Heilfasten

„Fasten ist so alt wie die Völker der Erde“, schrieb 1935 Otto Buchinger in seinem Buch „Das Heilfasten“ und berücksichtigte dabei die drei Dimensionen des Menschen (medizinisch, psychosozial und spirituell). Buchinger-Fasten unter Einsatz spezieller Fastengetränke (Wasser, Tee, Gemüsebrühe, Obst- oder Gemüsesäfte sowie Honig) zählt heute zu den am häufgsten angewandten Fastenmethoden.

In den Leitlinien zur Fastentherapie der Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e.V. wird das Fasten als „freiwilliger Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit“ defniert.

Voraussetzungen hierfür sind:

  • eine ausreichende (mind. 2,5 Liter pro Tag) kalorienfreie Flüssigkeitszufuhr (Mineralwasser, Tee) sowie natürliche Anteile in flüssiger Form wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig, max. 2.100 KJ (ca. 500 kcal) pro Tag,
  • die Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm, Leber, Nieren, Lungen und Haut,
  • das Einstellen eines Gleichgewichts zwischen Bewegung und Ruhe sowie
  • ein sorgfältiger Kostaufbau und die Hinführung zu einem gesünderen Lebensstil.

Die Angebote reichen von Heilfastenkuren in spezialisierten Kliniken und Gesundheitshotels über Fastenwanderungen und Klosteraufenthalte bis hin zum Heimfasten in Eigenregie.

Wie steht der Ayurveda zum Heilfasten und worauf sollte besonders geachtet werden?

Fakt ist:

Fasten wird im Ayurveda Langhana genannt und zählt zu den gewebereduzierenden Therapiemaßnahmen. Diese kommen vor allem bei Fülle-Syndromen wie Übergewicht, Wasser- und Schleimansammlungen sowie bei Verdauungs- und Stoffwechselstörungen zum Einsatz.

Vor allem Kapha-Konstitutionen und Menschen mit Agni-Mangel können davon proftieren. Bei hohem Vata rät der Ayurveda hingegen von derartigen Reduktionsmaßnahmen ab, da diese zu einer körperlichen und geistigen Schwächung beitragen können.

Das Verdauungs- und Körperfeuer Agni verbrennt Nahrung zu Energie. Unsere Nahrung lässt sich mit dem Brennholz eines Feuers vergleichen – je kleiner und trockener das Holz, desto stärker wird die Flamme. Je größer und feuchter das Holz, desto schwächer wird die Flamme. Ist das Holz verbrannt und wird nicht nachgelegt, erlischt die Flamme.

Langes Null-Fasten schwächt daher Agni und ist mit ayurvedischen Richtlinien nicht zu vereinbaren. Kurzzeitfasten über 1–3 Tage mit heißem Wasser und Ingwertee kann hingegen ayurvedisch zum Abbau von Ama (Verdauungsrückständen) eingesetzt werden.

Fazit:

Fasten ist nicht gleich Fasten – ayurvedisches Fasten berücksichtigt immer den körperlichen
Status von Agni, Dosha, Dhatu (Gewebe), Mala (Ausscheidung) und Srotas (Zirkulation)
sowie den geistigen Zustand des Fastenden und wird maßgeschneidert zusammengestellt.
Flüssige Nahrung als Suppenkost verbunden mit heißen Getränken entlastet Verdauung und Stoffwechsel, ohne Agni zu schwächen. Die Suppen können je nach Bedarf aus Gemüse, Mungdhal und leichtem Getreide zusammengestellt werden. Lassen Sie Ihre persönliche ayurvedische Fastenkur von einem erfahrenen Therapeuten individuell planen und genießen Sie das Ergebnis eines gereinigten Körpers, geklärten Geistes und gesteigerten Energieniveaus.

Erschienen im Ayurveda Journal 50

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Das Ayurveda Journal beschäftigt sich in dieser Ausgabe als Titelthema mit dem Schwerpunkt “Strahlende Haut”.

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