive Rolle übergehen können.

Der subtile Kampf Eltern gegen Kind, der an den Nerven der Jugendlichen nicht weniger als an denen der Erwachsenen zerrt, kann zugunsten einer neuen Gemeinsamkeit aufgegeben werden: Beide Seiten tauschen sich darüber aus, wie gestörte Doshas ausgeglichen werden können. Außerdem ist es wesentlich entlastender, den Ausbruch eines Jugendlichen und vielleicht auch den darauf folgenden von Vater oder Mutter als „Pitta-Attacke“ einzuordnen und sich anschließend mit einigem Abstand darüber zu amüsieren, statt sich ständig Sorgen darüber machen zu müssen, ob das Kind nun einen bisher verborgenen schlechten Charakter zur Schau stellt. In vielen Punkten werden Sie feststellen, dass Ihr Sprössling gerne daran mitarbeitet, seine Doshas auszugleichen. Schließlich ist er selbst der erste, der sich in seiner eigenen Haut wohler fühlt, wenn es gelingt.

Druckfreie Strategien

Die Zeit der Pubertät ist wichtig und sinnvoll als seelische Abnabelung von der Meinung der Eltern. Daher müssen die Jugendlichen fast zwangsläufig eine andere Meinung als die ihrer Eltern annehmen. Es ist die Probe vor dem wirklichen Start ins eigene Leben. Nicht selten müssen in dieser Phase alle Ratschläge der Eltern, und seien sie noch so gut gemeint, erst einmal abgelehnt werden.

Aber auch hier sind balancierte und selbstsichere Eltern häufig äußerst kreativ. Eine meiner Patientinnen war eine solche findige Mutter. Wenn sie für sich etwas Neues entdeckt hatte, das ihr gut tat und das sie eigentlich auch ganz gerne ihren drei Kindern zwischen 12 und 17 Jahren nahe gebracht hätte, führte sie es zu Hause äußerst geschickt ein. Als sie das erste Mal eine besondere Entspannungsmusik hörte, schloss sie die Wohnzimmertür hinter sich, sagte aber den Kindern, dass sie jetzt Musik hören wolle, und fügte ganz nebenbei hinzu: „Das ist sicher nichts für euch!“ Prompt ging der Widerspruchsgeist in die von ihr gewünschte Richtung: Mit diesem Verhalten ließ sie die Kinder völlig frei, aber die natürliche Neugier war geweckt. Sie konnten dann selbst entscheiden, ob sie sich für die Heilkraft der Klänge interessieren wollten oder nicht. Aber sie mussten nicht von vornherein dagegen sein, nur weil eine fürsorgliche Mutter ihnen sagte: „Ich habe da etwas für euch!“

In diesem Alter kann es einem passieren, dass die Jugendlichen fragen, ob sie vor dem Einschlafen Popmusik oder „Heavy metal“ hören könnten… Viele Kinder in Vegetarier-Familien wollen plötzlich Fleisch essen und andere Gewohnheiten entwickeln, um ihren Schulkameraden und Freunden ähnlicher zu sein. Dann ist die Zeit gekommen, ihnen nochmals die Wirkungen äußerer Faktoren auf ihre Körper-Geist-Einheit liebevoll nahe zu bringen, ihnen aber auch mehr Freiheiten in der eigenen Entscheidung zuzutrauen. Selbst wenn Ihr Teenager Ihren Rat nicht annehmen möchte, lassen Sie ihn gewähren. Haben Sie in seiner frühen Kindheit eine ausgeglichene Basis für seine Persönlichkeit geschaffen, wird er früher oder später auf diese stabile Grundlage zurückkommen.

Selbstverständlich braucht ein Kind in dieser Zeit ganz besonders viel Liebe und Rückhalt bei den Eltern. Ein Vorschlag, diese zu einer lebendigen Realität werden zu lassen: Reservieren Sie Ihrem pubertierenden Sprössling regelmäßig eine Stunde Zeit in der Woche, die Sie nur mit ihm verbringen. Tauschen Sie Ihre eigenen Gefühle und Empfindungen mit ihm aus, und hören Sie sehr bewusst, was er oder sie Ihnen von sich aus erzählt. Nehmen Sie wertschätzend wahr, was Ihr Kind bewegt. In diesen regelmäßigen einfühlenden Ein-Stunden-Gesprächen öffnen sich Mutter und Kind oder Vater und Kind zunehmend. Sie bringen wieder mehr Nähe und Verständnis und bauen eventuell entstandene Spannungen wieder ab.

Die Erfahrungen vieler Familien zeigen, dass auch diese Umstellungszeit im Leben des jungen Menschen durchaus ohne größere Probleme vonstatten gehen kann. Ein junger Mensch, der im inneren Gleichgewicht ist, dessen eigene Meinung von seinen Eltern respektiert wird und der in seiner Kindheit ein gesundes Vertrauen zu seinen Eltern aufgebaut hat, kann auch ohne allzu große Reibungen zu größerer Selbständigkeit und Eigenverantwortung heranwachsen.

Jugendliche-Akne

Ursache ist eine Pitta-Störung, verbunden mit Ama. Was man tun kann: Eine Mischung aus Süßholz, Ashvagandha, und Manjishta reguliert den gestörten Stoffwechsel und heilt von innen. Verschiedene äußerlich aufzutragende Präparate unterstützen die Heilwirkung – je nach Hauttyp, der vom Arzt bestimmt werden muss.

In einer Tasse Wasser eine Mischung aus Triphala und Rosenblütenpulver auflösen, damit morgens und abends das Gesicht waschen. Ama-Reduktion durch halbstündliches Trinken von heißem Wasser pur oder mit Zugabe von Scheibchen der frischen Ingwerwurzel. Der Ayurveda-Therapeut kann zusätzlich Darmreinigungen verordnen. Bitte keinesfalls auf eigene Faust herumexperimentieren, da auch Pubertierende noch in der Aufbauphase sind und nicht geschwächt werden sollen. Eine Pitta-reduzierende Diät gehört natürlich dazu.
Ayurveda Journal 31 · Seite 7 – 9

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Dr. Karin Pirc
Dr. Karin Pirc gründete 1985 das erste deutsche Maharishi Ayurveda Gesundheitszentrum und war bis 1992 dessen ärztliche Leiterin. 1993 eröffnete sie mit Ihrem Mann die Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems und hat mehr als 20.000 Patienten ayurvedisch behandelt. Die promovierte Psychologin und approbierte Ärztin ist vierfache Mutter und erfolgreiche Autorin mehrerer Ayurveda-Bücher. 2007 wurde ihr von der Hakim Ajmal Khan Memorial Society, Neu Delhi, Indien, die Auszeichnung "Bester Ayurveda-Arzt 2006" verliehen.