Mudras sind nonverbale Kommunikations- und Ausdrucksmittel, die aus Handgesten, Fingerbewegungen, Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen bestehen. Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren. Wir interagieren ständig mit uns selbst und allen um uns herum, ob wir sprechen oder nicht. Zwischenmenschliche Kommunikation ist zu über 90 Prozent nonverbal. Mudras helfen uns, in Kontakt mit uns selbst zu treten, uns selbst zu heilen, mit anderen zu kommunizieren, auszudrücken, was in uns vorgeht oder mit der Göttlichkeit in Kontakt zu treten. Ziel ist, unsere Verbundenheit mit der wahren Natur, mit unserem Selbst, zu stärken, indem unser Energiefeld optimiert und ausgeglichen wird.

In der Mudra-Praxis ist der physische Körper, der das Mudra ausführt, der Absender, Inhalt ist das Energiefeld, das wir während des Praktizierens dieses bestimmten Mudras bilden und der Empfänger ist unser Selbst. Mit anderen Worten: Mudras sind Geisteshaltungen, die durch den Körper ausgedrückt werden.

Bedeutung

Die Wurzel des Sanskrit-Wortes Mudra ist „Mud“, was Glückseligkeit, Glück, Vergnügen und Freude bedeutet. Eine andere Bedeutung von Mudra wird durch die Wörter Siegel, Geste, Haltung, Sperre und Symbol beschrieben. Genauer gesagt sind Mudras geschlossene Stromkreise der feinstofflichen Kanäle in physischen und ätherischen Körpern.

Herkunft

Verschiedene indische Yoga-, Tantra- und vedische Schriften berichten über das Ausüben von Hand- und Körper-Mudras, um gesund zu bleiben, sich selbst zu verwirklichen und ein achtsames Bewusstsein zu erlangen. Für mich jedoch sind Mudras so alt sind wie die Menschheit. Seit jeher haben wir Wege gefunden, mit Gesten, Symbolen, Mimik und Geräuschen zu kommunizieren. All diese alten, angeborenen Kommunikationsmethoden sind Mudras. Es gibt keine spezifische Sprache, mit der ein Säugling mit Gesten, Ausdrücken und Geräuschen kommuniziert. Dennoch kennt jeder die Bedeutung dieser Mudras. Sie zu studieren ist wie ein Selbststudium. Wir können uns und andere durch das Studium und die Anwendung von Mudras besser verstehen.

Arten von Mudras

Es gibt verschiedene Klassifikationen von Mudras, z. B. über Rituale oder Tageszeiten. Im Folgenden finden Sie eine grundlegende Klassifikation, die alle Arten von Mudras einschließt.

1. Allgemeine (Vyavharika) Mudras

Dies sind Mudras, die in der täglichen Kommunikation, bei klassischen Tänzen, Ritualen und Zeremonien verwendet werden.

Beispiel: Namaste-Mudra

Namaste = Namaha + te. „Namaha“ bedeutet „Verbeugen, Hingabe, Respekt, Dankbarkeit, Ehrerbietung, Grüße, Anbetung“. „Te“ bedeutet „für Sie“, für die angesprochene Person. Für dieses Mudra bringt man die Handflächen zusammen, wobei auch die Finger dicht aneinander liegen. Es symbolisiert die Verbindung der männlichen und weiblichen Energien in einem Wesen. Indem die linke und rechte Hand zusammenkommen, werden die rechte (männliche) und linke (weibliche) Seite miteinander verbunden.

Verschiedene Handhaltungen des Namaste-Mudra

  • Nah am Herzen: symbolisiert eine Begrüßung/Anerkennung von Gleichgesinnten, des Familien- oder Gemeindemitglieds
  • Nah an der Stirn: Darbringung des individuellen Verstandes, des Egos und des begrenzten Wissens des Selbsts an den Guru, Meister, Lehrer oder Mentor
  • Nah an den Nasenlöchern: Dankbarkeit für das kosmische Prana, Einladung des kosmischen Prana in den individuellen Körper
  • Über den Kopf gestreckt: Grüße an die kosmischen Naturkräfte wie Sonne, Mond, Feuer und Raum
  • Über dem Kopf ruhend: Gruß an die verwirklichten Wesen

Absicht und Zweck des Namaste-Mudra

  • die Anwesenheit der anderen Person anzuerkennen
  • die Gegenwart des Göttlichen in sich selbst und im anderen anzuerkennen
  • Einheit im Universum
  • Einheit und Gleichheit in der Schöpfung des Schöpfers
  • Dankbarkeit gegenüber dem Spender von Segen, Lehren und Wünschen
  • Darbringung des individualisierten Geistes an den kollektiven Geist
  • Einladung an die Götter und Göttinnen in einem vedischen Ritua
  • Herzensgaben

2. Therapeutische (Chikitsaka) Mudras

Dies sind spezielle Hand-Mudras, die als Therapie zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit von Körper, Geist und Atem eingesetzt werden. Beispiele sind die fünf Elemente (Pancha Mahabhutas) und fünf lebenswichtigen Winde (Pancha Pranas).

3. Spirituelle (Adhyatmika) Mudras

Dies sind Mudras, die in der Meditation, beim Ausführen von Yoga-Kriyas (Übungen) wie Pranayama (Atemübungen) und Bandhas (energetische Verschlüsse im Körper, um Prana im Körper zu halten, zu regulieren und zu leiten) praktiziert werden. Ebenso beim Mantrasingen und bei der Kontemplation auf Chakren werden spirituelle Mudras verwendet und natürlich auch, um höhere Bewusstseinszustände zu erreichen.

Ein Beispiel: Jnana-Mudra

Jnana = angewandtes Wissen oder Weisheit.
Zum Üben verbindet man das Daumenpolster mit dem Zeigefingerpolster und übt minimalen Druck aus, um den Kontakt aufrechtzuerhalten. Es steht symbolisch für die Vereinigung des universellen Bewusstseins (Daumen) mit dem individuellen Bewusstsein (Zeigefinger). Die restlichen drei Finger bleiben ausgestreckt und symbolisieren, dass ich (das realisierte Wesen) jenseits der drei Geisteszustände (wach, träumend und traumlos schlafend), drei Zeitbindungen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), drei Raumbindungen (hier, dort und dazwischen), drei Körper (physisch, subtil und kausal) und drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) bin. Ich bin die Vereinigung und Auflösung aller möglichen Teilung, Trennung, Selbstwerdung und Pluralität. Ich bin Yoga.

Hintergrundwissen über die Mudras

Wie der physische Körper hat der feinstoffliche Körper ein eigenes Nervensystem oder Kanäle, die Prana (Lebensenergie) transportieren. In der yogischen Tradition werden diese Kanäle Nadis genannt. Mudras helfen, einige dieser Kanäle von Stoffwechselabfällen und der Anhäufung von physischer, emotionaler und karmischer Belastung zu befreien.

Mudras und Yoga

Mensch heißt auf Sanskrit „Prani“, ein Prana-Wesen. Prana ist die ursprüngliche Lebenskraft, die subtile Energie hinter allen Körper Geist- und Sinnes- Funktionen und deren Koordination. Es wird durch Nahrung, Sonnenschein, Flüssigkeiten und den Atem aufgenommen. Prana bestimmt auch die Entwicklung höherer Bewusstseinszustände. Die pranische Kraft befindet sich im Körper als die fünf Ströme oder Winde: Prana (Atmung), Apana (Ausscheidung und Fortpflanzung), Samana (Verdauung und Stoffwechsel), Vyana (Zirkulation und Fortbewegung) und Udana (Wahrnehmung, Erkennung und Unterscheidung). Sie üben ihre Funktionen an ihrem spezifi schen Sitz in unserem Körper aus. Eine Störung im Fluss wirkt sich auf die Funktionen des physischen Körpers aus. Bestimmte Daumen-Finger-Kombinationen helfen, die Blockade eines lebenswichtigen Luftstroms zu verringern, zu erhöhen oder zu lösen.

Mudras und Ayurveda

Gemäß Ayurveda besteht der menschliche Körper aus fünf Elementen, die durch die vier Finger und den Daumen dargestellt werden.

Ringfinger: Erde
Kleiner Finger: Wasser
Daumen: Feuer
Zeigefinger: Luft
Mittelfinger: Äther

Die Menge, die proportionale Verteilung und die Harmonie dieser Elemente in den Zellen bestimmen die körperliche, geistige und emotionale Gesundheit eines Menschen. Die vier Finger und der Daumen sind die Triggerbereiche dieser fünf Elemente. Die Effekte von Druck auf verschiedene Bereiche des Daumens und der Finger lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Durch Berührung des Fingerspitzenpolsters mit dem Daumenspitzenpolster können wir das Element ausbalancieren und einen gesunden Fluss erzeugen.
  • Legen wir den Daumen an den Fingeransatz, können wir das Element reinigen und stärken.
  • Man kann ein Element verringern, indem man den Finger zur der Mitte der Handfl äche einrollt und mit dem Daumen auf die Oberseite drückt.